YEK-KOM  Föderation Kurdischer Vereine in Deutschland e.V.
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Bochum, den 17.11.98

Abdullah Öcalan:

"Ich bin gekommen, um die Schlüssel zu liefern"

Am gestrigen Montag veröffentlichte der Vorsitzende der PKK, Abdullah Öcalan, in Rom, wo er die Entscheidung der italienischen Regierung über sein Asylersuchen erwartet, eine Erklärung für die internationale Öffentlichkeit. Er betonte, daß er in dem Vertrauen, das er aus der historischen Größe Italiens, der offenen und demokratischen Haltung der italienischen Bevölkerung sowie der demokratischen Struktur der italienischen Regierung geschöpft habe, sich am 12.11.98 nach Italien begeben habe. Sein wesentlichstes Ziel sei, die Stimme des "kurdischen Mosaiks" zu sein, der Völker, die durch Verfolgung und Genozid vernichtet werden sollten, und zu denen neben den Kurden u.a. auch die dort lebenden armenischen und assyrischen Völker gehörten sowie als Stimme aller ihrer Identitäts- und Freiheitsprobleme gehört zu werden. Daher führe er mit allem, was richtig sei, und auch mit dem, was falsch sein möge, einen Kampf, der ihn nunmehr nach Rom geführt habe. Herr Öcalan fährt in seiner Erklärung fort:
"Es ist unausweichlich, für den Krieg und die Probleme der Region eine zivilisierte, nämlich eine politische Lösung zu finden. Es gibt für die Vernichtungsangriffe auf die Kulturen und die Freiheit der Völker keine einzige humanitäre Rechtfertigung. Wir müssen dies alles nun aufhalten. Ich bin bereit, alles zu unternehmen, was in meinen Möglichkeiten steht. Ich bin gegen jeglichen Terror, auch wenn er von unserer Seite stammen sollte. Ich bin bereit, alles, was ich für die sofortige Beendigung (des Krieges, Y.-K.) tun kann, sofort zu tun."
Der Parteivorsitzende fährt fort, er hoffe, daß die UN, die EU und weitere internationale Organisationen in diesem Sinne für Demokratie und Menschenrechte tätig werden. Um die Schlüssel dafür zu liefern, sei er nach Italien gekommen. Abschließend betonte Abdullah Öcalan in seiner Erklärung, er wolle in Italien bleiben, und hoffe, politische Arbeitsmöglichkeiten zu erhalten; das werde keinesfalls gegen die Interessen Italiens sein, sondern sich im Gegenteil in jeder Hinsicht positiv auswirken.
Die Forderungen Öcalans werden in aller Welt von den Kurdinnen und Kurden unterstützt: mit Demonstrationen, Hungerstreiks und vor allem mit einer riesigen "Wallfahrt" nach Rom. Auch aus deutschen Kreisen erreichten und starke und solidarische Unterstützungsadressen, für die wir im Namen der kurdischen Vereine aufs herzlichste danken.
Hungerstreiks finden zur Zeit (unter anderem) in Bonn, Stuttgart, Düren, Wien, London, Grenoble, Straßburg, Bukarest, Eriwan, Den Haag, Kopenhagen, Athen und Saloniki statt sowie in Schweden, Rußland, der Ukraine, Kasachstan, Armenien und Georgien. Die Gesamtteilnehmerzahlen gehen in die Tausend. Gleichzeitig organisierte auch die "Islamische Bewegung Kurdistans" Hungerstreiks in den Moscheen von Paris, Wien, Berlin, Köln-Mühlheim und Hagen. Auch in Riad (Saudi-Arabien), Klein-Südkurdistan (Syrien) und im Flüchtlingslager Maxmur in Südkurdistan begannen die Kurden Hungerstreiks.
In den Gefängnissen der Türkei haben am Sonntag zehntausend PKK-Kriegsgefangene einen Hungerstreik begonnen, der von den Gefangenen der türkischen linken Organisationen unterstützt wird. Auch in Griechenland begannen kurdische Gefangene einen Hungerstreik, und im HADEP-Gebäude von Izmir traten 80 Personen, überwiegend Frauen, in den Hungerstreik.
Tausende sind immer noch auf dem Weg nach Rom: mit Bussen, Zügen, PKW's und mit dem Flugzeug. Viele der Hungerstreikenden werden sich ebenfalls auf den Weg nach Rom machen. Ein ganzes Volk ist in Bewegung, um dem Mann, dem es vertraut, seine Liebe und Unterstützung zu beweisen!

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