Öcalan: Anhänger sollen Selbstverbrennungen beenden
Appell nach mehreren Aktionen
Rom/Ankara (AP) Der in Italien inhaftierte PKK-Führer Abdullah
Öcalan hat seine Anhänger aufgefordert, nicht weiter mit Selbstverbrennungen
gegen seine
Festnahme zu protestieren. Erst am Mittwoch hatte sich ein Kurde, der
mit 500 Landsleuten vor dem Militärkrankenhaus in Rom demonstrierte,
in dem sich Öcalan
aufhalten soll, mit Benzin übergossen und angezündet. «Wenn
Ihr Eure Loyalität beweisen wollt, müßt Ihr sofort mit
solchen Handlungen aufhören», erklärte Öcalan.
In ganz Europa protestieren Kurden gegen die Festnahme des Führers
der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK). In Moskau starb ein Kurde, der sich
am Dienstag aus
Protest gegen die Festnahme Öcalans selbst verbrannt hatte. Ein
weiterer Kurde, der sich ebenfalls vor dem Gebäude der Duma mit einer
brennbaren Flüssigkeit
übergossen und angezündet hatte, war in kritischem Zustand.
In der russischen Hauptstadt setzten etwa 100 Kurden ihren Hungerstreik
fort.
Der türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz forderte am Mittwoch
in Ankara erneut die Auslieferung des PKK-Chefs, der in Italien politisches
Asyl beantragt hat.
Öcalan wurde vergangene Woche in Rom nach seiner Einreise festgenommen.
Die Türkei macht ihn für die 37.000 Toten des Aufstands der PKK
seit 1984
verantwortlich.
Yahoo! Schlagzeilen Donnerstag, 19. November 1998, 07:05 Uhr
USA plädieren für die Auslieferung Öcalans
Washington (Reuters) - Die US-Regierung ist dafür, daß der
in Italien festgenommene PKK-Chef Abdullah Öcalan an die Türkei
ausgeliefert wird. Die
amerikanische Regierung sei der Auffassung, dem Extremisten-Chef müsse
der Prozeß in der Türkei gemacht werden, da die meisten der
ihm angelasteten
terroristischen Verbrechen auf türkischem Boden begangen worden
seien, erklärte der Sprecher des US- Außenministeriums, James
Rubin, am Mittwoch in
Washington. Die USA hofften, es werde in Übereinstimmung mit dem
internationalen und dem italienischen Recht ein Weg gefunden, Öcalan
an die Türkei zu
überstellen.
Bislang hatten die USA sich nicht eindeutig für die Position der
türkischen Regierung erklärt, sondern lediglich wissen lassen,
man halte in Washington eine
Auslieferung und ein Gerichtsverfahren gegen den Chef der verbotenen
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) für geboten.
Skeptisch äußerte sich der Sprecher in Washington zu Berichten,
wonach Öcalan Terror und Gewalt inzwischen abgeschworen habe. Das
habe Öcalan auch schon
in der Vergangenheit erklärt, und doch habe die PKK ihre terroristischen
Handlungen fortgesetzt, sagte Rubin. In den USA bestehe kein Zweifel daran,
daß Öcalan
ein Terrorist sei und ihm deshalb auch kein Asyl zustehe.
Zuvor hatte es einen scharfen Wortwechsel zwischen dem türkischen
Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz und dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo
D'Alemma gegeben. Wenn Italien die Auslieferung ablehne, unterstütze
es damit den Terrorismus, hatte Yilmaz erklärt und gedroht, dies würde
in der Türkei niemals
vergessen. D'Alema wies diesen Vorwurf entschieden als nicht hinnehmbar
zurück. Italien halte sich im Fall Öcalan an die rechtsstaatlichen
Prinzipien, unterstrich
D'Alemma.
Yahoo! Schlagzeilen Donnerstag, 19. November 1998, 08:49 Uhr
SPD-Politiker Penner für Auslieferung Öcalans nach Deutschland
Berlin (AP) Nach dem CDU-Politiker Rupert Scholz hat auch der SPD-Innenexperte
Willfried Penner eine Auslieferung des in Rom festgenommenen Kurdenführers
Abdullah Öcalan nach Deutschland gefordert. Da ein deutscher Haftbefehl
gegen den Chef der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) vorliege, bleibe der
Bundesregierung gar nichts anderes übrig, als die Auslieferung
Öcalans zu beantragen, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses
der «Berliner
Zeitung» (Donnerstagausgabe).
Penner erklärte, der Strafanspruch des Staates müsse durchgeetzt
werden. Der SPD-Politiker erinnerte an vergleichbare Fälle und sagte,
es gehe darum, die
rechtsstaatlichen Prinzipien beizubehalten. «Die Bundesrepublik,
die für sich in Anspruch nimmt, in vorderster Reihe gegen gegen den
internationalen Terrorismus zu
kämpfen, verlöre nicht nur an Glaubwürdigkeit, sondern
würde auch attraktiv für das internationale Schwerverbrechen
werden, wenn sie nicht ihren rechtsstaatlichen
Prinzipien gemäß handelte», warnte Penner.
Yahoo! Schlagzeilen Donnerstag, 19. November 1998, 14:00 Uhr
Türkische Veranstalter sagen Italien-Reisen ab
Istanbul (Reuters) - Türkische Touristikunternehmen haben am Donnerstag
Reisen nach Italien abgesagt, um der Forderung nach einer Auslieferung
des PKK-Chefs
Abdullah Öcalan Nachdruck zu verleihen. Der Verband der türkischen
Reiseveranstalter (Tursab) teilte mit, die Reisen würden solange abgesetzt,
bis der Anführer
der kurdischen Arbeiterpartei PKK in das Land überstellt werde,
in dem er seine Verbrechen begangen habe. Die türkischen Reiseveranstalter
hätten zudem
Zeitungsanzeigen für Italien-Reisen zurückgezogen.
Die italienische Regierung gerät wegen des in der vergangenen Woche
in Rom verhafteteten PKK-Chefs immer stärker unter Druck türkischer
Wirtschaftsverbände.
Der wichtige Handelspartner warnte bereits vor Boykott- Maßnahmen.
Grund ist die kritische Haltung der italienischen Regierung gegenüber
der Forderung der
Türkei, Öcalan auszuliefern. Dort wird der 49jährige
für den Tod von fast 30.000 Menschen verantwortlich gemacht, die während
des seit 14 Jahren andauernden
Kampfes der PKK für einen Kurdenstaat im Südosten des Landes
ums Leben kamen.
Yahoo! Schlagzeilen Donnerstag, 19. November 1998, 16:04 Uhr
Beziehungen Italien-Türkei auf Tiefstand
Ankara/Rom (Reuters) - Eine Woche nach der Festnahme von PKK-Chef Abdullah
Öcalan in Rom haben die Beziehungen zwischen der Türkei und Italien
einen
Tiefstand erreicht. Sie stünden vor dem Zusammenbruch, lautete
die Schlagzeile der italienischen Zeitung "La Stampa" vom Donnerstag. Die
türkische Regierung
macht Öcalan für den Tod von fast 30.000 Menschen verantwortlich
und fordert seine Auslieferung. Italien lehnt das wegen der Todesstrafe
in der Türkei ab.
Ankara hatte am Vortag erklärt, wenn Italien sich weigere, unterstützte
es damit den Terrorismus. Die USA unterstützen die Forderung der Türkei.
Vor den diplomatischen Vertretungen Italiens in der türkischen
Hauptstadt Ankara und in Istanbul demonstrierten am Donnerstag Tausende
Menschen für die
Auslieferung des Chefs der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Vor dem
Konsulat in Istanbul rief eine Menschenmenge in Sprechchören. "Italien,
gib uns Apo".
Unter diesem Namen ist Öcalan vielen bekannt. Die türkische
Presse unterstützte die Kampagne. In der Zeitung "Hürriyet" hieß
es, Italien bereite sich darauf vor,
"den größten Mörder und Rauschgifthändler" unter
seinen Schutz zu stellen. Die Forderung des Blattes "Sabah" lautete: "Das
Ungeheuer, das für den Tod von
30.000 Menschen verantwortlich ist, muß ausgeliefert werden."
Türkische Touristikunternehmen strichen ihre Reisen nach Italien.
Sie würden solange abgesetzt, bis der PKK-Chef in das Land überstellt
werde, in dem er seine
Verbrechen begangen habe, teilte der Verband der türkischen Reiseveranstalter
mit.
Öcalan hat in Italien politisches Asyl beantragt. Seine PKK kämpft seit 14 Jahren für einen eigen Kurdenstaat im Südosten der Türkei.
Auf die Vorwürfe des türkischen Ministerpräsidenten Mesut
Yilmaz reagierte der italienische Regierungschef Massimo D'Alema verbittert
und sagte, sein Land
verwahre sich dagegen, im selben Atemzug mit dem Terrorismus genannt
zu werden. Im übrigen gehe das Problem Öcalan alle Europäer
an und müsse daher auf
europäischer Ebene gelöst werden. Italien erwarte dafür
Solidarität. In Rom kamen erneut rund 4000 Kurden aus ganz Europa
zusammen, um friedlich für die
Freilassung Öcalans zu demonstrieren.
Die amerikanische Regierung sei der Auffassung, Öcalan müsse
der Prozeß in der Türkei gemacht werden, da die meisten der
ihm angelasteten terroristischen
Verbrechen auf türkischem Boden begangen worden seien, sagte ein
Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Die USA hofften,
es werde in
Übereinstimmung mit dem internationalen und dem italienischen
Recht ein Weg gefunden, Öcalan an die Türkei zu überstellen.
Die Bundesregierung hat bisland noch nicht entschieden, ob sie die Auslieferung
Öcalans beantragen soll, gegen den in Deutschland ein Haftbefehl wegen
Mordes
vorliegt. In Regierungskreisen hieß es, es werde eine Erklärung
in dieser Angelegenheit vorbereitet, um die Haltung der Regierung deutlich
zu machen. Sie werde
voraussichtlich am Freitag bekanntgegeben.
Yahoo! Schlagzeilen Donnerstag, 19. November 1998, 22:56 Uhr
Streit zwischen Türkei und Italien eskaliert
Ankara/Rom (Reuters) - Der türkische Ministerpräsident Mesut
Yilmaz hat am Donnerstag ein Gesprächsangebot der italienischen Regierung
über den Fall des in
Rom inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan abgelehnt. Damit ist
der Streit zwischen beiden Ländern um die von der Türkei geforderte
Auslieferung Öcalans
weiter eskaliert. In der Türkei begannen Geschäftsleute mit
dem angedrohten Boykott italienischer Waren. Die österreichische EU-Präsidentschaft
lehnte eine
Einschaltung in den Konflikt der beiden Länder ab. Italiens Justizminister
ordnete an, daß Öcalan bis auf weiteres in Italien unter Arrest
gestellt bleibt.
Am Mittwoch hatte Yilmaz dem italienischen Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema vorgeworfen, sich durch die verweigerte Auslieferung Öcalans
praktisch zum
Gesinnungsgenossen kurdischer Terroristen zu machen. D'Alema hatte
diese Bemerkung als unfreundlichen Akt zurückgewiesen, aber laut Meldung
der türkischen
Nachrichtenagentur Anatolien signalisiert, er sei gleichwohl bereit,
sich mit Yilmaz vor einem türkisch- italienischen Fußballspiel
in Istanbul zur Aussprache zu treffen.
Darauf habe Yilmaz geantwortet: "Wenn er sprechen will, dann soll er
nach Ankara kommen."
Die Türkei argumentiert, der Chef der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) müsse an die Türkei ausgeliefert werden, weil ihm dort
der Prozeß gemacht
werden solle, wo er seine Taten begangen habe. Die Türkei will
Öcalan, dessen PKK seit Jahren für einen autonomen Kurdenstaat
im Südosten der Türkei kämpft,
einen Hochverratsprozeß machen. Öcalan wird von der Türkei
für den Tod von 29.000 Menschen während des Kurden-Konflikts
verantwortlich gemacht. Italien
hatte die Verweigerung der Auslieferung damit begründet, daß
in der Türkei nach wie vor die Todesstrafe verhängt wird.
Am Mittwoch hatten sich allerdings auch die USA für eine Auslieferung
Öcalans ausgesprochen. Unklar war weiterhin, ob Deutschland, wo ein
Haftbefehl gegen
Öcalan vorliegt, einen Auslieferungsantrag stellen wird.
Italiens Justizminister Oliviero Diliberto ordnete am Donnerstag an,
daß der in Rom festgenommene kurdische Extremisten-Chef vorläufig
weiter in Gewahrsam
bleibt. Der Minister habe ein Gericht angewiesen, Öcalan unter
Arrest zu halten, ihn aber nicht in ein Gefängnis zu verlegen, erklärte
eine Sprecherin des Ministers in
Rom. Öcalan hält sich vermutlich in einem Krankenhaus in
Rom auf.
Türkische Touristikunternehmen sagten unterdessen Reisen nach Italien
ab, um der Forderung nach einer Auslieferung des PKK-Chefs Nachdruck zu
verleihen.
Türkische Markthändler warfen italienische Obstlieferungen
auf den Boden und trampelten wütend darauf herum. Die türkische
Supermarktkette Migros erklärte, sie
stoppe bis auf weiteres italienische Investitionsgüter. Die Vereinigung
der türkischen Schuh-Industrie, die 250 Firmen vertritt, kündigte
einen Boykott von
italienischen Schuhen, italienischem Leder und Fertigungsmaschinen.
Auch die Istanbuler Juweliersvereinigung kündigte einen Boykott italienischer
Importe an.
Die Europäische Union (EU) lehnte eine Einschaltung in den Streit
ab. Aus der Umgebung des österreichischen Ratspräsidenten Wolfgang
Schüssel verlautete in
Brüssel, es sei sehr schwierig, in dieser Frage eine gemeinsame
Position aller EU-Staaten zu erreichen. Der Fall Öcalan sei ein bilaterales
Problem zwischen der
Türkei und Italien, und es liege bei den Regierungen, damit klarzukommen.
In der Türkei wurden am Donnerstag der Chef der Hadep, der einzigen
zugelassenen Kurden-Partei der Türkei, sowie rund 250 Parteianhänger
festgenommen. Zur
Begründung hieß es, die Partei habe den landesweiten Hungerstreik
zur Unterstützung Öcalans mitorganisiert. Im Lauf der Woche waren
bereits über 500 Personen
bei Durchsuchungen von Parteibüros verhaftet worden. Die Hadep
strebt eine friedliche Lösung im Kurden-Konflikt an. Gegen die Verhaftung
Öcalans, der in Italien
politisches Asyl sucht, demonstrieren seit Tagen Kurden in ganz Europa.
Yahoo! Schlagzeilen Freitag, 20. November 1998, 12:06 Uhr
Demirel warnt Europa vor Unterstützung der PKK
Ankara (Reuters) - Der türkische Präsident Süleyman Demirel
hat die Staaten Europas vor einer Unterstützung militanter kurdischer
Separatisten gewarnt. Die
Türkei werde kein Land abtreten, selbst wenn es zu einem Krieg
kommen sollte, sagte Demirel in am Freitag veröffentlichten Interview
mit türkischen Zeitungen. Ein
solcher Krieg werde nicht lang dauern. Dies sollten die Staaten im
Westen nicht vergessen, wenn sie verlangten, daß die Türkei
Land abtrete. Der in Rom
festgenommene Chef der kurdischen Untergrundorganisation PKK, Abdullah
Öcalan, hatte Italien zur Vermittlung im Kurden-Konflikt aufgerufen.
Die Türkei fordert von Italien die Auslieferung Öcalans. Beobachter
gehen jedoch davon aus, daß Italien das Ersuchen vermutlich ablehnen
werde. Auch in
Deutschland gibt es ein Haftbefehl gegen den PKK-Chef, es wurde bisher
jedoch keine Auslieferung beantragt. Die PKK kämpft für einen
Kurdenstaat im Südosten
der Türkei.
Freitag, 20. November 1998 12:10 Uhr
Bundesregierung verzichtet auf Auslieferung Öcalans an Deutschl.
Bonn (vwd) - Die Bundesregierung verzichtet bis auf weiteres auf eine
Auslieferung des in Italien festgenommenen Chefs der Arbeiterpartei Kurdistans
(PKK),
Abdullah Öcalan, an Deutschland. Die Regierung werde keinen Auslieferungsantrag
an Italien stellen, sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Freitag
vor
Journalisten in Bonn. Heye verwies darauf, daß die türkische
Regierung sich bereits nachhaltig um die Auslieferung Öcalans bemühe
und in diesem Zusammenahng
auch prüfe, Schritte zur Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei
einzuleiten.
Auch aus der Sicht der Bundesregierung hätten die türkischen
Aspekte der Öcalan zur Last gelegten Taten besonderes Gewicht, sagte
Heye weiter. Er erinnerte
auch daran, daß der PKK-Chef seinerseits in Italien politisches
Asyl beantragt hat. Weiter verwies Heye auf Äußerungen des italienischen
Ministerpräsidenten
Massimo D'Alema vor dem Parlament in Rom, wonach dieser Fall Ansatzpunkte
für eine politische Verständigung über das Kurdenproblem
bieten könnte.
"Angesichts dieser Tatsachen und Entwicklungen stellt die Bundesregierung
ein deutsches Auslieferungsersuchen zurück", sagte Heye.
Freitag, 20. November 1998, 12:28 Uhr
Bonn: Deutschland verzichtet auf Auslieferung Öcalans / zwei
Hoffen auf friedliche Lösung des Kurdenkonflikts
Heye betonte zwar, aufgeschoben sei nicht aufgehoben, doch wich er der
Frage aus, was geschehe, wenn Italien dem PKK-Chef politisches Asyl gewähren
sollte.
Er wies darauf hin, daß der Fall jenseits der Auslieferungsforderung
eine «vielschichtige politische Problematik» umfasse. Dazu
gehörten Entwicklungen hin zu einer
friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts, die vielleicht durch Äußerungen
des italienischen Ministerpräsidenten Massimo D'Alema eingeleitet
sein könnten.
Die Bundesrepublik wolle auch Italien nicht unter Druck setzen, erklärte
Heye. Er zeigte sich überzeugt, daß der sehr komplexe Vorgang
bei der italienischen
Regierung in guten Händen sei, und appellierte an alle Beteiligten
zur gebotenen Zurückhaltung, um rechtsstaatliche Prozesse nicht zu
stören. Zugleich bekräftigte er
den Willen der Bundesrepublik, den Terrorismus zu bekämpfen und
dessen Wurzeln auszutrocknen.
Der Regierungssprecher begrüßte, daß in der Türkei
eine Diskussion um die Abschaffung der Todesstrafe begonnen habe. Er könne
nicht bestätigen, daß drohende
Ausschreitungen in Deutschland bei der Entscheidung eine Rolle gespielt
hätten. Der Generalbundesanwalt sei an den Gesprächen vor der
Entscheidung
«angemessen beteiligt» gewesen. Heye sagte, er habe keine
Hinweise, daß diese dort nicht mitgetragen werde.
Heye unterstrich, die Bundesregierung unterstütze alles, was helfe,
den Kurdenkonflikt friedlich zu lösen. Auf eine entsprechende Frage
sagte er, es gebe derzeit
keine Überlegungen, das Verbot der PKK in Deutschland aufzuheben.
Freitag, 20. November 1998, 13:56 Uhr
Öcalan auf freiem Fuß
Deutschland verzichtet auf Auslieferung des Kurdenführers - Neuer Haftbefehl der Bundesregierung
Rom/Bonn/Ankara (AP) Der Kurdenführer Abdullah Öcalan ist
am Freitag von einem römischen Gericht vorerst auf freien Fuß
gesetzt worden mit der Auflage, die
italienische Hauptstadt nicht zu verlassen. Zugleich gab die Bundesregierung
in Bonn den zumindest vorläufigen Verzicht auf eine Auslieferung des
Chefs der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) bekannt.
In Italien wird derzeit das Asylgesuch Öcalans geprüft. Die
Türkei, in der noch die Todesstrafe verhängt werden kann, hat
die Auslieferung des Mannes gefordert.
Die italienischen Gesetze verbieten die Auslieferung in einen Staat,
in dem einem Verurteilten die Todesstrafe droht. Der Fall hat daher zu
Spannungen zwischen
Ankara und Rom geführt.
Der PKK-Chef wurde seit seiner Einreise nach Italien am vergangenen
Donnerstag in einem Militärkrankenhaus in Rom festgehalten. Vor dem
Gebäude hatten
tagelang zahlreiche Kurden aus ganz Europa demonstriert. In der Türkei
gab es unterdessen Proteste gegen Öcalan. Erst am Donnerstag wurde
ein Handelsboykott
für italienische Waren angedroht.
In Bonn wies Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye vor Journalisten darauf
hin, daß Öcalan von der Türkei wegen mehrerer Morde im
Zusammenhang mit der
Aktivität der PKK gesucht werde, von Deutschland hingegen wegen
eines Mordes. Die türkischen Aspekte hätten auch aus deutscher
Sicht besonderes Gewicht.
Deshalb stelle die Bundesregierung das deutsche Auslieferungsersuchen
zurück.
Heye wies darauf hin, daß der Fall jenseits der Auslieferungsforderung
eine «vielschichtige politische Problematik» umfasse. Dazu
gehörten Entwicklungen hin zu
einer friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts, die vielleicht durch
Äußerungen des italienischen Ministerpräsidenten Massimo
D'Alema eingeleitet sein könnten.
Zugleich begrüßte der Regierungssprecher, daß in der
Türkei eine Diskussion um die Abschaffung der Todesstrafe begonnen
habe.
Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Ecevit drängte
am Freitag alle Parteien, der Abschaffung der Todesstrafe zuzustimmen.
Dann würde Italien das
Hauptargument gegen eine Auslieferung aus der Hand genommen, sagte
Ecevit. In der vergangenen Woche hatte sich das Kabinett nicht auf die
Abschaffung der
Todesstrafe verständigen können.
Der türkische Staatspräsident Süleiman Demirel sagte
am Freitag, jeder Versuch, auf die Türkei Druck auszuüben, den
Kurden Zugeständnisse zu machen, könnte
zu einem zweiten Jugoslawien führen. «Die Türkei ist
ein einheitlicher Staat. Das steht nicht zur Diskussion. Die Verfassung
steht religiösen und ethnischen Differenzen
entgehen», erklärte der Präsident in einem Interview
der Zeitung «Sabah». Wenn das in Zweifel gezogen werde, könnte
sich die Türkei als unregierbar erweisen.
Generalbundesanwalt schickt Haftbefehl nach Bonn
Die Bundesanwaltschaft teilte mit, daß der Haftbefehl mit den
weiteren für eine Auslieferung erforderlichen Unterlagen nun an die
Bundesregierung weitergeleitet
werde. Der Haftbefehl sei am Donnerstag vom Ermittlungsrichter des
Bundesgerichtshofs aktualisiert worden. Die Erkenntnisse aus den PKK-Prozessen
der
vergangenen Jahre seien in den neuen Haftbefehl eingeflossen, sagte
die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Eva Schübel, am Freitag in
Karlsruhe. Der Vorwurf
laute weiterhin Mord und Rädelsführerschaft in einer terroristischen
Vereinigung. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liege nun
bei der Bundesregierung.
Der Auslieferungsantrag sei nur zunächst zurückgestellt worden.
Freitag, 20. November 1998, 14:03 Uhr
PKK-Chef Öcalan praktisch frei
Rom (dpa) - Kurdenführer Öcalan ist in Italien praktisch auf
freien Fuß gesetzt worden. Der vorläufige Arrest aufgrund des
türkischen Haftbefehls wurde von einem
Berufungsgericht aufgehoben. Öcalan hat lediglich die Auflage
erhalten, Rom nicht zu verlassen. Als Begründung hieß es, nach
italienischem Gesetz dürfe niemand an
ein Land ausgeliefert werden, das die Todesstrafe verhängt. Dem
deutschen Haftbefehl werde dagegen entsprochen. Bonn hat unterdessen entschieden,
auf ein
Auslieferungsersuchen zu verzichten.
Freitag, 20. November 1998, 15:24 Uhr
«Dann gibt es hier Kleinholz»
vor Gewaltaktionen - Schwarzer Peter nun in Rom Von AP-Korrespondent Roland Losch
Frankfurt/Main (AP) Politik ähnelt manchmal dem Schwarzen-Peter-Spiel.
Acht Jahre lang hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm den PKK-Führer
Abdullah
Öcalan gesucht, wegen Anschlägen und Anstiftung zum Mord
in Deutschland. Auch aufgrund des deutschen Haftbefehls wurde der Kurde
schließlich in Rom
festgenommen. Doch nach einer Woche Bedenkzeit entschied die Bundesregierung
am Freitag: Wir wollen ihn nicht. Offiziell wurde das mit Rücksicht
auf den
türkischen Auslieferungswunsch begründet. Doch ein entscheidender
Grund war die Sorge um die innere Sicherheit in der Bundesrepublik.
«Die Bundesregierung war offensichtlich nicht sehr erfreut, daß
hier Entscheidungsbedarf entstand», erklärte der Marburger Professor
Wilfried von Bredow. Sie
habe alles versucht, das eigene Interesse an einer Auslieferung so
klein wie möglich zu interpretieren. Mit dem Ergebnis könnten
weder Italien noch die Türkei ganz
glücklich sein. «Den Italienern wäre es lieber gewesen,
wenn ihnen das Problem abgenommen worden wäre», erklärte
der Politologe.
Ein römisches Gericht entließ den Kurdenführer am Freitag
zwar aus der Haft, doch muß er in Rom bleiben, und den italienischen
Behörden liegt weiterhin sein
Asylantrag und das türkische Auslieferungsgesuch vor. Die Todesstrafe
und das Justizsystem in der Türkei sprechen gegen die Auslieferung;
doch andererseits
boykottieren viele Türken italienische Waren, und die Regierung
in Ankara ist wütend. «Die Italiener fühlen sich wahrscheinlich
ein bißchen alleingelassen», sagte
Bredow. Deutschland werde Italien dafür wohl an anderer Stelle
einmal entgegenkommen.
In der Türkei könnte die Bonner Entscheidung trotz der offiziellen
Begründung als «Wegducken» ausgelegt werden. Das könnten
Betonköpfe zum Anlaß nehmen,
ihre verbalen Angriffe gegen Westeuropa fortzusetzen. Zumindest aber
werde der Auslieferungsverzicht das ohnehin abgekühlte deutsch-türkische
Verhältnis nicht
verbessern, meinte der Politikwissenschaftler.
Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte in Bonn, die Türkei suche
Öcalan wegen vieler Morde, Deutschland nur wegen eines Mordes - deshalb
trete
Deutschland zunächst zurück. Zu der «vielschichtigen
politischen Problematik» gehöre auch die Hoffnung auf eine friedlichen
Lösung des Kurdenkonflikts in der
Türkei.
Neuer Haftbefehl aus Karlsruhe
Der Generalbundesanwalt wird den am Donnerstag noch aktualisierten Haftbefehl
mit den weiteren für eine Auslieferung erforderlichen Unterlagen jetzt
an die
Bundesregierung weiterleiten, wie Sprecherin Eva Schübel in Karlsruhe
sagte. Heye betonte: «Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.» Daß
drohende Ausschreitungen
in Deutschland bei der Entscheidung eine Rolle gespielt hätten,
könne er nicht bestätigen.
Doch in Bonn ist die Sorge um die innere Sicherheit sehr groß.
«Wenn PKK und nationalistische Türken aufeinandertreffen, gibt
es hier Kleinholz», meinte ein
Experte.
Abgeordnete wie Wilfried Penner (SPD) und Rupert Scholz (CDU) hatten
argumentiert, der Rechtsstaat dürfe sich nicht unglaubwürdig
machen. Die meisten
Aktionen der PKK in Deutschland hätten sich zwar gegen türkische
Einrichtungen und gegen PKK-Dissidenten gerichtet. Aber Deutschland müsse
auch den Schutz
seiner ausländischen Mitbürger gewährleisten.
Dem steht entgegen, daß Öcalan in Deutschland seit Mai 1996
einen gewaltfreien Kurs steuerte und seine Anhänger mit Erfolg zur
Achtung der Gesetze aufforderte.
Nehm sieht seit einiger Zeit schon keine Grundlage mehr für den
Vorwurf, die heutigen Führungskader bildeten in der PKK eine terroristische
Vereinigung. Dieser
Fortschritt könnte gefährdet werden, wenn Öcalan in
Deutschland vor Gericht gestellt würde. Von den 450.000 Kurden in
Deutschland sind laut
Verfassungsschutzbericht immerhin rund 50.000 PKK-Sympathisanten, etwa
11.000 PKK-Anhänger gelten als potentiell militant.
Freitag, 20. November 1998, 16:02 Uhr
Öcalan ruft Kurden zu Gesetzestreue auf
Rom (Reuters) - PKK-Chef Abdullah Öcalan hat an seine Anhänger
appelliert, sich an die Gesetze ihrer Gastländer zu halten und die
dort herrschenden
demokratische Regeln zu respektieren. In einem Brief, der am Freitag
vor kurdischen Demonstranten in Rom verlesen wurde, rief Öcalan dazu
auf, nichts zu tun, was
dem Ansehen der Kurden schaden könnte. "Ich will den Anstrengungen
für Frieden und eine politische Lösung (des Kurdenkonflikts)
einen neuen Schub geben",
erklärte Öcalan. "Ich bitte deshalb um eure weitere Unterstützung,
die aber behutsam und unter Beachtung der rechtlichen und demokratischen
Regeln stattfinden
muß."
Öcalan forderte seine Anhänger zudem auf, künftig auf
drastische Proteste wie Selbstverbrennungen zu verzichten. Kein Kurde solle
ein Verhalten an den Tag legen,
das einem negativen Bild vom kurdischen Volk Vorschub leiste.
In Rom, wo Öcalan vor einer Woche festgenommen worden war, demonstrieren
seit Tagen 4000 Kurden aus ganz Europa ihre Solidarität mit dem
Guerilla-Gründer.
Freitag, 20. November 1998 16:16 Uhr
Römisches Gericht setzte Öcalan unter Auflagen auf freien Fuß
Rom (vwd) - Die italienische Justiz hat PKK-Chef Abdullah Öcalan
am Freitag unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Danach darf Öcalan
Rom nicht verlassen und
muß den Behörden seinen Aufenthaltsort ständig melden,
hieß es nach Justizangaben. Das Berufungsgericht, das entscheiden
mußte, ob Öcalan in Haft kommt oder
unter Auflagen freigelassen wird, entschied sich damit gegen den Haftbefehl.
Dies ist ein erster juristischer Erfolg für Öcalan, der in Italien
einen Asylantrag gestellt
hat, über den in den nächsten Tagen ein Ad-hoc-Ausschuß
entscheiden muß.
Freitag, 20. November 1998, 17:21 Uhr
PKK-Chef auf freiem Fuß
Rom (dpa) - Kurdenführer Öcalan ist in Italien auf freien
Fuß gesetzt worden. Einzige Bedingung. Er darf Rom nicht verlassen.
Die Türkei drohte nach
Bekanntwerden der Entscheidung mit wirtschaftlichen Schritten gegen
Rom. Die Bundesregierung gab unterdessen bekannt, daß sie auf eine
Auslieferung Öcalans
verzichte. Der Antrag aufgrund eines Haftbefehls wegen Mordes und Terroranschlägen
werde zurückgestellt. CSU-Landesgruppenschef Glos nannte die Bonner
Entscheidung «Opportunismus».
Freitag, 20. November 1998, 18:50 Uhr
Freilassung Öcalans heizt Streit mit Türkei an
Ankaras Botschafter über Gerichtsentscheidung erstaunt - Bundesregierung verzichtet vorerst auf Auslieferung
Rom/Bonn/Ankara (AP) Nach der Freilassung des PKK-Chefs Abdullah Öcalan
durch ein römisches Gericht schlägt die Türkei schärfere
Töne gegenüber Italien
an. «Jeder falsche Schritt muß teuer bezahlt werden, und
der türkische Staat ist mächtig genug, sie diesen Preis zahlen
zu lassen», sagte der türkische
Ministerpräsident Mesut Yilmaz mit Bezug auf die italienische
Regierung. Das römische Gericht hatte den PKK-Chef zuvor mit der Auflage
auf freien Fuß gesetzt,
die italienische Hauptstadt nicht zu verlassen. Zugleich gab die Bundesregierung
in Bonn den zumindest vorläufigen Verzicht auf eine Auslieferung Öcalans
bekannt.
In einer in Rom verlesenen schriftlichen Erklärung appellierte
der Chef der in Deutschland verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK)
an seine Landsleute, in
einem Zeichen der Solidarität nach Hause zurückzukehren und
die Ziele der Kurden mit legalen und demokratischen Mitteln zu verfolgen.
Er sei gegen ein Verhalten,
das in irgendeiner Weise ein schlechtes Licht auf die kurdische Sache
werfen könne. Seit der Festnahme Öcalans am vorvergangenen Donnerstag
demonstrierten
Kurden aus ganz Europa fast täglich für die Freilassung des
PKK-Chefs. Italien prüft derzeit noch ein Asylgesuch Öcalans.
Ministerpräsident Massimo D'Alema sagte in Florenz, die Regierung
werde sich an die Entscheidungen der Gerichte halten. Die Türkei,
in der noch die Todesstrafe
verhängt werden kann, hat die Auslieferung Öcalans gefordert.
Die italienischen Gesetze verbieten allerdings die Auslieferung in einen
Staat, in dem einem
Verurteilten die Todesstrafe droht. In der Türkei gab es bereits
die ersten Proteste gegen die Haltung der Regierung in Rom. Geschäfte
haben damit begonnen,
Waren aus Italien zu boykottieren. Der italienische Außenminister
Lamberto Dini kritisierte dies am Freitag in scharfer Form und nannte den
Boykott eine
«Aggression gegen ganz Europa».
Ecevit dringt auf Abschaffung der Todesstrafe
Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent
Ecevit forderte am Freitag alle Parteien auf, der Abschaffung der Todesstrafe
zuzustimmen. Dann würde
Italien das Hauptargument gegen eine Auslieferung aus der Hand genommen,
sagte Ecevit. Staatspräsident Süleiman Demirel sagte, jeder Versuch,
auf die Türkei in
der Kurdenfrage Druck auszuüben, könne zu einem zweiten Jugoslawien
führen. «Die Türkei ist ein einheitlicher Staat. Das steht
nicht zur Diskussion. Die Verfassung
steht religiösen und ethnischen Differenzen entgehen», sagte
der Präsident der Zeitung «Sabah».
In Bonn wies Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye vor Journalisten darauf
hin, daß Öcalan von der Türkei wegen mehrerer Morde gesucht
werde, von
Deutschland hingegen wegen eines Mordes. Die türkischen Aspekte
hätten auch aus deutscher Sicht besonderes Gewicht. Deshalb stelle
die Bundesregierung das
deutsche Auslieferungsersuchen zurück. Die Bundesanwaltschaft
teilte mit, daß der Haftbefehl mit den weiteren für eine Auslieferung
erforderlichen Unterlagen nun
an die Bundesregierung weitergeleitet werde. Die Entscheidung über
das weitere Vorgehen liege nun bei der Bundesregierung. Der Auslieferungsantrag
sei zunächst
lediglich zurückgestellt worden.
Freitag, 20. November 1998, 20:23 Uhr
Türkei nennt Aufhebung von Arrest für Öcalan «schwer verständlich»
Ankara (dpa) - Der türkische Verteidigungsminister Sezgin hat die
Aufhebung des Arrests für PKK-Chef Öcalan durch ein Gericht in
Rom als eine «enttäuschend»
bezeichnet. Es sei klar, daß die Türkei ihre wirtschaftlichen
und sozialen Bindungen zu Italien neu bewerten werde, wenn es einen Mörder
beherberge, sagte Sezgin.
Ein Gericht in Rom hatte Öcalan auf freien Fuß gesetzt.
Der Kurdenführer darf Rom aber nicht verlassen. Zur Begründung
hieß es, italienisches Recht verbiete die
Auslieferung in Länder, die die Todesstrafe verhängen.
Samstag, 21. November 1998, 01:48 Uhr
Türkei droht Italien mit ewiger Feindschaft
Nach Freilassung Öcalans - Bundesregierung verzichtet vorerst auf Auslieferung
Rom/Ankara (AP) Der türkische Ministerpräsident Mesut Yilmaz
hat Italien nach der vorläufigen Freilassung von PKK-Chef Abdullah
Öcalan mit der «ewigen
Feindschaft der Türkei» gedroht. «Jeder falsche Schritt
muß teuer bezahlt werden, und der türkische Staat ist mächtig
genug, sie diesen Preis zahlen zu lassen», sagte
er in Ankara. Ein Gericht in Rom hatte Öcalan zuvor mit der Auflage
auf freien Fuß gesetzt, daß er die italienische Hauptstadt
nicht verläßt.
Justizminister Oliviero Diliberto deutete an, daß Öcalan
am 23. Dezember auch von dieser Auflage befreit werden könnte, wenn
bis dahin kein
Auslieferungsersuchen aus Deutschland eingegangen sei. Die Bundesregierung
in Bonn will zumindest vorläufigen auf eine Auslieferung Öcalans
verzichten. Der
italienische Ministerpräsident Massimo D'Alema sagte, Öcalan
stehe weiter unter ständiger Beobachtung, um sicherzustellen, daß
er keine terroristischen Aktionen
oder andere Feindseligkeiten gegen die Türkei plane.
In einer in Rom verlesenen schriftlichen Erklärung appellierte
der Chef der in Deutschland verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK)
an seine Landsleute, in
einem Zeichen der Solidarität nach Hause zurückzukehren und
die Ziele der Kurden mit legalen und demokratischen Mitteln zu verfolgen.
Er sei gegen ein Verhalten,
das in irgendeiner Weise ein schlechtes Licht auf die kurdische Sache
werfen könne. Seit der Festnahme Öcalans am vorvergangenen Donnerstag
demonstrierten
Kurden aus ganz Europa fast täglich für die Freilassung des
PKK-Chefs. Italien prüft derzeit noch ein Asylgesuch Öcalans.
Samstag, 21. November 1998, 10:47 Uhr
Angeblich neuer Haftbefehl gegen Öcalan erlassen
Hamburg (dpa) - Gegen den in Rom festgenommenen Chef der kurdischen
Arbeiterpartei PKK, Öcalan, liegt ein neuer deutscher Haftbefehl vor.
Das berichtet der
«Spiegel». Grund sei, daß der alte Haftbefehl aus
dem Jahr 1990 nur einen Bruchteil der Vorwürfe gegen den Kurden-Führer
umfaßt habe. Die Bundesregierung
hatte den vorläufigen Verzicht auf die Auslieferung Öcalans
erklärt. Der 49jährige Öcalan war gestern in Rom auf freien
Fuß gesetzt worden. Er darf die Stadt wegen
des deutschen Haftbefehls nicht verlassen.
Samstag, 21. November 1998, 14:44 Uhr
EU spricht Italien im Streit um Öcalan Solidarität aus
Schüssel stellt sich hinter D'Alema - Yilmaz attackiert Rom nach Freilassung des PKK-Chefs
Wien/Ankara (AP) Die Europäische Union hat Italien erneut ihre
Solidarität im Streit mit der Türkei um die Auslieferung des
PKK-Chefs Abdullah Öcalan
zugesichert. Italien müsse seine Gesetze und vertraglichen Verpflichtungen
in dieser Frage erfüllen, hieß es in einer Erklärung der
EU-Ratspräsidentschaft, die laut
österreichischer Nachrichtenagentur APA am Samstag vom Außenministerium
in Wien veröffentlicht wurde. Der türkische Ministerpräsident
Mesut Yilmaz
bekräftigte unterdessen seine Kritik an Italien und drohte mit
Vergeltung, sollten die Behörden in Rom Öcalan nicht an die Türkei
ausliefern.
Der EU-Ratsvorsitzende und österreichische Außenminister
Wolfgang Schüssel sprach dem italienischen Regierungschef Massimo
D'Alema in Zagreb sein Vertrauen
bei der Bewältigung der Krise um den Kurdenführer aus. Jeder
unangebrachte Druck der Türkei sei zurückzuweisen, sagte Schüssel
laut APA. Ein römisches
Gericht hatte Öcalan am Freitag mit der Auflage auf freien Fuß
gesetzt, die italienische Hauptstadt nicht zu verlassen.
Derzeit prüft Italien, ob es einem Asylantrag des PKK-Chefs stattgeben
soll. D'Alema sagte, Öcalan stehe weiter unter ständiger Beobachtung,
um sicherzustellen,
daß er keine terroristischen Aktionen oder andere Feindseligkeiten
gegen die Türkei plane. Justizminister Oliviero Diliberto deutete
an, daß Öcalan am 23.
Dezember auch von der Auflage, Rom nicht zu verlassen, befreit werden
könnte, wenn bis dahin kein Auslieferungsersuchen aus Deutschland
eingegangen sei.
Haftbefehl wegen Morden in Deutschland
Die Bundesregierung in Bonn will zumindest vorläufig auf eine Auslieferung
Öcalans verzichten. Dessen ungeachtet aktualisierte die Bundesanwaltschaft
in Karlsruhe
nach Mitteilung vom Freitag den Haftbefehl gegen den Chef der in Deutschland
verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und überstellte eine aktualisierte
Form
an die Bundesregierung. Nach einem «Spiegel»-Bericht vom
Samstag wird Öcalan in dem neuen Haftbefehl für eine Brandanschlagsserie
im November 1993 und für
Morde an einer Reihe von Dissidenten und Abweichlern in den 80er Jahren
verantwortlich gemacht.
Öcalan solle zeitweilig eine «Sondergruppe» persönlich
beaufsichtigt haben, die europaweit Abtrünnige aufspürte und
liquidierte, hieß es in dem Bericht. Allerdings
werde der PKK-Chef nicht für eine weitere Mordserie aus dem Jahr
1994 verantwortlich gemacht. Der vorliegende Verdacht habe nicht für
einen Haftbefehl
ausgereicht. Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Eva Schübel,
sagte der Nachrichtenagentur AP, die Erkenntnisse aus den PKK-Prozessen
der vergangenen
Jahre seien in den neuen Haftbefehl eingeflossen.
Der türkische Ministerpräsident Yilmaz sagte bei einem Kongreß
seiner Mutterlandspartei, Italien würde den größten Fehler
begehen, wenn es dem «blutigsten
Terroristen der Welt» Asyl gewähre. Sollte dies geschehen,
werde die Türkei mit einer Antwort nicht auf sich warten lassen. Wie
diese Antwort aussehen könnte,
sagte Yilmaz nicht. Zuvor hatte der Regierungschef Italien mit der
«ewigen Feindschaft der Türkei» gedroht. «Jeder
falsche Schritt muß teuer bezahlt werden, und
der türkische Staat ist mächtig genug, sie diesen Preis zahlen
zu lassen», sagte er in Ankara.
Samstag, 21. November 1998, 16:13 Uhr
Haftbefehl gegen Öcalan aktualisiert
Karlsruhe (dpa) - Die Bundesanwaltschaft hat den Haftbefehl gegen den
Kurdenführer Öcalan aktualisiert. Der alte Haftbefehl habe nur
einen Bruchteil der
deutschen Vorwürfe gegen den PKK-Chef umfaßt, sagte eine
Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Sie bestätigte damit einen Bericht
des «Spiegel». Demnach soll
Öcalan für Anschläge und Morde an sogenannten PKK-«Abtrünnigen»
verantwortlich sein. Der Fall Öcalan ist auch Thema eines Treffens
von Bundeskanzler
Schröder und seinem italienischen Amtskollegen d' Alema am Freitag
in Bonn.
Samstag, 21. November 1998, 19:38 Uhr
Streit zwischen Italien und Türkei um Öcalan verschärft
sich hinter Rom - Heftige Attacken Yilmaz' nach Freilassung des PKK-Chefs
Rom/Ankara (AP) Der Streit zwischen Italien und der Türkei über
die Auslieferung des Kurdenführers Abdullah Öcalan hat sich nach
dessen Freilassung am
Samstag weiter verschärft. Angesichts der harschen Angriffe des
türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz stellte sich die
Europäische Union geschlossen hinter
die italienische Regierung. Der italienische Ministerpräsident
Massimo D'Alema warnte Ankara, die Türkei werde sich mit ihrem rüden
Verhalten gegenüber Italien
wieder von Europa entfernen. Zur Forderung der USA, Italien solle Öcalan
ausliefern, sagte D'Alema nur, seine Regierung könne auch für
Verbündete nicht die
Verfassung brechen.
Italien müsse seine Gesetze und vertraglichen Verpflichtungen in
dieser Frage erfüllen, hieß es auch in einer Erklärung
der EU-Ratspräsidentschaft, die nach einer
Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Samstag
vom Außenministerium in Wien veröffentlicht wurde. Die italienische
Verfassung verbietet die
Auslieferung von Verdächtigen an Länder, in denen ihnen die
Todesstrafe droht. Dies wäre in der Türkei bei Öcalan der
Fall.
Der Chef der militanten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) verließ
das Krankenhaus in Palestrina in den Albaner Bergen am Samstag morgen,
nachdem ihn ein
römisches Gericht am Freitag gegen die Auflage auf freien Fuß
gesetzt hatte, Rom nicht zu verlassen. Öcalan verließ das Hospital
durch einen Hintereingang, um den
wartenden Journalisten und Anhängern zu entgehen. Später
veröffentlichte der PKK-Führer eine Erklärung, im der er
seine Parteigänger aufforderte, in ihre
Exilländer und an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren
und weiter für die kurdische Sache einzustehen.
Derzeit prüft Italien, ob es einem Asylantrag des PKK-Chefs stattgeben
soll. Justizminister Oliviero Diliberto deutete an, daß Öcalan
am 23. Dezember auch von der
Auflage, Rom nicht zu verlassen, befreit werden könnte, wenn bis
dahin kein Auslieferungsersuchen aus Deutschland eingegangen sei.
Die Bundesregierung will zumindest vorläufig auf eine Auslieferung
Öcalans verzichten. Trotzdem aktualisierte die Bundesanwaltschaft
in Karlsruhe nach Mitteilung
vom Freitag den Haftbefehl gegen Öcalan. Nach einem «Spiegel»-Bericht
vom Samstag wird Öcalan in dem neuen Haftbefehl für eine Brandanschlagsserie
im
November 1993 und für Morde an einer Reihe von Dissidenten und
Abweichlern in den 80er Jahren verantwortlich gemacht.
Boykott italienischer Waren
Yilmaz bekräftigte unterdessen seine Kritik an Italien und drohte
mit Vergeltung, sollten die Behörden in Rom Öcalan nicht an die
Türkei ausliefern. Yilmaz sagte auf
einem Sonderparteitag seiner Mutterlandspartei, Italien würde
den größten Fehler begehen, wenn es dem «blutigsten Terroristen
der Welt» Asyl gewähre. Sollte dies
geschehen, werde die Türkei um eine Antwort nicht verlegen sein.
Zuvor hatte der Regierungschef Italien mit der «ewigen Feindschaft
der Türkei» gedroht. «Jeder
falsche Schritt muß teuer bezahlt werden, und der türkische
Staat ist mächtig genug, sie diesen Preis zahlen zu lassen»,
sagte Yilmaz.
Vor der italienischen Botschaft in Ankara demonstrierten türkische
Nationalisten auch am Samstag gegen die Politik Roms. Viele Geschäfte
boykottieren schon seit
Tagen italienische Waren.