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26.3.2007

Land unter für deutschen Export

Nichtregierungsorganisationen kritisieren Bürgschaftsbewilligung für türkischen Ilisu-Staudamm

Die soeben bekannt gegebene Entscheidung der Bundesregierung, eine Hermesbürgschaft für den Ilisu-Staudamm im Südosten der Türkei endgültig zu bewilligen, trifft auf massive Kritik von Nichtregierungsorganisationen.

„Die Bundesregierung opfert Menschen, Kultur und Umwelt, um einigen Unternehmen Gewinne zu ermöglichen“, urteilt Heike Drillisch von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation WEED. „Die Pro-Ilisu-Entscheidung ist eine Schande für Deutschland.“ Nach wie vor wurden die betroffene Bevölkerung und die gewählten Repräsentanten der umliegenden Gemeinden nicht angemessen in die Planung einbezogen. Nach Umfragen sind rund 80 % der Bevölkerung gegen das Projekt. „Mit der Entscheidung beugt die Bundesregierung sich offensichtlich dem Druck, den die türkische Regierung aufgebaut hat, statt auf die Einhaltung internationaler Standards zu achten“, so Drillisch.

„Die Vergabe der Hermesbürgschaft für den Ilisu-Staudamm ist mehr als eine Enttäuschung für uns betroffene Menschen. Durch ihr doppelzüngiges Verhalten verliert die deutsche Regierung in unseren Augen jede Glaubwürdigkeit“, erklärt Ercan Ayboga von der örtlichen Initiative zur Rettung von Hasankeyf. Die Bundesregierung beteilige sich an einem sehr großen Verbrechen gegen die Kultur und Umwelt und trage dazu bei, dass die Menschenrechte von zehntausenden Menschen verletzt werden. „Der Ilisu-Staudamm ist von Grund auf ein so zerstörerisches Projekt, dass es nicht mit irgendwelchen Auflagen verbessert werden kann. Daher muss es gestoppt werden“, so Ayboga.

Regine Richter von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald kommentiert: „Mit dieser Entscheidung nimmt die Bundesregierung irreversible Schäden für die Biodiversität und die Zerstörung von Lebensraum vieler Vögel wissentlich in Kauf. Bisher liegt keine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt vor. Ein derartiges Verfahren wäre bei keinem europäischen Projekt denkbar.“

Nicht einmal die Übereinstimmung des Projekts mit türkischen Gesetzen ist geklärt, da in der Türkei noch etliche Gerichtsverfahren anhängig sind. Damit widerspricht die Bundesregierung den eigenen Kriterien für die Vergabe von Exportkreditgarantien.

Erst am vergangenen Freitag hat die Initiative zur Rettung Hasakeyfs unter Beteiligung internationaler Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten sowie europäischen und deutschen Parlamentariern einen „Park der Hoffnung und Solidarität“ in der betroffenen Region eröffnet.

Wie umstritten das Projekt in der Region ist, zeigt auch die kürzlich erfolgte Meldung, dass die türkische Regierung die Entsendung von 5.000 Soldaten ins Projektgebiet plant, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Unser Widerstand wird auf jeden Fall weitergehen. Die deutsche Regierung wird laufend mit diesem verantwortungslosen Beschluss konfrontiert werden", kündigen die Organisationen an. Sie prüfen rechtliche Schritte gegen die Entscheidung der Bundesregierung.

Weitere Informationen:

Heike Drillisch (WEED), 0177 – 345 26 11

Regine Richter (urgewald), 0170 – 2930 725