Montag, 7. Dezember 1998, 23:33 Uhr
Kreise - Französischer Richter verhört Öcalan
Rom (Reuters) - Ein französischer Richter ist nach Angaben aus
kurdischen Kreisen am Montag nach Rom gereist, um den PKK-Chef Abdullah
Öcalan zu
verhören. Italienische Nachrichtenagenturen meldeten, Öcalan
solle zu einer Erpressung in Zusammenhang mit der Finanzierung der Kurdischen
Arbeiterpartei
(PKK) befragt werden. Das Verhör habe unter Anwesenheit von Öcalans
Anwalt in einer Villa bei Rom stattgefunden, in der Öcalan derzeit
unter Hausarrest stehe,
verlautete aus kurdischen Kreisen.
Öcalan war im November in Rom aufgrund eines deutschen Haftbefehls
festgenommen worden. Deutschland hat aus Gründen der inneren Sicherheit
auf eine
Auslieferung verzichtet. An die Türkei will Italien den PKK-Chef
aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht ausliefern, da ihm dort die
Todesstrafe droht. Die
Bundesregierung bemüht sich nun zusammen mit Italien, Öcalan
vor einen internationalen Gerichtshof zu stellen.
Die Türkei lastet Öcalan den Tod von etwa 30.000 Menschen während des 14jährigen Kampfes für einen Kurdenstaat im Südosten der Türkei an.
Montag, 7. Dezember 1998, 17:58 Uhr
EU für Prozeß gegen Öcalan vor internationalem Gerichtshof
Brüssel (dpa) - Die Europäische Union unterstützt einen
Prozeß gegen den kurdischen Separatistenführer Öcalan vor
einem internationalen Gerichtshof. Das sagte
ein österreichischer Sprecher bei einem Treffen der EU-Außenminister
in Brüssel. Der Chef der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK
hält sich derzeit in Rom
auf. Die Türkei fordert die Auslieferung Öcalans. Deutschland
hat auf eine Auslieferung verzichtet, obwohl auch hier ein Haftbefehl vorliegt.
Öcalan wird die
Ermordung Abtrünniger vorgeworfen.
Montag, 7. Dezember 1998, 23:33 Uhr
EU unterstützt europäische Lösung bei Öcalan
Brüssel (Reuters) - Die Europäische Union (EU) unterstützt
nach Angaben eines österreichischen Sprechers Bemühungen, den
in Italien festgesetzten PKK-Chef
Abdullah Öcalan vor ein europäisches oder internationales
Gericht zu stellen. Ein Sprecher des österreichischen Außenministers
und EU-Ratspräsidenten Wolfgang
Schüssel sagte am Montag in Brüssel am Rande eines EU-Außenministertagung,
es werde eine entsprechende Erklärung geben. Zudem solle darin erklärt
werden,
daß die EU den Kampf gegen den Terrorismus unterstütze.
Dies gelte auch für die PKK. Zudem stelle sich die EU hinter Italien.
Italien und Deutschland hatten eine europäische Lösung im
Fall Öcalan vorgeschlagen. Öcalan war am 12. November auf der
Grundlage eines deutschen Haftbefehls
in Italien festgenommen worden. Deutschland hat aber auf seine Auslieferung
verzichtet, um den Rechtsfrieden in der Bundesrepublik nicht zu gefährden.
Italien
weigert sich seinerseits, Öcalan an die Türkei zu überstellen,
weil ihm dort die Todesstrafe drohe. Der 49jährige wird in der Türkei
für den Tod Tausender Menschen
während des Kampfes der PKK für einen unabhängigen Staat
verantwortlich gemacht.
Dienstag, 8. Dezember 1998, 16:51 Uhr
Türkei erneuert Kritik an deutscher Türkei-Politik
Mainz (AP) Der designierte türkische Ministerpräsident Bülent
Ecevit hat die Kritik an der Haltung der deutschen Regierung in der Öcalan-Frage
erneuert. Bonns
Haltung, keinen Prozeß gegen Pkk-Führer Abdullah Öcalan
in Deutschland führen zu wollen, sei unglücklich und unannehmbar,
sagte er am Dienstag im
ZDF-Magazin «Frontal». Sicherheitsbedenken dürften
rechtsstaatliche Prinzipien nicht außer Kraft setzen.
Ecevit wandte sich auch strikt gegen den Vorschlag von Bundesaußenminister
Joschka Fischer und des italienischen Außenministers Lamberto Dini,
eine europäische
Initiative zur Haltung der Kurdenfrage zu starten. «Wenn sich
ausländische Mächte einmischen, kann dies zu einem ernsthaften
Problem werden», sagte er. Die
türkische Regierung werde nicht zulassen, daß andere Länder
über die türkische Innenpolitik entschieden. Die Türkei
brauche keine ausländischen Moderatoren, um
ihre internen Probleme zu lösen.