D'Alema- Türkei wohl gegen fairen Öcalan-Prozeß
Rom (Reuters) - Italiens Ministerpräsident Massimo D'Alema hat
die Vermutung geäußert, die Türkei wolle kein faires Gerichtsverfahren
gegen den Chef der
verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan. Sie
habe sich gegen den Vorschlag ausgesprochen, Öcalan vor ein internationales
Gericht zu
stellen, sagte D'Alema am Samstag im Fernsehen. Daher habe er den Verdacht,
daß die Regierung in Ankara gar keinen korrekten Prozeß wolle.
Die Außenminister
Deutschlands und Italiens, Joschka Fischer und Lamberto Dini, hatten
zuvor bei einem Treffen in Rom erklärt, sie wollten alle Anstrengungen
unternehmen, damit
Öcalan vor Gericht komme.
Öcalans Antrag auf politisches Asyl in Italien müsse sehr
gründlich geprüft werden, weil ihm sowohl in der Türkei
als auch in Deutschland Terrorakte vorgeworfen
würden, sagte D'Alema. Wenn sein Antrag erfolglos sei und er nicht
vor ein internationales Gericht gestellt werden könne, müsse
Öcalan ausgewiesen werden, da er
illegal nach Italien eingereist sei.
Italien hat die Auslieferung Öcalans an die Türkei abgelehnt,
weil ihm dort die Todesstrafe drohe. Die Bundesregierung will aus Gründen
der inneren Sicherheit auf
einen Auslieferungsantrag verzichten. Öcalan war am 12. November
auf der Grundlage eines deutschen Haftbefehls festgenommen worden und steht
zur Zeit unter
Hausarrest.
Sonntag, 29. November 1998, 06:52 Uhr
Fischer und Dini - Öcalan vor Gericht stellen
Rom (Reuters) - Deutschland und Italien haben am Samstag ihre Absicht
bekräftigt, den in Rom festgesetzten PKK-Chef Abdullah Öcalan
vor Gericht stellen zu
lassen. Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein italienischer
Kollege Lamberto Dini vereinbarten bei einem Treffen in Rom zudem, eine
europäische Initiative
zur Lösung des Kurden- Konfliktes in der Türkei anzustoßen.
In deutschen Städten demonstrierten Tausende Türken für
eine Auslieferung Öcalans an die Türkei.
Die kurdische Nachrichtenagentur DEM meldete den Abschuß eines
Armeehubschraubers durch die PKK in der Türkei mit 17 Toten.
In einer Erklärung nach dem Treffen Fischers mit Dini hieß
es, beide hätten sämtliche Aspekte des Falls Öcalan besprochen.
Sie wollten gemeinsam alle
Anstrengungen unternehmen, damit Öcalan vor Gericht gestellt werde.
Deutsche und italienische Experten sollen in der kommenden Woche in Rom
über Einzelheiten
der geplanten europäischen Initiative zum Kurden-Konflikt beraten.
Sie sollen zudem eine engere Anbindung der Türkei an die Europäische
Union (EU) erörtern.
Die Türkei stellte in Italien einen offiziellen Antrag auf Öcalans
Auslieferung.
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte am Freitag nach einem Treffen
mit dem italienischen Ministerpräsidenten Massimo D'Alema erklärt,
Deutschland wolle aus
Gründen der inneren Sicherheit auf einen Auslieferungsantrag verzichten.
Öcalan war am 12. November auf der Grundlage eines deutschen Haftbefehls
festgenommen worden und steht zur Zeit unter Hausarrest.
In einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Focus" begrüßte
Öcalan den Verzicht der Bundesregierung. Nach seinen Worten hätte
ein Verfahren in
Deutschland das Kurden-Problem nicht lösen können. Dazu bedürfe
es einer europaweiten Lösung.
Bei den Demonstrationen in München, Berlin, Nürnberg und Bonn
gingen nach Polizeiangaben etwa 18.000 Türken auf die Straße.
In Sprechchören riefen sie unter
anderem "PKK - Terrorist, Italien - Terrorist". Italien hat Öcalans
Auslieferung an die Türkei abgelehnt, weil ihm dort die Todesstrafe
drohe. Der 49jährige wird in
der Türkei für den Tod Tausender Menschen während des
Kampfes der PKK für einen unabhängigen Staat verantwortlich gemacht.
Bei dem Abschuß eines "Sikorsky"-Hubschraubers in der Türkei
seien 17 Soldaten ums Leben gekommen, meldete die in Deutschland ansässige
DEM unter
Berufung auf die PKK. Nach Angaben eines Militärvertreters in
Diyarbakir wurden bei dem Absturz nahe der irakischen Grenze 15 Soldaten
getötet und einer
verletzt. In Sicherheitskreisen hieß es, die Ursache werde noch
untersucht.