CDU fordert Auslieferung Öcalans an Deutschland
Stuttgart (dpa) - Die CDU hat die rot-grüne Bundesregierung aufgefordert,
in Rom die Auslieferung von PKK-Chef Öcalan zu beantragen. Man dürfe
die Justiz
nicht aus politischen Gründen daran hindern, Recht zu sprechen,
warnte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Rüttgers. Der
SPD-Außenpolitiker Klose
forderte dagegen ein Abwägen der Konsequenzen in der Bundesrepublik.
Die Strafprozeßordnung gebe die Möglichkeit, trotz Haftbefehls
von der Strafverfolgung
abzusehen, sagte Klose im Deutschlandradio Berlin.
Dienstag, 24. November 1998, 13:10 Uhr
Öcalan nach eigenen Angaben von Mossad in Moskau aufgespürt
Moskau (dpa) - Der Kurdenführer Öcalan ist nach eigenen Worten
vom israelischen Geheimdienst Mossad in Moskau aufgespürt worden.
Das sagte der
PKK-Chef in seinem ersten Interview seit der Freilassung durch die
italienischen Behörden. Die Israelis hätten die Information an
die Türkei weitergeleitet. Gegen
Öcalan bestehen in der Türkei und in Deutschland Haftbefehle,
unter anderem wegen Mordes. Italien hat eine Auslieferung an die Türkei
abgelehnt, weil dort die
Todesstrafe gilt. Deutschland hat bisher auf einen Auslieferungsantrag
verzichtet
Dienstag, 24. November 1998, 13:58 Uhr
Yilmaz - Bonn könnte Öcalan-Auslieferung ersuchen
Ankara (Reuters) - Der türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz
rechnet mit einer Änderung der deutschen Haltung zur Auslieferung
des Kurdenführers Abdullah
Öcalan. Bislang hat die Regierung in Bonn erklärt, sie werde
in Italien zunächst keine Auslieferung Öcalans beantragen. Er
habe aber den Eindruck, daß sich diese
Position ändere, sagte sagte Yilmaz am Dienstag in Ankara. Wahrscheinlich
werde Öcalan nach Deutschland oder in ein anderes Land ausgeliefert.
Eine Überstellung
in die Türkei sei aber unwahrscheinlich. Öcalan wird wegen
eines deutschen Haftbefehls in Italien festgehalten.
Der Chef der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) war am 12. November
in Rom festgenommen. Er hat daraufhin Asyl in Italien beantragt. Die Türkei
verlangt seine Auslieferung. Italien darf nach seiner Verfassung aber
niemanden in ein Land ausliefern, wo die Todesstrafe gilt.
Die italienische Regierung wartet jetzt auf ein Auslieferungsgesuch
Deutschlands. Die italienische Regierung hat Deutschland eine Frist bis
kurz vor Weihnachten dafür
gestellt. Die türkische Regierung macht Öcalan für den
Tod von 29.000 Menschen verantwortlich, die in den vergangenen 14 Jahren
im Kampf der Kurden für einen
unabhängigen Staat getötet worden sind.
Dienstag, 24. November 1998, 14:10 Uhr
Deutschland will in Rom keine Auslieferung Öcalans beantragen
Bonn (dpa) - Deutschland wird auch weiterhin keine Auslieferung des
in Rom festgehaltenen Kurdenführers Öcalan beantragen. Außenminister
Fischer bekräftigte
heute in Bonn, daß es zum Thema Öcalan keine neuen Überlegungen
gebe. Die Kritik der CDU an der deutschen Haltung wies Fischer zurück.
Die CDU hatte die
rot-grüne Bundesregierung aufgefordert, in Rom die Auslieferung
zu beantragen. Man dürfe die Justiz nicht aus politischen Opportunitätsgründen
daran hindern,
Recht zu sprechen, sagte der CDU-Innenpolitiker Rüttgers.
Dienstag, 24. November 1998, 14:21 Uhr
USA dringen auf Strafverfolgung Öcalans
Washington (dpa) - Die USA dringen auf Strafverfolgung des in Italien
festgesetzten Kurdenführers Öcalan. Das sei das Ziel intensiver
Gespräche mit den
Regierungen in Rom, Bonn und Ankara, sagte US-Außenamtssprecher
Rubin in Washington. Der Präsident der EU- Kommission, Santer, traf
heute in Brüssel mit
dem italienischen Regierungschef D'Alema zusammen. Nach Angaben des
italienischen Fernsehens drohen der Türkei Sanktionen wegen der Boykottmaßnahmen
gegen italienische Firmen.
Dienstag, 24. November 1998, 15:35 Uhr
Deutschland fordert Einigung über Öcalan zwischen Ankara und Rom
Ankara (dpa) - Deutschland hat die Türkei und Italien zu einer
Einigung über das Schicksal des Kurdenführers Öcalan aufgefordert.
Nach türkischen
Rundfunkberichten informierte Justizministerin Däubler-Gmelin
ihren Amtskollegen Denizkurdu über die Erwartungen Deutschlands. Die
Todesstrafe in der Türkei sei
ein Hinderungsgrund für eine Auslieferung Öcalans dorthin,
sagte Däubler-Gmelin. Außenminister Fischer bekräftigte,
daß Deutschland die Auslieferung Öcalans
nicht beantragen wird. Der PKK-Chef wird in Rom festgehalten.
Dienstag, 24. November 1998, 18:28 Uhr
EU drohen Türkei im Fall Öcalan mit weiterer Isolation
Santer erwägt wegen angedrohtem Boykott eigene Sanktionen - Fischer sieht Konsequenzen für Beitrittswunsch Ankaras
Brüssel/Bonn (AP) Der Konflikt um die Auslieferung von PKK-Chef
Abdullah Öcalan droht die Türkei weiter von einem Beitritt zur
Europäischen Union zu
entfernen. EU-Kommissionspräsident Jacques Santer kündigte
auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema
am Dienstag in Brüssel Sanktionen gegen die Türkei an, sollte
Ankara italienische Waren boykottieren. Bundesaußenminister Joschka
Fischer warnte, Druck auf
EU-Staaten könne die türkischen Perspektiven für einen
EU-Beitritt beinträchtigen.
Santer betonte, ein Boykott italienischer Waren würde Verträge
zwischen Ankara und der EU verletzen. Sollte sich die Türkei für
Sanktionen entscheiden, seien
dringende Gespräche zwischen Brüssel und Ankara geboten.
Bei ausbleibendem Erfolg der Konsultationen wäre die Union gezwungen,
Vergeltung zu üben.
D'Alema warf der türkischen Regierung vor, eine Atmosphäre
der Feindschaft heraufbeschworen zu haben.
Fischer warnte die Türkei in einem Interview der «Frankfurter
Rundschau» (Mittwochausgabe) davor, EU-Mitgliedsstaaten unter Druck
zu setzen, um die
Auslieferung Öcalans zu erzwingen. Er beobachte das Vorgehen Ankaras
«mit großer Sorge». Sollte nicht bald Vernunft einkehren,
könnten die Interessen der
Türkei dauerhaft beschädigt werden. Zugleich verteidigte
Fischer die Haltung der Bundesregierung, vorerst keinen Auslieferungsantrag
für Öcalan zu stellen, und
verwies dabei auf die große Zahl von Türken und Kurden,
die in Deutschland leben.
Dagegen bekräftigte der italienische Außenminister Lamberto
Dini, der Haftbefehl Deutschlands gegen Öcalan verpflichte Bonn, eine
Auslieferung zu beantragen. Ein
Sprecher des Bonner Justizministeriums sagte aber, an der Entscheidung
der Bundesregierung habe sich nichts geändert. Dies habe Justizministerin
Herta
Däubler-Gmelin ihrem türkischen Kollegen Hasan Denizkurdu
in einem Telefongespräch mitgeteilt. Am Freitag wird D'Alema zu einem
Besuch in Bonn erwartet.
Dabei will Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seinem italienischen
Kollegen über das weitere Vorgehen sprechen.
USA prüfen Anklage gegen PKK-Chef
Öcalan war am 12. November in Rom festgenommen und auf richterlichen
Beschluß am vergangenen Wochenende freigelassen worden. Er darf Rom
bis zum 23.
Dezember nicht verlassen. Sollte Deutschland bis dahin keinen Auslieferungsantrag
gestellt haben, ist damit zu rechnen, daß auch diese Auflage gegen
Öcalan
fallengelassen wird. Das italienische Recht untersagt eine Auslieferung
in die Türkei wegen der dort geltenden Todesstrafe. Aus Verärgerung
darüber hat die
Regierung in Ankara scharfe Worte an die Adresse Italiens gerichtet
und mit einem Boykott italienischer Waren gedroht.
In den Konflikt schalteten sich auch die USA ein. In enger Abstimmung
mit Deutschland, Italien und der Türkei prüfe die US-Regierung
die Möglichkeiten, Öcalan
anzuklagen, sagte der Sprecher des Washingtoner Außenministeriums,
James Rubin, am Montag. Es gebe Beweise für die Verwicklung des PKK-Chefs
in
zahlreiche terroristische Straftaten.
Dienstag, 24. November 1998, 22:44 Uhr
Öcalan-Auslieferung laut Beckstein Gefahr für innere Sicherheit
Scholz: «Rechtstaat keine Frage der Bequemlichkeit»
Berlin (AP) Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU)
hat für den Fall der Auslieferung von PKK-Chef Abdullah Öcalan
nach Deutschland vor
möglichen Gefahren für die innere Sicherheit gewarnt. «Obwohl
die PKK in Deutschland verboten ist, kann sie Tausende mobilisieren»,
sagte Beckstein der in Berlin
erscheinenden Tageszeitung «Die Welt» (Mittwochausgabe).
Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, Rupert Scholz (CDU),
sagte derselben
Zeitung dagegen zu Bedenken wegen möglicher PKK-Anschläge
in Deutschland: «Der Rechtsstaat ist keine Frage der Bequemlichkeit».
Beckstein wies darauf hin, daß der jüngste Sitzstreik von
rund 4.000 Menschen in Rom und zahlreiche Hungerstreiks die «Dramatik
der Lage» unterstreichen. Der
CSU-Politiker sprach sich zugleich für eine Auslieferung Öcalans
an die Türkei aus. Für diesen Fall müßten allerdings
der Ausschluß der Todesstrafe und ein faires
rechtsstaatliches Verfahren garantiert werden.
Der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen,
warnte eindringlich davor, Öcalan nach Deutschland zu holen. Dann
bestünde für die «innere
Sicherheit der Bundesrepublik hohe Gefahr», sagte Sen der «Welt».
Seiner Ansicht nach ist es das Ziel des PKK-Chefs, nach Deutschland ausgeliefert
zu werden,
da hier seine «letzte Hochburg» sei. Die PKK-Basen in Syrien
und Ost-Anatolien gebe es praktisch nicht mehr. «In Deutschland hingegen
kann die PKK noch bis zu
20.000 Mann auf die Beine bringen», sagte Sen.