Bericht der Hamburger Wahlbeobachtungs- und Menschenrechtsdelegation

Inhalt:

1. Einschätzung der Situation in der Provinz Bitlis
Vorfeld der Wahlen
2. Wahlbeobachtung in Bitlis Stadt
3 Die Situation in Norsin/Güroymak
3.1 Wahlbeobachtung in Norsin /Güroymak
4. Wahlbeobachtung in Tatvan
5. Vorschläge für zukünftige Wahlbeobachtungsdelegationen

Die Hamburger Wahlbeobachtungs- und Menschenrechtsdelegation des Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Norman Paech und des Parteivorstands „Die Linke“ hielt sich - im Vorfeld und während den Wahlen - vom 26.3. bis 1.4.09 - in den kurdischen Provinzen der Türkei auf. Zur Wahlbeobachtung befanden wir uns vom 28.03 bis 30.03 in den Städten Bitlis, Nurcin und Tatvan. Insgesamt waren wir sieben Delegationsmitglieder und eine Dolmetscherin.

1. Einschätzung der Situation in der Provinz Bitlis

Die Provinz Bitlis hat 327.886 Einwohner und 7 Landkreise

In der Provinz Bitlis kam es im Verlauf der Wahlen zu einer Vielzahl von Menschenrechts-verletzungen und versuchten, wie durchgeführten Wahlbetrug. (siehe Punkte 2.-3.1)

Die Situation in Bitlis ist sehr angespannt. Am Vorabend der Wahl befanden sich nicht mehr sehr viele Menschen auf den Straßen. Ständig fuhren Polizeiwagen und Zivilpolizeifahrzeuge durch die Stadt. Berichten des Menschenrechtsvereins IHD zufolge, sind Festnahmen und Folter in der Stadt eine ständige Praxis. In Gesprächen mit EinwohnerInnen der Stadt und Mitgliedern der DTP wurde dies bestätigt. Die gängige Repressionspraxis ist mittlerweile das Abfilmen von Versammlungen – und ca. drei Tage darauf folgende Verhaftungen, anhand des Bildmaterials. Die stärkste Phase der Folter findet - nach übereinstimmenden Dokument¬ationen des IHD und weiteren Menschenrechtsvereinen, sowie Erzählungen von Personen die wir trafen - meist in den drei Tagen nach Verhaftungen statt. Im letzten Jahr wurden dem IHD, türkeiweit 1546 Fälle von Folter - die höchste Anzahl seit über 10 Jahren - angezeigt. Im Vergleich zu den 678 Fällen im Vorjahr ist diese Entwicklung mehr als bedenklich.

In den letzten Wochen vor den Wahlen kam es, nach übereinstimmenden Berichten von EinwohnerInnen von Bitlis und Nurcin zu Drohungen im Falle, dass die DTP gewählt werden würde. Die Bedrohungsszenarien sollen dabei von der Androhung von Gewalt bis zur Androhung materieller Schädigung in unterschiedlicher Ausprägung gereicht haben.


1.1. Vorfeld der Wahlen

• Am Vorabend der Wahlen konnte die Delegation beobachten wie der Gouverneur von Bitlis Geschäfte in der Innenstadt besuchte. Die Umgebung der besuchten Geschäfte wurde dabei von Polizei in Uniform und Zivil gesichert. Uns wurde mehrfach berichtet, dass Geschäftsleute bedroht wurden, materiell oder physisch sanktioniert zu werden, falls sie die DTP und nicht eine, der zur Wahl antretenden, regierungsnahen Parteien wählen würden.
• Berichten zufolge versuchte der Gouverneur sich relativ plump für Vernichtung von einigen Stimmen der DTP einzusetzen.
• Die Bevölkerung berichtete in Bitlis und Norsin/Güroymak übereinstimmend von versuchtem Stimmenkauf in Form von Geld oder materiellen Gütern wie z.b. Waschmaschinen oder weiteren elektrischen Geräten sowie Lebensmitteln. Die Menschen sollten dabei auf den Koran schwören, dass sie im Fall der Annahme der Geschenke die AKP wählen.
• Am Tag nach der Wahl kam es in Bitlis zu einem Übergriff von AKP Anhängern auf DTP Anhänger. Hierbei wurde mindestens ein Mensch durch einen Steinwurf aus einem Fenster verletzt. Polizei und Einsatzkräfte eines Sondereinheitskommandos der Jandarma (Özel-Teams) sperrten daraufhin die Straßen rund um das DTP Büro - im Zentrum der Stadt - ab.
• Nach Aufhebung der Sperrung kam es vor dem Parteibüro der DTP zu einer spontanen Versammlung, bei der der Vorsitzende der Partei, dazu aufrief sich besonnen zu verhalten und sich nicht zu Gewalt oder Ausschreitungen provozieren zu lassen.
• Kameraleute der Özel -Teams, sowie der Polizei filmten dabei die Versammlung
• Auch der Bürgermeisterkandidat der DTP Bitlis rief die Menschen zur Besonnenheit auf und wurde von Ihnen als der wahre Bürgermeister skandiert.
• Da keins von mehreren Dolmusunternehmen in der Stadt die Delegation transportieren wollte - was nicht gängige Praxis ist - gehen wir davon aus, dass den Unternehmen mit Sanktionen gedroht wurde.

Die Kommunalwahlen fanden am Sonntag den 29.03.2009 statt.

2. Wahlbeobachtung in Bitlis Stadt

Die Stadt Bitlis hat ca. 44923 Einwohner - davon 23418 Wahlberechtigte

In Bitlis beobachteten 2 Gruppen, eine a zwei Personen und eine a einer Person die Wahl. (Beate Reiss, Brigitte Reiss, Stefanie Omwenyeke und die Dolmetscherin Fatma Newroz)

Die Wahlbeobachtung begann um 8 Uhr Morgens.

• Vor den Wahllokalen/Schulen befanden sich Einsatzkräfte der Polizei, die sich zum Teil auch in die Gebäude begaben.
• Jede Gruppe konnte 3 Wahllokale betreten und mit den zuständigen WahlhelferInnen sprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt kam es nicht zu Unregelmäßigkeiten
• Um ca. 9.15 Uhr wurden die BeobachterInnen von Polizei in- und ohne Uniform aufgehalten.
• Eine weitere Wahlbeobachtung wurde seitens der Polizei mit dem Druckmittel, das ansonsten die Wahlbeobachter der DTP, die die Delegation begleiteten, negativ sanktioniert würden. Der zuständige Richter bestätigte das Verbot der Wahlbeobachtung.
• In der Stadt hielt sich am Wahltag sehr viel Militär und Polizei auf.
• Von offiziellen Walbeobachtern der DTP wurde uns berichtet, dass sie während der Wahlen und der drei Auszählungsschritte (Wahlbezirk-Schule, Wahllokal-Schule, Zentraler Auszählungsort- meist Gericht) immer wieder an dem, ihnen zustehenden Eintritt in die Räumlichkeiten der Auszählung oder der Kontrolle des Transports gehindert wurden.
• Der Transport der Wahlzettel wurde zum Teil von Polizei und oder Militär durchgeführt.

Offizielle Ergebnisse der Wahlen in Bitlis Stadt:

Stimmberechtigte: 23418
abgegebene Stimmen: 18792 (80,2%)
davon gültig: 18084

AKP 7795 43,1 %
DTP 6226 34,4%
SP 2914 16,1%
Andere 6,3 %

2. gezeichnet: Beate Reiss, Brigitte Reiss und Stefanie Omwenyeke

3 Die Situation in Norsin/Güroymak

In Norsin/Güroymak beobachtete eine Gruppe von zwei Personen die Wahl (Verena Brachvogel und Martin Dolzer)

Norsin/Güroymak hat ca.19373 Einwohner davon 9691 Wahlberechtigte


Im Vergleich zu Bitlis ist die Situation in Norsin/Güroymak im Allgemeinen, besonders jedoch in Bezug auf die Freie Entfaltung des Lebens und dessen Unversehrtheit, noch wesentlich angespannter. Die Menschen müssen auch hier bei politischer Betätigung ständig mit Festnahme oder Folter rechnen. Polizei in Uniform und in Zivil waren während unseres Aufenthalts im gesamten Straßenbild sehr präsent. Uns wurde von mehreren Personen übereinstimmend berichtet, dass es Zeiten gibt, an denen sich kaum jemand ohne die Gefahr der Verletzung der Unversehrtheit von Freiheit, Gesundheit und Leben durch Militär und Polizei auf die Straße trauen kann. Aufgrund der ständigen Präsenz der Polizei und des Militärs und deren repressiven Praxis gegenüber Frauen, sowie stark feudalistischen Strukturen waren am Wahltag außer auf dem Weg zum Wahllokal kaum Frauen auf der Straße zu sehen.

Die Bevölkerung berichtet davon, dass es seit dreißig Jahren quasi nicht möglich ist, sich im öffentlichen Raum offen zu äußern ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen. Uns wurde von Folter, Verschwindenlassen und extralegalen Hinrichtungen gegenüber politisch Tätigen, Journalisten und politischen Gefangenen in der Provinz Bitlis und weiteren kurdischen Provinzen, während der letzten dreißig Jahre berichtet. Betroffene von Folter müssen zum Teil neben dem erlittenem psychischen Leid, aufgrund der unter Folter erlittenen physischen Schäden, ständig Medikamente einnehmen.

Selbst nach Beendigung der Auszählung der Wahlstimmen befürchteten AnwohnerInnen der Stadt, dass das Militär und die Polizei den Wahlsieg noch in irgendeiner Form annullieren könnten – oder dass es durch den Wahlsieg der DTP zu Racheakten kommen könnte.

Der Wahlsieg des Kandidaten der DTP wurde mit einer spontanen Kundgebung und einem Feuerwerk kraftvoll gefeiert. Mehrere tausend Menschen skandierten Parolen zur Unterstützung der DTP und A. Öcalans. Polizisten in Uniform und Zivil versuchten zunächst die spontane Kundgebung zu verhindern, in dem sie sich auf der Straße mit Knüppeln und Schusswaffen aufstellten.

Da das nicht möglich war beschränkte sich die Polizei dann jedoch darauf die TeilnehmerInnen minutiös abzufilmen. Wie in Bitlis ist die übliche Praxis eine etwaige spätere Sanktionierung der TeilnehmerInnen.

Die Menschen, die wir trafen, waren trotz der ungeheuren Repression sehr liebevoll und kraftvoll. Nach dem Wahlsieg der DTP schwankte die Freude zwischen Ausgelassenheit, der Hoffnung auf schrittweise Verbesserungen und der Sorge über Repressionen und etwaige Racheakte wegen des errungenen Erfolgs. Die grundlegende Gesellschaftsstruktur in Norsin/Güroymak ist noch ziemlich feudalistisch.

Der Prozess der Heilung der Jahrzehnte lang erlittenen psychologischen Kriegsführung kann, unserer Einschätzung nach, jetzt nur teilweise, vollständig allerdings erst durch einen Abzug der Besatzungsmächte Militär und Geheimdienst stattfinden

3.1 Wahlbeobachtung in Norsin/Güroymak:

• Auch in Norcin/Güroymak kam es, Berichten der Bevölkerung zu Folge, im Vorfeld der Wahlen zum versuchten Stimmenkauf durch materielle oder finanzielle Anreize. Es wurden neben Geld auch Waschmaschinen sowie Küchen- und Elektrogeräte versprochen.
• In den zwei Wahllokalen, die wir vor 9 Uhr besuchen konnten, saßen im Eingangsbereich 1 bzw. 5 Polizeibeamten.
• Die WahlhelferInnen waren uns gegenüber freundlich und gaben die Auskunft, dass es bis dahin nicht zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei.
• Die Wahlbeobachtungsdelegation wurde nach dem Besuch zweier Wahllokale um 9 Uhr von Polizei in Uniform und Zivil davon abgehalten weitere Wahllokale zu besuchen. Des weiteren wurde unter der Bedrohung einer späteren Sanktionierung der Dolmetscherin und der uns begleitenden Funktionäre der DTP darauf bestanden, dass die Wahlbeobachtungsdelegation sich den Wahllokalen überhaupt nicht offen sichtbar nähern dürfe.
• Die Wahlbeobachtungsdelegation suchte sich daraufhin einen Punkt von dem aus sie ungesehen - zumindest ein Wahllokal beobachten konnte.

Die folgenden Erfahrungen wurden demzufolge bei einem Wahllokal selbst gesehen und – dokumentiert - für die Anderen Wahllokale von anwesenden Wahlbeobachtern der DTP und einem Anwalt bestätigt:

• Während der Wahl hielten sich vor den Wahllokalen ständig Panzerfahrzeuge und Polizeiwagen, sowie Einsatzkräfte von Özel-Teams auf.
• Mehrere Polizisten in Uniform und Zivil, die sich vor den Wahllokalen aufhielten trugen lange Schlagstöcke.
• Polizisten in Uniform und Zivil gingen in den Wahllokalen ständig ein und aus
• Mindestens in einem Wahllokal (dem von uns beobachteten) wurden bis eine halbe Stunde nach Schließung des Wahllokals noch Personen in Taxis oder zu Fuß zum Wählen gebracht.

• Die o.g. vier Punkte sind auch bildlich dokumentiert.

• Die Urnen wurden u.a. von Polizei und Militär zwischen den Auszählungsorten transportiert.
• Es wurde uns berichtet, dass in einem Wahllokal die Hälfte der DTP Stimmen einer Urne vernichtet wurden.

Die letztendliche Auszählung der Stimmen dauerte unter Streitigkeiten der Wahlkommissionsmitglieder der unterschiedlichen Parteien bis 4 Uhr morgens obwohl die eigentliche Zählung wesentlich früher beendet war.

Offizielle Ergebnisse der Wahlen:

Es wurde in 6 Wahllokalen und 37 Stimmbezirke gewählt

Stimmberechtigte: 9691
abgegebene Stimmen: 7841 (80,9)
davon gültig: 7325

DTP 2492 (34 %)
AKP 2431 (33,2 %)
DP 2069 (28,2 %)
Alle Anderen 4,6%

3. und 3.1 gezeichnet: Verena Brachvogel und Martin Dolzer

4. Wahlbeobachtung in Tatvan

In Tatvan beobachtete eine Gruppe a zwei Personen (F.S. und G.E. die Wahlen)

Zunächst wurden wir von Bitlis nach Tatvan ins dortige DTP-Büro gefahren, um einen generellen Überblick zu bekommen: Dort war die Informationszentrale, dort befanden sich Telefone, Fax, Computer usw., Listen der Wahllokale und Stimmbezirke usw. auch Anwält_innen waren zugegen.

Tatvan hat ca. 75.000 Einwohner_innen, davon ca. 30.000 Stimmberechtigte.
Im Stadtgebiet waren 22 Wahllokale für jeweils bis zu 8 Stimmbezirke eingerichtet, in der Umgebung der Stadt lagen 52 Dörfer mit Wahllokalen.

Um ca. 10:00 Uhr fuhren wir mit einem Pkw los, als Begleitung einen Fahrer und eine Dolmetscherin (englisch).
Wir wollten verschiedene Wahllokale in der Stadt sowie ein Dorf besuchen und die Situation und den Wahlablauf dort begutachten.

Alle Wahllokale waren in Schulen eingerichtet (Grundschulen, Oberschulen, Berufsschulen, Imam-Hatip-Schulen), mit getrennten Räumen für die verschiedenen Stimmbezirke.

In den Räumen für die jeweiligen Stimmbezirke gab es eine Wahlkommission, die sich aus Vertreter_innen verschiedener Parteien und der/dem Wahlkommissions-Vorsitzenden zusammensetzte. Die/der Vorsitzende wurde meistens von einer Lehrer_in gestellt.

Es gab 3 unabhängige Wahlgänge mit farbig unterschiedlichen Stimmzetteln für 3 unterschiedliche Wahlurnen: Stadtparlament, Bezirksparlament, Bürgermeister, Stadtteilvorsteher.

Wir besuchten im Laufe des Tages insgesamt 12 Schulen in der Stadt, es blieb zu wenig Zeit um noch in ein Dorf zu fahren. In jeder Schule besichtigten wir fast immer alle Räume (=Stimmbezirke), in denen gewählt wurde.

Im Eingangsbereich der Schulen, gelegentlich auch in den Fluren, standen etwa 2 bis 5 uniformierte Polizist_innen, in einem Fall direkt an der Tür zu einem Wahlraum.

Die Mitglieder der Wahlkommissionen begrüßten uns meist freundlich, selten distanziert.

Der eigentliche Wahlvorgang lief nach unseren Beobachtungen stets korrekt ab.

4mal sahen wir ältere Frauen, die nicht alleine in die Wahlkabine gingen. Einmal half - wie vorgeschrieben, wenn Hilfe nötig war - die Wahlleiter _in, 3mal wollte ein Verwandter oder der Ehemann mit in die Kabine, davon gab es 2mal sofort Protest von Seiten der Wahlkommission.

Alle Urnen waren versiegelt, manchmal nicht sehr sorgfältig.

Der Andrang der Wahlberechtigten war sehr unterschiedlich, auch innerhalb eines Wahllokals für die verschienen Stimmbezirke.
Morgens war der Andrang relativ gering, mittags und am frühen Nachmittag teils sehr stark, ab ca. 15:00 Uhr wieder deutlich geringer. Vor einigen Wahlräumen warteten kurz vor 16:00 Uhr (=Wahlende) noch Leute, es wurde uns versichert, dass alle Wartenden laut Gesetz noch wählen dürften.

In der ersten Schule fragten wir, ob wir fotografisch dokumentieren dürften (ohne Personen).
Wegen allgemeiner Ratlosigkeit hieß es, dazu bräuchten wir eine Genehmigung vom Richter.
Wir fuhren zum DTP-Büro, wo eine Anwältin telefonisch beim Richter die Erlaubnis beantragte. Es wurde bestätigt, dass wir die Wahllokale betreten dürften, aber das Fotografieren wurde uns untersagt.

In der 3. Schule wurde uns der Einlass verwehrt. Wir sollten warten bis der Richter persönlich käme, der würde dann entscheiden ob wir rein dürften. Es verging ca. ½ Stunde, bis der Richter kam und entschied, dass jeweils nur ein Beobachter mit der Dolmetscherin rein durfte (auf Wunsch aber beide nacheinander).
In den folgenden Wahllokalen waren die Polizisten im Eingangsbereich darüber informiert und achteten darauf, dass wir nur einzeln mit der Dolmetscherin eintraten.

Beim 4. Wahllokal kamen Vertreter anderer Parteien auf uns zu und gaben uns zur Beobachtung noch einen AKP-Vertreter zur Seite. Dies sollte die Ausgewogenheit gewährleisten, denn sie betrachteten die Dolmetscherin gleichzeitig als DTP-Vertreterin.
Von nun an fuhr der AKP-Vertreter zusammen mit 3 anderen Parteien-vertreter_innen mit uns von Schule zu Schule (im eigenen Auto).

Bei den letzten 3 Schulen kamen diese anderen Parteien-Vertreter_innen nicht mehr mit, und wir konnten auch wieder zu zweit zur Beobachtung in die Wahlräume.

Unserer Beobachtung zufolge ist die Stimmabgabe korrekt abgelaufen.

Nach Schließung der Wahllokale um 16:00 Uhr fuhren wir ins DTP-Büro.
Dorthin wurden die Ergebnisse der Auszählungen in den Schulen für die einzelnen Stimmbezirke von der jeweiligen DTP-Vertreter_in der Wahlkommission telefonisch übermittelt.

Wie uns mitgeteilt wurde, wurden alle Urnen danach an einen zentralen Ort gebracht, an dem die Auszählung wiederholt wurde, und es gab keine Differenzen.

Eine Unstimmigkeit über die Aushändigung eines Formulars konnte von den Anwält_innen geklärt werden.

Vor dem DTP-Büro versammelte sich unbehelligt eine wachsende Menschenmenge, die auf die Ergebnisse wartete. Von Zeit zu Zeit wurden einzelne Zwischenergebnisse per Megafon mitgeteilt.

Um ca. 19:00 Uhr verließen wir die Stadt, vor Ermittlung der Endergebnisse.

Auf telefonische Nachfrage am nächsten tag wurde uns aus dem DTP-Büro mitgeteilt, dass Stimmabgabe und Stimmenauszählung korrekt abgelaufen war.

Offizielle Endergebnisse der Wahl in Tatvan:

Stimmberechtigte: 30.922
abgegebene Stimmen 25.789 (83,4%)
gültige Stimmen: 25.044 (97,1%)
DTP: 9.212 (36,8%)
AKP: 8.704 (34,8%)
SP: 6.657 (26,6%)
17 weitere Parteien: 0,5% oder darunter.

Nach Aussagen eines DTP-Vertreters in Diyarbakir hat der Wahlsieg der DTP in Tatvan eine besondere Bedeutung: Tatvan, Norsin und Kulp sind für Muslime so etwas wie der Vatikan für katholische Christen. Somit stellt die DTP für die Muslime Türkeiweit eine politische alternative dar.

Wir danken unserem Fahrer, unserer Dolmetscherin und den Menschen aus dem DTP-Büro für die ausgezeichnete fachkundige Beratung und die liebevolle Betreuung.

4. gezeichnet: F.S. und W.E.


5. Vorschläge für zukünftige Wahlbeobachtunsdelegationen

• Vorbereitungstreffen zu Fragen der politischen Situation und Fragen der Repression,
• Bessere Einführung in die Strukturen und die Organisation der Wahl,
• Möglichst einen Tag vor der Wahl vor Ort sein, um die politischen Bedingungen und die Wahlkampfsituation zu studieren,
• Beobachtung auch der Auszählung
• einen Tag nach der Wahl vor Ort bleiben, um die Auseinandersetzungen über die Wahlergebnisse zu studieren,
• zentrales Treffen aller Delegationen zum Erfahrungsaustausch und zur gemeinsamen Dokumentation.

Wir danken allen Menschen, die sich um einen guten Ablauf unserer Delegationsreise liebevoll gekümmert haben


Gesamtbericht, gezeichnet:

Die Delegationsmitglieder:

Beate Reiss Die Linke, Hamburg Altona
Brigitte Reiss Die Linke, Hamburg Altona, Physiotherapeutin
Stefanie Omwenyeke Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen, Bremen
Verena Brachvogel Die Linke, Hamburg Mitte, Sozialarbeiterin
G. E.
F.S.
Martin Dolzer Soziologe, Projektmitarbeiter des Bundestagsabgeordneten, Prof. Dr.
Norman Paech