ZEGGsismus
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Es ist immer schwierig, am
Ende wieder an den Anfang zu finden. Jetzt, nachdem wir diesen Reader endlich
fertig haben,
überlegen wir uns,
wie wir überhaupt auf die Thematik ZEGG gestoßen sind. Erste
Auslöser für unsere Beschäftigung mit ZEGG
waren - für einen Teil
von uns - die zahlreichen Plakate und ähnlichen Werbematerialien,
mit denen das ZEGG massiv für sich
warb.
Bei genauer Sichtung der
Materialien stießen wir auf den massiven Sexismus, den das ZEGG mit
seiner Ideologie der "Freien
Liebe" propagiert. Auch
die Beteiligung des ZEGG an der Verteidigung des im Kölner Kinderladenprozeß
wegen sexuellen
Mißbrauchs Angeklagten
fiel uns negativ auf.
Genauso gerieten sie durch
Gegenveranstaltungen, in denen kritisch über sie informiert wurde,
in unser Blickfeld. Dazu kam
noch, daß einzelne
Menschen aus unseren Bekanntenkreisen, die z.T. auch politisch aktiv waren,
sich mehr und mehr für ZEGG
interessierten und darin
mitwirkten. Dies führte dazu, daß sie sich aus anderen Zusammenhängen
mehr oder weniger rauszogen,
wenn das nicht schon vorher
der Fall war.
Für einen anderen Teil
von uns war ZEGG aber auch schon länger Thema. Zum Beispiel, weil
sie es geschafft hatten, in einer
Kneipe in Berlin-Moabit
einen als Literaturkreis getarnten regelmäßigen Werbeabend aufzuziehen
und es dagegen Proteste gab.
Nach intensiver Beschäftigung
mit ZEGG machten wir dann Anfang 1994 zwei Infoveranstaltungen dazu (die
erste im
gemischten Zusammenhang,
die zweite nur für Frauen).
Da auf diesen Infoveranstaltungen
reges Interesse bestand, mehr darüber zu wissen, und viele auch über
ähnliche Erfahrungen
wie wir berichteten, wollten
wir unsere Infos nochmals in Form dieses Readers zusammenschreiben.
Ihr könnt die einzelnen
Beiträge unabhängig voneinander lesen, deshalb werdet ihr aber
auch feststellen, daß sich einzelne
Informationen wiederholen.
Das hier ist jetzt also das
Ergebnis!!!
Was ist
das ZEGG?
ZEGG bedeutet: Zentrum für
experimentelle Gesellschaftsgestaltung
Nach seiner Selbstdarstellung
ist das ZEGG:
Ein Versuch, neue Formen
des Zusammenlebens zu entwickeln und so die Erde zu heilen
Nach unserem Eindruck ist
das ZEGG:
Ein Mittelding zwischen reaktionärem
Religionsersatz und der New-Age-Version des Club Méditerrané
Ist das
ZEGG eine Sekte???
Dem ZEGG wird von KritikerInnen
vielfach der Vorwurf gemacht, eine Sekte zu sein. So z.B. auch im Zusammenhang
mit dem
Auftrittsverbot für
Sabine Lichtenfels und Dieter Duhmin einer Vorlesungsreihe von Rudolf Bahro
an der Humboldt-Universität
im Sommer 1993.
Die Unipräsidentin Marlis
Dürkop untersagte damals Bahro die Einladung der beiden mit der Begründung,
das ZEGG sei eine
Sekte, deren Ziele im Widerspruch
zur humanistischen Auffassung der Humboldt-Uni stünden.
Das Ganze hatte natürlich
auch damit zu tun, daß Antifa-Gruppen bereits zur Störung dieser
Vorlesung mobilisiert hatten.
Das ZEGG seinerseits reagierte
damals mit offensivem Zurückschlagen. Das Titelblatt der Juli/August-Ausgabe
des
ZEGG-Magazins wurde mit
dem Aufdruck "Vorsicht Sekte!" versehen. Das ZEGG behauptete in diesem
Heft, daß auf sie
lediglich klischeehafte
Vorstellungen von Sekten projiziert würden, in denen Hörigkeit
und psychische Unterwerfung im
Mittelpunkt ständen,
was jedoch mit dem Leben und der Realität im ZEGG nichts zu tun hätte.
An dieser Stelle ist es vielleicht
ganz hilfreich, ein paar Worte über die Bedeutung des Begriffs "Sekte"
zu verlieren:
"Sekte", eine Ableitung des
lateinischen Wortes "sectare" = "abspalten" oder auch "sequi" = "folgen"
wird seit Jahrhunderten
zumeist von den christlichen
Großkirchen als im deutschen Sprachgebrauch diffamierend verwendet.
Erst mit dem Aufkommen
der zumeist indisch geprägten
sog. "Jugendreligionen", wie z.B. "Hare Krishna", gelangte der Begriff
"Sekte" in den allgemeinen
Sprachgebrauch und wurde
seitdem auf viele religiöse Gruppen, die nicht zum Mainstream der
großen Weltreligionen gehörten,
verwandt. Nicht zuletzt
wegen des diffamierenden Beigeschmacks des Sektenbegriffs, beschränkt
man sich heutzutage wieder
darauf, den Begriff lediglich
auf die klassischen christlichen "Sekten" zu beziehen.
In diesem Sinne ist das ZEGG
sicherlich keine Sekte und auch der "religiöse" Unterbau läßt
nicht unbedingt Wurzeln im
klassischen Christentum
erkennen.
Darüber hinaus sind
wir der Meinung, daß das ZEGG und die von ZEGG propagierte Ideologie
genügend Ansätze für eine
kritische Auseinandersetzung
bietet und die Frage, ob Sekte oder keine dabei eigentlich zweitrangig
ist. Vielmehr geht's uns
darum, eine über den
Sektenvorwurf hinausgehende Auseinandersetzung sowohl mit der ZEGG-Ideologie
als auch mit seinen
SympathisantInnen zu führen,
was wir mit dieser Broschüre versucht haben und unter euch anleiern
wollen.
Tatsächlich sind bis
heute noch keinerlei Fälle bekannt geworden, in denen das ZEGG versucht
hätte, Ausstiegswillige in Belzig
zu halten oder unter Druck
zu setzen.
Andererseits wäre dem
entgegenzuhalten, daß das ZEGG ja ohnehin nicht als "geschlossene
Gemeinschaft" arbeitet, sondern ein
offenes Konzept mit zwar
fester "Belegschaft", aber wechselnden TeilnehmerInnen verfolgt, so daß
sich die Frage nach einer
Zwangsmitgliedschaft, die
als Kriterium für die Kategorie 'Sekte' üblicherweise angewandt
wird, so gar nicht stellen kann.
Allerdings stellt sich uns
auch die Frage, wem und warum eine solche Kategorisierung, sprich das Öffnen
der Sektenschublade
eigentlich nützt.
Dazu sagt ein ehemaliges
AAO-Mitglied einige Sachen, die wir ganz passend fanden:
"Ein Hauptmotiv, einen Oberbegriff
zu suchen, scheint das Verlangen der gesellschaftlichen Mehrheit zu sein,
eine
Distanz der 'mainstream'-Ideologie
zu den Verirrten auszudrücken. Der ideologischen (Selbst-) Ausgrenzung
der
'Sekten' begegnet die Gesellschaft
mit einer nicht weniger ideologischen Ausgrenzung. Ein Dialog ist kaum
mehr
möglich, es dominieren
Anfeindungen, Vorurteile und - bisweilen - Verfolgung." (Andreas Schlothauer,
S.195)
Auch wir meinen, daß
mensch es nicht bei Ausgrenzung, bestenfalls Bemitleiden belassen sollte.
Ein solches Verhalten führt zu
weiterer Isolierung der
Betroffenen und als Folge davon zu noch engerer Anbindung an die jeweilige
Gruppierung.
Und auch für's ZEGG
gilt, daß der Sekten-Vorwurf kein Ersatz für eine inhaltliche
Auseinandersetzung sein kann.
Das ZEGG
- Aufbau und Vernetzung
Die Strukturen des ZEGG bzw.
des Projekts Meiga und der dazugehörigen Einrichtungen "von außen"
zu rekonstruieren, erwies
sich als äußerst
schwieriges Unterfangen. Darstellungen von KritikerInnen des Projekts wurden
von Menschen aus dem ZEGG
des öfteren als falsch
bezeichnet; ihre eigenen Angaben (in den unterschiedlichen Werbeblättern)
sind aber dermaßen
schwammig und widersprüchlich,
daß es uns an vielen Stellen schwer fiel, Projekte und Eigennamen
klar voneinander
abzutrennen, den einzelnen
Projekten Namen zuzuordnen usw. Ist z.B. Christa Dregger identisch mit
Leila Dregger, Happy
Faller derselbe wie Herbert
Faller, in welcher Beziehung stehen z.B. das "Europäische Haus der
Jugend", der "JETZT e.V.",
das "Welthaus der Jugend",
"Undersky" und das "Internationale Haus der Jugend" zueinander? Wir wissen,
wie gerne Leute
vom ZEGG ungenaue Aussagen
zu solchen Punkten dazu benutzen, sich selbst darzustellen und gleichzeitig
unangenehmen
Nachfragen zu inhaltlichen
Äußerungen ihrer IdeologInnen aus dem Weg zu gehen. Trotzdem
haben wir uns dazu entschlossen,
in diesem Reader eine Rekonstruktion
der Strukturen zu versuchen - wir möchten aber an dieser Stelle darauf
hinweisen, daß
wir keinen Anspruch auf
Vollständigkeit und absolute Genauigkeit in allen Details erheben
können!
ZEGG - Das Zentrum des Projekts
Meiga
Das Gelände des ZEGG
in Belzig, 80 km südwestlich von Berlin, wurde 1991 durch die "ZEGG
Forschungs- und
Bildungszentrum GmbH" von
der Treuhand gekauft. Auf dem 15 Hektar großen, früher von der
"Gesellschaft für Sport und
Technik" (in der DDR zuständig
für die vormilitärische Erziehung der Jugendlichen; bei ZEGG
meist kurz und präzise "Stasi"
genannt) genutzten Platz
befinden sich neben Wohnhäusern für die etwa 50-70 ständigen
BewohnerInnen, dem Kinderhaus, in
dem die ca. 10-15 Kinder
ein zusätzliches Zimmer besitzen, dem Hotel und dem Zeltplatz zur
Unterbringung der BesucherInnen
unter anderem ein Tagungshaus,
Restaurant und Großküche, eine Dorfkneipe, Schwimmbad, Freilichtbühne
und diverse
ökologische Projekte.
Im ZEGG finden das ganze
Jahr über, besonders aber während der einige Tage dauernden Camps
an Pfingsten und Ostern und
dem mehrwöchigen "Offenen
Sommer" mit Sommercamp, diverse Veranstaltungen, Seminare und Kurse statt.
Wem es bei
einem Besuch in Belzig oder
auf einem der regelmäßigen Info-Wochenenden gefallen hat, der
oder die kann z.B. am Seminar
"Du bist entweder Patient
oder Revolutionär" oder "Humanität ohne Verdrängung" (Untertitel:
"Leg auch du ein Ei") teilnehmen.
Auch die Möglichkeit
zur Mitarbeit wird gegeben, u.a. in speziellen Workcamps für 240 oder
400 DM (6 bzw. 10 Tage).
Finanzierung
Das Projekt wurde 1991 über
die Dresdener und Berliner Treuhand vom Trägerverein "Experiment für
eine humane Erde e.V."
erworben. Der Kaufpreis
von ca. 2,15 Mio. DM sowie weitere innerhalb von zwei Jahren zu investierende
2,1 Mio. wurden
nach Angaben aus dem ZEGG
nicht durch staatliche Unterstützung (beispielsweise aus dem Programm
"Aufbau Ost"), sondern
durch Einlagen der 112 GmbH-EignerInnen,
eine größere Bankhypothek, Schenkungen und private Darlehen
finanziert.
Trotzdem hält sich
das Gerücht, daß das ZEGG 600.000 DM über die staatlichen
Subventionen des "Aufbau Ost"-Programms
erhalten hat.
Da außerdem ungefähr
80.000 DM im Monat an laufenden Kosten aufgebracht werden müssen,
zahlen alle festen
BewohnerInnen eine monatliche
Miete von inzwischen 600 DM, und auch die Preise für die Gäste
des Projekts sind nicht
gerade niedrig - sie pendeln
zwischen 100 DM für ein Infowochenende und 500 DM für einen 5
(eher 4) Tage dauernden Kurs.
Beim zweiwöchigen Sommercamp
1994 war mensch mit Preisen zwischen 1010 DM (im Zelt) und 1430 DM (im
Einzelzimmer) dabei. Für
SchülerInnen, StudentInnen und Menschen aus den neuen Bundesländern
gibt es freundlicherweise
Ermäßigung.
Entscheidungsstrukturen
Die Art und Weise, wie im
ZEGG Entscheidungen getroffen werden, bezeichnet ein Besucher als "Hierarchie
mit unklaren
Strukturen" - die ZEGG'lerInnen
selber dagegen benutzen den Zeitgeistbegriff der "transparenten Hierarchie".
Mit anderen
Worten: hier weiß
angeblich wenigstens jede/r, wo oben und unten ist. Zur Erläuterung
ein Zitat von Dieter Duhm von 1982:
"Zur Transparenz aller Dinge
gehört wesentlich auch die Transparenz der sozialen Hierarchie, die
in jeder Gruppe existiert. Es
ist gut, wenn jeder möglichst
genau seinen Platz in der Gruppe kennt, wenn er weiß, was die anderen
von ihm denken und wo
sie ihn in der Hierarchie
der Gemeinschaft einstufen. Die Gemeinschaft wird auf diese Weise vom Schleim
oberflächlicher
Harmonie und falscher Demokratie
befreit. Jeder einzelne lernt so die Realität kennen, mit der er es
zu tun hat."
Praktisch sieht dies nach
Aussagen von Leuten aus dem ZEGG natürlich wie immer ganz anders und
weniger extrem aus.
Entscheidungen würden
zwar auf einem Plenum im Kollektiv getroffen, trotzdem existierten jedoch
auch in Belzig informelle
Hierarchien, wobei jedoch
die sich aus dieser Tatsache ergebenden Spannungen "ausagiert" würden,
meinen die
ZEGG´lerInnen. Begründet
wird das Vorhandensein dieser Strukturen mit der Existenz von wahlweise
"menschlichen" oder
"natürlichen" Autoritäten.
Diese entstünden durch (angeborene) Begabung, aber auch Erfahrung,
und würden für die Gruppe
dadurch sichtbar, daß
sie sich im Gemeinschaftsprozeß von sich aus für bestimmte Dinge
einsetzten und Verantwortung
übernähmen.
Daß dieses etwas schwammige
Konzept nicht so gut zu funktionieren scheint, läßt sich wohl
auch daran erkennen, daß nicht nur
die meisten anderen Projekte
des Netzwerks einen Leiter oder eine Leiterin besitzen, sondern daß
auch das ZEGG selbst seit
dem 1.7.94 eine Chefin hat,
nämlich Beate Möller. Sie hatte laut eigenen Angaben zusammen
mit einem Trägerkreis aus Bori
Kovats, Kastor Stein und
Oskar Eckmann "die Verantwortung angenommen für das ZEGG, für
das, was hier passiert, auch die
finanzielle Verantwortung".1
Neu an der Organisation des ZEGG ist seitdem auch, daß aufgrund des
zur Schuldenreduzierung
auferlegten Ausgabenstopps
den LeiterInnen kein Lohn mehr ausgezahlt wird.
Projekte des Meiga-Netzwerks
in Belzig
Das ZEGG ist das Zentrum
des "Projekts Meiga - Experiment für eine humane Erde", welches das
Netzwerk für verschiedene
Organisationen und Einrichtungen
darstellt. Einige von ihnen sind auf dem Gelände des ZEGG in Belzig
angesiedelt. Zu ihnen
gehören:
Der Verlag Meiga
Der Verlag Meiga veröffentlicht
die Texte der ideologischen VordenkerInnen des Projekts, allen voran Chefideologe
Dieter
Duhm.
Angeboten werden hier z.B.
"Der unerlöste Eros" (angepriesen von dem ZEGG nahestehenden AutorInnen
wie Prof. Ernest
Bornemann), "Die Synthese
der Wissenschaft" oder "Politische Texte für eine gewaltfreie Erde"
von Duhm, aber auch sein
Kunstband mit Texten und
Gemälden "Das Buch Sidari" ("ein Begleiter für besondere Stunden"!).
Weitere Erscheinungen sind
"Der Hunger hinter dem Schweigen" von Sabine Lichtenfels, der "Klassiker"
"Rettet den Sex. Ein
Manifest von Frauen für
einen neuen sexuellen Humanismus", herausgegeben von Sabine Kleinhammes
(alias Lichtenfels), und
der Bildband "Die Heilige
und die Hure" (Achtung: "mit dem Text `Sexuelle Hörigkeit' von Sabine
Kleinhammes"!).
Weiterhin können diverse
Werbebroschüren über die verschiedenen Einzelprojekte des Projekts
Meiga über den Verlag
bezogen werden, und auch
das alle sechs Wochen zum Preis von 5,- DM erscheinende "ZEGG"-Magazin,
herausgegeben von
Christa (Leila?) Dregger
und gedruckt bei Oktober-Druck in Berlin, wird von hier aus vertrieben.
Seit der Nr. 17 vom September/Oktober
1994 fungiert Monika Alleweldt als Chefredakteurin und Herausgeberin.
Die ZEGG-"Universität"
Die ZEGG-"Universität",
geleitet von Dolores Richter, wird getragen vom Verein "Experiment für
eine humane Erde e.V." und
trägt sicherlich dazu
bei, mit ihrem wohlklingenden Namen Publikum aus der akademischen Alternativszene
anzulocken. Sie
dient als Bindeglied für
die unterschiedlichen theoretischen Ansätze und Themengebiete der
"großen" TheoretikerInnen in und
um das ZEGG, welche in ihr
zu einem ganzheitlichen Weltbild zusammengeführt und an die "einfachen"
Mitglieder und Gäste
weiter verbreitet werden
sollen. Dieses Projekt ist eine ständige Einrichtung mit Vorlesungen,
Arbeitskreisen und
Schulungskursen, die im
Rahmen des "Offenen Sommers" und der vom ZEGG veranstalteten Camps Veranstaltungen
und
Seminare mit eingeladenen
Gästen und ReferentInnen anbietet. Neben einem sog. "Studium Generale",
welches einen
systematischen Überblick
über die Grundgedanken und Ziele einer gewaltfreien Gesamtkultur geben
soll, werden z.B
Einführungen in "Die
indianisch-schamanische Weltsicht" ("Lebens- und Überlebenswissen.
Der spirituelle Weg moderner
Indianer.") oder Seminare
über "Harmonikale Forschung und Resonanztheorie", aber auch "Du bist,
was Du glaubst"-Kurse (mit
"meditativer Innenschau")
veranstaltet.
JETZT e.V.
Der JETZT e.V., "Jugend entwickelt
Zukunft" unter Leitung von Achim Ecker, ist die bzw. eine der Jugendorganisation/en
des
Netzwerks. Um auch jüngere
Menschen an das ZEGG anzubinden, werden innerhalb der großen Camps
Jugendcamps - ab
1993 auch unter dem Namen
"Undersky" - veranstaltet. Auch an anderen Orten in Europa wie in Griechenland
oder im
Baltikum werden Camps angeboten,
außerdem noch Kurse, Workcamps und Fahrten, beispielsweise in die
Sächsische
Schweiz mit begleitender
Lektüre von Henry Miller und Charles Bukowsky.
Andere Firmen und Projekte
Weitere Betriebe, deren Räume
sich in Belzig befinden, die aber nach Angaben aus dem ZEGG ökonomisch
und
organisatorisch eigenständig
sind, sind die ökotechnischen Planungsbüros "Energie- und Umweltplanung
Schiller" und die
"Ökotec GmbH" (mit
zusätzlichem Büro in der Seydelstraße 27 in Berlin-Mitte),
ein "Ingenieurbüro zur Vermarktung der
Forschungsergebnisse" sowie
den Verbindungen zur BiobäuerInnenszene unterhaltende Garten- und
Landschaftsbaubetrieb
"Neuland GmbH". Des weiteren
existiert die Theatergruppe "Die Unerlösten".
Projekte außerhalb
des ZEGG
Andere in diesem Netzwerk
organisierte Projekte werden außerhalb von Belzig durchgeführt,
haben aber zum Teil auch
Koordinationsbüros
auf dem Gelände. Diese sind unter anderem:
Das Forschungsschiff "Kairos"
Auf der "Kairos", einer Motorsegelyacht
für 22 Personen mit Heimathafen in Lanzarote und der Leiterin Martina
Gisler, soll seit
1993 in enger Kooperation
mit der ZEGG-Universität, dem Delphinprojekt ARION e.V., dem JETZT
e.V. und anderen
MusikerInnen, WissenschaftlerInnen
und DelphinforscherInnen das Meer als "Uterus des Lebens" im allgemeinen
und die
Kommunikation mit Walen
und Delphinen im besonderen erforscht werden. 1994 werden hier einwöchige
Veranstaltungen, z.B.
"Human / Dolphin Research"
oder "Die Welt ist Klang" angeboten (Kostenpunkt: zwischen 900 und 1300
DM); andere, sich in
Vorbereitung befindende
Forschungsprojekte tragen so wohllautende Titel wie "Transzendental Whale-Watching",
"Das
Buckelwal-Projekt" / "Die
"Pottwal-Expedition" oder "Artists in Resonance". Um auch weniger intellektuellen
InteressentInnen
das ganz außergewöhnliche
Urlaubserlebnis ermöglichen zu können, werden außerdem
noch "erotische Törns" angeboten.
Casa Las Piteras (seit 1993:
La Massilia) - "Treffpunkt für Eros und Kultur"
Die "Erotische Akademie"
Casa Las Piteras bzw. La Massilia auf Lanzarote (übrigens der Ort,
an dem "Didi" Duhm seit einigen
Jahren lebt), eine komfortable
größere Appartementanlage direkt am Meer, ist ganzjährig
geöffnet und wurde geschaffen als
einer der "Plätze ...
für eine neue Begegnung der Geschlechter", als "Ort ..., wo die freie
Liebe real erfahrbar wird" - "ideal, um
sich einmal ganz den menschlichen
Kernfragen von Liebe und Sexualität zu widmen". Zu bestimmten Clubzeiten
finden in dem
"transformatorischen Bordell"
größere Treffen statt, wo auch geladene ReferentInnen wie Ernest
Bornemann oder Domenica
Niehoff in Vorträgen
ihr ExpertInnenwissen an das experimentierfreudige Publikum weitergeben
können.
Aus der Einladung von Sabine
Lichtenfels, die neben der Projektleiterin Frieda Radford für die
inhaltliche Gestaltung
verantwortlich ist, zum
Ostertreffen 1993:
"Ein schönes Arrangement,
aphrodisiakische kleine Tapas, speziell dafür eingerichtete Liebeszimmer
stehen uns zur Verfügung
und machen manches möglich,
von dem man sonst nur träumt. Frauen und Männer, die 'es' gerne
tun, werden für Liebesdienste
bereit stehen. Das Meer,
die Sonne, die Schönheit der Insel und die Barabende tun ihr übriges
dazu."
Die Wüstencamps
Die Wüstencamps, von
der allgegenwärtigen Sabine Lichtenfels geleitet als "spirituelle
und geistige Schule für alle Fragen des
Überlebens und einer
gewaltfreien Gesamtkultur", finden etwa zweimal jährlich auf den Kanarischen
Inseln oder auch der
portugiesischen Atlantikküste
statt. Jede der drei Wochen ist mit einem Themenschwerpunkt versehen, z.B.
wahlweise der
"Heilung und globalen Transformation"
oder dem "Rätsel des Eros im Lichte des Sternenhimmels". Gearbeitet
wird
vorzugsweise mit drei Einrichtungen:
Der "Gebetsforschung" (der "Kooperation mit kosmischen Kräften und
spirituellen
Energien"), der - wieder
einmal etwas akademischer klingenden - "Wüstenuniversität" (zur
Behandlung der "wesentlichen Fragen
unseres Lebens und Überlebens")
und dem (Gruppen-)Orakel (der von Frau Lichtenfels als Medium hergestellten
"Verbindung
zwischen individuellem und
universellen Bewußtseins").
Der Preis für eine Woche
im Wüstencamp beträgt 500,- DM; "persönliche Orakel sind
für einen Aufpreis von 300,-DM
möglich". Einige Projekte
aus dem Netzwerk nutzen auch die Möglichkeit, für ihre Mitglieder
eine dieser Wochen zu
reservieren, beispielsweise
Haven Arctica
Unter dem Motto "Taut Eure
Herzen auf und nicht die Arktis!" versucht Sten Linnanders Projekt Haven
Arctica, ökologische,
politische und spirituelle
Forschungsfragen zur Heilung und zum Schutz der Arktis mit Gedanken zur
menschlichen Heilung zu
verbinden. Aus der grundlegenden
Aussage über "einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Zustand
der Erde und dem
inneren Zustand des Menschen"
wird gefolgert, daß der "Weg nach innen" bei zunehmender Umweltzerstörung
immer stärker
gegangen werden müsse,
um durch das Sehen, Berühren und Angehen der "Arktis in uns" die geographische
Arktis heilen zu
können. Die praktische
Umsetzung dieser Erkenntnis soll unter anderem durch Herbeirufen und -pfeifen
der Polarlichter in
Nordschweden versucht werden.
Ableger des ZEGG in anderen
Städten
Zusätzlich zum Gelände
in Belzig bemüht sich das ZEGG, regionale Strukturen in verschiedenen
anderen bundesdeutschen
Städten aufzubauen.
Hierzu gehören Wohngemeinschaften mit ZEGG-Mitgliedern und -SympathisantInnen
oder sog.
Nachbarschaftstreffs wie
zum Beispiel:
das Boleo 55 in der Urbanstr.
75a in Stuttgart
das Café "Friedel
Zwo Sieben" in der Friedelstr. 27 in Berlin-Neukölln
das Soho 8 in München
Außerdem gibt es Stadtgruppen
in Hannover, Köln, Konstanz und Leipzig sowie einen Freundeskreis
in Münster, der eine
Kontaktadresse in Altenberge
angibt.
Aufgrund unserer Informationen
läßt sich zur Zeit nicht sagen, ob alle genannten Gruppen tatsächlich
als Ganze mit dem ZEGG
zusammenarbeiten, oder ob
es nur Kontakte zu einzelnen Leuten darin gibt. Auch über die Größe
der genannten Gruppen und
ihre Bedeutung in den Städten
wissen wir nicht viel.
Deshalb:
Wenn ihr genauere Informationen
zu den hier genannten oder zu anderen Kontakten habt, gebt sie an uns weiter!!
Unsere
Adresse findet ihr auf Seite
2.
"Netzwerke"
Unter diesem Stichwort versucht
das ZEGG zur Zeit, BRD-weit Verbindungen mit verschiedenen Projekten und
Einzelmenschen aufzubauen.
Auf der beratenden Versammlung
im April 94 im ZEGG waren folgende Gruppen vertreten:
Projekt Ökodorf, Groß
Chüden
"Arche" in Zittau
Ökostadt Brandenburg
aus Berlin
Stamm Füssen 1
Institut für ganzheitliche
Lebensgestaltung in Isselbach
N.E.P.A.L. (Nördliche
Entwicklungsprojekte Anders Leben) und "eurotopia" in Murrhardt
EYFA (European Youth for
Action) ein Netzwerk von (nach eigenen Angaben) 600 Jugendorganisationen
in Sittard (NL)
Außerdem waren da:
Gyanja Köhne. Köln
Barbara Rütting, Neumarkt
(A)
Ayran von Dreger, Centrepoint
Community, Neuseeland
Markus Euler, Gemeinschaftsprojekt
Wolfenmühle
Daniel Wolff, Kindertelefon
Heidelberg
Rudolf Bahro, Institut für
Sozialökologie, Humboldt-Universität Berlin3Michael von Klippstein.
AurovilleRolf Schroer, ehem.
Initiative HaarstrangJohan
Boswinkel, Stiftung Health Angel. Den Haag (NL)Renato Werner Straub, Gemeinschaftsprojekt
in
Süd-West- FrankreichSadyana
Argayall, Place of Light, GomeraZisula Kourdakes, Ökologisches Zentrum,
Tessaloniki
(GR)Heart Club, Salama Inge
Heinrichs, MünchenThomas Beutler, ASEED, SüdgazetteHerbert Faller,
Neusehland Projekt,
KünstlerproduktionsgemeinschaftGunter
Freude, Ute Rührig, Waterbalancing, Nürnberg
Gina Wiesmann, La Massilia
- Treffpunkt für Eros und Kultur, Lanzarote
Michael Wiesmann, Boleo 55,
Stuttgart
Iris Wacker, Soho 8, München
Iris Lindstedt, Friedel 27,
Berlin
Die ReferentInnen im ZEGG
Damit die erwünschte
ideologische Vernetzung vorangetrieben wird und mit Hilfe bekannter, werbewirksamer
Namen sowie
Angeboten aus allen Sparten
des Esoterik-Marktes neue InteressentInnen gewonnen werden können,
werden - zusätzlich zu
den in den einzelnen Projekten
engagierten VordenkerInnen wie Duhm oder Lichtenfels - zu den Tagungen
und sonstigen
Veranstaltungen des ZEGG
bzw. der ZEGG-Universität mehr oder weniger prominente ReferentInnen
eingeladen. Um das
meist völlig kritiklose
Konsumieren aller möglichen esoterischen und pseudowissenschaftlichen
Richtungen durch das ZEGG
etwas deutlicher zu machen,
wollen wir an dieser Stelle einige dieser Gäste kurz vorstellen:
Peter Caddy Der vor kurzem
gestorbene ehemalige Royal Air Force - Major Peter Caddy war der Gründer
der 1962
gegründeten "Findhorn"-Gemeinschaft
in Schottland, die sich mit der Zeit zu einem multinationalen, von Steuerzahlungen
befreiten New-Age-Konzern
entwickelt hat. Caddy war Theosoph und somit Anhänger der rassistischen
esoterischen
"Wurzelrassentheorie" von
Helena Blavatzky, nach der sieben evolutionär aufeinanderfolgende
"Wurzelrassen" bestünden, bei
der die "arische Rasse"
die höchst entwickelte darstellen solle. Die "niederen Rassen" (welche
da wären: "Rothäute , Eskimos,
Papuas, Australier usw.")
müssen nach dieser Theorie aussterben, um der "höheren Rasse",
momentan der fünften, Platz zu
machen. In Findhorn wollte
Caddy die "sechste Wurzelrasse" gründen, im ZEGG hielt er Vorträge
z.B. zur "Lebendigkeit der
Natur".
Batty Thunder Bear Gold Dieser
"Plastikmedizinmann" vom künstlich geschaffenen, mit den Native Americans
nicht mehr viel
gemein habenden "Deer Tribe"
bietet im ZEGG zusammen mit Rose Thunder Eagle Fink (ebenfalls vom "Deer
Tribe") Seminare
zur "indianisch-schamanischen
Weltsicht" an. Die "Medizinmenschen" vom "Deer Tribe" werden von vielen
Natives bekämpft,
weil sie dafür bekannt
geworden sind, deren Kämpfe - beispielsweise gegen Uranabbau und die
Lagerung von Atommüll - zu
entpolitisieren oder mit
reaktionären Inhalten zu beeinflussen.
Ernest Bornemann Der Sexualwissenschaftler
Ernest Bornemann, bekannt durch sein Buch "Das Patriarchat" und seinen
Job
als Briefkastenonkel in
der "Neuen Revue", schwimmt zur Zeit voll auf der "Mißbrauch des
Mißbrauch"-Welle und ist dabei
dem ZEGG in zuvorkommender
Art und Weise als Täterentlaster behilflich (siehe den Artikel "Das
Frauenbild im ZEGG"). Sein
zweites momentanes Schwerpunktthema
ist das "Aussterben der Heterosexualität", um die sich Bornemann große
Sorgen
macht, seitdem er in seinen
Untersuchungen festgestellt hat, daß sich durch den von männerhassenden
Feministinnen sowie
Lesben und Schwulen angezettelten
"Geschlechterkrieg" immer mehr Menschen in Homosexualität, die Vergewaltigung
von
Kindern oder in sadomasochistische
Praktiken flüchten würden. (Auf sein nächstes Buch mit dem
Arbeitstitel "Aus! Der
langsame Tod der Heterosexualität"
darf der/die geneigte LeserIn bereits gespannt sein!) Im ZEGG gefällt
es dem guten Mann
besonders "toll", weil "(...)
hier Menschen unterschiedlichen Geschlechts sind, die einander noch mögen,
einander noch wollen,
miteinander noch können"
und mann in Belzig endlich einmal Ruhe vor dem tobenden "Krieg der Geschlechter"
hat.
Rudolf Bahro "Für viele
Linke, besonders aus den neuen Bundesländern, ist Rudolf Bahro immer
noch ein politischer
Hoffnungsträger für
einen Sozialismus "mit menschlichem Antlitz". Für die "neuen sozialen
Bewegungen" ist er ein
Haupttheoretiker geworden.
Seine Vorlesungen an der Berliner Humboldt-Universität waren überfüllt,
Ministerpräsident
Biedenkopf ließ es
sich nicht nehmen, hier als Gast zu sprechen, das "Neue Deutschland" brachte
ein ganzseitiges und völlig
unkritisches Interview mit
Bahro. Nur wenige aber haben seine Texte genau gelesen, und auch Bahros
Forderung nach einem
"grünen Adolf", der
die Deutschen aus der eigenen "Volkstiefe" heraus in ein Goldenes Zeitalter
führen soll, scheint kaum zum
Nachdenken bewegt zu haben.
Dabei hat der ehemals marxistische Wirtschaftswissenschaftler, dessen fortwährende
Popularität
allein auf dem kommunistischen
Kunstfehler beruht, Bahro eingesperrt zu haben, sich spätestens seit
Mitte der 80er Jahre zum
altbekannten nazistischen
Neuheidentum und dessen Quellen hingewendet und dies in seinen Schriften
auch ausgesprochen.
Bahro ist neben dem früheren
APO- Schreck Rainer Langhans heute derjenige Theoretiker des "Neuen Denkens",
der sich am
weitesten, offen und ohne
jede Scham zum spirituellen Gehalt des Faschismus als der angeblich einzigen
Möglichkeit für eine
"Rettung" von Natur und
Menschheit bekennt." Weitere ZEGG-ReferentInnen Peter Dawkins, Geomant
Heidemarie Emmermann, Publizistin
Jürgen Hauschild, Perpetuum
mobile - 'Forscher'
Declan Kennedy, Permakulturfachmensch
Sabine Kuschel, Feuerlaufverkäuferin
Paul Lowe, Ex-Cheftherapeut
in Poona
Manintonquat, Storyteller
vom Wampanoag-'Stamm'
Stefan Marinov, Energieforscher
Hans-Walter Müller,
Tragluftpavillonkonstrukteur
Frank Natale, Schamane
Domenica Niehoff, Ex-Prostituierte
/ Streetworkerin
Sunito Michael Plesse, Tantra-Lehrer
Roland Plocher, 'Erfinder'
Micky Remann, Ex-Tazler /
NLP-Lehrer
Bernd Senf, FHW Berlin
DIE AKTIONS
- ANALYTISCHE ORGANISATION
(AAO) - VORLÄUFERIN
DES ZEGG
ZEGG und Meiga existieren
nicht erst seit dem Geländekauf 1991 in Belzig, sondern sind Projekte
eines seit knapp zwanzig
Jahren bestehenden Denk-
und Aktionszusammenhangs. Bei der Suche nach den Ursprüngen des ZEGG
trifft mensch immer
wieder auf die AAO.
I. Kurze Geschichte der AAO
Die "Aktions - Analytische
Organisation" (AAO) wurde 1972/1973 von Otto Mühl gegründet,
um als "Weltbewegung" zu
einer "befreiten Gesellschaft"
zu gelangen. Der Wiener Mühl, Jahrgang 1926, machte schon vorher als
umstrittener
Aktionskünstler auf
sich aufmerksam. Bei seinen sexistischen, bluttriefenden Darbietungen scheint
er auch einige Erfahrungen für
seine spätere Rolle
als Sektenführer gesammelt zu haben. So sagte er 1989 rückblickend,
er habe "im Aktionismus gelernt,
Menschen wie Material und
eindeutig ohne Rücksicht zu behandeln".
Das Zentrum der AAO war der
Friedrichshof im österreichischen Burgenland, aber auch in anderen
Städten wie München,
Hamburg oder Berlin bildeten
sich bald darauf Ableger. Der Grundgedanke dieser Sekte basierte auf den
Theorien des
Sozialpsychologen Wilhelm
Reich. Reich ging davon aus, daß die Energie des gesunden Menschen
am besten während des
Orgasmus fließe und
daß daher muskuläre Verspannungen (Panzerungen), entstanden
durch angestaute Lebens- und
Sexualenergien, die Ursache
(allen) menschlichen und gesellschaftlichen Leidens sei. Dieser Panzer
sollte nun in der AAO
abgelegt werden, um am Ende
die Kleinfamilie abschaffen zu können, da in ihr die Eltern das Kind
zum verklemmten "Wichtel"
dressierten, der sich daraufhin
panzern müsse, sämtliche Lust am Leben verliere und womöglich
auch noch homosexuell werde.
Erreicht werden sollte dieses
Ziel auf zwei Wegen: dem Ausleben der "freien Sexualität" und der
Abschaffung des
Privateigentums.
Den verpönten kleinfamiliären
Strukturen setzte Mühl das "AA-Bewußtsein" entgegen:
"Das AA-Bewußtsein
ist eine Qualität, über die auch der fortschrittlichste und tüchtigste
Kleinfamilienmensch nicht
verfügt. Er steht,
sobald er mit der Lebenspraxis der AA beginnt, hilflos da und merkt seine
existenzielle Impotenz. Er
beginnt mit der Bewußtseinsstufe
0".
Demnach konnte niemand, die
/ der nicht in der AAO lebte, daran Kritik üben. Aber auch die AAO-BewohnerInnen
selbst
durften Mühl nicht
kritisieren. Mühl setzte die Maßstäbe ausschließlich
selbst. Daß er - der Feind der Kleinfamilie - 1988 die
sog. "Erste Frau" des Friedrichshofes,
Claudia Weissensteiner, heiratete und den 1985 geborenen gemeinsamen Sohn
Attila
zum "Thronfolger" erziehen
ließ, stand selbstverständlich nie zur Diskussion.
Praktisch sah es in der AAO
so aus, daß innerhalb der Organisation eine strenge Ranghierarchie
herrschte, bei der die oberen
Ränge Befehlsgewalt
über die unteren besaßen. Nummer Eins in dieser Hierarchie war
(natürlich) Mühl selbst. Mühl nahm sich
zum Beispiel das Recht heraus,
nach einem von ihm durchgeführten "Sexualunterricht" die in der Kommune
lebenden Mädchen
im Alter von 13 oder 14
Jahren in die Sexualität "einzuführen". Sexueller Kontakt zu
gleichaltrigen Jungen war bis verboten, und
Mädchen, die sich der
Vergewaltigung durch Mühl zu widersetzen versuchten, wurden von den
Kommunemitgliedern solange
unter massiven psychischen
Druck gesetzt, bis sie ihre Verweigerungshaltung aufgaben.
Um das Ausleben der von Mühl
definierten "freien Sexualität" zu gewährleisten und emotionale
Bindungen zwischen einzelnen
Frauen und Männern
zu verhindern, wurden - zuerst mit Hand, später per Computer - sogenannte
"Ficklisten" erstellt, in denen
täglich neu festgelegt
wurde, wer mit wem das Bett zu teilen hatte. Da Geilheit als das Kennzeichen
des Menschen angesehen
wurde, galten Gruppenmitglieder,
die einige Tage keinen Sex wollten, als "krank" und wurden somit zum Gruppenproblem.
Mühl entschied auch
über die "Kinderproduktion" innerhalb der Kommune; als das Größte
sahen es die
Kommunenbewohnerinnen allerdings
an, ein Kind von Mühl selbst bekommen zu dürfen.
Im Jahr 1986, nach dem Reaktorunglück
in Tschernobyl, entstand eine neue Kommune auf Gomera. Mühl war zwar
der
Meinung, die dort lebenden
Menschen seien "ein furchtbarer Menschenschlag ohne Kultur und Erziehung"
- dies hinderte ihn
jedoch nicht daran, in dieses
Projekt ca. 30 bis 40 Millionen DM zu investieren. Gewonnen wurde dieses
Geld dadurch, daß
alle Mitglieder ihr Privateigentum
als "Darlehen" an die Kommune abtreten mußten. Viele Sektenangehörige
hatten sich auch im
Laufe der Jahre in Berufen
wie Versicherungsagent(in), Börsenspekulant(in) oder Immobilienmakler(in)
etabliert und führte ihre
Geschäftserlöse
an die AAO ab. Es existierten verschiedene AAO-eigene Firmen, im Friedrichshof
wurden teure "Gästekurse"
(unbezahlter Arbeitseinsatz
inbegriffen) abgehalten, und gleichzeitig war es der Organisation durch
beste Beziehungen zu
beispielsweise (Ex-)Altbundeskanzler
Bruno Kreisky möglich, als "Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgenossenschaft"
mit eigener Privatschule
in Österreich Subventionen in Millionenhöhe zu kassieren. Zusätzlich
machte die AAO in Gomera auch
noch durch Grundstücksspekulation
und Korruption von sich reden.
Obwohl die geistige Gleichschaltung
und der Psychoterror bereits zu psychischen Zusammenbrüchen von Kommunemitgliedern
geführt hatten, zerbrach
das Projekt erst Ende 1991 endgültig, als Otto Mühl von einem
österreichischen Gericht wegen
Vergewaltigung und sexuellem
Mißbrauch von abhängigen Minderjährigen zu sieben Jahren
Knast verurteilt wurde.
II. Verbindungslinien zwischen
der AAO und dem ZEGG
Obwohl Mitglieder des ZEGG
dies gern abstreiten und sich in Windeseile von der AAO - die sich übrigens
teilweise auch ZEG
("Zentrum für emotionale
Gestaltung") nannte - distanzieren, läßt sich (vor allem) auf
zwei Ebenen ein Zusammenhang zwischen
diesen beiden Organisationen
feststellen: auf der personellen und auf der inhaltlichen bzw. konzeptionellen
Ebene.
Einige der Führungsmitglieder
des ZEGG wechselten mehr oder weniger direkt von der AAO in die neue Organisation
über. An
erster Stelle steht hier
(natürlich) Dieter Duhm, Gründer und inoffizieller Kopf (und
"Oberguru") des Projekts Meiga und somit
auch des ZEGG. Duhm war
mehrmaliger Gast im Friedrichshof und soll auch die Nummer vier auf der
Rangliste des Münchener
AAO-Ablegers gewesen sein.
Im Friedrichshof entwickelte er 1977 auch das ZEGG-Konzept, welches einen
Versuch
darstellen sollte, die AAO
gesellschaftsfähig zu machen, aber von Mühl abgelehnt wurde.
Von 1978 bis 1983 führte Duhm in
Tegernau / Schwand bei Heilbronn
das Kommuneprojekt "Bauhütte" durch, über das er zu Beginn sagte:
"Die Bauhütte ist bis
jetzt eine komprimierte Idee, um die sich ein paar Leute geschart haben.
... Ich will gleich sagen,
womit diese Idee hauptsächlich
zu tun hat: mit der ehemaligen AAO, von deren Konzepten der Selbstdarstellung,
der
freien Sexualität und
der kommunitären Lebensweise wir uns befruchten lassen ....Unser bescheidenes
Ziel ist der
Aufbau einer funktionierenden
Alternativgemeinde von mehreren hundert Personen .... Wir nennen dieses
Traumziel
'ZEGG': Zentrum für
experimentelle Gesellschaftsgestaltung."
In einem 1978 erschienen
Text bezeichnet Dieter Duhm die AAO als einzigartigen Beitrag zur Weichenstellung
für eine - welch
Hohn - "humane Zukunft".
Mühl besitzt für ihn hier eine "weiche Macht" und eine Ausstrahlung,
die keine Gesetze oder
Herrschaft errichtete, sondern
der Lebendigkeit im Wege stehende Gesetze durchbreche; die AAO-Hierarchie
preist er als
offen dargestellte und von
der Intriganz heimlicher Kämpfe befreite Ordnung an. Sein 1979 erschienenes
Buch "Synthese der
Wissenschaft" widmet Duhm
"in Liebe" dem Menschen , von dem er am meisten gelernt habe, nämlich
Otto Mühl, den er -
neben Rudolf Steiner und
Wilhelm Reich - als "wichtigsten Vorläufer der neuen Epoche" bezeichnet,
der den praktischen
Lebensentwurf zu Reichs
Theorie geliefert habe. Nach einem dreijährigen Projekt im Schwarzwald,
bei dem 50 Menschen an
allen gesellschaftlich relevanten
Fragen arbeiten und entsprechende Lebensmodelle entwickeln sollten, gründete
Dieter Duhm
nach 1986 das "Projekt Meiga",
in dessen Zentrum ZEGG ab 1991 die verschiedenen Arbeitsprojekte von Meiga
zusammengeführt werden
sollten.
Weitere Beispiele für
von der AAO "befruchtete" ZEGG-Führungsmitglieder sind Sten Linnanderund
Sabine Lichtenfels, die
sich auch Sabine Kleinhammes
nennt. Linnander war drei Jahre in der AAO und ist jetzt Leiter des Arktis-Projekts
"Haven
Arctica", Sabine Lichtenfels
war zumindest besuchsweise bei der Mühl-Sekte und nahm später
an Duhms Drei-Jahres-Projekt
teil, bevor auch sie beim
Projekt Meiga mitmachte. Heute ist sie Leiterin spiritueller Wüstencamps
auf den Kanarischen Inseln
und in Portugal, im ZEGG
gilt sie als "Expertin" für Sexualität und Spiritualität.
Lichtenfels zitiert in ihrem Buch "Der Hunger
hinter dem Schweigen" auch
noch 1992, also ein Jahr nach der Verurteilung Mühls, kommentarlos
aus einem seiner Bücher.
Die ideologische Gemeinsamkeit
des ZEGG und der AAO besteht in erster Linie darin, daß beide die
unterdrückte Sexualität
des Menschen als Grundübel
aller Probleme ansehen. Deshalb werden im ZEGG auch zwei zentrale Konzepte
der AAO
übernommen: das der
"freien Sexualität", die zur Befreiung der Menschheit führen
solle, und die in der Mühl-Sekte praktizierte
"Selbstdarstellung (bei
ZEGG "Forum" genannt). Ging es bei der "Selbstdarstellung" vor allem um
die Freisetzung von Wut und
Aggression zur Sprengung
des andressierten Panzers, so werden beim "Forum" von einer in der Mitte
der Gruppe stehenden
Person Gefühle und
Probleme dargestellt, über deren "richtige" Darbietung die oder der
Leiter/in entscheidet. Die Hauptrolle
spielt hier das Thema Sexualität.
III. Dieter Duhm heute über
sein Verhältnis zur AAO
Nach vermehrten Angriffen
auf das ZEGG wegen seiner Kontinuität zur AAO sah sich Dieter Duhm
1993 gezwungen, in einem
Artikel des Sprachrohres
des Projekts, dem "ZEGG-Magazin", zu diesem Thema Stellung zu beziehen.
Daß dieser Artikel
erst zu diesem Zeitpunkt
von ihm geschrieben wurde, begründet er allerdings damit, daß
er bisher wegen der "niederträchtigen
Hetzkampagne" gegen die
AAO zu öffentlicher Kritik nicht bereit gewesen sei, sondern der Meinung
war, sich uneingeschränkt
solidarisieren zu müssen.
In diesem Text setzt sich
Duhm zuerst mit den Gründen auseinander, die seiner Ansicht nach zum
Scheitern der Sekte geführt
haben. Diese sind für
ihn die falsche Form und Methode und die inneren Widersprüche zwischen
Inhalt und Form. In diesem
Zusammenhang bemängelt
er, daß in der AAO das "Liebesthema" verdrängt worden sei. Freie
Sexualität sei nur als Antithese
zur Zweierbeziehung gesehen
worden, ohne zu bedenken, daß aber - um die alten Formen überwinden
zu können - die freie
Sexualität mit Liebe
und Partnerschaft verbunden werden müsse.
Auch die "psychologische
Struktur des geschlossenen Kollektivs" ist ihm ein Dorn im Auge, womit
er jedoch nur die Tatsache
meint, daß die Angehörigen
der Kommune nur mit Gruppenmitgliedern Sex haben durften. Duhm bezeichnet
dies als "fatale
Sexualgesetze", als "blockierende
Sexualordnung", hat aber auch gleich eine Erklärung für dieses
Gesetz parat: es müsse sich
hierbei um eine "uralte
kulturelle Sexualangst" handeln. Als letzten Punkt führt er die absolutistische
Führungsstruktur der
Organisation an. Seiner
Interpretation nach war Otto Mühlein "brillanter Fürst", eine
"positive Vaterfigur", der diese Rolle mit
"bärenhaftem Charme"
vertrat und leider nur nicht sehen konnte, daß autoritäre Führungsstile
barbarisch seien und überwunden
werden müßten.
Dies alles seien Gründe,
warum der "Visionär" (Zitat eines bei ZEGG aktiven Menschens) Duhm
das Projekt Meiga als
Alternative zum Friedrichshof
gegründet habe, welches von Anfang an entgegengesetzte Gedanken verfolgt
habe: individuelle
Autonomie, geistigen Pluralismus
und geistige Orientierung durch Erfahrung. Fraglich bleibt nur, warum Duhm
dann 1991 in der
zweiten Ausgabe des "San
Diego-Magazins", dem Vorläufer des ZEGG-Magazins, zu der folgenden
Erkenntnis gelangt:
"...Diese charismatischen
Gemeinschaften - auch Poona oder Friedrichshof - waren in einem fatalen
Wortsinn auch die
'demokratischen', denn demos,
das Volk, wollte den Führer; es wollte geführt werden, denn nur
so war es
funktionsfähig und
gemeinschaftsfähig. Diese Struktur gilt emotionell bis heute, auch
wenn die Parolen anders lauten.
Alle gutgemeinten Sätze
von Basisdemokratie und individueller Autonomie scheitern an der psychischen
Realität der
Beteiligten."
Seiner verhaltenen Kritik
an der AAO schließt der ZEGG-Begründer dann auch prompt seine
allgemeine Einschätzung der
Kommune an, wobei er auch
hier seine Begeisterung kaum verhehlen kann. So "liebte" er dieses Experiment
wegen seiner "sehr
konsequenten Bearbeitung
der entscheidenden Basisfragen" (die da wären: Liebe, Sex, Gemeinschaft,
Kinder und
Kommunikation) und hält
auch 1993 noch Mühls Projekt, ähnlich dem von Bhagwan, für
einen sehr bedeutenden Schritt auf
dem Weg zu einer neuen Lebensform.
Die AAO sei nach der gescheiterten sexuellen Befreiung der 68er der einzige
Kenner der
"existenziellen Wahrheit"
gewesen, nämlich der Sexualität als "Kernschädigung". Otto
Mühl ist für ihn noch immer ein großer
Künstler und der Gründer
eines außergewöhnlichen Projekts; zu dessen Verurteilung wegen
sexuellem Mißbrauch fällt ihm bloß
ein, daß dieses nicht
sein Thema sei - schließlich wisse er ja auch gar nicht, ob diese
Anklage auf Wahrheit beruhe oder nicht.
Sein abschließendes
Fazit: "Ich kann ihn nicht an seinen persönlichen Fehlern messen,
dafür hat er zuviel geleistet."
Das Frauenbild
im ZEGG
Die "befreite Sexualität"
ist laut ZEGG der Weg, um alles Übel von der Erde zu verbannen. Dieses
Kernstück seiner Ideologie
reicht zurück bis zu
den Anfängen der AAO, wonach nur beim Orgasmus die Energie frei fließen
kann. (Starke Anlehnung an
die Gedanken von Wilhelm
Reich!)
Blindäugig und völlig
undifferenziert wird die Ursache für gesamtgesellschaftliche Probleme
in der Unterdrückung der Sexualität
gesehen. Außer acht
gelassen werden Unterdrückungsmechanismen, die durch Besitz- und Machtstrukturen
entstehen, die
zwischen den Geschlechtern
existieren und die von weißen Metropolen auf Trikontländer ausgeübt
werden.
Rassismus und die als "Ökokatastrophe"
bezeichnete Verschlechterung der Umweltbedingungen sind für die "Vögeln-wir-die
Welt-frei"-PropagandistInnen
ebenfalls Probleme, die durch die Unterdrückung der Sexualität
bedingt werden.
Sie entwickeln ein neues
Konzept der Liebe - einer Liebe, die für sie nur zwischen Mann und
Frau existiert - welches die
Lösung all unserer
Probleme sein soll. In diesem Konzept kommt den Frauen eine ganz besondere
Rolle zu.
Sabine Lichtenfels, evangelische
Theologin und ehemalige Prostituierte, die neben Dieter Duhm eine der führenden
ZEGG-RepräsentantInnen
und TheoretikerInnen ist, beschäftigt sich vor allem mit der Rolle
der Frau im ZEGG sowie mit
"Spiritualität und
Eros".
Sie veröffentlichte
im Meiga-Verlag die Bücher "Der Hunger hinter dem Schweigen. Annäherungen
an sexuelle und spirituelle
Wirklichkeiten" und "Rettet
den Sex. Ein Manifest von Frauen für einen neuen sexuellen Humanismus"
sowie eine
Kurzbroschüre über
"Das Wüstencamp. Projekt für zeitgemäße Spiritualität
und Lebensforschung. Ein Ort für alle sinnvollen
Fragen des Überlebens"
(Gemeint damit ist Lanzarote, wo sich ebenfalls die Eros-Akademie befindet.)
Sie macht in ihren Publikationen
ständig Aussagen über die "wahre Natur der Frau" - in ihren Vorstellungen
geht es vor allem
darum, daß Frauen
sich verändern. Der "neue Weg", den die Frauen gehen sollen, beinhaltet
jedoch keinesfalls eine
Auseinandersetzung der Männer
mit den patriarchalen Verhältnissen oder gar eine Infragestellung
der gesellschaftlich zur Norm
erhobenen Heterosexualität.
Obwohl wir den durch ZEGG
verbreiteten Theorien lieber kein breites Forum geben wollen, werden wir
im folgenden
ausführlich mit längeren
Zitaten arbeiten. Denn immer wieder kommt der Vorwurf an ZEGG-KritikerInnen,
daß Zitate aus ihrem
Zusammenhang gerissen werden.
Dies wollen wir damit vermeiden.
Aus Sabine Lichtenfels: "Der
Hunger hinter dem Schweigen":
"Solange die Frau kein positives
Verhältnis zum Sex hat, solange sie nicht annimmt und bejaht, daß
sie ganz wesentlich
aus Sex besteht, purem Sex,
solange sie hier ihre Verantwortung nicht sieht, sondern dem Mann die Regie
und
Verantwortung übergibt,
solange wird sie nie aus ihrem Schuld-Dilemma austreten können. Fast
alle Frauen wehren
sich immer noch gegen ihre
sexuelle Grundnatur. Hier liegen ihre Scham und Verurteilung sich selbst
gegenüber. Der
eigentliche Vorwurf der
Frau an den Mann heißt nicht: Du benutzt mich ja nur als dein Objekt!
Das ist der Vorwurf,
der aus der größten
Verdrängung erwächst. Der eigentliche Vorwurf heißt: Warum
tust du es nicht endlich? Warum
tust du es nicht endlich
ganz? Ich will dein Lustobjekt sein. Viel mehr, als du glaubst. Wenn nur
ein Mann dies ganz
verstünde! Erst dann
fühle ich mich ganz gesehen und erkannt als Frau. Erst dann fühle
ich mich erweckt. Da, wo er
mich ganz zu behandeln versteht
als "sein Stück" ohne Gewalt und ohne Verachtung, erst da trifft und
berührt er mich
ganz.
Eine Frau guckt ungern bis
in diese innere Wahrheit. Ein ungeheures Abhängigkeitsgefühl
steigt in ihr auf, wenn sie bis
in diese Tiefen ihrer Seele
hinabsteigt. Sie fühlt sich innerlich unentrinnbar abhängig davon,
daß er es tut. Diese
Abhängigkeit haßt
sie zunächst, und deshalb wehrt sie sich mit aller Kraft gegen diese
innere Wahrheit.
Erst wenn sie auf dem Grund
dieser inneren Wahrheit angekommen ist, kann sie aufhören, ständig
unbewußt einer
Spur der Selbsterniedrigung
zu folgen, erst dann kann sie ihre eigentliche Erhöhung und Freiheit
entdecken, die in ihrer
sexuellen Natur liegt. Erst
unter Einbeziehung ihrer Grundnatur kann sie wirkliche Unabhängigkeit
erreichen."
(S.77/78)
Eine etwas andere Umschreibung
derselben Ideologie:
"Eigentlich bin ich erst
im Sex ganz Frau. Hier ist meine Quelle der Offenbarung. Und die ist sehr
elementar,
unsentimental und eigentlich
sehr wenig mystisch. Hier liegt mein eigentliches Selbstvertrauen, mein
Verlangen und
meine Erfüllung. Warum
erkennt und akzeptiert der Mann es nicht, daß mein Leib ganz und
gar nach dieser
elementaren, objektiven,
rein materiellen Erfüllung schreit? Dementsprechend möchte er
gepflegt, bedient, behandelt
und voll benutzt werden.
Manchmal bezweifle ich, daß
Männer und Frauen nur das Eine wollen. Ich glaube, die Frauen wollen
es unendlich viel
mehr." (S.79)
Eines der unzähligen
Beispiele für ihre Fixierung darauf, daß weibliche Sexualität
ausschließlich in Bezug auf das männliche
Geschlechtsorgan gedacht
werden kann. Welcher Druck hierbei auch auf Männer ausgeübt wird,
ist wohl zu erkennen!
"Eine sexuell erwachte Frau
wünscht das Zeichen des Mannes, daß sich sein Phallus erhebt
allein durch ihre Präsenz
und seine Lust. Letzlich
wünscht sich eine Frau beim Mann eine "anständige Errektion".
Wenn dies nicht so kompliziert
wäre auf beiden Seiten,
verstellt durch Stress, Versagerängste, Scham und vieles mehr, wie
erfrischend klar und
einfach wäre der Kontakt.
Hier liegt die Quelle ihrer Anerkennung, deshalb wird sie dafür sorgen,
daß sie sie bekommt.
Denn wenn sie es für
längere Zeit nicht bekommt, fehlt ihr etwas Entscheidendes." (S.83)
Und ein letztes Zitat aus
ihrem Buch, was für Sabine Lichtenfels "weibliche Identität und
Sexualität" heißt:
"Lassen wir die Frau aus
tiefster Seele sprechen: Um es pathetisch zu sagen, im Sex erst liegt meine
eigentliche Würde
als Frau. Die Würde
der Frau hat immer ein Loch. Hier liegt nicht meine Entwürdigung,
sondern meine Würdigung."
(S.78)
Diese Zitate sprechen für
sich. Die Frau besteht im Weltbild von ZEGG ausschließlich aus Sex,
dieses Grundbedürfnis würde
aber von ihne verdrängt
werden, sie weigerten sich, sich dieses einzugestehen. Erst dann, wenn
frau dies akzeptieren und
zulassen würde, könnte
sie sich selbst bejahen. Aufgrund der bisherigen Verdrängung ihrer
Grundnatur entstünden bei Frauen
Schuldgefühle und Verachtung
für die Männer.
Wenn Frauen es endlich schaffen
würden, sich das einzugestehen, müßten Männer und
Frauen sich nicht mehr verachten, denn
Anerkennung und Bestätigung
erfahren Frauen laut Sabine Lichtenfels nur in der Begierde des Mannes.
Mit solchen Aussagen werden
Frauen gesellschaftlichen Klischees entsprechend auf ein Objekt, einen
willigen Körper reduziert.
Wieder einmal werden Aussagen
darüber gemacht, was die Natur der Frau sein solle. Solche Zuschreibungen
dienten bisher
immer der Stabilisierung
patriarchaler Unterdrückungsmechanismen.
Die Darstellung der Frau
als willige Sexualpartnerin entspricht genau dem Trend der Zeit. Noch in
diesem Jahrhundert hatten die
Frauen keine sexuellen Lustgefühle
zu haben. Mit der Thematisierung des weiblichen Orgasmus in den 70er-Jahren
stellte sich
die Vorstellung der orgasmusfreudigen
Frau - natürlich mittels Penetration - ein. Eine sexuell attraktive
Frau hat einen Orgasmus
zu haben beim Vögeln!
All dies in Kombination mit
der ständigen Darstellung von Frauen als Lustobjekten führt dazu,
daß Frauen ständig sexuell unter
Druck stehen und im eigenen
Selbstwertgefühl von männlicher Anerkennung abhängig sind.
Die Ursachen für diesen
gesellschaftlichen Status
quo sind natürlich noch wesentlicher komplexer - laut Sabine Lichtenfels
ist diese Abhängigkeit jedoch
in der Grundnatur der Frau
verankert.
Erkenntnisse feministischer
Theoretikerinnen werden so mittels platter biologistischer Aussagen vom
Tisch gefegt. Den Frauen
wird ein selbstgewählter
Objektstatus zugeschrieben. In einer männlich geprägten, genital-fixierten
Vögelsexualität hat frau zu
funktionieren. Ein Nicht-damit-klarkommen
wird als ein Verdrängen der eigenen Grundnatur gesehen. Frauen werden
dadurch
unter Druck gesetzt, daß
ihnen ständig gesagt wird, wie sie sind und was sie wollen, nämlich
sich hingeben.
Die Theorie: Frauen als natürliche
Anlaufstellen für alle Männer
Viele der ZEGG-Mitglieder
haben eine linke bzw. alternative Vergangenheit. So auch der Begründer
und Chefideologe des
ZEGG, Dieter Duhm. Der Ex-Sozialist,
Aktivist der 68er-Studentenbewegung und Autor des damals in linken Kreisen
zum
Bestseller gewordenen Buches
"Angst im Kapitalismus" geriet bereits Mitte der 70er Jahre ins Kreuzfeuer
linker Kritik, als er
sich der umstrittenen AAO-Kommune
"Friedrichshof" des österreichischen Aktionskünstlers Otto Mühl
anschloß.
Dort wurde schon 1977 von
Duhm das Konzept zur Gründung des ZEGG entworfen. 1978 gründete
er das Projekt "Bauhütte",
in dem er die ideologischen
Grundgedanken der AAO übernahm, die auch heute noch, wenn auch in
moderater Form, im
ZEGG vertreten werden. Zu
einer persönlichen Distanzierung von Otto Mühl sieht sich Duhm
auch heute nicht genötigt.
Zu seinen bekanntesten Publikationen
- erschienen im Meiga-Verlag - gehören "Politische Texte für
eine gewaltfreie Erde", "Der
unerlöste Eros", "Das
Buch Sidari. Ein Kunstband mit Texten und Gemälden", "Aufbruch zur
neuen Kultur - Von der
Verweigerung zur Neugestaltung.
Umrisse einer ökologischen und menschlichen Alternative" sowie "Synthese
der Wissenschaft.
Der werdende Mensch".
Auch Dieter Duhm weiß
in seinen "Politischen Texten" von 1992 etwas über Frauen zu sagen:
"Wenn eine Frau sich an einen
Mann bindet, dann wird sie entweder an sexueller Frustation verwelken oder
sie wird
diesen Mann mit ihrer Mütterlichkeit
ersticken. In beiden Fällen konnte dieser innere Überschuß
an Kraft, der ihrer
universellen Natur innewohnt,
nicht untergebracht werden. Keine Frau kann diese innere Mitgift von Sexualität,
Liebeskraft, Pflege und
Gärtnerschaft, die ihr die Schöpfung überreicht hat, in
der Beziehung zu einem einzigen Mann
entfalten. Allein ihre sexuelle
Kraft, die dauernde Präsenz ihrer sexuellen Natur und ihrer Lust,
deutet auf eine ganz
andere Bestimmung hin ...
Könnten Frauen ihre
gesellschaftliche Rolle ganz erfüllen, dann wäre wohl keine Therapie
mehr nötig. Eine Frau ist,
wenn sie ihre weibliche
und universelle Identität gefunden hat, eine natürliche Anlaufstelle
für alle Männer. Eine reife
Frau ist in einer Gemeinschaft
ein sexueller und ein seelischer Pol für alle. Sie ist dies ganz einfach
durch ihr
authentisches Dasein. In
einer organischen Gemeinschaft wird sie z.B. ganz von selbst die Liebeslehrerin
vieler junger
Männer sein. Nicht,
weil sie darin ihre eigene Sucht nach Jugendlichen stillen muß, sondern
weil es ihre natürliche
Funktion ist und weil sie
natürlicherweise in dieser Funktion aufgesucht wird." (S.85)
Dieter Duhm dehnt hier die
existente Frauenrolle noch weiter aus. Bisher diente die Frau und ihre
Sexualität als
Reproduktionsquelle in Familie
und Beziehung. Diese Funktion soll auf die gesamte Gesellschaft ausgedehnt
werden: die Frau
als sexueller und seelischer
Ruhepol für alle. Die universelle Natur der Frau wird als lustvoll,
pflegend, liebend, hegend bestimmt.
So werden auch im ZEGG Frauen
auf die gesellschaftlichen Stereotypen von Wärme, Nachgiebigkeit und
Umsorgen reduziert.
Wieder ein Schlag ins Gesicht
von Frauen, die versuchen, sich aus genau diesen ansozialisierten Verhaltensweisen
zu befreien.
Laut ZEGG ist eine Hauptursache
unserer gesellschaftlichen Misere, daß Frauen ihre sexuelle Grundnatur
verdrängen würden.
Frauen haben die Aufgabe,
dies zu erkennen, sich selbst zu verändern und damit einen gesellschaftlichen
Wandel zu
ermöglichen, was quasi
gleichbedeutend damit ist, daß die Frauen an der jetzigen Situation
der Gesellschaft schuld sind. Damit
kommt ihnen zwar eine bedeutende
Rolle in der Geschichtsschreibung zu, in der sie ja sonst eher nicht existent
sind - aber eben
eine eher negative, als
Allein- bzw. Hauptverantwortliche und Schuldige.
Diese Schuld, oder in ihren
Worten "Verantwortlichkeit", finden wir sehr ausführlich bei Sabine
Lichtenfels in "Der Hunger hinter
dem Schweigen" wieder:
"Sie aber hat begonnen, sich
als geschichtliches Wesen zu sehen und zu verstehen. Sie weiß, daß
ihr Aufbruch ein
geschichtlicher Aufbruch
ist und eine Wende einleitet im Selbstbild und Selbstverständnis beider
Geschlechter. Dieses
Selbstbild ist keineswegs
beliebig, sondern es folgt einer inneren Wahrheit und natürlichen
Erotik." (S.84)
"Sie unterwirft sich nicht
mehr dem Richterblick fremder Autoritäten. Sie weiß, daß
das gesamte gesellschaftliche
System der Unterdrückung
des Eros dient und daß für seine Entfaltung ein vollkommen neues
System erforderlich ist.
Nichts Geringeres, als das
vorzubereiten und zu ermöglichen, hat sie sich zur Aufgabe gemacht.
Natürlich weiß sie, daß
sie damit nicht alleine
ist, sondern daß im Grunde ihres Herzens unzählig viele dasselbe
ersehnen und erhoffen. Wichtig
ist nur, daß es Menschen
gibt, die damit beginnen. Sie hofft, daß sich daraus eine leise Revolution
vorbereiten wird, die
Revolution der sinnlichen
Liebe.
Wenn sie als "schwarzes Schaf"
der Gesellschaft hingestellt wird, dann gibt ihr das eher Kraft als Entmutigung,
denn
im Grunde ihres Herzens
ist es ihr ein Zeichen, daß ihr etwas gelungen ist. Es gibt keinen
Grund mehr, sich den
gesellschaftlichen Normen
und Urteilen zu unterwerfen. Ihr sicherster Schutz davor liegt darin, daß
sie etwas Besseres
vorhat." (S.85)
"Es wird keinen Frieden geben
auf diesem Planeten ohne diesen deutlichen und bewußten Wandel der
Frau." (S.??)
Die Ideologie: Vögel
dich frei und alles wird gut
Die Verantwortlichkeit aller
Menschen, speziell aber der Frau, liegt darin, ihre Sexualität frei
auszuleben. Dies ist die
Grundvoraussetzung dafür,
daß sämtliche Probleme von dieser Welt verschwinden, z.B. Hunger,
Armut, Rassismus, Krieg...,
wie es uns auch diese ZEGG-
Zitate erklären:
"Der reale Hunger in den
Trikontländern wird nicht beseitigt werden, solange der Hunger nach
Liebe in Europa und
Amerika nicht gestillt ist."
(ZEGG-Magazin 4/92)
Mit solchen Aussagen werden
Ausbeutungsverhältnisse verharmlost und entschuldigt und Menschen
in den Metropolen von
ihrer Verantwortung entbunden.
Auch Rassismus trägt
angeblich seine Wurzeln in der Unterdrückung von Sexualität.
Janine Müller legt ihre Theorie von
"Rassismus und Sexualität"
im ZEGG-Magazin 2/92 dar. Sie geht dabei von folgendem Zitat von Nancy
Friday aus ihrem Buch
"Die sexuellen Phantasien
der Frauen" aus:
"... der Neger ist für
sexuelle Phantasien wie geschaffen. Alles an ihm, real oder nicht, gießt
Öl in die Flammen: wegen
der Farbe ist er verboten,
und seinem Schwanz schreibt man mythische Proportionen
zu."
Hieraus folgert Janine Müller
folgendes:
"Für Frauen werden demnach
Ausländer zu einer Projektionsfläche der eigenen verpönten
Sehnsucht nach Sexualität.
Die damit verbundene Verachtung
wird auf die Ausländer verschoben.
Für Männer sind
sie der Inbegriff des potenten und nicht faßbaren Liebhabers und
dadurch eine immer präsente
Bedrohung der eigenen Ehe.
Das gilt besonders für junge Männer, die gerne zu den Frauen
hinwollen, aber noch nicht
wissen, wie. Meistens fehlt
ihnen eine positive Orientierung ihrer Männlichkeit und sie brauchen
für ihre Lust einen
Ausweg. Ausländer sind
eine willkommene Zielscheibe ihrer Wut."
Für Janine Müller
gibt es anscheinend keine AusländerInnen, die rassistischem Terror
ausgesetzt sind, zum anderen scheinen
Frauen für sie ausschließlich
weiß zu sein. Wie bei klassischen RassistInnen geht eine (bei ZEGG
angeblich sexuelle) Bedrohung
weißer Frauen ausschließlich
von Ausländern aus. Diese beiden rassistischen und sexistischen Ansichten
kommen aus der
gleichen Grundhaltung: der
Leugnung der sexuellen Bedrohung von weißen und schwarzen Frauen
durch weiße Männer.
Im ZEGG ist die Frau ja allseits
parate Liebeslehrerin - würde sie endlich ihre Rolle annehmen, könnte
sie damit Rassismus
verhindern.
ZEGG verschleiert und verharmlost
gesellschaftliche Realitäten und schiebt dazu noch die Schuld bzw.
Verantwortung den
Frauen zu - Sexismus auf
der ganzen Linie!!!!
Die Konsequenz:
Vergewaltigung und sexueller
Mißbrauch als Produkt gestauter Sexualenergie
Sowohl Sabine Lichtenfels
als auch Dieter Duhm ignorieren bei ihren "Gesellschaftsanalysen" völlig
die Existenz von
patriarchalen Machtstrukturen
und Sexismus. Somit stellt sich die Frage "Lust oder nicht", auf die ZEGG
das
Geschlechterverhältnis
reduziert, für Frauen völlig anders. Eine solche, die patriarchalen
Gewaltverhältnisse zwischen den
Geschlechtern ignorierende
Haltung nimmt ZEGG auch zum Thema sexueller Mißbrauch und Vergewaltigungen
an Mädchen
und Frauen ein.
Zunächst mal zum Thema
Vergewaltigung: Wir zitieren hier ausführlich aus einem Vortrag von
Babette (Sabine Kleinhammes =
Lichtenfels) auf der Ostertagung
der Erotischen Akademie im März 1989:
"Viele Frauen träumen
in der Phantasie davon, vergewaltigt zu werden. In der Wirklichkeit erschrecken
sie dann über
das, was sie da erregt und
ihnen Lust macht. In der Phantasie sind es oft fremde Männer, manchmal
mehrere, einer
nach dem anderen. Derselbe
Vorgang, der in der Wirklichkeit Angst und Entsetzen hervorruft, erzeugt
in der Phantasie
Lust und Verlangen. Was
stimmt nun? Es hat keinen Sinn mehr zu sagen, Phantasien seien eben nicht
die Wirklichkeit.
Denn diese Phantasien zeigen
eine Wirklichkeit des Verlangens, eine Wirklichkeit der sexuellen Sehnsucht.
Und solange
diese Wirklichkeit der sexuellen
Wünsche nicht gesehen wird, nicht akzeptiert wird, nicht positiv integriert
wird in den
realen sinnlichen Kontakt
der Geschlechter, so lange bleibt unsere sexuelle Welt gespalten in die
Welt der Phantasie
und die Welt der viel langweiligeren
Alltäglichkeit. Und solange diese Spaltung andauert, staut sich etwas
an
Unzufriedenheit und Gewalttätigkeit
in der menschlichen Gesellschaft, denn auch der Mann hat ja entsprechende
Phantasien. Und so kommt
es, daß diese Phantasien jeden Tag auf der Erde auf brutalste Weise
irgendwo in die Tat
umgesetzt werden. Es wird
gefoltert, vergewaltigt, verstümmelt, wo immer die moralischen Dämme
brechen und die
Gesellschaft, zum Beispiel
im Krieg, die Gelegenheit dafür gibt. Oder wenn jemand persönlich
ausrastet und die lang
gestaute Sexualität
in ihm wie Dynamit explodiert. Die Zeitungen sind voll von solchen Berichten.
Diese sexuellen Phantasien
von Frauen, die ganz genau ihre Entsprechung haben zu den Phantasien von
Männern, sie
weisen hin auf eine Wirklichkeit
der Lust, die bisher noch nirgendwo öffentlich einbezogen wurde in
ethische, soziale
und politische Fragen mit
dem ernsthaften Interesse, hier humane Lösungsformen zu finden außerhalb
von Verbot und
bisheriger Moral. Gibt es
Möglichkeiten, wo das, was Lust macht, keinen Schmerz mehr verursacht?
Gibt es eine
Möglichkeit, wo Frau
und Mann sich über diese Punkte der Phantasie, die eigentlich eine
Entsprechung haben und
deshalb zu einer Möglichkeit
des Kontakts führen könnten, daß sie sich hierüber
verständigen und es integrieren in
einen sinnlichen, positiven,
wollüstigen Kontakt? In dem vollen sexuellen, bewußt erlebten
und bejahten Kontakt
zwischen Mann und Frau,
wo auch solche Phantasien einbezogen sind ohne reale Unterdrückung
und Grausamkeit,
liegt ein wesentlicher Transformationspunkt
der Gewalt überhaupt. Dieser Satz scheint mir für den Aufbau
einer
humanen Gesellschaft so
wichtig, daß man ihn dreimal wiederholen sollte. ... An nicht gelebter
bzw. nicht integrierter
Sexualität sterben
mehr Menschen als an Autounfällen. Die gestaute Sexualität, die
sich irgendwann Bahn bricht, ohne
daß sie jemals ins
Bewußtsein und ins Leben integriert wurde, führt täglich
zu Vergewaltigungen, Morden, Folterungen.
Hier beginnt die wirkliche
Emanzipation der Frau, wo sie im Begreifen dieser Zusammenhänge ihre
sexuelle Rolle
annimmt und gestaltet. Das
ist ihr wesentlicher Beitrag zu einer neuen Form der Humanität. Wenn
sie das tut, dann
kann die Mythologie des
Alten Testamentes umgeschrieben werden. Die Sexualität, die im Urhebräischen
das gleiche
Wort ist wie Erkenntnis,
ist dann nicht mehr die Vertreibung aus dem Paradies, sondern ist die Hineinführung
und der
Eintritt. Die Frau läßt
den Mann auf ganz einfache Weise wissen, wie sie genommen werden möchte,
ohne daß er vor
ihr beben müßte
in dem Sinne, daß er denkt: bin ich schon der große Eroberer?
Und sie läßt ihn auf ebenso einfache
Weise auch wissen, was ihr
nicht gefällt, denn das gehört ja zur sexuellen Kommunikation.
Aber sie hört auf, ihn
kleinzuhalten und ihn zu
bemuttern."
Hier werden Vergewaltigungsphantasien
von Frauen, die es ohne Zweifel gibt, in einen realen Wunsch umgedeutet.
Dies ist eine
Herangehensweise, wie sie
gang und gäbe ist. Selbst in der Justiz erleben wir ja weiterhin,
wie Opfern einer Vergewaltigung die
Verantwortung für diese
zugeschoben wird, "da sie es ja eigentlich gewollt oder herausgefordert
hätten."
Vergewaltigungsphantasien
stellen aber einen Verarbeitungsmechanismus von Frauen mit der alltäglichen
männlichen Gewalt
dar. In einer Phantasie
führt die Frau - im Gegensatz zur Realität - selbst Regie, und
kann dadurch Ohnmachtsgefühle
bewältigen.
Es ist unglaublich und eine
Verhöhnung der Opfer, die Ursache für männliche Gewalt damit
zu begründen, daß Frauen ihren
Wunsch nach frei ausgelebter
Sexualität nicht verwirklichen - und sich deshalb bei Männern
sexuelle Energien stauen, die dann
mittels Gewalt ausgelebt
werden.
Sie geht sogar noch weiter,
indem sie behauptet, daß Frauen ihre sexuellen Erlebnisse, oftmals
erst im Nachhinein, als z.B.
Vergewaltigung interpretieren.
"Ich möchte, bevor ich
auf das ganze Thema Liebe und Sexualität eingehe, einen Eindruck geben
von meiner eigenen
Geschichte. Ich weiß,
daß sie klassisch ist und stellvertretend für die Geschichte
vieler Frauen steht. Ich weiß, daß viele
Frauen bei ihrer Einweihung
ins sexuelle Leben ähnliches erlebt haben wie ich mit 14 Jahren. Um
vor sich und anderen
später einigermaßen
gut dazustehen und um es mit dem weiteren Liebesleben vereinbaren zu können,
wird aus so einer
Geschichte in der Erzählung
eine Vergewaltigung. Der eigene Teil der Lust und Neugierde wird einfach
unterschlagen." (Der Hunger
hinter dem Schweigen, S. 30)
Nochmal Sabine Lichtenfels
in "Der Hunger hinter dem Schweigen":
"Sie erkennt, daß sie
in diesem Wissen auch harten Männern gegenüber eine Macht hat,
die höher steht und die auf der
Stelle eine echte Gewalttat
unmöglich macht. Es ist ihre weibliche, erotische Macht. Sie versteht
auf einmal, wie sehr
die Frau durch ihr aktives
und unbewußtes Opferverhalten den Männern gegenüber an
den vielen sexuellen
Gewaltverbrechen beteiligt
ist. Sie sieht, wie die Frau instinktiv dazu herausfordert, solange sie
den Eros nicht bewußt
in ihr Leben integriert.
Sie erkennt, in welchem Ausmaß
es ihre Aufgabe ist, einen Beitrag zu leisten, daß diese Art der
Gewalt von der Erde
verschwindet."
Eine Frau ist also an ihrer
Vergewaltigung mit Schuld, sie fordert durch die Unterdrückung ihres
Eros sogar intuitiv dazu auf.
Sobald eine Frau ihren Eros
bewußt lebt, kann sie nicht vergewaltigt werden.
Vergewaltigungen sind also
nicht durch patriarchale Herrschaftsstrukturen bedingt - nein, es ist die
Schuld der Frauen.
Es wäre derselbe Vergleich,
daß ein Mordopfer selbst an seinem Tod Schuld ist, weil es sich zu
sehr als Opfer, zu passiv
verhalten hat.
Auch zum Thema Mißbrauch
fährt ZEGG ganz auf der immer stärker werdenden "Mißbrauch-
mit dem- Mißbrauch"- Linie. In
dem ZEGG- Sonderheft "Sexualität
und Kinder" distanzieren sie sich zwar von Mißbrauch, bezeichnen
aber Frauen, die sich für
die Öffentlichmachung
des Themas engagieren, als durchgeknallte Radikalfeministinnen, die
a) ihrem Männerhaß
fröhnen und
b) sich Jobs im Mißbrauchsberatungsbereich
sichern wollen.
Im gesamten Heft stellen
sie sich auf die Seite von Tätern und argumentieren mit dem "Mißbrauch-
mit dem- Mißbrauch"-
Argument: Nach diesem benutzen
Mütter in Trennungssituationen den Vorwurf des Mißbrauchs an
ihren Kindern, um sich somit
das Sorgerecht und den Einfluß
auf ihre Kinder vor den Vätern zu sichern. Es werden diese wenigen
Einzelfälle hervorgehoben,
in denen Mütter tatsächlich
Väter zu Unrecht des Mißbrauchs beschuldigten. Diese Kampagne
"Mißbrauch mit dem
Mißbrauch", die diese
Einzelfälle hervorhebt und verallgemeinert, führt dazu, daß
den Opfern von sexuellem Mißbrauch
weiterhin nicht geglaubt
wird und ihre Aussagen angezweifelt werden.
Dieter Duhm geht sogar noch
weiter:
"Kinder sind manchmal in
einer Weise sexuell offensiv, daß es einem biederen Erwachsenen den
Atem verschlägt. Ohne
den Erwachsenen von der
Verantwortung für seine Handlungen zu entbinden, wette ich einen hohen
Einsatz, daß viele
Ereignisse von sogenanntem
sexuellem Kindesmißbrauch von Kindern ausgelöst worden sind.
Wie ich, ebenfalls ohne
die Gewalttat in irgendeiner
Weise zu entschuldigen, einen ebenso hohen Einsatz wette, daß viele
sogenannten
Vergewaltigungen von den
sogenannten Opfern ausgelöst worden sind. Das sind Tatsachen der sexuellen
Welt, die wir
gerne voreilig verurteilen,
nur weil wir sie nicht verstehen." (ZEGG-Extra Sexualität und Kinder,
S. 28)
Er fordert:
"Die Angst vor der Frauenmafia
und ihren Ablegern in der Presse muß ein Ende haben. Im Namen der
Kinder!" (ebd.,
S.30)
ABSATZ ZUM DURCHATMEN ...
Wie ZEGG selbst zu Sexualität
von Erwachsenen mit Kindern steht, bleibt schwammig. Einerseits wird "Kein
Sex mit Kindern"
gefordert, andererseits
redet Duhm von einer "behutsamen Einführung der Kinder in die Sexualität",
was immer das heißen mag,
bedeuten kann es auf jeden
Fall viel...
Diese recht ausführlichen
Zitate der Position des ZEGG zum Geschlechterverhältnis, zu sexuellem
Mißbrauch und
Vergewaltigung halten wir
für notwendig, um aufzuzeigen, welche frauenverachtende und ignorante
Ideologie sich hinter dem
scheinbar progressiven Konzept
der "Freien Liebe" und den schönfärberischen Floskeln vom "gegenseitigen
Vertrauen zwischen
den Geschlechtern" verbirgt.
Das politische
Konzept des Projekt Meiga
Die politische Analyse von
ZEGG bzw. von Dieter Duhm ist im wesentlichen in seinem 1992 erschienenen
Buch "Politische
Texte - Für eine gewaltfreie
Erde" (im folgenden: DD,PT) beschrieben. Darüberhinaus finden sich
in fast allen Ausgaben des
ZEGG-Magazins Artikel von
Duhm zu irgendwelchen politischen oder 'philosophischen' Problemen.
Ausgangspunkt ist hierbei,
daß bei Beibehaltung bisheriger Lebens- und Denkgewohnheiten die
Apokalypse drohe und "wir
nicht mehr lange überleben"
werden. Mit dieser Analyse mag er zwar nicht allein stehen, doch die von
ihm vorgebrachten
Lösungsvorschläge
lohnen eine kritische Betrachtung. Eine typische Passage lautet etwa:
"Die Menschen reagieren kurz
und emotionell auf die wachsende Katastrophe, dann fuckeln und bumseln
sie weiter,
machen weiter ihre Eifersucht
und ihre Liebesdramen, machen weiter ihre Kriege, lassen weiter Kinder,
Tiere und
Völker sterben, sehen
weiter tatenlos zu..." (DD,PT,S.35-36).
Als ob die Menschen, also
alle Menschen, ihre Kriege machten.
Dieser für esoterische
Konzepte typische Fehlschluß, die völlige Unterschlagung des
Unterschieds zwischen Machtlosen und
Machthabern, die Ignoranz
von Herrschaftsstrukturen, das ist ein Hauptfehler der politischen Analyse
von Duhm, die den
propagierten Einheitsbrei
der Befreiung durch die Freie Liebe bzw. den Sexuellen Humanismus für
zunächst einige Auserwählte
auf sogenannten "planetarischen
Heilungsbiotopen" erst ermöglichen.
Die politische Theorie des
Projekts steht im wesentlichen auf zwei Füßen:
1.) Ausgehend von der allgemeinen
These, daß große politische Systeme nicht weiter überlebensfähig
seien und dem
Zusammmenbruch des kommunistischen
Staatensystems in wenigen Jahren der des kapitalistischen folge, sei schon
jetzt die
Errichtung von kleinen,
autarken Lebensgemeinschaften nötig, denn einzig diese seien in der
Lage, den Zusammenbruch zu
überstehen.
Schließlich "sind wir
heute tatsächlich in der Lage, an jedem Punkt der Erde genügend
Energie, genügend Bewußtsein, genügend
Wasser und genügend
Nahrung zu erzeugen." (DD,PT,S.18). Um solch eine zunächst einmal
abstruse These halten zu können,
muß natürlich
fortgesetzt werden:
"Wir sind aber nur dann dazu
in der Lage, wenn wir das Wissen unserer Zeit an diesem Ort zusammenbringen.
Es sind
nicht mehr nur die Fähigkeiten
einzelner Menschen oder einzelner Kulturen, welche hier wirksam werden,
sondern es
ist die Zusammenkunft und
die innere Verbindung, dieser Fähigkeiten. Wir betreten ein neues
Zeitalter, wo es auf diese
innere Verbindung ankommt."
(DD,PT,S.18)
2.) Insofern sei die Bildung
eines Netzwerks von sogenannten "planetarischen Zentren" bzw. "Überlebensdörfern"
nötig, von
denen das erste -nämlich
das, was in den verschiedenen ZEGG-Publikationen stets als 'Meiga 3000'
oder 'Heilungsbiotop I'
bezeichnet wird- nach eigenem
Bekunden noch in den neunziger Jahren entstehen soll (DD,PT,S.26). Durch
diese
planetarischen Zentren soll
"eine Gesamtinformation für eine gewaltfreie Erde" aufgebaut werden:
Die zunächst kommunitäre
Kommune, die sowohl den
Kollektivismus als auch den Individualismus überwinde, mache den Blick
frei "für die grundlegende
spirituelle Erfahrung. Unter
dieser neuen geistigen Bedingung kann der Geist eintreten in das Gefäß
der Gemeinschaft"
(DD,PT, S.122-123, Hervorhebungen
im Original). Ist er dann erst einmal eingefangen, erzeugen die inzwischen
entwickelten
Überlebensqualitäten
ein "geistiges Feld", welches die geschundene Umwelt heilt.
Meiga 3000 - Das planetarische
Heilungsbiotop
Die konkrete Realisierung
des ersten "Planetarischen Heilungsbiotops" ist für 1995 geplant (so
Sabine Lichtenfelsim
ZEGG-Magazin 14, S. 10).
Ein 200 ha großes Gelände in Portugal - mitten in einem Naturschutzgebiet
an der Westküste - ist
auserkoren, strittig ist
nur noch der Kaufpreis (zwischen zwei und drei Millionen DM).
Es ist schwierig, in den
ZEGG-Publikationen genaue Konzepte für dieses Projekt zu erkennen,
selbst Dieter Duhm und Sabine
Lichtenfels widersprechen
sich in ihren Grundvorstellungen. Sogar Duhm selber schwankt in seiner
Einschätzung. Zum einen
schreibt er bemerkenswert
offen:
"In einer bestimmten Weise
denken wir daran, erstmal uns selbst wirklich gut und souverän aus
dem Dreck zu ziehen".
Zum anderen hat er zumindest
ein gewisses theoretisches Heilungskonzept, nämlich eine Art Dreinigkeit
aus sozialer,
ökologischer und spiritueller
Rettung: Die soziale Heilung besteht in seiner Lesart im wesentlichen aus
Angstabbau zwischen den
Menschen und einem abgemilderten
Konzept der Freien Liebe. Ökologische Heilung meint "die Wiedereingliederung
des
Menschen in die Gesamtwelt
des Lebens auf der Erde." Bei der Beschreibung der spirituellen Heilung
bzw. des "Verhältnis (ses)
des Menschen zur Schöpfung
überhaupt" fallen dann die Hüllen. Unter Voraussetzung einer
Art kosmisch-metaphysischen
Ordnung fordert Duhm:
"Die Wiedereingliederung
des menschlichen Lebens in die Ordnung, in die Spielregeln einer höheren
kosmischen Welt,
ist Aufgabe Nummer eins
in diesem Schöpfungsgedanken, den wir verbinden mit dem Projekt Heilungsbiotop
I."
Ganz anders - etwas weniger
abgehoben und dafür lebensnäher, dabei aber die patriarchale
Rollenstruktur im ZEGG
reproduzierend - Sabine
Lichtenfels:
"Die zentrale Aufgabe im
Heilungsbiotop wird es sein, neue Heimatbilder zu erzeugen. Nicht mehr
Heimat in der
Kleinfamilie, bei Mama und
Papa, bei Weihnachtsfesten, sondern der Aufbau von wirklicher Heimaterfahrung
im
Universum."
Ganz im Gegensatz zu den
Theorien der kosmischen Rückbindung ihre Vorstellungen für die
künftigen Spielregeln und vor allem,
wie sie entstehen:
"Daß wir mit wenigen
Menschen dort anfangen, hängt vor allem auch damit zusammen, daß
wir die sozialen
Grundregeln des Platzes
von innen her entwerfen wollen. ... Die neue Kultur wird nicht mehr auf
äußeren Gesetzen
basieren, sondern wird Regeln
erfinden, die den inneren Wachstumsvorgängen des Menschen entsprechen."
Einig sind sich beide dann
wieder in der Art und Weise, eventuell Interessierte finanziell abzuzocken.
Im Heilungsbiotop können
sich "intimere Freunde ...am
Rande des Geländes einen eigenen Kraftplatz (bis zu einem Hektar)
für 100000 DM kaufen, auf
dem man sich z.B. ein Haus
von ca. 100 qm bauen kann." Bis August 1994 sollen die GönnerInnen
des Projekts allein 200.000
DM für Werbematerial
und -veranstaltungen spenden. Am letzten Tag der 'Beratenden Versammlung'
des ZEGG im April 1994
wurde ein Vortrag von Duhm
und Lichtenfels flugs zur Geldsammelaktion umfunktioniert, gegen die sich
allerdings ZEGG-intern
Widerstand regte. Trotzdem
bleibt die Frage:
Das Heilungsbiotop als nächste
finanzielle Sanierungsquelle der ZEGG-ProtagonistInnen?
Zurück zur politischen
"Theorie": Durch die Vernetzung der einzelnen in den Heilungsbiotopen aufzubauenden
Felder soll dann
"in einigen Jahren das allgemeine
Überlebensfeld entstehen. Überleben werden aber sicher nicht
nur diejenigen, welche real in
Gemeinschaften leben, sondern
alle, die mit solchen Überlebensfeldern in Resonanz stehen. Sie werden
wahrscheinlich
rechtzeitig erfahren, was
für sie zu tun ist." (DD,PT, S.124). Also: nicht, wer genügend
Geld und Macht hat, um sich zu retten,
wird der Katastrophe entgehen,
sondern diejenigen, die den richtigen Groove zum Überlebensfeld haben.
Dem diesem Konzept
innewohnenden Anti-Materialismus,
der wieder einmal die Verteilung von Macht und -in diesem Zusammenhang
besonders
wichtig- ökonomischen
Ressourcen leugnet, setzt Duhm in seinem Vortrag in der "ZEGG-Universität"
zu Ostern 1992 noch
hinzu:
"In der vorapokalyptischen
Situation unserer Zeit stellt sich die Frage des Überlebens. Wie kann
man unter diesen
Bedingungen überleben
und wer kann überleben?...Überleben werden diejenigen, die mit
den neuen
Bewußtseinskräften
übereinstimmen [gemeint sind hier "die erneuernden Kräfte der
Regeneration, der Selbstheilung,
der Synthese und der Transformation",
genauer wird das nicht ausgeführt, d.V.]. Die positiven geistigen
Kräfte bilden
zusammen die Keimkraft der
neuen Zeit. Diese Keimkraft, die in der Welt zu einem gegebenen Zeitpunkt
der Evolution
und Geschichte immer wirkt,
ist zusammengenommen etwa das, was man früher als Gott bezeichnet
hätte. Etwas
verkürzt können
wir sagen, es werden die überleben, deren innere Gedanken und Entwicklungskräfte
mit der geistigen
Entwicklungsrichtung im
Weltgeschen übereinstimmen. Das System Mensch muß kompatibel
werden mit dem System
Erde und mit dem System
Welt." (DD,PT,S.139)
Nun muß diese Resonanz-
bzw. Feldtheorie ja eine Art wissenschaftliche Basis haben.
Die Theorie der globalen
Feldbildung
Rupert Sheldrake
Dies sei die unter anderem
durch den englischen Biochemiker Rupert Sheldrake entwickelte Theorie der
"morphogenetischen
Felder". Sie besagt, daß
das Gedächtnis der Natur in sogenannten morphischen, also formenden
Feldern abgeglegt sei und daß
jeder bekannten Form, auch
jedem bekannten kollektiven Verhalten ein "Feld" zugrundeliegt, wobei man
sich solch ein Feld als
nichtmaterielle Struktur
vorzustellen hat, in dessen Einflußbereich typische Wirkungen immer
wieder auftreten. Die Konsequenz
der Theorie ist die Erkenntnis,
daß nicht Naturgesetze den Lauf der Welt bestimmen, sondern Makro-Gewohnheiten,
die sich in
den Feldern manifestieren.
Am besten versteht man diese
Vorstellung anhand von Beispielen:
1.) "Wir ziehen durch eine
beliebige Wiese in einer beliebigen deutschen Landschaft einen Wassergraben.
Die Wände
des Grabens bestehen zunächst
aus nackter Erde. Nach drei Jahren wird er mit ungefähr derselben
Pflanzengemeinschaft besiedelt
sein wie alle anderen Wiesengräben in Deutschland. ...Wie kommt das?"
Liegen überall
dieselben Pflanzensamen
herum? Kaum. Denn das Wachstum dieser Pflanzen ist gar nicht angewiesen
auf das
Vorhandensein materieller
Samen. Die materiellen Keime und Saaten sind oft durch Umweltzerstörung
aller Art längst
beseitigt worden. Was überlebt,
ist nicht der materielle Kern, sondern die Information."
2.) "Wir haben als Kinder
öfters beobachtet, wie irgendwo in einer Wiese Teiche ausgehoben wurden.
Nach einiger Zeit
schwammen kleine Fische
in den Teichen, obwohl sie kilometerweit vom nächsten Fischwasser
entfernt waren. ...Die
Erde, der Gesamtorganismus
Erde, das Informationssystem Erde hatte für diesen Ort unter diesen
spezifischen
Bedingungen die spezifische
genetische Information 'Fisch'. [Hervorhebung im Original]
3.) "Genetische Informationen
treten feldhaft auf. Im Frühling liegt über allen Waldrändern
und vor allen
Friedhofsmauern das Informationsfeld
'Veilchen'. ... Oder wenn wir hinüberspringen zu einem ganz anderen
Beispiel:
Über allen Liebespaaren
liegt die Information 'Eifersucht'. In allen Liebesnestern der Welt wird
deshalb beim
Auftauchen eines interessanten
Dritten instantan und pflichtgemäß diese Information der Eifersucht
abgerufen und
stracks verwirklicht." (DD,PT,S.172-174)
Nun ist aber diese Feldtheorie
nicht nur auf den Mikrokosmos beschränkt, sondern hat auch einen Bezug
zu entsprechenden
Theorien für den Makrokosmos.
Die einheitliche Gesamtinformation
rettet die Welt ?
Aufbauend auf seinen alten
Überlegungen zur Resonanztheorie und der sogenannten Gaia-Hypothese
des englischen Chemikers
James Lovelock und der amerikanischen
Mikrobiologin Lynn Margulis, nach der sich die Art und Weise, wie in der
Biosphäre
die chemische Zusammensetzung
der Luft, die Temperatur der Erdoberfläche und andere planetarische
Prozesse gesteuert
werden, sinnvoll nur deuten
läßt, wenn man die Erde als einen einzigen lebenden Organismus
betrachtet, behauptet Duhm die
Existenz eines globalen
einheitlichen Lebensstroms, in dem die Erde ihre zusammengehörenden
Organe ("Flüsse, Seen, Länder,
Meere, Vegetationszonen,
Polargebiete, Menschen, Tiere, Pflanzen" (DD,PT,S.159)) verbinde; ebenso
würden die Organe des
Organismus von einem einheitlichen
Lebensstrom zusammengehalten werden. In diesem Lebensstrom wirke überall
sowohl eine
einheitliche Energie (er
nennt die Begriffe Lebensenergie, Prana, Mana, Chi, Orgon) als auch eine
einheitliche
Gesamtinformation. Mehr
noch:
"Der Grundbaustein der Welt
ist nicht das Atom, sondern die Information. Die Welt ist aus Informationen
aufgebaut"
(DD,PT,S.171).
In grob fahrlässiger
Weise wird daraus eine antimaterialistische Theorie zusammengestückelt,
die dann zum Beispiel in Platitüden
wie diese mündet:
"Wenn ich einen Mikrochip
in einer bestimmten Art herstelle, so daß Elektrizität physikalisch
kaum noch möglich ist,
weil er aus Plastik oder
sonstwas besteht, dann wirkt darin nur noch Information, und es funktioniert.
Der elektrische
Vorgang ist nicht Träger
der Information, sondern bereits eine Folge." (San Diego Magazin Nr.10,
11/91, S.22)
Auf der ganzen Erde seien
Informationen und Informationsfelder wirksam, die einfach da seien und
je nach den dort
herrschenden Bedingungen
Ereignisse bewirkten (DD,PT,S.172).
Die Aufgabe des Menschen
bestehe nun darin, "Auge der Evolution und Reflexionsorgan der Biosphäre"
(DD,PT,S.161) zu
sein und der Evolution die
Aufgabe abzunehmen, die Biosphäre mit Informationen zu füttern.
Denn schließlich sei der
Hauptgedanke:
"Wenn wir die Biosphäre
als Informationskörper betrachten, dann ergibt sich natürlich
die Möglichkeit, sie durch
Information zu verändern.
...Wenn wir eine Zukunft ohne Angst uind Gewalt aufbauen wollen, gibt es
nur noch eine
Möglichkeit: Die entsprechende
Gesamtinformation aufbauen und in den Informationskörper der Erde
eingeben"
(DD,PT,S.160). :
Und natürlich weiß
Duhm auch, welche Eigenschaften diese Gesamtinformation haben muß,
damit sie zu einer globalen
Bewußtseinsveränderung
führt:
"1. Sie muß hoch stehen
in der geistigen Hierarchie und dadurch eine lenkende Kraft haben... 2.
Sie muß komplex sein"
[d.h. sie muß ein
hohes Maß, an "Weltwissen, Lebensaspekten, Kenntnissen" usw. vereinen;
im Prinzip ist dies dasselbe
wie 1., d.V.] "3. Sie muß
in sich widerspruchsfrei sein... 4.) Die neue Information muß kompatibel
sein" [d.h.
Übereinstimmung mit
Schöpfung, Welt, Biosphäre, d.V.]..."5.) ...sie muß von
den Lebewesen gesucht und gebraucht
werden...6.) ...Eine bestimmte
Mindestanzahl von Menschen (die Größenordnung liegt vielleicht
bei einigen Hundert)
muß innerlich mit
dieser Information verbunden sein... 7.) Sie muß funktionieren..."
(DD,PT,S.165-168).
Im Anschluß daran wird
dann noch preisgegeben, was sich wirklich hinter dem Projekt verbirgt:
eine neue Art immaterieller
Arche mit Dieter Duhm als
Kapitän:
"Wir selbst müssen jetzt
die Steuerung übernehmen. Wir selbst sollen uns nicht mehr einfach
den Schöpfungsgesetzen
anpassen, sondern -vielleicht
zum ersten Mal in der Geschichte - sie in bewußter Aktion verändern,
nicht indem wir das
genetische Material manipulieren,
sondern indem wir eine neue Schöpfungsinformation aufbauen und in
die Noosphäre
eingeben. Das ganze Geheimnis
des Projekts Meiga liegt in diesem Gedanken" (DD,PT,S.168).
Ist dieser Schritt erst einmal
gegangen, geht's zur Sache: "Wenn wir an irgendeiner Stelle die Gesamtidee
gesehen und
verstanden haben, dann brauchen
wir nicht mehr mühsam alle Einzelgedanken neu zu durchkauen; sie verändern
sich von selbst,
unser innerer Biocomputer,
unser geistiger Operator arbeitet dann von selbst und bewirkt eine Neuordnung
der Dinge in
unserem Inneren" (DD,PT,S.180).
Welches Menschenbild steckt
eigentlich hinter solch einem Konzept?
Zu guter letzt diskreditiert
Duhm seine eigenen Ausführungen über die Theorie von Feld und
Information, die er wesentlich über
Zahlenreihen als Grundgedanken
des universellen Bewußtseins motiviert (DD,PT, S.172), durch mathematischen
Dilletantismus:
"Millionen von Menschen brauchen
heute privat einen Therapeuten, weil sie nicht wissen, daß sie alle
durch dasselbe
gesellschaftliche und geistige
Feld gegangen und den Fehlern dieses Feldes zum Opfer gefallen sind. Wenn
wir jetzt
anfangen würden, sie
alle individuell zu behandeln, bräuchten wir ein neues öffentliches
Gesundheitssystem mit einem
Jahresetat von etwa 10 hoch
30 Dollar" (DD,PT,S.183).
Selbst wenn man die Weltbevölkerung
mit 10 Milliarden Menschen ansetzte, wären das Kosten von 100 Milliarden
Milliarden
(gleich 100 Millionen Billionen
oder 100000 Billiarden) Dollar pro Kopf. Gigantische Verrechnung oder bewußte
Zahlenmanipulation ?
Zum Schluß ein vielleicht
erhellender Vorschlag: Nimmt man das Buch "Politische Texte- Für eine
gewaltfreie Erde" her und
ersetzt im zweiten Teil
das Wort "Information" durch "Wissen" und das Wort "Feld" durch "Raum",
relativ unterschiedliche
Begriffe also, kann man
feststellen: der Text liest sich genauso leicht oder schwer wie das Original,
denn berinahe alle Aussagen
sind schwammig und unexakt
formuliert. Wer solche Texte zum politischen Manifest erhebt und damit
wie im ZEGG
Millionenbeträge umsetzt,
ist wissenschaftlich ein Scharlatan und politisch eine Katastrophe mehr.
"Natur"
als Legitimationsbegriff
Der Anspruch des ZEGG, in
seinen Projekten der Erde "positive Informationen" zu geben und so die
drohende Katastrophe
abzuwenden, wirft die Frage
auf, was mit denen ist, die "negative Informationen" produzieren, d.h.
nicht den Vorstellungen
Dieter Duhmsund des ZEGG
entsprechend leben. Im Zusammenhang mit ihrem universalistischen Weltrettungsanspruch
liegt die
Schlußfolgerung zumindest
nahe, diese notfalls auch mit Gewalt daran zu hindern. Auch wenn dies von
den ZEGGlern selbst
bisher nicht so gefordert
wird, zeichnet sich hier die Möglichkeit einer totalitären Wendung
der von ihnen verbreiteten Ideologie
deutlich ab.
"Natur" läßt sich
nicht allgemeingültig definieren. Tatsächlich wird der Begriff
eher zur Legitimation des Weltbildes
des/derjenigen, der/die
ihn benutzt, herangezogen, als dazu, ein klar bestimmbares Phänomen
zu beschreiben. Der Natur
werden je nach den eigenen
Interessen wechselnde "ewige Gesetzmäßigkeiten" zugeschrieben,
denen der Mensch sich im Sinne
einer "naturgemäßen",
also "guten" Lebensweise zu unterwerfen habe. Hier bleibt weder Platz für
individuelle Freiheit in der
Wahl der Lebensform noch
für historische Entwicklungsprozesse in der Vergesellschaftung von
Menschen. Wenn alles seine
natürliche Ordnung
hat, sind demokratische Entscheidungsprozesse fehl am Platze. Wenn jede/r
seinen/ihren Platz in einer
natürlichen Hierarchie
hat, ist ein Kampf gegen Unterdrückung sinnlos oder gefährlich,
weil er sich gegen die "natürliche
Ordnung" richtet.
Duhms Theorie stellt insofern
eine modernisierte Form desselben Natur-Konzepts dar, die auch völkisch-faschistischer
Ideologie zugrundeliegt.
Er greift zwar nicht auf Konstruktionen von "Volk" oder "Rasse" zurück,
aber seine "funktionierenden
Alternativgemeinden" oder
"Planetarischen Heilungsbiotope" erfüllen letztlich einen ähnlichen
Zweck:
Ist der Mensch ein Teil des
lebendigen Gesamtorganismus Erde, mit dem ihn ein gemeinsamer Informationsfluß
verbindet, in den
er "richtige" und "falsche"
Informationen eingeben kann, so läßt dies keinen Raum mehr für
eigene Entscheidungen. Wenn
sowieso nur eine kleine
Gruppe Menschen "geistig kompatibel" ist mit dem "System Erde" und so eine
Chance hat, die
ökologische Katastrophe
zu überleben, so sind die Interessen und Lebensbedingungen der Mehrheit
völlig unwichtig.
Sie können höchstens
zum Störfaktor werden, der falsche Informationen produziert. Wichtig
ist nicht mehr das Individuum,
sondern die jeweilige Gemeinschaft,
weil erst diese den Bezug des Einzelnen zum Gesamtorganismus herstellt.
Wenn Duhm
schreibt, daß eine
Mindestanzahl an Menschen nötig sei, um eine entsprechende Veränderung
der Gesamtinformation
herbeizuführen, so
ist klar, daß Einzelinteressen eine untergeordnete Rolle spielen.
Auch Hierarchien und Führertum
sind "natürlich". Im ZEGG sollen sie lediglich aufgedeckt, nicht abgebaut
werden. Und wenn
Duhm oder Lichtenfels ihre
Erkenntnisse besonderen spirituellen Einsichten verdanken, so steht es
weniger Eingeweihten nicht
zu, sie zu kritisieren.
Zusammen mit dem Anpruchs des ZEGG, seine Ideologie als Religion zu begreifen
(da der Mensch
angeblich Religion braucht),
zeigt sich hier klar der totalitäre Charakter dieses Weltbildes.
Bezüglich seines Naturbegriffs
und den daraus folgenden Konsequenzen weist das ZEGG damit eine große
Nähe zu
ökofaschistischen und
völkischen Argumentationen auf. Auch sie begreifen sich häufig
als politische Religion mit dem Ziel, den
Glauben an die natur- oder
art-(rasse-)gemäße Lebensweise zu verbreiten.
Am Beispiel des Nationalsozialismus
läßt sich zeigen, wie diese Ideologie dazu benutzt werden kann,
Gewalt bis zum Mord
gegen diejenigen anzuwenden,
die ihr wirklich oder vermeintlich nicht entsprechen.
Zwar ist das ZEGG bisher
weit davon entfernt, seine Ideologie so zu wenden und über die Macht
zu verfügen, diese Wendung
durchzusetzen, aber sie
verbreiten eine solche Sichtweise gerade bei Menschen, die den konservativen
Spielarten solcher
Ideologien eher abgeneigt
gegenüberstehen. Darum sehen wir das ZEGG nicht einfach als eine Gruppe
von Menschen, die auf
mehr oder weniger abstruse
Weise versuchen, ihr persönliches Leben zu verbessern, sondern als
eine, wenn auch nicht
unbedingt die typische Erscheinungsform
des konservativen Rollbacks.
Hinzu kommt noch, daß
eine Pseudopolitisierung des persönlichen Verhaltens, wie sie im ZEGG
propagiert wird, einer
Erfassung der politischen
Dimension der als persönliches Leiden empfundenen gesellschaftlichen
Mißstände zuwiderläuft. Der
Blick wird auf das eigene
Innere oder bestenfalls noch auf den Gruppenprozeß verlagert, ohne
daß das Gesehene mit
gesellschaftlichen Machtverhältnissen
in Verbindung gebracht wird. Statt politischem Handeln bleibt hier nur
die diffuse
Hoffnung, daß alles
irgendwie besser werden möge, z.B. durch die "positive, richtige Information"
(s.o.).
Das beides und die Verwendung
von ehemals in linken Zusammenhängen entwickelten Schlagworten und
Argumentationen
(kollektive Lebensweise
etc.) bringt die Ideologie des ZEGG und anderer New Age - Gruppierungen
in die Position einer
Vorfeldideologie, an die
sich, wenn die Grundannahmen einmal akzeptiert sind, problemlos rechte
Schlußfolgerungen anknüpfen
lassen. Wer ein hierarchisches
und elitäres Weltbild akzeptiert, ist damit nicht unpolitisch, sondern
reaktionär.
Vom Umgang
mit anderen ...
Unserer Erfahrung nach zeichnen
sich ZEGGlerInnen oder Menschen, die dem ZEGG nahestehen, durch ein bemerkenswert
einheitliches Auftreten
aus. Zwar gibt es keine Hinweise darauf, daß im ZEGG gezielt Schulungen
für solche Auftritte betrieben
werden, aber bei kritischen
Veranstaltungen verliefen die Diskussionen stets nach sehr ähnlichem
Muster:
Während der Referate
gab es meistens kurze Kritiken zu einzelnen Details, um sich als gut informiert
zu präsentieren. Bei der
anschließenden Diskussion
gab man/frau sich dann zunächst durch die Aufforderung zu erkennen,
die Anwesenden mögen sich
doch zunächst das Projekt
selber anschauen und sich ein Bild von den lieben Menschen und der guten
Atmosphäre machen.
Von den entsprechenden Gebühren
für Aufenthalte in Belzig war dabei jedoch nicht die Rede. Er oder
sie habe dort gelebt und
wisse wovon sie/er rede,
was von den KritikerInnen nicht behauptet werden könne.
Auf Einwände, es gehe
in der Veranstaltung darum, die zugrundeliegende Ideologie zu kritisieren
und nicht darum zu behaupten,
daß mensch nicht bei
entsprechender Blauäugigkeit einen netten Urlaub in Belzig verleben
könne, kommt dann meist: "Mit der
Ideologie haben wir uns
nicht genau beschäftigt, die Texte haben wir nicht gelesen und schließlich
darf doch jedeR denken und
schreiben was er oder sie
will."
So wird jeder Stellungnahme
zu der vorgebrachten Kritik aus dem Weg gegangen und ein unheimlich netter,
offener und
liberaler Eindruck verbreitet,
in der Hoffnung damit bei den BesucherInnen der Veranstaltung gut anzukommen.
Einerseits wird
behauptet, frau/man sei
offen für jede Kritik und schließlich ginge es ja gerade um
Auseinandersetzung, andererseits entsteht in
diesen Diskussionen ziemlich
bald der Eindruck, auf eine Gummiwand einzureden. Kritik wird überhört
oder geschickt
umgangen, dagegen werden
immer wieder die wunderbaren Erfahrungen wiedergekäut, die mensch
in Belzig gemacht habe.
Wenn darauf aggressiv reagiert
wird, so ist das beabsichtigte Ziel erreicht: Die ZEGGlerInnen haben sich
selbst als offen,
tolerant und großzügig
dargestellt und ihre KritikerInnen als engstirnig und verbohrt entlarvt.
Zumindest versuchen sie, diesen
Eindruck zu erzeugen, was
je nach Informationsstand und Erfahrung der Anwesenden mehr oder weniger
gut klappt.
Wichtig erschien es uns,
ihnen zu solcher Art von Selbstdarstellung möglichst wenig Raum zu
lassen und die Art und Weise in
der vorgegangen wird (viele
Wiederholungen, nicht auf Kritik eingehen, eigene Erfahrung als absoluten
Maßstab setzen)
offenzulegen.
Nachwort
Die Entwicklung des ZEGG
läßt sich für uns nur schwer einschätzen, ebenso wie
die Frage, wieviele Leute nun tatsächlich
dahinter stehen und was
nur Eigenwerbung des ZEGG ist.
Wenn z.B. im ZEGG-Magazin
Gruppen in anderen Städten als Kontaktgruppen genannt sind, ist für
uns nicht nachzuvollziehen,
wie groß oder klein
sie sind und ob sie tatsächlich als Gesamtgruppe das ZEGG unterstützen
oder ob es nur einzelne Kontakte
gibt. Trotzdem haben wir
einige Adressen nicht zuletzt deshalb in diese Broschüre aufgenommen,
um die Auseinandersetzung in
euren Städten anzustoßen.
Was für uns klar auffällig
ist, ist die breite Werbekampagne fürs Sommercamp, wo BRD-weit plakatiert
worden ist, der neue
"Nachbarschaftstreff" in
der Friedelstraße 27 in Berlin-Neukölln, wo mit Veranstaltungen
massiv für das ZEGG geworben wird
und die Kampagne zu Meiga
3000 bzw. dem Planetarischen Heilungsbiotop I, wo bisher ca. die Hälfte
der benötigten Summe
gesammelt ist (eigene Angaben
im ZEGG-Magazin) und bereits ein Gelände ausgesucht ist.
Hier wäre es wichtig,
noch mehr Informationen zu sammeln und die vorhandenen besser zu koordinieren.
Eine Frage, die während
der Diskussion am Ende der Info-Veranstaltung auftauchte, war, was das
ZEGG für viele Leute so
attraktiv macht, was sie
suchen und dort zu finden glauben.
Bei einem ZEGG-Werbe-Video
fielen uns dazu die vielen netten Bilder über gemeinsames Arbeiten
und Leben in Belzig auf.
Immer wieder fröhliche
Menschen, die im Sonnenschein gemeinsam arbeiten, sich etwas aufbauen,
Dinge miteinander teilen.
Also eigentlich die netten
Bilder von Zusammenleben, die wir auch im Kopf haben, an deren Umsetzung
wir aber auch oft
scheitern. Auf der Suche
nach einem Weg dahin mag ein in Belzig verbrachtes Wochenende die Illusion
entstehen lassen, hier
sei schon alles besser.
Auch der Wunsch nach mehr
Offenheit, körperlicher Nähe und Freundschaft scheint sich hier
problemloser erfüllen zu lassen,
als es in unserem Alltag
meistens der Fall ist.
Auf der anderen Seite steht
das Wissen um die reaktionäre Ideologie des ZEGG, wo Hierarchien als
natürlich hingenommen
werden und nur noch transparent
gemacht, aber nicht mehr abgebaut werden sollen und wo von einer einzigen
natürlichen und
damit richtigen Lebensform
ausgegangen wird sowie um den extremen Sexismus, der vom ZEGG als angebliche
Befreiung
propagiert wird.
Daraus ergeben sich verschiedene
Fragen im Umgang mit den Menschen aus unserem Umfeld, die ins ZEGG gehen.
Einerseits
die Frage, warum wir in
unseren eigenen Strukturen keinen besseren Umgang miteinander hinkriegen,
andererseits die, wo das
Verständnis aufhören
und die Kritik anfangen sollte. Zugespitzt könnte mensch fragen: Sehen
wir den Aufenthalt in Belzig und
das Engagement im ZEGG als
bedauerlichen Irrtum, aber auch als Privatsache jeder/jedes Einzelnen an
oder glauben wir, daß
hier Leute eine reaktionäre
Ideologie propagieren und unterstützen und daß diese deshalb
in unseren Zusammenhängen nichts
(mehr) zu suchen haben.
Wir haben keine definitive
Antwort auf diese Frage gefunden. Einig waren wir uns nur darin, daß
die Reaktion stark vom
Verhalten der einzelnen
Leute abhängig ist und darin, daß wir es auf jeden Fall wichtig
finden, die Leute überhaupt mit den
Inhalten des ZEGG und unserer
Kritik daran zu konfrontieren, weil viele zwar hinfahren und dann mehr
oder weniger begeistert
wiederkommen, sich aber
gar nicht erst mit der Ideologie beschäftigen.
Literaturverzeichnis
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Rechten, und der New-Age-Bewegung, Diplomarbeit am OSI, FU Berlin, 1993
(enthält eine
Textanalyse über Dieter
Duhms Text 'Umweltzerstörung und Inweltzerstörung')
Gerd Nowakowski, Welterlösung
durch freie Liebe, taz (Berlinteil) 30.7.93
Bernhard Pörksen, "Mutti
in den Gulli stopfen", freitag Nr. 36/93, 3.9.93
Roman Schweidlenka, New Age
- Irrungen im ZEGG, contraste Februar 1993
Senatsverwaltung für
Jugend und Familie Berlin (Hg.), Informationen über neue religiöse
und weltanschauliche Bewegungen und
sogenannte Psychogruppen,
in: Drucksache 12/4905 des Abgeordnetenhauses von Berlin
Peter Stegemann, Weltverbesserung
statt Arbeitsplatzbeschaffung, Berlin-Brandenburgisches Sonntagsblatt 6.2.92
Elisabeth Voß, "Die
ganze Biosphäre beginnt zu jubeln", contraste Juli/August 92
Thomas Wendel, Argwohn gegenüber
den schrillen Nachbarn, Neue Zeit 11.7.92
Impressum
HerausgeberInnen:
Die rosaroten PantherInnen
erreichbar über:
AG Sekten
c/o ASTA der FU Berlin
Kiebitzweg 23
14195 Berlin
Bezug: Die Broschüre
ist vergriffen, aber wir haben noch ein paar Exemplare im Infoladen
ISBN-Nr. 3-926522-11-9
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