Yahoo! Sonntag 28. Februar 1999, 10:59 Uhr

Öcalan wird angeblich unter Drogen gesetzt

Rom (dpa) - Der kurdische Separatistenführer Öcalan wird nach den Worten eines Anwaltes in seinem türkischen Gefängnis unter Drogen gesetzt. Öcalan habe
nicht die Reaktionen eines normalen Menschen, zitierte die römische Zeitung «La Repubblica» den türkischen Anwalt Zeki Okcuoglu. Öcalan werde auf der
Gefängnisinsel Imrali vollständig isoliert und wisse nichts von den Kurdenprotesten in Europa. Der Jurist hatte die Verteidigung Öcalans vor einigen Tagen aus Furcht
vor Mordanschlägen türkischer Nationalisten niedergelegt.
 
 

 Yahoo! Sonntag 28. Februar 1999, 13:13 Uhr

Ecevit lehnt Minderheitenrechte für Kurden ab

Drohungen gegen Griechenland - Kritik an Öcalan-Prozeß zurückgewiesen - Anwalt des PKK-Chefs legt Mandat nieder

Ankara (AP) Der türkische Regierungschef Bülent Ecevit hat internationalen Forderungen nach Minderheitsrechten für die Kurden eine Abfuhr erteilt. «Wir haben
kein Problem einer kurdischen Minderheit», sagte Ecevit am Samstag abend im Programm des staatlichen Fernsehsenders TRT. «Diese Leute sind Bürger erster
Klasse wie die Bevölkerung im übrigen Land.» Der Ministerpräsident wies Kritik am Prozeß gegen PKK-Chef Abdullah Öcalan zurück und äußerte versteckte
Drohungen gegen Griechenland. Am Sonntag demonstrierten in Mudanya, dem der Gefängnisinsel Imrali nächstgelegenen Hafen, Angehörige im Kurdenkonflikt
gefallener türkischer Soldaten gegen die Kurdische Arbeiterpartei (PKK).

Ecevit sagte mit Blick auf die Forderung nach Respektierung der kurdischen Sprache, der innere Frieden in der Türkei dürfe nicht gestört werden, indem die Einheit
der Sprache beschädigt werde. Auch lasse sich die Türkei nicht in eine Mehrheit und eine Minderheit spalten. Die etwa zwölf Millionen Kurden in der Türkei werden
nicht als eigene Minderheit anerkannt und dürfen ihre Sprache in Veröffentlichungen oder in Schulen nicht verwenden. Seit 1984 kämpft die PKK im Südosten der
Türkei für Autonomie. Bei den schwersten Gefechten seit der Festnahme Öcalans wurden am Wochenende in der südöstlichen Provinz Sirnak 17 PKK-Kämpfer
getötet.

Die laut Polizeiangaben 2.000 Demonstranten in Mudanya forderten die Todesstrafe für den auf der Gefängnisinsel seit 16. Februar inhaftierten PKK-Chef. «Die
Türkei wird Apos Grab werden», riefen sie. «Apo» ist ein Spitzname Öcalans. «Apo wird den Waisen Rechenschaft ablegen.»

Ecevit beschuldigte erneut Griechenland, auf seiten der PKK zu stehen und rief die Nato deswegen zu Sanktionen auf. «Einer unserer Nato-Verbündeten,
Griechenland, unterstützt eine blutige Bewegung, so daß die Türkei von innen angegriffen wird», sagte Ecevit in dem auch von der halbamtlichen Nachrichtenagentur
Anatolia verbreiteten Interview. «Die Türkei wird alles Notwendige für ihre Selbstverteidigung unternehmen», fügte der Regierungschef hinzu.

Gegen Kritik am Jusizsystem verwahrt

Im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen den vor zwei Wochen aus Kenia verschleppten Öcalan verwahrte er sich gegen Kritik am türkischen Justizsystem. Am
Freitag legte einer der 15 Anwälte des wegen Landesverrats angeklagten PKK-Führers aus Angst um sein Leben sein Mandat nieder. Ahmet Zeki Okcuoglu sagte,
er und seine Familie hätten Todesdrohungen erhalten. Ein anderer Anwalt, Osman Baydemir, wurde am Samstag morgen in Istanbul nach mehrstündiger Inhaftierung
wieder freigelassen. Ihm wurden Kontakte zur PKK vorgeworfen.

Die griechische Regierung wies am Samstag Vorwürfe von Anhängern Öcalans zurück, sie habe bei dessen Festnahme durch eine türkische Sondereinheit
mitgeholfen. Diese antigriechischen Erklärungen könnten nicht toleriert werden, sagte Regierungssprecher Dimitris Reppas in Athen. Er bezog sich auf Äußerungen
von Semsi Kilic, die Öcalan nach Kenia in die griechische Botschaft begleitet hatte. «Wir werden nicht vergessen, daß unser Führer mit der Hilfe griechischer
Behörden überwältigt wurde», sagte Kilic.