junge Welt                       Ausland                      25.11.1998
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    Ankara verurteilt RAI zum Schweigen
    Türkei verbannt italienisches Fernsehen. EU unterstützt Rom
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    Die türkische Regierung läßt nicht locker in ihren Bestrebungen,
    wegen PKK-Chef Abdullah Öcalan anti- italienische Ressentiments zu
    schüren. Am Montag wurden die Sender der staatlichen italienischen
    Rundfunkanstalt RAI und der privaten Mediaset-Kanäle Italia 1 und
    Canale 5 aus dem Kabelnetz Istanbuls verbannt. Eine Maßnahme, auf
    die die italienische Seite mit einer Vergeltung reagiert hat: Das
    angesetzte Fernsehstreitgespräch zwischen Italiens
    Ministerpräsident Massimo D'Alema und seinem türkischen
    Amtskollegen Mesut Yilmaz auf dem Kanal RAI 1 wurde kurzerhand
    abgesagt.

    In der Türkei gehen unterdessen die Demonstrationen gegen
    italienische Einrichtungen oder auch die Ausschreitungen gegen
    italienische Produkte weiter. Die nationalistisch ausgerichtete
    Presse hetzt die Menschen auf, auf die Straße zu gehen und Italien
    als »terroristisch« zu verunglimpfen. Ironie der Geschichte:
    Nachdem zuerst das italienische Außenministerium die eigenen
    Menschen dazu aufgefordert hat, von nicht dringlichen Reisen in die
    Türkei Abstand zu nehmen, schlug der türkische Außenminister Ismail
    Cem nun in die gleiche Kerbe: »Wir empfehlen den türkischen Bürgern
    warmherzig, sich nicht nach Italien zu begeben, und jenen, die sich
    schon dort befinden, auf die eigene Unversehrtheit achtzugeben.«
    Eine Warnung, die nur unterstreicht, daß das Regime in Ankara
    mittlerweile gemerkt hat, welche Haßstimmung es zwischen den beiden
    traditionell befreundeten Ländern geschaffen hat. Das für Mittwoch
    abend in Istanbul vorgesehene Fußballspiel zwischen Juventus Turin
    und Galatasaray Istanbul ist von der UEFA um eine Woche verschoben
    worden, in der Hoffnung, daß sich bis dahin die Wogen geglättet
    haben.

    Regierungschef Massimo D'Alema hat sich inzwischen in Brüssel die
    ausdrückliche Unterstützung der europäischen Partner für die
    italienische Haltung geholt. D'Alema war am Dienstag mit dem
    EU-Kommissionspräsidenten Jacques Santer zusammengetroffen, von dem
    er Maßnahmen gegen Ankara erwartet, bis hin zu wirtschaftlichen
    Sanktionen gegen die Türkei, die die italienischen Produkte und
    Unternehmen boykottiert und so die Handelsabkommen mit der
    Europäischen Union verletze. »Das ist keine Frage, die Italien und
    die Türkei betrifft, wenn, dann ist es eine Frage, die Europa und
    die Türkei betrifft«, so D'Alema. Der italienische
    Ministerpräsident hat an Ankara signalisiert, daß die türkische
    Haltung im Fall Öcalans das »Mißtrauen Europas gegenüber der
    Türkei« stärke, was nichts anderes heißt, als daß Ankara seine
    Aufnahme in die EU verspielen könnte.

    Cyrus Salimi-Asl, Rom