HANDELSBLATT, 10.3.2000

Rüttgers will muttersprachlichen Unterricht streichen

dpa DÜSSELDORF. Der Ministerpräsidenten-Kandidat der nordrhein-westfälische CDU, Jürgen Rüttgers, will bei einem Wahlsieg am 14. Mai den muttersprachlichen Unterricht für Ausländer an den Schulen des Landes abschaffen. Der Unterricht in der Muttersprache diene nicht der Integration der in Deutschland lebenden ausländischen Kinder, sagte Rüttgers am Donnerstag in Düsseldorf.

In Nordrhein-Westfalen werden nach Angaben des Bildungsministeriums 122 000 Ausländerkinder in ihrer Muttersprache unterrichtet, davon 70 Prozent türkische Jugendliche. Der muttersprachliche Unterricht wird in 18 Sprachen an allen Schulformen bis zur zehnten Klasse angeboten, ist freiwillig und wird neben dem normalen Unterricht erteilt.

Ausländische Kinder müssten schon vor ihrer Einschulung genügend gefördert werden, damit sie dem Unterricht von Anfang an folgen könnten. Rüttgers warf der SPD vor, sie hänge noch immer dem Irrglauben einer multikulturellen Gesellschaft an. Vielmehr sei eine klare Integrationspolitik notwendig. "Wir müssen von der Vorstellung Abschied nehmen, wir könnten die Menschen eines Tages zurückschicken."