Özgür Politika, 10.10.2002

Frauen werden den Schmerz Batmans lindern

Wir sind die Partei mit den meisten weiblichen Kandidatinnen, aber wir haben die Kraft der Frauen in der Politik nicht ausreichend entwickelt. Auch können wir nicht sagen, dass genügend Frauen in den Vorstandsgremien vertreten sind. Aber wir sind uns dessen bewusst, was wir als Ergebnis der langjährigen Bewegung erreicht haben. Angelehnt an diese Bewegung und zusammen mit FreundInnen, die die Freiheitsfackeln in den Händen halten, glauben wir daran, in vielen Dingen erfolgreich sein zu können.

SUNA ISIK

Batman, die Stadt der Selbstmorde, sucht erneut seine Befreiung mit den Frauen. Diejenige, die folgendes sagt: „Batman hat eigentlich damit, dass die Selbstmorde der Frauen auf die Tagesordnung kamen, versucht seinen Schrei erhören zu lassen. Aber die jetzige Gesellschaft der Türkei, hat den Schrei der Frau nicht gehört. Dessen sind wir uns bewusst,“ ist Nurhayat Altun*, erste Listenkandidatin der DEHAP Batman. Altun, die mit sicheren Schritten in die Politik kam, bereitet sich auf das Abgeordnetensamt vor. Nurhayat Altun, die auf Drängen der Parteifreunde in Batman für diese Stadt kandidiert, erzählt über ihre Ziele für Batman, die zu den Provinzen gehört, die während der bewaffneten Auseinandersetzungen am meisten erlitten hat und über ihre Erlebnisse der Begeisterungen während der Wahlkampftour.

Die Kandidatinnen ihrer Partei ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Wie bewerten Sie dies?

Wenn wir das Profil unserer Kandidatinnen betrachten, sehen wir, dass sie hauptsächlich aus der HADEP kommen. Es sind Freundinnen, die durch ihre Arbeit in der Partei und als Ergebnis ihrer eigenen Organisierung als Frauen Kandidatinnen geworden sind. Es sind Frauen, die vor allem mit dem Bewusstsein ihrer Identität als Frau und ihrer hieraus folgenden aktiven Arbeit in der Partei tätig sind. Daneben haben wir Freundinnen, die unser Partei nicht fremd sind, von der Presse, von der Gewerkschaft oder aber Frauen die auf anderen Gebieten arbeiten aber mit der Arbeit unserer Partei in nahem Kontakt stehen und Freundinnen, die wiederum in Frauenorganisationen tätig sind. Es ist hier das Bewusstsein für unser Geschlecht, was die Kandidatur betrifft.

Solch ein Zusammenschluss reflektiert natürlich auch die Sicht der DEHAP auf Frauen. Unser Einzug in das Parlament mit diesem Profil wird das Parlament verändern. Wir denken, dass durch die Vertretung der Frauen im Parlament das verschimmelte, verschmutzte System und die Politik gereinigt wird. Dessen Führung werden wir Frauen, die Kandidatinnen der DEHAP, übernehmen.

Das Problem der Demokratisierung der Türkei ist bekannt. Die DEHAP und vorherige Parteien hatten zur Vorbereitung dessen ernsthafte Arbeiten. Aber in den letzten 3 Jahren hat unsere Partei für die Demokratisierung der Türkei viele Mühe betrieben. Und wir glauben daran, dass die Frauen die Führung dessen übernehmen werden.

Sie waren auch beim Friedenskonvoi dabei. Wir wurden Sie unterwegs empfangen?

Unser Friedenskonvoi, der am 28. September in Adana begann, führte durch Mersin, Osmaniye, Iskenderun, Antep, Urfa, Diyarbakir, Mardin und Batman, wo wir immer von vielen Menschen empfangen wurden. Ich hatte schon früher an solchen Reisen teilgenommen, kann aber gerade für die jetzige Zeit sagen, dass das Interesse und die Teilnahme der Frauen und jungen Menschen sehr, sehr hoch ist. Ich kann sagen, dass die Begeisterung, die Aufregung, die Moral sehr groß ist und dass wir erlebt haben, wie die Menschen ihre Kandidaten in Besitz nehmen. Vor allem in bestimmten Gegenden, z.B. Antep, Batman, Siirt war die Teilnahme der Frauen und Jugendlichen sagenhaft. ...

Verstehen die Menschen Ihre Nachrichten?

Unsere Kandidatinnen im Friedensbereich haben hierzu ein Programm entwickelt. Z.B. lassen wir alle unsere Kandidatinnen eine Rede halten mit dem Spruch „jede Stimme ist eine Rose der Demokratie“ und nach der Rede verteilen unsere Kandidatinnen Rosen. Was der Hauptinhalt dieses Spruchs ist, welche Nachricht wir damit sagen wollen verstehen sie sehr gut und sie zeigen es uns in dem Moment durch ihre Reaktionen und Parolen.

In der derzeitigen Situation bewirkt die hohe Zahl unserer Kandidatinnen auf unsere Frauen, dass noch mehr als früher Partei ergreifen. Es wurde z.B. zum ersten Mal nach 20 Jahren in Tatvan eine Kundgebung organisiert. Es ist eine Gegend, in der viele Morde durch „unbekannte Täter“ passieren, wo das Volk demoralisiert ist. Bei der Kundgebung dort fiel die große Anzahl Frauen auf.

DEHAP hat seine Frauenpolitik bekannt gemacht. Es gibt Lösungsvorschläge für viele verschiedene Themen. Wird es außer diesem eine Arbeit für spezielle Probleme in regionalen Gebieten geben? Wie z.B. die Selbstmorde in Batman, Morde aus traditionellen Gründen in Urfa.....?

Als die Selbstmordrate der Frauen in Batman auffällig wurde, hatten die Frauenverbände unserer Partei noch vor den Wahlen eine Untersuchung hierzu durchgeführt. Es wurden unter der Leitung des Rathauses Institutionen für Frauen geschaffen. Angepasst an die soziologische Situation Batmans wurden Stadtteilaktivitäten durchgeführt.

Batman hat eigentlich damit, dass die Selbstmorde der Frauen auf die Tagesordnung kam, versucht seinen Schrei erhören zu lassen. Aber die jetzige Gesellschaft der Türkei hat diesen Schrei der Frau nicht gehört. Dessen sind wir uns bewusst.

Batman wurde am meisten von den bewaffneten Auseinandersetzungen mitgenommen und mit dem Ende dessen erlebte es einen Zusammenbruch. Es ist notwendig, auch unsere Mängel in dieser Hinsicht zu erwähnen. Wir hatten große Schwierigkeiten an die Frauen heranzukommen. Meine Kandidatur für Batman kann auch als eigene Selbstkritik aufgenommen werden, die ich an die Frauen richte.

Es wird natürlich Arbeiten zu Frauenhäusern und der Verbreitung unabhängiger Frauenorganisationen geben. Aber ich möchte folgendes betonen; diese Aktivitäten können nur als technische Punkte gewertet werden. Hauptsächlich wird unser Arbeit darin liegen, das Bewusstsein für die Identität der Frau zu verbreiten. Es ist eine Arbeit notwendig, die im allgemeinen alle Frauen betrifft, aber auch Kommunalpolitik ist sehr wichtig. Wir denken an eine Arbeit, die das Bewusstsein der Frau und die Organisierung verbreitet.

Die Freiheitsfackel gibt die Kraft

Sehen Sie die Aktivitäten und die Macht der Frauen in der Partei als ausreichend an?

Wir sind vielleicht die Partei mit den meisten Kandidatinnen aber wir haben die Kraft der Frauen in der Politik nicht ausreichend entwickelt. Wir können nicht sagen, dass genügend Frauen in den Vorstandsgremien vertreten sind. Aber wir sind uns dessen bewusst, was wir als Ergebnis der langjährigen Bewegung erreicht haben. Angelehnt an diese Bewegung und zusammen mit FreundInnen, die die Freiheitsfackeln in den Händen halten, glauben wir daran, in vielen Dingen erfolgreich sein zu können.

*Nurhayat Altun

Geboren 1964 in Kayseri, Sariz aber in Ankara aufgewachsen. Hat im Rathaus in Ankara gearbeitet. Als das Verbot der HEP auf der Tagesordnung stand, arbeitete sie im dortigen Kreisvorstand. Nach der Schließung der HEP war sie erneut im Kreisvorstand und der Zentralen Frauenkommission der DEP. Nach dem Austritt aus dem Rathaus war sie im Kreisvorstand der HADEP Ankara. Sie hat bei den Zeitungen Yeni Politika und Demokrasi gearbeitet. Danach ist sie erneut zu HADEP gegangen und hat dort ihre Aufgabe als Zentralmitglied der Partei. Vor ihrer Kandidatur für DEHAP war sie stellvertretende Vorsitzende der HADEP und im Vorstandsrat.