Freitag, 13. November 1998, 18:10 Uhr
PKK-Chef Öcalan in Rom verhaftet
Rom (dpa) - Der wegen Mordes gesuchte Chef der verbotenenen separatistischen Arbeiterpartei Kurdistans, Abdullah Öcalan, ist in Rom verhaftet worden. Gegen den 49jährigen liegen ein deutscher und ein türkischer Haftbefehl vor. Beobachter in Rom gehen davon aus, daß der PKK-Chef Antrag auf politisches Asyl in Italien stellen wird. Eine Auslieferung an die Türkei sei auch deshalb fraglich, weil Öcalan dort die Todesstrafe drohe. Dagegen wäre im Falle Deutschlands ein Asyl-Antrag kein Hinderungsgrund für eine Auslieferung.
Freitag, 13. November 1998, 18:07 Uhr
PKK-Chef Öcalan in Rom verhaftet
Rom (Reuters) - Der Chef der Kurden-Guerilla PKK, Abdullah Öcalan,
ist in Rom verhaftet worden. Er wurde nach Polizeiangaben auf dem römischen
Flughafen Fiumicino festgenommen, als er am Donnerstag abend aus Moskau
kommend mit einem falschen Paß einreisen wollte. Die Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) teilte am Freitag mit, Öcalan, der in der Türkei
als Staatsfeind Nummer 1 gilt, sei nach Italien gekommen, um politisches
Asyl zu beantragen. Dies habe er mittlerweile auch getan. Die Polizei erklärte,
Öcalan sei verhaftet worden, um ihn an die Türkei auszuliefern.
Das weitere Verfahren liege nun in den Händen des Justizministeriums.
Der PKK-Chef habe sich ohne Widerstand ergeben, als er an der Paßkontrolle
aufgehalten worden sei, sagte ein Polizei-Sprecher. Öcalan sei bei
guter Gesundheit und befinde sich jetzt in einem Gefängnis. Mehrere
Medien und die PKK berichteten indes, Öcalan liege in einem Krankenhaus,
sei aber nicht ernsthaft erkrankt oder verletzt.
Das russische Außenministerium verweigerte jeglichen Kommentar
zu der Tatsache, daß Öcalan in einem Flugzeug aus Moskau gesessen
habe. Der PKK-Chef hatte vor wenigen Tagen in Rußland um Asyl gebeten.
Im Abgeordnetenhaus, der Duma, war am 4. November ein entsprechender Antrag
verlesen worden. Die Duma forderte daraufhin Präsident Boris Jelzin
auf, Öcalan Asyl zu gewähren. Der türkische Ministerpräsident
Mesut Yilmaz erklärte indes, die russische Regierung habe die Auslieferung
Öcalans zugesichert.
Am 5. November sprach sich ein Drittel der griechischen Parlamentarier
für eine Einladung Öcalans aus, den sie als "Führer des
am meisten unterdrückten Volkes der Welt" bezeichneten. Im Oktober
hatte die Türkei Syrien mit militärischer Gewalt gedroht, falls
es den dort vermuteten Öcalan nicht ausliefert.
Die weitere Prozedur einer eventuellen Auslieferung durch Italien ist
noch unklar. Das Justizministerium erklärte, bislang liege kein entsprechendes
Ersuchen der Türkei vor. Es sei auch noch nicht absehbar, wie lange
das Verfahren dauern werde.
Öcalan führte in den vergangenen 15 Jahren den Kampf der
PKK für ein unabhängiges Kurdistan im Südosten der Türkei.
Bei Anschlägen der PKK, Gefechten zwischen ihren Kämpfern und
der Armee sowie bei türkischen Vergeltungsattacken starben fast 30.000
Menschen. In den vergangenen Jahren hat Öcalan, der seit etwa 1980
im Exil lebte, mehrfach Angebote zur Einstellung der Kämpfe unterbreitet.
Die Regierung ging darauf nicht ein.
In Deutschland, wo zwischen 450.000 und 500.000 Kurden leben, geriet
die PKK auch wegen mehrerer Anschläge auf türkische Einrichtungen
ins Visier von Polizei und Verfassungschutz. Rund 5000 Kurden in der Bundesrepublik
werden zum Umfeld der PKK gerechnet. Am 26. November 1993 wurde sie wegen
der Anschläge auf deutschem Boden verboten.
Freitag, 13. November 1998, 17:22 Uhr
PKK-Chef Öcalan in Rom festgenommen
Mit internationalem Haftbefehl gesucht - Politisches Asyl in Italien beantragt - Türkei strebt Auslieferung an
Rom/Ankara (AP) Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Chef der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Abdullah Öcalan, ist überraschend
in Rom festgenommen worden. Wie die italienischen Behörden am Freitag
mitteilten, traf Öcalan am Donnerstag abend mit einem Linienflug aus
Moskau in Rom ein und wurde am Flughafen von der italienischen Polizei
in Empfang genommen. Das in Köln ansässige Kurdistan-Informationszentrum
(KIZ) erklärte, Öcalan habe die italienischen Behörden vorab
von seiner Ankunft informiert und politisches Asyl in Italien beantragt.
Da er über gesundheitliche Beschwerden geklagt habe, sei er in ein
römisches Krankenhaus gebracht worden.
Die italienische Polizei verbreitete am Freitag eine andere Version
von der Ankunft Öcalans in Rom. Polizeisprecher Luca Cosson sagte,
Öcalan sei mit einem gefälschten Paß eingereist. Nach weiteren
Ermittlungen sei seine wahre Identität festgestellt worden.
Die Türkei, wo der PKK-Chef wegen Anstiftung zum Mord, Führung
einer terroristischen Vereinigung und Gefährdung der territorialen
Integrität des Landes angeklagt ist, will sich um die Auslieferung
Öcalans bemühen. Der türkische Polizeichef Necati Bilican,
der dem türkischen Privatsender NTV am Freitag als erster die Festnahme
Öcalans meldete, erklärte, die Türkei werde alles tun, um
eine Auslieferung zu erreichen. Außer von der Türkei wird der
PKK-Chef seit 1990 auch von Deutschland wegen Anstiftung zum Mord an abtrünnigen
Parteimitgliedern und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung
gesucht.
Öcalan, der jahrelang in Damaskus und anderen Orten in Syrien
und Libanon lebte, hatte Syrien offenbar nach türkischen Angriffsdrohungen
auf das Land verlassen und war nach Rußland eingereist, wo er ebenfalls
um Asyl nachgesucht haben soll. Der ehemalige Politologe von der Universität
Ankara gründete 1978 die PKK und führte mit ihr seit 1984 einen
bewaffneten Kampf um einen unabhängigen, sozialistischen Kurdenstaat
in der Südosttürkei.
Die Londoner Zeitung «Al Hayat» berichtete unterdessen,
Damaskus werde keine PKK-Mitglieder an die Türkei ausliefern, da sie
als syrische Staatsbürger betrachtet würden. PKK-Mitglieder müßten
sich in Syrien gemäß den im Land geltenden Gesetzen verantworten,
schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen ungenannten syrischen Regierungsbeamten.