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Berlin, 11. Mai 2000

An die Redaktionen:
Aktuelles / Ausland / Inland / Mittlerer Osten / Türkei / Kurdistan


  • Militäroperationen des türkischen Staates in Südkurdistan (Nordirak) hält seit dem 5. Mai 2000 an

  • Die bisherige Bilanz: 8 PKK-Guerilla, 50 türkische Soldaten und 4 KDPler verloren ihr Leben

  • PKK ruft zur Einstellung der Angriffe auf


Am 5. Mai 2000 haben Tausende türkischen Soldaten mit Unterstützung der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK) in Südkurdistan (Nordirak) eine Militäroperation gegen die Guerillaeinheiten der Arbeiterpartei Kurdistans begonnen. Die bisherige Bilanz: 8 Guerilla, 50 türkische Soldaten und 4 KDPler verloren ihr Leben.

Die PKK erklärte im August letzten Jahres einseitig den bewaffneten Kampf für beendet und begann ihre Einheiten außerhalb des türkischen Territoriums abzuziehen. Auf ihrem 7. Parteikongress im Januar 2000 entwickelte die PKK ein konstruktives Friedensprojekt für die Lösung der Kurdischen Frage und für die Demokratisierung der Türkei.

Der Präsidialrat der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) hat am 10. Mai 2000 eine schriftliche Erklärung zu den Militäroperationen der türkischen Armee in Südkurdistan (Nordirak)veröffentlicht, die wir im folgenden in deutscher Übersetzung dokumentieren:


"Unsere Welt ist in das neue Jahrhundert mit der Hoffnung nach Demokratie und Freiheit eingetreten. Wird sich das Entwicklungsniveau der Menschheit vor Augen geführt, ist die Verwirklichung dieser Hoffnungen unumgänglich. Die Bemühungen diese Hoffnungen zu verwirklichen gewinnen mit jedem Tag mehr Einfluss und zwingt jeden in dieser Richtung tätig zu werden. Auch das kurdische Volk bevorzugt zweifelsohne die Richtung des Friedens, der Demokratie und der Freiheit. Dieser Wille ist mit der einseitigen Beendigung des Krieges durch die PKK, die Veränderung der Parteilinie sowie durch das auf dem 7. außerordentlichen Parteikongress ausgearbeitete Friedensprojekt konkret zum Ausdruck gebracht worden.

Trotz dieser Schritte hat der türkische Staat, einige kurdische Organisationen und die internationale Gemeinschaft, die in freiwilliger Einheit mit der PKK begonnenen Phase für den Frieden und die Demokratie nicht ausreichend und positive beantwortet. Das Gegenteil ist der Fall: Der türkische Staat und einige kurdische Organisationen in Südkurdistan (Nordirak, Anm. d. Ü.) haben in Südkurdistan gemeinsam eine Militäroperation begonnen, um die Bestrebungen nach einer politischen Lösung und einer freien Einheit zu sabotieren.

Seit dem 05. Mai 2000 führt die türkische Armee mit Unterstützung kurdischer Organisationen, allen voran der KDP (Demokratische Partei Kurdistans) in Südkurdistan eine groß angelegte Militäroperation durch. Während dieser Operation sind von unseren Einheiten, die sich weiter in der Verteidigungsposition befinden, acht Guerillas gefallen und acht wurden verletzt. Obwohl unsere Guerillakräfte an ihrer Verteidigungsposition festhielten, um so kein Gefecht zu provozieren, verloren bislang 50 türkische Soldaten ihr Leben, infolge der beharrlichen Angriffe der türkischen Armee. Auch auf Seiten der KDP sind vier Tote zu verzeichnen.

Die Operationsvorbereitungen zeigen, dass die türkische Armee ihre Operation fortführen wird. Während die KDP diese Operation begrenzt unterstützt, nimmt die PUK eine destruktive Position ein.

Unsere Partei, die gegenüber diesen Angriffen in ihrer legitimen Verteidigungsposition ist, sieht es als eine unumgängliche Notwendigkeit an, trotz dieser Angriffe, die eingeleitete Phase verstärkt fortzuführen. Gleichzeitig wird unsere Partei für den Sieg der neuen Linie den politischen Kampf verstärken. Unsere Partei verurteilt alle Haltungen die sich gegen die Phase für den Frieden, die Demokratie und die freie Einheit richten und wird entschlossen ihren Weg fortsetzen.

Es ist notwendig, dass auch andere politische Kräfte, die für die neue Phase sind, einen noch aktiveren Standpunkt einnehmen müssen, damit die Phase für den Frieden, die Demokratie und der freien Einheit nicht sabotiert wird und sich weiterentwickeln kann. Allen voran müssen die demokratischen Kräfte in der Türkei gegen jegliche Aggression Position beziehen. Denn dies ist die Aufgabe der demokratischen Kräfte in der Türkei: sich gegen die militärischen Operationen sowie gegen alle Versuche die neue Phase zu sabotieren zu wenden.

In gleicher Weise müssen die demokratischen Kräfte Kurdistans eine Haltung entwickeln; Sie müssen ihre Stimmen gegen die Angriffe erheben, die eine Lösung der kurdischen Frage verhindern und unserem Volk großes Leid und Verluste zufügen.

Die internationale Gemeinschaft sollte ihre passive Haltung überdenken und eine positive Rolle in der neuen Phase für Frieden, die Demokratie und die freie Einheit übernehmen. Sie sollte der Initiative der kurdischen Seite, für eine politische Lösung, der ihr gebührenden Bedeutung beimessen und sie unterstützen. Sowie dies in anderen Regionen der Welt geschieht, sollte auch in der politischen Lösung der kurdischen Frage die Verantwortung wahrgenommen werden.

Daher rufen wir den türkischen Staat und die kurdischen Organisationen in Südkurdistan auf, die Militäroperationen sofort einzustellen, und von ihren destruktiven Positionen Abstand zu nehmen, die diese Phase sabotieren könnten.
Die demokratischen Kräfte in der Türkei und die demokratische Bewegungen in Kurdistan rufen wir dazu auf ihre Verantwortung gegenüber der neuen Phase gerecht zu werden.
Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf eine aktive Rolle in der Phase des Frieden, der Demokratie und der freien Einheit einzunehmen."