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Aufruf

Der Staat setzt seine gegen R.K. gerichteten Repressionen und Unterdrückungsmaßnahmen fort.

Als R.K. l0 Jahre alt war, wurde sie in ihrem Dorf Memer bei Diyarbakir durch einen Dorfschützer vergewaltigt.
An diesem Tag im November 1996 war ihre Familie in die Stadt gefahren, als derDorfschützer Süleyman Aslan, der das Mädchen von klein auf kennt, zu ihrem Haus kommt, ihr seine durch den Staat erhaltene Waffe an den Kopf hält und sie vergewaltigt.
Nachdem sich das Mädchen seiner Tante anvertraut hatte, berichtete diese dem Vater und die Familie beschloß, Anzeige zu erstatten. Obwohl der Diensthabende Unteroffizier der Gendarmeriewache Mermer sie bedrohte, bestanden sie auf dieser Anzeige.
Gegen den Dorfschützer wurde ein Strafverfahren wegen Vergewaltigung eingeleitet.
Gleich in der ersten Hauptverhandlung wurde er jedoch freigesprochen und bewegt sich weiterhin Ruhe in dem Dorf, während R.K. und ihr Vater aufgrund der anhaltenden Bedrohungen nicht in das Dorf zurückkehren konnten.
Während der Dorfschützer sich frei bewegt, wird das Mädchen ein Leben lang an den Folgen dieser Vergewaltigung zu tragen haben.
Die ökonomische Situation der Familie ist extrem schlecht. Unter unwürdigsten Bedingungen existiert das Mädchen mit ihrem Vater am Rande des Existenzminimums in Diyarbakir. Aus diesem Grund hatten Frauenorganisationen und MenschenrechtsaktivistInnen dazu aufgerufen, die Familie zu unterstützen, und das auf den Vater bei einer Bank eingerichtete Konto angegeben.
Aber diejenigen, die die Politik bestimmen, begnügten sich mit dem bisher Geschehenen nicht, sie verboten selbst diejenige Hilfe, die zumindest die materiellen Lebensbedingungen der Familie etwas erleichtern sollte und beschlagnahmten das Konto.
In der Folge wurde ein Strafverfahren gegen die Vorstandsmitglieder des IHD (Menschenrechtsverein) Diyarbakir wegen "unerlaubter Spendensammlung" eröffnet.
Die erste Hauptverhandlung wird am 1.7.1999 vor dem Amtsgericht Diyarbakir stattfinden.Wir rufen alle, die sich gegen die staatliche Einmischung auf allen Ebenen des Lebens wenden auf, dieses Verfahren zu beobachten und eventuell Delegationen zu schicken.

10.6.1999