Bundesinnenminister Otto Schily ist gegen eine Aufhebung des Verbots der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Deutschland. Er erteilte damit der Forderung von Politikern der Grünen und der PDS eine Absage.
“Die PKK ist eine Organisation, in der ein unkalkulierbares, militantes
Gefährdungspotential steckt”, erklärte Schily am Dienstag in
Bonn. Viele der PKK-Führungsfunktionäre seien wegen terroristischer
Straftaten verurteilt, begründete Schily seine Position gegen eine
Aufhebung des PKK-Verbots in Deutschland. Die “Gewaltorientierung” der
Organisation zeige sich “auch in zahlreichen Fällen von Spendengelderpressung”.
UNION SPRICHT VON “SPIEL MIT DEM
FEUER”
Die CDU/CSU-Opposition im Bundestag lehnte ebenfalls eine Zulassung
der PKK entschieden ab. Ihr innenpolitischer Sprecher Erwin Marschewski
sagte, dies wäre “ein Spiel mit dem Feuer”. Öcalan habe Deutschland
neben der Türkei als “Kriegsgegner Nr. 2” bezeichnet, sagte Marschewski.
Die Bundesrepublik dürfe nicht zum Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen
werden.
Abgeordnete der Grünen und der PDS hatten sich dafür ausgesprochen,
das PKK-Verbot aufzuheben und eine politische Lösung des Problems
in der Türkei zu unterstützen. Die Chancen seien größer
als je zuvor, nachdem sich PKK-Führer Abdullah Öcalan in Italien
befinde, erklärte die Grünen-Politikerin Angelika Beer. Sie forderte,
Öcalan vor einen Europäischen Gerichtshof zu stellen und ihn
weder der Türkei noch Deutschland zu überlassen. Beer warf der
vorherigen Bundesregierung vor, sie habe das PKK-Verbot 1993 in enger Absprache
mit der Türkei ausgehandelt. Dies habe den Konflikt zwischen Türken
und Kurden im Heimatland sowie in Deutschland verschärft. Die Regierung
in Ankara und ihr Militär hätten nach dem Verbot der PKK ihre
menschenverachtende Politik gegen die Kurden öffentlich rechtfertigen
können.
Nach Angaben der PDS-Politikerin Ulla Jelpke sind im blutigen Kampf
in der Türkei 3000 kurdische Orte zerstört worden. Wer eine friedliche
Beilegung des fast 15 Jahre dauernden Konfliktes in Kurdistan wolle, müsse
auch von der Türkei “ein deutliches Signal für die Aufnahme von
Friedensgesprächen fordern”.
Beer und Jelpke unterstützten eine Petition mit 10.000 Unterschriften,
die das Kurdistan Informations-Zentrum Köln dem zuständigen Bundestagsausschuß
zugeleitet hat. Darin fordern Bundesbürger und Persönlichkeiten
aus Politik, Kultur, Kirche und Gewerkschaften einen Dialog über die
PKK statt deren Verbot.
YILMAZ KRITISIERT BONN
In einer Rede vor türkischen Parlamentsabgeordneten forderte Yilmaz,
Deutschland und Italien sollten Öcalan entweder an die Türkei
ausliefern oder ihm aber selbst den Prozeß machen, statt ihn wie
angekündigt vor ein internationales Gericht zu stellen. “Das mindeste,
was man tun kann, ist sicherzustellen, daß seine Verbrechen nicht
unbestraft bleiben”, sagte Yilmaz. In Anspielung auf die Weigerung der
Bundesregierung, Öcalans Auslieferung zu verlangen, sagte er: “Man
stellt einen Haftbefehl aus für Verbrechen, die auf dem eigenen Territorium
begangen wurden, und schreckt dann davor zurück, ihm den Prozeß
zu machen. Was ist das für ein Rechtsstaat?”
(zdf, 2.12.98)