Kurdistan Solidarität Uelzen



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Düsseldorf, 23. Dezember 2002

 

 

Nichts Neues in Celle

Hetze gegen Kurdinnen und Kurden geht unvermindert weiter


Anfang November 2002 erschienen in verschieden niedersächsischen Tageszeitung (u.a. Celle, Uelzen, Lüneburg), in der Bild (Hannover), der Welt und im Focus Artikel über ein 15-jähriges kurdisches Mädchen aus Celle, das sich angeblich in einem geheimen PKK-Ausbildungslager aufhalten soll.

Der erste Artikel erschien im Focus, auf den sich dann die anderen bezogen und der von der Polizei und niedersächsischen Verfassungsschutz bestätigt wurde.
Laut dieser Artikel war das Mädchen seit dem 12. August 2002 ohne eine Benachrichtigung der Eltern nicht mehr im Schulunterricht erschienen und nach Einschätzung der Polizei in ein Ausbildungslager der PKK gebracht worden. Polizei und Verfassungsschutz gingen davon aus, das der Vater des Mädchen wusste, wo sich das Mädchen aufhielt. Er hätte angeblich nicht nach seiner Tochter gesucht und erst nach einem Besuch der Polizei eine Vermisstenanzeige gestellt. In allen Artikeln wird der Vater als „führender PKK-Funktionär“ bezeichnet.

Nach Darstellung des Verfassungsschutzes werden kurdische Jugendliche an geheimen Orten in Deutschland und im Ausland als Kadernachwuchs der kurdischen Organisationen ausgebildet. Das Verschwinden des 15-jahrigen Mädchen aus Celle sei „kein Einzelfall“.

Bevor der Artikel im Focus erschien, tauchten bei der betroffenen Familie drei Personen auf, die vorgaben bei der Suche nach verlorenen Kindern zu helfen. Bei einem Sohn erkundigten sie sich kurz über den Fall, machten Fotos vom Wohnzimmer der Familie und nahmen ein Foto von Vater und Tochter mit. Kurze Zeit darauf erschien dann der Artikel im Focus, in dem das Foto aus dem Familienalbum und ein Öcalan-Bild aus dem Wohnzimmer erschien.
Der Artikel stammt von Hubert Gude und Kayhan Özgenc, dem Leiter des Hamburger Büros des Focus.
In diesem Artikel wird auch der Leiter des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Rüdiger Hesse zitiert, der den Umwandlungsprozess der kurdischen Bewegung, nun ausschließlich mit demokratischen und friedlichen Mitteln Zukunftsperspektiven zu entwickeln, als „alter Wein in neuen Schläuchen“ bezeichnet. Es wird auch wieder über angebliches gewaltsames erpressen von Spenden fabuliert.

Mittlerweile ist das Mädchen wieder bei ihrer Familie. Der Vater hat eine Anzeige wegen Verleumdung gegen Unbekannt gestellt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt nun gegen den Leiter der Staatsschutzabteilung der Polizei Celle, Hans-Heinrich Müller von der Ohe.

Dies alles steht in einer Reihe einer Diffamierungs- und Kriminalisierungskampagne gegen Kurdinnen und Kurden in Celle. Mal sind es angeblich zweifelhafte Häuserkäufe, Spenden-Erpressungen oder eben das Jugendliche in Ausbildungslager der PKK gebracht würden.
Zuletzt fand in Celle am 2. September 2002 eine Hausdurchsuchung bei einem angeblichen Funktionär des KADEK statt. Es soll sich um den „Depothalter“ der PKK-Region Nord handeln.


Celle / Uelzen, 2002-12-23
Kurdistan Solidarität Uelzen