Kurier (A), 27.12.2000

Selbstverbrennung: Kurde verstorben

Wien - Ein aus der Türkei stammender Kurde, der sich am 15. Dezember bei einer Kundgebung in der Wiener Innenstadt mit Benzin übergossen und angezündet hatte, ist am Weihnachtstag im AKH gestorben. Wie die Gruppe "Antiimperialistische Koordination" am Dienstag unter Berufung auf eine "Erklärung der Familie und seiner politischen Freunde" weiter mitteilte, wollte Metin Alavi (36) vor dem Solidaritätszelt mit den politischen Gefangenen in der Türkei "sein Leben mit einer revolutionären Aktion beenden".

Vorwürfe gegen Polizei

Nach Medienberichten waren rund 90 Prozent der Haut Alavis verbrannt. In einem vom Nachrichtenmagazin "Profil" zitierten Abschiedsbrief hatte er schwere Vorwürfe gegen die österreichische Polizei erhoben. Er behauptete, von Wiener Polizisten über längere Zeit unter Druck gesetzt worden zu sein, Informationen zu liefern, die er nicht gehabt habe. Weiters habe es Versuche gegeben, ihn zu überreden, als Polizeispitzel zu arbeiten.

In der Kriminalabteilung der Wiener Polizei hieß es dazu laut "Profil", "dass der Mann psychisch nicht auf der Höhe war, weil sonst zündet man sich doch nicht an". Außerdem dürfte er wegen seiner desolaten familiären Situation verzweifelt gewesen sein.

APA/bar