Westfälische Nachrichten 25.11.98

Sozialistische Internationale kritisiert Türkei
Genf (dpa) - Die Sozialistische Internationale hat die Türkei wegen ihrer aggressiven Reaktion auf die Weigerung Italiens, Kurden- Führer Abdullah Öcalan auszuliefern, scharf kritisiert.
«Als Beitrittsanwärter für die Europäische Union ist es inakzeptabel, daß die türkische Regierung zum Boykott italienischer Produkte aufruft und das Volk zu Schikanen und öffentliche Demonstrationen gegen Italien ermuntert»,heißt es in einer Erklärung, die der Rat der Sozialistischen Internationale (SI) am Dienstag in Genf verabschiedete.
Jeder, dem Terrorismus vorgeworfen werde, müsse sich in einem fairen Prozeß verantworten, meint der SI-Rat. Italien verkörpere den Geist der Europäischen Union und der internationalen sozialistischen Familie, wenn es die Auslieferung an ein Land ablehne, in dem die Todesstrafe nicht abgeschafft sei.
Der SI-Rat bot an, zwischen Italien und der Türkei zu vermitteln, um den Streit beizulegen. Die Resolution war einstimmig angenommen worden, auch mit den Stimmen der Vertreter der türkischen Republikanischen Volkspartei unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Erdal Inönü. In der Sozialistischen Internationale sind 131 sozialistische und sozialdemokratische Parteien aus aller Welt zusammengeschlossen.