Türken demonstrieren für Auslieferung Öcalans
(Bilder später)
Protestmärsche in München, Nürnberg, Berlin und Bonn
München/Berlin (AP) Mehr als 15.000 Türken haben am Samstag
in verschiedenen deutschen Städten für eine Auslieferung und
Bestrafung des in Italien
festgehaltenen PKK-Führers Abdullah Öcalan demonstriert.
In München nahmen nach Polizeiangaben rund 6.500 Menschen an einem
Protestmarsch teil, in
Nürnberg rund 5.000, in Berlin und Bonn jeweils etwa 3.500. Alle
Kundgebungen verliefen zunächst friedlich. Dem Chef der verbotenen
Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) werden in der Türkei terroristische Anschläge zur Last
gelegt. Die Bundesregierung hat trotz eines Haftbefehls gegen Öcalan
auf eine Auslieferung verzichtet.
Die von türkischen Fahnen beherrschte Veranstaltung in der Münchner
Innenstadt wurde organisiert vom Koordinierungsrat türkischer Vereine.
Die Demonstranten
wandten sich gegen das Verhalten der italienischen Regierung. Die Münchner
Grünen hatten zuvor vor einer Eskalation der türkisch-kurdischen
Spannungen in der
Landeshauptstadt gewarnt.
Zu dem Protestmarsch in Berlin hatte ein breites Bündnis türkischer
Verbände verschiedenster politischer Richtung aufgerufen. Für
eine befürchtete kurdische
Gegendemonstration gab es keine Anzeichen. Die Polizei, die bis zu
20.000 Teilnehmer erwartet hatte, war nach Angaben von Innensenator Eckart
Werthebach mit
900 Beamten im Einsatz und hielt Verstärkung bereit. Im Inforadio
Berlin-Brandenburg appellierte der CDU-Politiker an die Demonstranten,
friedlich zu bleiben und
sich nicht provozieren zu lassen. Ein Vertreter der türkischen
Sozialdemokraten in Berlin forderte im gleichen Sender, Öcalan müsse
vor Gericht gestellt werden, egal
in welchem Land.
Die strafrechtliche Verfolgung und rechtsstaatliche Verurteilung des
Kurdenführers verlangten auch die Demonstranten in Bonn-Bad Godesberg.
Der Freiheitliche
Türkisch-Deutsche Freundschaftsverein erklärte, eine Auslieferung
nach Deutschland hätte wegen der großen Zahl von Türken
und Kurden die innere Sichereit der
Bundesrepublik «massiv gefährdet». Solange die rechtsstaatlichen
Voraussetzungen in der Türkei nicht geschaffen seien, müsse dem
PKK-Chef auf europäischer
Ebene der Prozeß gemacht werden.
Samstag, 28. November 1998, 14:04 Uhr
Stichwort: Internationale Gerichtshöfe
Frankfurt/Main (AP) Der PKK-Führer Abdullah Öcalan soll sich
nach einem Vorschlag der Bundesregierung vor einem internationalen Gericht
verantworten. Die
bereits existierenden Gerichtshöfe sind allerdings nicht zuständig.
Die Einrichtung eines ständigen Weltgerichtshofs haben die Vereinten
Nationen zwar beschlossen;
bis es seine Arbeit aufnehmen kann, dürfte es nach Meinung von
Experten aber noch Jahre dauern.
In der Tradition der Nürnberger Prozesse gegen die NS-Kriegsverbrecher
gründete der UN-Sicherheitsrat 1993 und 1994 zwei Strafgerichte in
Den Haag und im
ruandischen Arusha. Die Gerichte urteilen über Völkermord,
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in den Bürgerkriegen
in Exjugoslawien
seit 1991 und in Ruanda im Jahr 1994 begangen wurden. Schuldig gesprochen
wurden inzwischen viele Täter aus unteren und mittleren Rängen.
Aber auch der
ehemalige ruandische Ministerpräsident Jean Kambanda wurde wegen
Völkermordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
In Rom vereinbarten 120 Staaten im Juli 1998 die Schaffung eines ständigen
Weltgerichtshofs. Das Tribunal in Den Haag soll in Zukunft Verbrechen gegen
die
Menschlichkeit, Völkermord, Kriegsverbrechen wie etwa Vergewaltigung
oder die Rekrutierung Minderjähriger sowie das Führen eines Angriffskriegs
aburteilen.
Höchststrafe ist lebenslange Haft. Die 18 Richter werden aus unterschiedlichen
Staaten kommen. Das Gericht wird über eine unabhängige Anklagebehörde,
Ermittlungsrichter und eine Berufungsinstanz verfügen. Der Gerichtshof
wird aber nur tätig werden können, wenn ein Land den Tatverdächtigen
nicht selbst vor ein
eigenes Gericht stellen kann oder will. Bei Kriegsverbrechen kann es
nur tätig werden, wenn die Tat in einem Unterzeichnerstaat geschehen
ist oder der Verdächtige
aus einem solchen Land stammt.
- Der neue Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wurde
am 3. November in Straßburg eröffnet. Er ersetzt die Menschenrechtskommission
des Europarats.
Die Bürger aus 40 europäischen Staaten können sich unmittelbar
an diesen Gerichtshof wenden, wenn sie sich von einem Staat in ihrem Recht
verletzt fühlen und sie
den nationalen Rechtsweg ausgeschöpft haben. Die 40 Richter kommen
aus 40 Staaten.
Samstag, 28. November 1998, 13:53 Uhr
Fischer zu Antrittsbesuch in Rom
Bonn (AP) Bundesaußenminister Joschka Fischer ist am Samstag zu
eintägigen politischen Gesprächen nach Rom geflogen. Auf seinem
«seit langem geplanten»
Antrittsbesuch werde Fischer mit dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo d'Alema und Außenminister Lamberto Dini zusammenkommen, erklärte
eine
Sprecherin des Auswärtigen Amtes auf Anfrage. Dem Vernehmen nach
stehen europapolitische Themen sowie die Lage im Kosovo im Mittelpunkt
der Beratungen.
Auch die Zukunft des sich in Rom aufhaltenden Kurdenführers Abdullah
Öcalan und Fischers Haltung zur Strategie der Nato dürfte Gegenstand
der Erörterungen
sein, hieß es. Fischer wird am Samstag abend in Bonn zurückerwartet.
Samstag, 28. November 1998, 12:46 Uhr
SPD-Fraktion begrüßt Öcalan-Entscheidung
Bonn (Reuters) - Der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion,
Dieter Wiefelspütz, hat die Entscheidung der Regierungen Deutschlands
und Italiens
begrüßt, den in Rom unter Hausarrest gestellten PKK-Chef
Abdullah Öcalan einem internationalen Gerichtshof zu überantworten.
Im DeutschlandRadio Berlin sagte
Wiefelspütz am Samstag, man wolle nicht, daß der Konflikt
zwischen Kurden und Türken auf deutschem Boden gewaltsam ausgetragen
werde. Wenn eine
Alternative etwa in Gestalt eines solchen Gerichts gesucht werde, dann
sei das weder Kneifen noch Weichheit.
Es handele sich vielmehr um eine kluge staatsmännische Entscheidung im Interesse des Rechtsfriedens in Deutschland wie auch in Italien, sagte der SPD-Politiker.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte am Freitag mitgeteilt,
die Bundesregierung werde nicht die Auslieferung Öcalans beantragen,
der aufgrund eines
deutschen Haftbefehls in Italien festgenommen worden war. Wegen "befürchteter
Störungen des Rechtsfriedens" habe man nicht anders entscheiden können,
sagte
Schröder nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema in Bonn. Angestrebt werde nun, den Kurdenführer vor
einen europäischen
Gerichtshof zu stellen. Zudem solle sich die EU um die friedliche Lösung
des Kurden-Konflikts in der Türkei bemühen. Nach den Worten D'Alemas
bleibt Öcalan
bis zum 22. Dezember in Italien in Polizeiobhut.
Samstag, 28. November 1998, 12:43 Uhr
Rätselraten um internationales Gericht für Öcalan
Türkei und Völkerrechtler äußern Zweifel - PKK will keine Kindersoldaten mehr rekrutieren
Ankara/Frankfurt (AP) Die Türkei hat den Vorschlag Italiens und
Deutschlands, PKK-Chef Abdullah Öcalan vor ein internationales Gericht
zu stellen, als
Scheinlösung abgelehnt. Das Außenministerium in Ankara erklärte
am Freitag abend: «Diese Initiative ist völlig leer und entbehrt
jeder Grundlage.» Auch Juristen
äußerten Zweifel. Kai Ambos vom Max-Planck-Institut für
Völkerrecht in Freiburg sagte im ZDF: «Es ist nicht ganz klar,
wie das funktionieren soll.» Der italienische
Hausarrest für den Kurdenführer läuft am 22. Dezember
aus. Die PKK kündigte unterdessen an, künftig keine Jugendlichen
unter 16 Jahren mehr als
Guerillakämpfer zu rekrutieren.
Das türkische Außenministerium erklärte, der PKK-Chef
sei türkischer Staatsbürger und habe in der Türkei terroristische
Anschläge zu verantworten. Deshalb
müsse er sich vor einem türkischen Gericht verantworten.
Ein internationales Gericht sei nicht akzeptabel.
Der Freiburger Völkerrechtler Ambos sagte im ZDF-»heute-journal»,
die internationalen Strafgerichtshöfe, die es bereits gebe, seien
nicht zuständig. Der im Sommer
von den UN-Mitgliedsstaaten beschlossene Weltgerichtshof gegen Völkermord,
Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen sei noch lange
nicht
arbeitsfähig. Eine weitere Frage sei auch, in welchem Land Öcalan
vor ein internationales Gericht gestellt werden und aus welchen Staaten
die Richter kommen
sollten.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sagte dem Nachrichtenmagazin
«Focus», bei einer Auslieferung des «Terroristen»
Öcalan in die Bundesrepublik
«käme es zum Krieg zwischen Türken und Kurden auch
in Deutschland». Deshalb sei der am Freitag von Bundeskanzler Gerhard
Schröder erklärte Verzicht richtig
gewesen. «Dennoch dürfen wir nicht die Kleinen hängen
und die Großen laufen lassen, nach dem Motto: Wer für die PKK
mordet, wandert ins Gefängnis, der
Auftraggeber bleibt frei», fügte Özdemir hinzu. Eine
Bestrafung Öcalans «sind wir seinen Opfern schuldig».
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter
Wiefelspütz, sagte im Deutschlandradio Berlin, die Suche nach
einem internationalen Gericht sei «weder Kneifen noch Weisheit, sondern
eine kluge staatsmännische
Entscheidung im Interesse des Rechtsfriedens in Deutschland».
Der Öcalan-Vertraute Akif Hasan sagte «Focus» auf Fragen
nach in Niedersachsen verschwundenen jungen Kurden: «Kinder sollen
nicht für uns kämpfen. Wir
werden ab sofort niemanden mehr unter 16 Jahren akzeptieren.»
Auch deutsche Linksextremisten, die als Partisanen für die PKK kämpfen,
«sollen zurück nach
Deutschland gehen und zu Hause etwas für die kurdische Sache tun».
Samstag, 28. November 1998, 06:51 Uhr
Italienischer Minister - Öcalan-Ausweisung möglich
Rom (Reuters) - Nach dem Verzicht der deutschen Regierung auf einen
Auslieferungsantrag gegen den Chef der Kurden-Guerilla PKK, Abdullah Öcalan,
hat ein
italienisches Regierungsmitglied dessen Ausweisung ins Gespräch
gebracht. Verteidigungsminister Carlo Scognamiglio sagte am Freitag in
Rom, Öcalan sei wegen
eines deutschen Haftbefehls festgenommen worden. Ohne Auslieferungsersuchen
wäre es nur normal, ihn des Landes zu verweisen, weil er auf illegale
Weise
eingereist sei. In welches Land Öcalan ausgewiesen werden solle,
sagte der Minister nicht.
Eine Überstellung Öcalans in die Türkei ist wegen der
dort geltenden Todesstrafe nach der italienischen Verfassung nicht möglich.
Bundeskanzler Gerard Schröder
hatte am Freitag nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema erklärt, wegen befürchteter Störungen des
Rechtsfriedens habe
man auf einen Auslieferungsantrag Öcalans verzichtet.
Statt dessen werde nach Schröders Worten angestrebt, Öcalan
vor einen europäischen Gerichtshof zu stellen. Zudem solle sich die
EU um die friedliche Lösung des
Kurden-Konflikts in der Türkei bemühen. Öcalan war am
12. November in Rom festgenommen worden. Er steht unter Hausarrest.
Samstag, 28. November 1998, 06:51 Uhr
Türkei sieht bessere Aussichten im Fall Öcalan
Ankara (Reuters) - Nach dem Verzicht Deutschlands auf Auslieferung des
in Italien festgesetzten Kurdenführers Abdullah Öcalan ist dessen
Auslieferung an die
Türkei nach Ansicht der türkischen Regierung zwingend. Das
türkische Außenministerium erklärte am Freitag abend, jetzt
gebe es nur noch die Möglichkeit, Öcalan
als türkischen Bürger an die Türkei auszuliefern. Hier
habe er auch die ihm angelasteten Terrorakte begangen. Zuvor hatte Bundeskanzler
Gerhard Schröder in Bonn
nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Massimo
D'Alema erklärt, wegen befürchteter Störungen des Rechtsfriedens
habe man auf eine
Auslieferung Öcalans verzichtet.
Angestrebt wird nach Schröders Worten, PKK-Chef Öcalan vor
einen europäischen Gerichtshof zu stellen. Zudem solle sich die EU
um die friedliche Lösung des
Kurden-Konflikts in der Türkei bemühen. Nach den Worten D'Alemas
bleibt Öcalan bis zum 22. Dezember in Italien in Polizeiobhut.
Das türkische Justizministerium übergab am Freitag ein Anklage-Dossier
von 900 Seiten über Öcalan an das Außenministerium, das
die Auslieferung formell in Rom
beantragen wird.
Samstag, 28. November 1998, 03:59 Uhr
Deutschland will Öcalan nicht
Bonn (Reuters) - Aus Furcht vor kurdischen Protesten in Deutschland
will die Bundesregierung nicht die Auslieferung des in Italien festgesetzten
Kurdenführers
Abdullah Öcalan beantragen. Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) sagte am Freitag in Bonn nach einem Treffen mit dem italienischen
Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema, wegen "befürchteter Störungen des Rechtsfriedens"
habe man nicht anders entscheiden können. Angestrebt werde nun, PKK-Chef
Öcalan vor
einen europäischen Gerichtshof zu stellen. Zudem solle sich die
EU um die friedliche Lösung des Kurden-Konflikts in der Türkei
bemühen. Nach den Worten
D'Alemas bleibt Öcalan bis zum 22. Dezember in Italien in Polizeiobhut.
Der Fall Öcalan hatte in den vergangenen Tagen zu Spannungen in
den deutsch-italienischen Beziehungen geführt. Italiens Außenminister
Lamberto Dini hatte noch
am Donnerstag erklärt, daß Deutschland die Auslieferung
Öcalans beantragen müsse. Schließlich sei Öcalan am
12. November in Rom auch aufgrund eines
deutschen Haftbefehls festgenommen worden. Öcalan wird in Deutschland
für eine Reihe von Morden an PKK-Abtrünnigen verantwortlich gemacht.
Die Entscheidung zu Öcalan sei "eine der schwierigsten" der letzten
Zeit gewesen, sagte Schröder. Er habe D'Alema um Verständnis
gebeten, daß Deutschland
keinen Auslieferungsantrag stellen werde. In keinem europäischen
Land lebten so viele Kurden wie in Deutschland. Aus Sorge um den Rechtsfrieden
habe die
Bundesregierung nicht anders entscheiden können. Es sei darum
gegangen, ob "Konflikte auf deutschem Boden ausgetragen werden oder nicht".
Öcalan solle sich nach dem Willen Deutschlands und Italiens vor
einem europäischen Gerichtshof verantworten, sagte Schröder weiter.
Der Weg dahin sei noch
umstritten. Allerdings sollten noch an diesem Freitag Verhandlungen
darüber beginnen, wie dies machbar sei. Nach Angaben aus Regierungskreisen
wird an ein
eigens für Öcalan zu schaffendes Tribunal gedacht, das international
oder auch rein europäisch besetzt würde. Alle Beteiligten, auch
die Türkei, müßten sich
verpflichten, einem Urteil zu folgen.
D'Alema nannte die Pläne für ein internationales Verfahren
eine "interessante Arbeitshypothese". Italien müsse die deutsche Entscheidung
zur Kenntnis nehmen, die
Auslieferung Öcalans nicht zu beantragen, sagte D`Alema. Schröder
habe zweifelsohne sehr ernstzunehmende Gründe dargelegt. D`Alema fügte
hinzu, es sei nicht
seine Aufgabe, Probleme der öffentlichen Sicherheit und des Rechtsfriedens
in Deutschland zu beurteilen. In Italien könne Öcalan nicht angeklagt
werden, da es
keine Ermittlungen gegen ihn gebe.
Die Außenminister Italiens und Deutschlands sollen darüber
hinaus eine gemeinsame europäische Initiative für einen Dialog
mit der Türkei anstoßen, um eine
friedliche Lösung des Kurdenkonflikts zu erreichen. Dabei dürften
die Auseinandersetzungen zwischen Europa und der Türkei über
die Auslieferung Öcalans aber
nicht weiter eskalieren. Schröder sagte: "Wir wollen einen Prozeß
der Annäherung der Türkei an Europa und nicht das Gegenteil."
Die Tür zur Europäischen Union
müsse für die Türkei offen bleiben. Bundesaußenminister
Joschka Fischer (Grüne) fliegt am Samstag zu einem bereits länger
vereinbarten Treffen mit seinem
italienischen Kollegen Lamberto Dini nach Rom.
D'Alema wie Schröder sagten, eine friedliche Lösung des Kurden-Konflikts
in der Türkei müsse das Recht der Türkei auf territoriale
Integrität wahren. D`Alema
fügte hinzu, daß auch die Rechte von Minderheiten wie den
Kurden geachtet werden müßten. Der Kurden-Konflikt habe negative
Auswirkungen auf ganz Europa.
So kämen in Italien "fast jede Nacht" Hunderte von kurdischen
Flüchtlingen an.
CDU-Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble sagte der "Berliner
Morgenpost", die Entscheidung Schröders sei legitim. Die Bundesregierung
habe offenbar
deutsche Sicherheitsinteressen höher bewertet als rechtsstaatliche
Gesichtspunkte.
Die türkische Regierung in Ankara wollte die Äußerungen
Schröders und D`Alemas zunächst nicht kommentieren. Sie hat bisher
die Auslieferung Öcalans nach
Ankara gefordert. Das türkische Justizministerium übergab
am Freitag ein Anklage- Dossier von 900 Seiten über Öcalan an
das Außenministerium, das die
Auslieferung formell in Rom beantragen soll.
In Bonn protestierten etwa 15.000 Kurden gegen die Festsetzung Öcalans.
In Hamburg demonstrierten etwa 1000 Kurden. Bei den Kundgebungen, die nach
Angaben der Polizei friedlich verliefen, forderten sie die Anerkennung
Öcalans als Repräsentant des kurdischen Volkes, eine internationale
Konferenz zur Lösung
des Kurdenkonflikts und eine Aufhebung PKK-Verbots in Deutschland.
(yahoo, 28.11.98)