Italien und Türkei wollen Öcalan-Streit beenden
Brüssel (Reuters) - Italien und die Türkei wollen ihren durch
die Verhaftung des kurdischen Guerrilla-Chefs Abdullah Öcalan entstandenen
Streit beilegen. Die
Außenminister beider Staaten bekräftigten nach einer Unterredung
am Rande des Nato-Außenministertreffens am Dienstag in Brüssel,
es sei an der Zeit, den infolge
des Streits um Öcalan entstandenen Schaden im Verhältnis
beider Länder zueinander zu begrenzen. In der Türkei rief ein
prominenter Industrieller zur Einstellung der
Boykottaktionen gegen Italien auf.
Italiens Außenminister Lamberto Dini sagte, beide Staaten wollten
zum freundschaftlichen Klima zurückkehren, das sie bis zur Verhaftung
Öcalans vor knapp einem
Monat in Rom verbunden habe. Dinis türkischer Kollege Ismail Cem
wandte sich allerdings gegen eine Internationalisierung und Politisierung
des Falls Öcalan, den
die türkische Regierung als Terroristen einstuft. Die türkische
Regierung sei gegen die Einbeziehung des Europarates oder der Vereinten
Nationen in den Fall, sagte
Cem.
Öcalan hatte nach seiner Einreise einen Antrag auf politisches
Asyl in Italien gestellt, der derzeit geprüft wird. Insbesondere die
Weigerung, den PKK-Chef in die
Türkei auszuliefern, hatte zu antiitalienischen Ausfällen
in der Türkei geführt. Der amtierende Ministerpräsident
Mesut Yilmaz hatte Italien mit "ewiger Feindschaft"
gedroht. Italien hatte geltend gemacht, daß seine Verfassung
die Auslieferung eines Menschen in ein Land verbietet, in dem noch immer
die Todesstrafe gilt.
Im türkischen Bursa warnte der Chef der Koc Holding, Rahmi Koc,
vor den wirtschaftlichen Folgen von Boykottmaßnahmen für die
Türkei. Die Italiener hätten die
Botschaft, die mit den Protesten der türkischen Unternehmen verbunden
worden sei, verstanden, sagte Koc der Nachrichtenagentur Anatolien. Eine
Fortsetzung der
Boykottmaßnahmen könne sich als ein "Schuß in den
eigenen Fuß" erweisen. Der türkische Mischkonzern Koc und der
italienische Fiat -Konzern sind an dem
größten Automobilhersteller in der Türkei, Tofas, beteiligt.
rin
Mittwoch, 9. Dezember 1998, 14:52 Uhr
Italienische Regierung prüft Anklage gegen Öcalan in Italien
Rom (dpa) - Die italienischen Behörden prüfen derzeit die
rechtlichen Grundlagen für einen Prozeß gegen PKK-Führer
Öcalan. Das machte Außenminister Dini
heute im römischen Parlament deutlich. Wenn sich die schweren
Anschuldigen gegen Öcalan erhärten sollten, sei Italien zu einer
Anklage beinahe verpflichtet, sagte
Dini. Öcalan wurde unterdessen in seiner römischen Wohnung
von französischen Justizbeamten vernommen. Dabei geht es um den Verdacht,
daß die PKK in
Frankreich Schutzgelder eingetrieben haben soll.
Rom erwägt Prozeß gegen Öcalan in Italien
Rom (AP) Rom wird dem in Italien festgehaltenen PKK-Chef Abdullah Öcalan
nach den Worten von Außenminister Lamberto Dini möglicherweise
selbst den
Prozeß machen. Grundlage sollten dann die deutschen Vorwürfe
gegen Öcalan sein, dem die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Mord und
Rädelsführerschaft in einer
terroristischen Vereinigung vorwirft. «Obwohl die erste Reaktion
der Türkei negativ war, verfolgen wir diesen Weg weiter mit Deutschland»,
sagte Dini am Mittwoch
vor dem Senat in Rom. Italien könne den Prozeß gemäß
eines Protokolls des Europarats von 1972 durchführen, das die Verlegung
eines Verfahrens von einem
Staat in einen anderen gestattet.
Die Türkei hat die Auslieferung des Chefs der kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) gefordert. Italienische Gesetze verbieten jedoch die Auslieferung
von Verdächtigen
an Länder, in denen die Todesstrafe gilt. Die Bundesregierung
hat wegen befürch-SPARE-Q CBT bc-CHECK 00-00 00000CHECK 12-09-98 2000GMTteter
Ausschreitungen zwischen Kurden und Türken in Deutschland auf
eine Auslieferung Öcalans verzichtet. Nach einem deutsch-italienischen
Vorschlag soll sich Öcalan
vor einem internationalen Gerichtshof verantworten, den es allerdings
bislang nicht gibt. Die EU befürwortet einen Prozeß in einem
Drittland. Öcalan wurde am 12.
November in Rom festgenommen. Er hat in Italien Asyl beantragt.