Yeşil-Morde
auf Tonband
Yerlikaya (CHP): Yeşil hat
seine ganze Arbeit auf Kassette aufgenommen. Deshalb kann der Staat nichts
gegen ihn tun
Von NEŞE DÜZEl
Die Schwachstelle der Türkei
ist offensichtlich der „tiefe Staat“. Dabei handelt es sich um eine Struktur,
die kontinuierlich Rechtlosigkeit produziert und nicht in die Schranken
der Justiz gewiesen werden kann. Schutz und Stärkung dieser Rechtlosigkeit
durch eine innerhalb des Staates befindliche Macht zerstört das Gleichgewicht
in Gesellschaft und Staat. Im Staat sprühen die kriminellen Banden. Die
Gesellschaft verliert das Vertrauen in staatliche Institutionen. Aber
noch wichtiger ist vielleicht der Fakt, dass jeder, der der Türkei feindlich
gesonnen ist, die Stabilität in der Türkei jederzeit mittels dieser rechtlosen
Struktur zerstören kann. Bekanntester Auftragsmörder des „tiefen Staates“
ist Yeşil, der im Südosten im Namen des JITEM mehrere Morde begangen haben
soll. Zuletzt ist er aufgrund der von seinem Sohn gegründeten Schutzgeldmafia
in die Schlagzeilen geraten. Es heißt zwar, dass er tot ist, aber mit
dieser letzten Meldung ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass er noch
lebt. Wer Yeşil schützt, wie seine Schutzgelderpressungen ablaufen und
wieso der „tiefe Staat“ seine Beziehung zu Straftätern beharrlich pflegt,
darüber habe ich mit dem CHP-Abgeordneten und Mitglied des Parteivorstands
Sinan Yerlikaya aus Tunceli gesprochen, der Yeşil persönlich kennt und
erstmalig die Identität Yeşils öffentlich gemacht hat.
Wieder ist der Name Yeşil aufgetaucht,
von dem es heißt, er habe als JİTEM-Mann viele Morde begangen. Ich möchte
Sie zunächst fragen, wer Yeşil ist. Ist er ein Überläufer oder hat er
direkt angefangen, für den JİTEM zu arbeiten?
Yeşil ist kein Überläufer. Er ist keiner von denen, die als PKK- oder
TIKKO-Sympathisanten in die Berge gegangen und später wieder gekommen
sind. Yeşil ist ein Mann für Operationen, der vom Staat ausgebildet worden
ist. Er kommt direkt aus dem Volk. Yeşil stammt aus Bingöl-Solhanlı. Seine
Familie hat sich in Elazığ nieder gelassen. Yeşil ist in Elazığ geboren
und aufgewachsen. In Elazığ war er in einem staatlichen Eisen- und Chrombetrieb
als Arbeiter tätig. Sein wirklicher Name ist Mahmut Yıldırım. 'Yeşil'
[‚Grün’] ist sein Codename. Er hat noch einen weiteren Codenamen: 'Sakallı'
[‚der Bärtige’]. Yeşil trat zum ersten Mali in Tunceli auf. Damals war
er unter dem Codenamen 'Sakallı' bekannt.
Wer hat Yeşil gefunden und
in den Dienst des Staates gestellt?
Während des Ausnahmezustandes hat der Staat mit vielen Menschen von der
Art Yeşils gearbeitet. Leuten wie Abdullah Çatlı wurden Ausweise, Geld,
Waffenscheine und Pässe gegeben. Yeşil ist auch einer von diesen Leuten.
Yeşil arbeitete zunächst mit dem MİT. Danach wurde er zum JİTEM versetzt.
Bei der Polizei war er nie tätig.
Sie kennen Yeşil. Vor neun
Jahren haben wir schon einmal über dieses Thema gesprochen. Sie haben
Yeşil getroffen, oder?
Ja. 1990 war ich in Tunceli-Ovacık als Rechtsanwalt tätig. In dieser Zeit
habe ich Yeşil kennengelernt. Er befehligte eine Sondereinheit von 20-30
Mann. Darunter war eine Person namens Haydar, der das Attentat auf den
Vorsitzenden des Menschenrechtsvereins IHD, Akın Birdal, verübte. Diese
Männer trugen Kleidung, die Militäruniformen ähnelten. Yeşil war manchmal
auch zivil unterwegs. Die Einheit führte Operationen in Dörfern durch
und folterte Menschen. Sie gingen nicht in die Berge und kämpften gegen
die PKK, sondern waren mit ganz normalen Bürgern beschäftigt. Die Praxis
von Yeşil und seinen Männern nahm eine sehr beängstigende Form an. Wenn
Yeşil in Ovacık in ein Kaffeehaus oder ein Lokal trat, leerte sich der
Raum sofort. Yeşil wohnte im obersten Stock der Polizeiverwaltung in Ovacık.
Mein Büro lag daneben. Ich sah Yeşil häufig. Auch unser Gespräch fand
nicht irgendwo in den Bergen statt oder in einem Lokal, sondern in der
Polizeiverwaltung.
Wer vermittelte Ihr Treffen?
Die Bürger beschwerten sich zwar bei offiziellen Stellen über die Folter,
die Yeşil und seine Leute anwendeten, aber das nützte nichts. Er schlug
die Dörfler, drückte sie unter Wasser, zog sie nackt aus und warf sie
in den Schnee. Einige zog er vor den Augen ihrer Ehefrauen aus. Er lief
immer mit zwei Heften in der Hand herum und fragte sein Gegenüber nach
Namen und Dorf. Dann schaute er in diese Hefte und zählte Informationen
zu der jeweiligen Person auf. Diese Hefte waren ihm gegeben worden. Yeşil
war jemand, der im Antiterrorkampf beauftragt war. In seinen Augen gehörte
jeder zur PKK. Jeder Kurde war ein potentieller Straftäter. Wie es hieß,
kam manchmal auch Abdullah Çatlı in die Region und sie waren gemeinsam
unterwegs. In jener Zeit war ich der einzige Anwalt in Ovacık. Alle kamen
zu mir. Ich leitete die jeweilige Situation an den Staatsanwalt und den
Landrat weiter. Diese sagten nur, sie könnten sich da nicht einmischen.
Der Jandarma-Kommandant, ein Hauptmann, war ein guter Mensch. Er sagte:
‚Wir können uns nicht mit diesem Mann befassen, weil er direkt an oben,
an den Generalstab gebunden ist. Geht und erzählt Eure Nöte dort. Sonst
werden hier noch mehr schmutzige Dinge passieren. Es gibt nichts, was
ich tun kann.’
Wer brachte Sie mit Yeşil zusammen?
In Ovacık gab es einen Staatsanwalt namens Herr Yavuz. Ich bat ihn darum,
mich mit Yeşil zusammen zu bringen. Denn dieser Herr Staatsanwalt war
sehr vertraut mit Yeşil. Sie spielten oft Tavla [Backgammon] im Garten
der Polizei. Sie gingen auch gemeinsam ins Lokal und tranken Rakı.
Wusste der Staatsanwalt nicht,
was Yeşil den Bürgern antat?
Ist es möglich, dass er es nicht wusste? Ich erzähle Ihnen alle Vorfälle
ungeschminkt. Eine Kommentierung überlasse ich Ihnen. Eines Abends rief
der Staatsanwalt mich an und sagte, dass Yeşil mich in der Polizeiverwaltung
erwarte. Ich nahm drei Personen mit dort hin. Ein Polizist führte uns
in das Zimmer des Polizeichefs. Etwas später kam Yeşil und setzte sich
auf den Chefsessel. Ich erzählte ihm, dass diese Menschen keine Terroristen,
sondern staatstreue Bürger seien. ‚Was mischt Du Dich da ein?’, sagte
er. Als ich ihm antwortete, dass ich Anwalt sei, öffnete er sein Heft.
‚Deine Akte ist mittlerweile sehr dick. Bald bist Du dran. Du willst Abgeordneter
werden? Das kannst Du vergessen!’, sagte er. Stellen Sie sich vor, ich
war damals Kreisvorsitzender der Sozialdemokratischen Volkspartei. Ich
war nicht bei der PKK oder der DEP.
Offensichtlich genießt Yeşil
trotz der von ihm begangenen Morde Immunität. Wer sorgte dafür?
Denken Sie nach. Ein Staatsanwalt und ein Hauptmann haben erklärt, sie
könnten nichts gegen Yeşil unternehmen, der in ihrem Aufgabenbereich solche
Dinge tat. Natürlich war es der Staat, der ihm Immunität gewährleistete.
Es waren jene Strukturen, die wir ‚tiefen Staat’ nennen, die ihn schützten.
Wenn Sie danach fragen, wer innerhalb des Staates für die Immunität Yeşils
sorgte… Das war entweder der JITEM oder der MIT. Yeşil arbeite zu jener
Zeit für den JITEM. Seine Befugnisse waren grenzenlos. Weder ein Landrat
noch ein Hauptmann konnten etwas gegen ihn unternehmen.
Zu wem unterhielt Yeşil Beziehungen?
Wer kannte ihn?
Er war dem Ausnahmezustands-Gouverneur bekannt. In jeder Provinz kannte
er den jeweiligen Gouverneur und Polizeichef. Er muss ein offizielles
Dokument besessen haben, denn er wohnte überall in offiziellen Gebäuden.
In jedem Kreis kannten ihn der Landrat, der Polizeichef und der Kommandant.
Die ehemaligen OHAL-Gouverneure Ünal Erkan und Hayri Kozakçıoğlu kannten
Yeşil sehr gut. Auch Mehmet Ağar kennt ihn gut aus seiner Zeit als oberster
Polizeichef. Beide stammen aus Elazığ. Mehmet Eymür, der früher der Führungsriege
des MIT angehörte, hat erklärt, dass er ihn kennt. Yeşil war Eymürs Mann
beim MIT. Es war sogar Eymür, der Yeşil als tot erklärt hat.
Ist Yeşil Ihrer Meinunung nach
tot?
Nein, er lebt. Aber der Öffentlichkeit wird gesagt, dass er tot ist. Er
wird für tot erklärt, damit das Interesse an ihm verloren geht. Denn dieser
Mann hat Dutzende von Morden begangen. Şavaş Buldan, Musa Anter, Behçet
Cantürk...
Ist Yeşil ihr Mörder?
Ja. Mit allen diesen Morden hat Yeşil zu tun. In Elazığ wurden ein Arzt
und ein Rechtsanwalt eliminiert. In Tunceli war ein junges Mädchen verschleppt
und ermordet worden. Bei all diesen Vorfällen hatte Yeşil die Finger mit
im Spiel. Aber niemals wurde ihm aufgrund dieser Morde der Prozess gemacht.
Es hat ein einziger Prozess vor einem Militärgericht stattgefunden, in
dem Yeşil gemeinsam mit Überläufern angeklagt war. Und was aus diesem
Prozess geworden ist, ist unklar. Es war kein ernsthaftes Verfahren. Dabei
müsste es Tausende von Akten zu Yeşil geben. Ich weiß, dass er lebt. Erst
letztes Frühjahr haben mir einige Leute, die ihn seit langem aus der Region
kennen, erzählt, dass sie mit ihm gesprochen haben. Mehrere Unternehmer
haben mir erzählt, dass sie mit Yeşil in Ankara zum Essen waren. Ich kenne
diese Unternehmer. Sie stammen aus Elazığ, Diyarbakır und Bingöl.
Was ist der eigentliche Grund
dafür, dass die Menschen soviel Angst vor Yeşil haben? Liegt es an seiner
Grausamkeit oder an der Unterstützung, die er hat?
Die Menschen fürchten sich vor der Macht, die hinter Yeşil steht. Denn
das ist es, was sie erlebt haben. Die Menschen haben Angst davor, ermordet
zu werden. Ich war der erste, der öffentlich kundgetan hat, wer Yeşil
ist. Nachdem der Spielhöllenchef Topal ermordet worden war, erschien eine
Meldung in den Medien, dass Topal zehn Millionen Dollar auf ein Konto
einer Bank in Kızılay überwiesen hat. Das Konto gehörte Mahmut Yıldırım.
Zunächst wusste niemand, wer dieser Mann ist. Die Presse hat von mir erfahren,
dass es sich bei Mahmut Yıldırım um 'Yeşil' handelt. Ich habe auch ein
Phantombild für die Medien anfertigen lassen. Und nach dem Topal-Mord
fing Yeşil an, zu reden. Es war im Februar 1997, als er mich in der CHP-Zentrale
anrief.
Was wollte er von Ihnen?
Er stieß zunächst Beschimpfungen und Drohungen aus. ‚Was willst Du von
mir?’ sagte er, ‚ich habe alles für den Staat getan’. Ich entgegnete:
‚Du hast Riesenschweinereien gemacht. Komm und lege dafür Rechenschaft
ab. Der Staat wird Dich ohnehin irgendwann ermorden, damit nichts nachgewiesen
werden kann. Sie werden Dich töten, damit Du nichts sagst.’ – ‚Niemand
kann mir etwas anhaben. Ich habe Vorkehrungen getroffen. Alles, was ich
getan habe, habe ich auf Cassette aufgenommen. Wer mir welchen Befehl
gegeben hat, wer was zu mir gesagt hat, alles habe ich aufgenommen. Wenn
ich töte, dann tue ich das für meinen Staat. Die Kassetten befinden sich
an einem sicheren Ort. Wenn mir etwas passiert, wird alles heraus kommen’,
sagte er. Dann wollte er sich mit mir treffen. Wir verabredeten uns in
einem Park in Ankara-Gölbaşı. Ich sollte alleine kommen. In meinem Zimmer
waren meine Freunde. ‚Kommt mir nicht hinterher’, sagte ich. ‚Wenn er
will, kann er mich überall töten.’ Ich ging alleine in den Park. Aber
Yeşil tauchte nicht auf. Dann kamen plötzlich meine Leute in drei Autos.
Später rief Yeşil mich an und meinte, ich hätte mein Wort nicht gehalten.
Noch etwas später rief mich der Mann mit dem Codenamen Haydar an, der
auf Akın Birdal geschossen hat. ‚Hör auf, Dich mit uns abzumühen, gib
auf’, sagte er.
Wie kann es sein, dass ein
Mann, der angeblich gesucht wird, immer noch Schutzgelder einsammelt?
Yeşil war im Südosten mehr im Auftrag des Staates unterwegs. Aber als
seine Identität öffentlich wurde, wurde er von bestimmten staatlichen
Stellen aus dem Südosten abgezogen. Sie holten ihn in den Westen. Und
jetzt kommt er seiner Aufgabe gemäß der im Westen herrschenden Regeln
nach. Er erpresst Schutzgelder. Nachdem er aus dem Osten nach Ankara und
Istanbul kam, hat er angefangen, ein Luxusleben zu führen und ist damit
beschäftigt, Geld einzutreiben. Niemals wurde nach den zehn Millionen
Dollar gefragt, die Topal ihm überwiesen hatte. Der Staat hat es nicht
heraus bekommen, wofür dieses Geld war. Einschließlich dieser Angelegenheit
wurden alle Affairen um Yeşil gedeckelt. Er wurde nie erwischt. Einmal
fand eine Operation in seinem Sommerhaus in Antalya statt. Damals wurde
erklärt, er sei kurz zuvor geflohen. Als ob ein Mann, der eine halbe Stunde
vor Eintreffen der Polizei geflüchtet ist, nicht gefunden werden kann.
Der Staat ist nicht ernst beim Thema Yeşil. Zur Tarnung wird dann erzählt,
er sei tot.
Warum wird er für tot erklärt?
Zum Beispiel war Yeşil Mehmet Eymürs Mann beim MİT. Eymür weiß, was Yeşil
getrieben hat. Er weiß, dass die Spur bis zu ihm selbst reicht, wenn Yeşil
eines Tages auspackt. Eymür versucht, den Fall für beendet zu erklären,
indem er Yeşil als tot ausgibt und damit verkündet, dass diese Zeit vorbei
ist. Erst vor zwei Wochen hat er erneut im Fernsehen gesagt, dass Yeşil
tot ist. Wenn er weiß, dass Yeşil tot ist, muss er auch wissen, wo, wann
und wie er gestorben ist. Eymür ist gezwungen, auch die Todesumstände
zu erklären. Schauen Sie… der Staat wird Yeşil weder umbringen noch vor
Gericht stellen. Wenn er vor Gericht gestellt wird, wird er alles erzählen.
Wenn er getötet wird, werden die Kassetten auftauchen, von denen er mir
erzählt hat. Deshalb wollen sie ihn weder festnehmen noch beseitigen.
Yeşil ist immer noch stark. Der Staat ist bei diesem Thema unaufrichtig.
Wie kann es sein, dass die Polizei, die alles weiß und findet, Yeşil nicht
finden kann? Und dabei wird er gesehen, wie er in Ankara mit einem Mercedes
umher fährt, in Bars geht oder in Restaurants isst.
Yeşils Sohn wurde vergangene
Woche mitten in İstanbul mit seinen Männern festgenommen. Es heißt, dass
auch Yeşil diese Wohnung benutzt hat. Kann Yeşil ohne Unterstützung eine
kriminelle Organisation in Istanbul gründen?
Das kann er nicht. Es ist auch nicht möglich, dass sein Sohn eine kriminelle
Organisation anführt, die Schutzgelder erpresst, ohne die materielle und
ideelle Unterstützung von Yeşil. Aber ich vermute nicht, dass sich Yeşil
in diesem Haus aufhielt. Yeşil lässt die Angelegenheit reifen, gibt seinen
Leuten Befehle und verfolgt alles weitere von der Spitze aus. Außerdem
gibt es in der Türkei ja nicht nur Yeşils Bande, sondern jede Menge weitere.
Unser Staat ist leider völlig degeneriert bei diesem Thema.
Aber offensichtlich waren es
staatliche Stellen, die Yeşils Sohn gefasst und Yeşil dechiffriert haben.
Gibt es innerhalb des Staates einen Machtkampf?
Das kann sein. Innerhalb des Staates, in staatlichen Institutionen gibt
es auch Leute, die gegen diese Sachen sind, die aufrichtig, ehrenhaft
und guter Absicht sind.
Yeşil ist als Mann des JİTEM,
also des Jandarma-Nachrichtendienstes bekannt. Aber wir sehen auch, dass
innerhalb der bewaffneten Kräfte in letzter Zeit ernsthaft daran gearbeitet
wird, eine aufrichtige und durchsichtige Struktur zu erreichen. Wie kann
dieser Widerspruch möglich sein? Ist es so, dass die Armeespitze eine
saubere Struktur will, während einige innerhalb der Armee sich bemühen,
die alten Verhältnisse aufrecht zu erhalten?
Unbedingt. Im Antiterrorkampf wurde so einiges durch einander gebracht.
Anstatt der wirklich Schuldigen wurden potentiell Schuldige gesucht. Im
Militär, beim JITEM wurden viele solcher Fehler gemacht. Zum Beispiel
Veli Küçük [ehemaliger Regimentskommandant der Jandarma, war in den Susurluk-Skandal
verwickelt].
Er hatte eine eigene Bande.
Aber er wurde nicht richtig vor Gericht gestellt. Anstatt ihnen den Prozess
zu machen, wurden sie langsam ausgegrenzt und es wurde mit einer Säuberung
begonnen. Im Moment besteht der Eifer, die Leute zu säubern, die krumme
Dinger gedreht haben. Aber diese Personen sollten verurteilt werden, das
Resultat wäre besser. Und natürlich hatten die Regierungen wenig mit der
Arbeit des Militärs, des JITEM oder des MIT zu tun oder wollten nichts
damit zu tun haben. Wir hatten von 91 bis 95 eine Koalition mit der DYP,
aber das Innenministerium wurde immer von ihren OHAL-Gouverneuren besetzt.
Die Namen, die im Susurluk-Skandal auftauchen, wurden in die Bürokratie
eingeschleust und zu Ministern gemacht. Deshalb war es nicht möglich,
diese Dinge aufzuklären.
Wann werden wir einen Staat
haben, dem wir glauben, dass er alle Verbrecher in seinem Inneren ausgemustert
hat?
Solange es keinen durchsichtigen, demokratischen Staat gibt, in dem jeder
vor Gericht gestellt werden kann und niemand Immunität genießt, wird das
nicht geschehen. Schauen Sie… Während der Susurluk-Affaire bekam ich einen
Anruf aus dem Gefängnis Mersin. ‚Ich habe mit diesen Leuten gearbeitet’,
wurde mir gesagt, ‚Die Anzahl der Autos beim Unfall in Susurluk war nicht
zwei, sondern drei. Im ersten Auto waren Çatlı und Co. Im zweiten ihre
Bodyguards. Und im dritten Heroin. Sie fuhren nach Bursa zu Çelik Palas.
Yeşil wartete auf sie im Hotel, um die Ware anzunehmen. Yeşil fährt übrigens
auch manchmal nach Berlin. Dort gibt es einen Club namens Türkiyem Spor.
Dort wird die Ware verteilt.’ Ich habe das öffentlich gemacht. Die Sache
wurde sogar im deutschen Parlament thematisiert. Es wurden Untersuchungen
angestellt und die Sache stellte sich als richtig heraus. Der Mann am
Telefon wollte mir noch mehr mitteilen, aber die Verbindung brach ab.
Als ich seine Familie anrief, sagten sie mir, er sei tot. All diese Vorfälle
werden eines Tages verurteilt werden.
Quelle: Radikal, 20.02.2006,
ISKU
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