In der Türkei gehen unterdessen die Demonstrationen
gegen
italienische Einrichtungen oder auch die Ausschreitungen
gegen
italienische Produkte weiter. Die nationalistisch
ausgerichtete
Presse hetzt die Menschen auf, auf die Straße
zu gehen und Italien
als »terroristisch« zu verunglimpfen.
Ironie der Geschichte:
Nachdem zuerst das italienische Außenministerium
die eigenen
Menschen dazu aufgefordert hat, von nicht dringlichen
Reisen in die
Türkei Abstand zu nehmen, schlug der türkische
Außenminister Ismail
Cem nun in die gleiche Kerbe: »Wir empfehlen
den türkischen Bürgern
warmherzig, sich nicht nach Italien zu begeben,
und jenen, die sich
schon dort befinden, auf die eigene Unversehrtheit
achtzugeben.«
Eine Warnung, die nur unterstreicht, daß das
Regime in Ankara
mittlerweile gemerkt hat, welche Haßstimmung
es zwischen den beiden
traditionell befreundeten Ländern geschaffen
hat. Das für Mittwoch
abend in Istanbul vorgesehene Fußballspiel
zwischen Juventus Turin
und Galatasaray Istanbul ist von der UEFA um eine
Woche verschoben
worden, in der Hoffnung, daß sich bis dahin
die Wogen geglättet
haben.
Regierungschef Massimo D'Alema hat sich inzwischen
in Brüssel die
ausdrückliche Unterstützung der europäischen
Partner für die
italienische Haltung geholt. D'Alema war am Dienstag
mit dem
EU-Kommissionspräsidenten Jacques Santer zusammengetroffen,
von dem
er Maßnahmen gegen Ankara erwartet, bis hin
zu wirtschaftlichen
Sanktionen gegen die Türkei, die die italienischen
Produkte und
Unternehmen boykottiert und so die Handelsabkommen
mit der
Europäischen Union verletze. »Das ist
keine Frage, die Italien und
die Türkei betrifft, wenn, dann ist es eine
Frage, die Europa und
die Türkei betrifft«, so D'Alema. Der
italienische
Ministerpräsident hat an Ankara signalisiert,
daß die türkische
Haltung im Fall Öcalans das »Mißtrauen
Europas gegenüber der
Türkei« stärke, was nichts anderes
heißt, als daß Ankara seine
Aufnahme in die EU verspielen könnte.
Cyrus Salimi-Asl, Rom