| Wien:
Schleich di Joergl!
Jetzt ist es also paktiert: Oesterreich
wird für die nächsten
Jahre eine Regierung mit FPÖ-Beteiligung
haben.
Warum dagegen demonstrieren?
Wenn sich jetzt kein Protest gegen diese
Regierung formiert, wird
es auch in Zukunft keinen mehr geben.
Nicht wenige Menschen
haben angesichts einer FPÖ-Regierungsbeteiligung
resigniert, und
nicht wenige sagen angesichts der gescheiterten
SPÖ/ÖVP-
Verhandlungen: "Dann laßt den Haider
doch mal ran!" Und die
Reaktionen aus dem Ausland haben wieder
mal zu einer "Jetzt
erst recht"-Stimmung geführt, wie
wir sie schon aus der
Waldheim-Zeit kennen. Das alles dient
letztlich dazu, einer
rechtsextremen Partei wie der FPÖ
Akzeptanz zu geben. Und
dieser Trend muß gestoppt werden.
Indem sich viele dagegen
engagieren, und darum ist es so nötig,
auch dagegen zu
demonstrieren.
Vom Saulus zum Paulus?
Deine Motive, gegen die FPÖ zu sein,
mögen sich von unseren
oder denen anderer Leute unterscheiden.
Aber es gibt auch welche,
denen wir ein gewisses Machtkalkül
unterstellen, wenn sie gegen
die FPÖ/ÖVP-Regierung sind.
Die SPÖ zum Beispiel ist sauer, weil
sie nach 30 Jahren Macht auf die Oppositionsbank
muß. Denen
wird es darum gehen, so schnell wie möglich
wieder in die
Regierung zu kommen, und da sind künftige
Koalitionen
durchaus offen... Und vergessen sollten
wir auch nicht die (vor
allem rassistische) Politik, die sie betrieben
hat. Die hat nämlich
unter anderem zu dem geführt, was
jetzt ist. Und da vermögen
vollmundige Aussagen von einer erbitterten
Opposition oder
einer "Rückbesinnung auf sozialdemokratische
Werte" nicht zu
überzeugen. Die Grünen werden
sich zwar schon als
parlamentarischer Gegenpart zur FPÖ
verstehen, aber letztlich
wissen sie auch, daß genau das ihnen
Stimmenzuwächse bringen
kann. Und daß der Vorsitzende Van
der Bellen genau dieses
Österreich, das Haider großgemacht
hat, schon mal vor den
finsteren Mächten des Auslandes beschützen
wollte, ist noch nicht
solange her. Und dann ist da noch der
ÖGB (Oesterreichischer
Gewerkschaftsbund), dem nachgesagt wird,
er würde sich in dieser Situation
kämpferischer geben. Wer
allerdings das kämpfen verlernt hat,
wird nicht so schnell damit
beginnen. Und der Zeitpunkt, gegen eine
arbeiterInnenfeindliche
Politik aufzustehen, ist heute, spätestens
gestern.
Wir sollten also nicht warten, bis all
diese Institutionen mit dem
Widerstand beginnen. Auf uns kommt es
nun einmal an, und wir
sollten dabei nicht vergessen, daß
es viele verschiedene Gründe
gibt, gegen diese Regierung zu sein: Rassismus,
Frauenfeindlichkeit, Hetze gegen sozial
Schwache und Repression.
Alles Dinge, die im neuen Regierungsprogramm
maßgeblich
enthalten sind.
Jörg Haider ist ein Faschist
Das ist keine Uebertreibung. Die Zeiten
aendern sich, und so
scheint es nicht mehr angebracht zu sein,
unzaehlige Menschen
zu ermorden, wie wir das von Hitler, Mussolini,
Franco, Pinochet,
etc. kennen. Es braucht keine marodierende
SA, um eine
autoritaere und menschenverachtende Politik
durchzufuehren,
die den Interessen, jener dient, die viel
besitzen. Es genuegt, den
ohnehin vorhandenen Hass auf NichtoesterreicherInnen,
Juedinnen und Juden, auf sozial Schwache
anzuheizen. Wenn die
Stimmung autoritaer genug ist, laesst
sich das alles umsetzen. Die
FPOe ist faschistisch, weil sie die Gewalt
in der Sprache anwendet,
die andere ermutigt, Asylheime anzuzuenden,
auf Obdachlose
einzutreten, die PolizistInnen jede Hemmung
nimmt, Gewalt
anzuwenden. Auf der anderen Seite schuechtert
sie viele, die
nicht so sein wollen, ein. Die unzaehligen
Klagen, mit denen
Haider seine GegnerInnen immer wieder
ueberzogen hat, die
"Schutzgemeinschaft der FPOe-Waehler"
will die "Fleissigen und
Anstaendigen" vor Beleidigungen durch
die "linke
Jagdgesellschaft" schuetzen, offene Drohungen
gegen
DemonstrantInnen sollen mundtot machen.
Und sooft kann sich
Joerg Haider gar nicht "entschuldigen"
um nicht im Anschluss
wieder wueste Drohungen auszustossen.
Und nicht selten greift er
dabei in den braunen Mistkuebel.
DIE sind faschistisch, modern faschistisch.
Und genau das soll zum
Normalzustand werden, wenn sie in die
Regierung kommen.
Und es wird zum Normalzustand, wenn sich
die Menschen hinter
dieser Regierung scharen, wegen der Angriffe
aus dem "boesen
Ausland". Und da kommt vieles hoch, spaetestens
auf den
Leserbriefseiten von Krone und Taeglich
alles (2 grosse
oesterreichische Boulevardzeitungen, werden
wir ueber
eine "links-juedische" Weltverschwoerung
aufgeklaert. Und
wenn sie nur duerften, wuerden sie es
uns allen schon zeigen.
Ihre Partei ist die FPOe. Sie zeigt ja
Verstaendnis dafuer. Sie ist
faschistisch.
Widerstand ohne Illusionen
Das alles sind duestere Aussichten, und
die Zukunft wird fuer
viele schmerzhaft. Nicht nur von der Regierung,
auch von breiten
Teilen der Bevoelkerung wird uns ein eisiger
Wind
entgegenwehen. Aber es liegt an uns allen,
dagegen aufzustehen.
Das ist das einzige, was all das aufhalten
kann beziehungsweise
Schlimmeres abwenden kann. Viele Menschen
werden besonders
betroffen sein. Mit ihnen muss mensch
sich solidarisch zeigen,
Proteste foerdern.
Protestiert gegen die neue oesterreichische
Regierung, wo auch
immer sie auftreten sollte. Es darf keinen
"Gewoehnungsfaktor"
geben!
Nie wieder!
Rosa Antifa Wien (RAW)
[Top]
Oekologische.Linke@reflex.at
(Oekologische Linke)
Widerstand gegen das neue Regime!
Nach der Machtergreifung des neuen FPÖVP-Regimes
gilt es weiterhin
Widerstand zu leisten. Dazu werden wir
alle einen langen Atem und viel
Entschlossenheit benötigen.
Die Prügelorgien der Wiener Polizei
- die am 4. Februar und in der
darauffolgenden Nacht begannen - zeigen,
daß der Spielraum für
politische
Opposition in diesem Land in Zukunft viel
geringer sein wird als
bisher.
Wenn bereits unter den Augen der internationalen
Presse Wasserwerfer
eingesetzt und friedlich dasitzende DemonstrantInnen
mit Knüppeln
verprügelt werden, dann ist dies
wohl nur ein Vorgeschmack auf die
zukünftige "Sicherheitspolitik" des
neuen Regimes.
Umso wichtiger ist es deshalb, sich jetzt
nicht auseinanderdividieren
zu
lassen und weiterhin gemeinsam zu kämpfen.
Distanzierungen von
SOS-Mitmensch oder den Grünen dienen
einem solchen gemeinsamen Kampf
nicht. Um eine solche Regierung zu Fall
zu bringen sind vermutlich
verschiedene Aktionsformen notwendig,
die durchaus neben- und
miteinander
existieren können.
In diesem Sinn rufen wir weiterhin dazu
auf, in aller Welt gegen die
neue
rechts-rechte Regierung Österreichs
Widerstand zu leisten!
Ökologische Linke (ÖKOLI)
[Top]
Gewerkschaftsreaktionen
auf Regierungsprogramm
Zwangsarbeit bringt Lohndruck und Arbeitsplatzvernichtung
Alternative und Grüne GewerkschafterInnen
wenden sich mit
Entschiedenheit gegen Zwangsarbeit für
Menschen, die am immer kleiner
werdenden Arbeitsmarkt keine Arbeit mehr
finden. Diese Politik arbeitet
mit populistischer Stigmatisierung bestimmter
Gruppen und erinnert an
nationalsozialistische Gepflogenheiten.
Zwangsarbeit führt zu Lohndruck und
vernichtet reguläre Arbeitsplätze.
Besonders im sozialen und gemeinnützigen
Bereich sind Hilfsbedürftige
darauf angewiesen von Personen betreut
zu werden, die ihre Arbeit
freiwillig und gerne machen. Zwangsarbeitende
sind dort am falschen
Platz.
Zwangsarbeit richtet sich besonders erniedrigend
gegen Frauen, die
aufgrund fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen
und anderer
Infrastrukturmaßnahmen zu Langzeitarbeitslosen
wurden.
Eine perfide Politik macht Opfer eines
ungezügelten Kapitalismus zu
Schuldigen.
Ilse Löwe-Vogl
Alternative und Grüne GewerkschafterInnen
(AUGE/UG) AUGE - Alternative und Gruene GewerkschafterInnen/UG
A-1040 Wien, Belvederegasse 10/1
VOX: ++43/1/505 19 52-0; FAX: ++43/1/505 39 43-22
Die AUGE ist Mitglied der UG-Unabhaengige GewerkschafterInnen im OeGB.
<http://www.ug-oegb.at>http://www.ug-oegb.at
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EUROPÄISCHE
STELLE ZUR BEOBACHTUNG VON RASSISMUS UND
FREMDENFEINDLICHKEIT
Vienna, 4 February 2000
News Service: 3/00/DE, EUMC Index: 194-3-D
Die neue österreichische Koalition
ist ein gefährlicher Präzedenzfall
für
Europa
Die Europäische Stelle zur Beobachtung
von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit warnte heute, dass
die vorgesehene Koalition von
ÖVP
und FPÖ ein gefährlicher Präzedenzfall
für die Europäische Union ist.
Diese Koalition schließt eine politische
Partei mit ein, deren
Wahlplattform
auf Ausschluß und Furcht aufbaute.
Der Ausschluss von Angehörigen
ethnischer, kultureller und religiöser
Minderheiten und die Furcht vor
Ausländern sind ein wesentlicher
Bestandteil ihrer Politik. Die
Geschichte
hat uns gelehrt, dass das Anwachsen von
Intoleranz nur gestoppt werden
kann,
wenn die demokratischen Parteien die fundamentalen
Werte ohne
Kompromiss
bekämpfen.
Die Entwicklung der Europäischen Union
beruht auf den grundlegenden
Werten
der Demokratie und der Achtung der Menschenrechte
- das Konzept der
Demokratie schließt notwendig die
Werte der Toleranz, der
Nicht-Diskriminierung und des Respekts
für Vielfalt ein. Diese
Prinzipien
werden in den Verträgen der EU ausgedrückt.
Diese Prinzipien finden auch Ausdruck in
der Charta der Europäischen
Parteien für eine nichtrassistische
Gesellschaft. Die Europäische
Beobachtungsstelle ist daher alarmiert
über Erklärungen, der
vorgesehenen
Regierungskoalition die Charta zu unterzeichnen
und zu respektieren.
Diese
Entwicklungen können nur als ein
Zeichen eines raschen politischen
Wandels
und eines Missbrauchs der Prinzipien,
auf denen die Charta aufgebaut
ist,
gesehen werden.
"Die gutdokumentierten Aktivitäten
und Statements der FPÖ sind in
vollkommenen Gegensatz zu dem, was die
Charta repräsentiert.", sagte
ein
Sprecher für das EUMC.
Das EUMC begrüßt die Resolution
des Europäischen Parlaments vom 2.
Februar
2000 zu dem Vorschlag eine Regierungskoalition
in Österreich zu bilden.
Es
wiederholt die ausdrückliche Unterstützung
für die historische
Prinzipienerklärung und die Aktionen,
wie sie am 31. Jänner von der
portugiesischen Präsidentschaft der
EU namens der 14 Mitgliedsstaaten
bekannt gegeben wurde.
Die Bedeutung der Aufgaben des EUMC
ist entscheidend für Europa. Die
Beobachtungsstelle wird weiterhin Auge
und Ohr der EU für Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit sein und Regierungen
und Institutionen auf
nationaler
und EU-Ebene mit objektiven Informationen
und Dokumentationen versorgen
und
Empfehlungen für Aktionen geben.
Es will im Detail die Aktionen der
EU-Regierungen untersuchen, die dem Geist
und den Buchstaben der
grundlegenden Rechte und Freiheiten widersprechen,
die in den Verträgen
niedergelegt sind.
Das EUMC hat die Unterstützung der
EU-Regierungen um ihre Aufgaben
wirksam
auszuführen. Es wendet sich an die
Bevölkerung in Europa, die Vielfalt
zu
respektieren und uns bei dem Kampf gegen
Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit
zu unterstützen.
Die Europäische Beobachtungsstelle
ist eine unabhängige Körperschaft
der EU
mit Sitz in Wien, die mit ihren Aktivitäten
Mitte Juli 1998 begann. Die
offizielle Eröffnung wird am 7. April
2000 in Gegenwart des Präsidenten
der
Europäischen Union, Romano Prodi,
stattfinden. Ein Bestandteil der
offiziellen Eröffnung wird eine Konferenz
über Politik und Rassismus
sein.
Weitere Information:
Tel: +43 1 580 30 37
Fax: + 43 1 580 30 99
E-mail: media@eumc.at
Website: www.eumc.at Wien,
[Top]
get
to attack sagt: do the HUUUP, don't BUMP!
Stellungnahme
zu den Demonstrationen gegen eine schwarzblaue Regierung
5.Feb.2000;
get to attack verfolgt das Ziel einer offensiven, antagonistischen
Politik, um antidemokratischen Entwicklungen wie Rassismus und Ausländerfeindlichkeit
entgegenzuwirken. Die Regierungsbeteiligung der FPÖ stellt eine massive
Gefahr für die Demokratie dar. Die Strategie einer dynamischen Konfliktkultur,
wie sie get to attack propagiert und betreibt, erfordert große Präzision
bei der Bestimmung der politischen Gegner und der Wahl der Methoden. In
diesem Sinn unterstützt get to attack den Protest auf der Straße:
get to attack ruft auf zum gewaltfreien und kreativen Widerstand gegen
die Regierungsbeteiligung der FPÖ. get to attack sieht in jeder Demonstration
auch eine Demonstration für die demokratisch festgeschriebenen Protestformen
auf der Straße. get to attack ist für jede Vermeidung von gewalttätigen
Auseinandersetzungen, die eine Frontstellung ins Zentrum des Protest rücken,
der das eigentliche Objekt abhandengekommen ist - nämlich der Kampf
gegen jede Komplizenschaft mit Rassismus, Sexismus, Nationalismus und anderen
Schrebergärten einer Haß- & Neidpolitik.
get to attack
says: Schlüssel schütteln gegen Schüssel,
HUUUP HUUUP
gegen Haider!
Weitere Informationen
zu get to attack:
Homepage: http://www.t0.or.at/gettoattack
Pressematierial:
http://www.t0.or.at/gettoattack/presse
Kontakt: gettoattack@t0.or.at
[Top]
AUFRUF
ZUM GEWALTFREIEN WIDERSTAND
SOS Mitmensch ruft auf, den gewaltfreien Widerstand fortzusetzen. Die Berichte
über die Eskalation der Demonstration am Freitag vermitteln ein schreckliches
Bild. Prügelnde Polizisten und steinewerfende Hitzköpfe liefern
Argumente, die ganze Bewegung zu diskreditieren. Was als kreativer ziviler
Ungehorsam begann, darf nicht als agressive Minderheitenfeststellung enden.
Deshalb dürfen wir den Protest nicht denen überlassen, die den
Erfolg leichtfertig aufs Spiel setzten. Wir müssen uns aber auch scharf
von ihnen Abgrenzen.
Unser Protest ist auschließlich und ohne wenn und aber gewaltfrei.
Wir fordern alle auf, ausschließlich mit demokratischen Mitteln
zu agieren und von jeder Gewalt Abstand zu nehmen.
[Top]
**Kein Schritt zurück!**
*Aufruf zum Widerstand!*
Demokratie hin oder her, die Rechtsextremen
haben die Macht
ergriffen. Jetzt heisst es auf der Hut
sein, denn auch wenn sich die
FPÖ in der Anfangszeit aus taktischen
Gründen zurückhalten wird,wissen wir doch alle, was uns erwartet:
massive Privatisierungen,"Geldstrafen" für Kranksein, Studiengebühren,
Pensionskürzungen und dergleichen mehr leiten die Aushöhlung
des Sozialstaates ein. Es ist kein Zufall, dass die FPÖ ausgerechnet
das Sozialministerium übernommen hat: unter dem Deckmantel der Eigenverantwortung
wird ein amerikanisches Gesundheitssystem angesteuert; in Zukunft wird
Gesundheit mehr und mehr zu einer Geldfrage. Es ist zu Befürchten,dass
in den nächsten Jahren die rechtesten und reaktionärsten Gesellschaftskonzepte
umgesetzt und womöglich noch übertroffen werden. Auf die eine
oder andere Art wird es der FPÖ gelingen, uns gegeneinander auszuspielen:
ÖsterreicherInnen gegen NichtösterreicherInnen, PensionistInnen
und StudentInnen gegen aktive ArbeitnehmerInnen, Frauen gegen Männer,
"Sozialschmarotzer" gegen die "Fleißigen und Anständigen" und
so weiter. "Das Boot ist voll!" und "Es ist nicht mehr genug für alle
da!" sind die Parolen, mit deren Hilfe die Bevölkerung auseinanderdividiert
und ein gemeinsames "sich-zur-Wehr-setzen" im Keim erstickt werden soll.
Die FPÖ hat auch das Justizministerium
übernommen. Beinharte Repression wird mehr und mehr Resozialisierungsprogramme
ersetzen. Geschichte wiederholt sich nicht, es erwartet uns keine Neuauflage
des Nationalsozialismus. Aber: Haider ist ein Faschist, und sich die Möglichkeiten
des totalen Überwachungsstaates und die Realität des "gläsernen
Menschen" in seinen Händen vorzustellen, ist eine Horrorvision. Die
FPÖ hat Schlüsselpositionen erobert, was ihr die Möglichkeit
gibt,
Wirtschaft und Verwaltung in noch größerem Ausmaß zu infiltrieren.
Jetzt kann sich Haider seinen Traum eines patriotischen und völkischen
Projektes erfüllen: an die "Anständigen und Fleißigen"
werden "Zuckerl" verteilt. Das sie trotz allem doch nur geschröpft
werden, nehmen sie in Kauf, solange es jemanden gibt, dem es noch schlechter
gibt, der noch eine Stufe unter ihnen steht. Dadurch soll der Rückhalt
und die Zustimmung in der Bevölkerung längerfristig zementiert
werden.
Dass ausgerechnet in Österreich wieder
einmal eine rechtsextreme Bewegung ans Ruder kommt, löst das aus,
was jahrelanger Sozialabbau und menschenverachtender Rassismus nicht bewirkt
haben: massiven Widerstand aus der Bevölkerung. In dutzenden Städten
im In- und Ausland gehen Leute auf die Straße. Unter einem gemeinsamen
Ziel verbünden sich verschiedenste Menschen, um ihre Wut und ihren
Protest mit kämpferischen und fantasievollen Aktionen kundzutun. Die
alles andere als objektive Medienberichterstattung ist Teil einer Kampagne,
um den Widerstand zu spalten. Wir dürfen eine Kriminalisierung oder
Verharmlosung auch nur eines Teiles dieser breiten antifaschistischen Bewegung
nicht zulassen. Eine unamgemeldete Demonstration mit 1500 TeilnehmerInnen
und andere Aktionen wurden weitgehend totgeschwiegen. Die Attacken der
Wiener Polizei gegen friedlich demonstrierende Jugendliche, die die Straßenschlachten
erst auslösten, wurden wie üblich zu blinder Gewalt gegen die
arme Polizei umgelogen. In der Nacht zum Samstag konnte man sich in der
Online-Ausgabe des liberalen "Standard" noch über die wahre Ursache
der Auseinandersetzungen informieren. Wenige Stunden später war auch
dieses Blatt auf die "offizielle" Version eingeschworen. Wie üblich
übertraf das Zentralorgan der Volksverblödung, die "Neue Kronenzeitung"
(5.2.), alles: Eine billig zusammengeschusterte Fotomontage a la "vermummter
Chaot verprügelt Polizisten" zierte das Titelblatt. An der Gewaltfrage
darf sich diese Bewegung nicht spalten. Wir verstehen, dass sich Menschen,
die von der Polizei schikaniert werden, zur Wehr setzen. Aber es ist nicht
die Polizei, gegen die sich unser Protest richtet, sondern die schwarz-braune
Regierung und ihreHelfershelfer.
Schlimm schauts aus. Jetzt geht es nicht mehr
um kleine Verschlechterungen, oder solche, die nur einen kleinen Teil der
Bevölkerung treffen. Jetzt geht es um gravierende Eingriffe in unser
Leben. Aber genau jetzt haben wir auch die Gelegenheit, eine Gegenmacht
aufzubauen, die eine echte Chance hat, in die gesellschaftliche Rechtsentwicklung
einzugreifen.
Solidarisiert Euch! --- Werdet aktiv! ---
Geht auf die Straße! ---
WehrtEuch!
Linz, Februar 2000
[Top]
Aussendung des KPÖ-Bundesvorstands
8.2.2000
KPÖ wird Demonstrationen weiterhin
unterstützen=
KPÖ-Chef Baier zu Sitzung der
Linksfraktion im Europaparlament
eingeladen
Wien - (KPÖ-PD): "Die KPÖ beteiligt
sich weiterhin an den
Straßendemonstrationen gegen die
schwarzblaue Koalitionsregierung",
erklärte Dienstag vormittag Mag.
Walter Baier. Selbstverständlich rufe die
KPÖ auch zur "für kommenden
Samstag geplanten Großdemonstration in Wien
auf".****
KPÖ-Vorsitzender Mag. Walter Baier
wurde für morgen Mittwoch nach Brüssel
eingeladen, um an einer Beratung der GUE-Fraktion,
der Linken im
Europaparlament, teilzunehmen und über
die Situation in Österreich zu
referieren. Dabei geht es um "gemeinsame,
international koordinierte
Aktionen der europäischen Linken
gegen die österreichische
Rechtsregierung".
Vorbereitet werden für den 19. Februar,
an dem eine Großdemonstration in
Wien stattfinden wird, gleichzeitige Manifestationen
in mehreren
europäischen Hauptstädten, darunter
Paris, Berlin und Rom. Alle Parteien
der GUE werden an diesen Kundgebungen
teilnehmen - so Baier.
In der GUE-Fraktion (44 Mandate) arbeiten
14 Parteien aus 10
EU-Mitgliedsländern zusammen. Sie
repräsentieren ein pluralistisches
Spektrum, das linkssozialistische Parteien
- wie die PDS aus Deutschland
oder die Volkssozialisten aus Dänemark
- mit postkommunistischen Parteien
wie der Linskpartei Schwedens, die trotzkistische
LO-LCR aus Frankreich
und traditionellen kommunistischen Parteien
wie PCF oder KKE vereinigt.
Die GUE-Fraktion hat die Resolution des
Europaparlaments vom 3. Februar
unterstützt, in der die Beteiligung
der FPÖ an der österreichischen
Regierung verurteilt wurde. In ihr wird
gefordert, "die künftigen
Entwicklungen betreffend Rassismus und
Ausländerfeindlichkeit in
Österreich und ganz Europa zu überwachen".
In Übereinstimmung mit den diesbezüglichen
Positionen der KPÖ hatte die
GUE in einem eigenen Resolutionsentwurf,
der allerdings nicht die
mehrheitliche Zustimmung des EP gefunden
hatte, gefordert, dass die
"Kommission als Hüterin der Verträge
prüft, inwieweit die mit dem Beitritt
zur EU verbundenenen sozialen Folgen wie
wachsende Arbeitslosigkeit und
Ausverkauf der wirtschaftlichen Substanz
den nationalistischen Stimmungen
Vorschub geleistet haben".
Die KPÖ arbeitet seit 1994 mit der
linken Fraktion im Europaparlament
zusammen und ist seit vergangenem Jahr
mit Beobachterstatus ins Neue
Europäische Linksforum (NELF) integriert.
Aktuelle Infos der KPÖ unter http://www.kpoe.at
im Forum NEWS
[Top]
Wiener Philosophinnen Club
AG Philosophische Frauenforschung
Institut für Philosophie
der Universität Wien
Universitätsstraße 7
1010 Wien
An Herrn
Bundespräsident
Dr. Thomas Klestil
Präsidentschaftskanzlei
Hofburg
1014 WIEN
Wien, 10. Februar 2000
OFFENER BRIEF
Sehr geehrter Herr Bundespräsident
Dr. Thomas Klestil,
wir haben die politische Entwicklung in
Österreich in der letzten Zeit aufmerksam verfolgt und sehen der neuen
ÖVP-FPÖ-Regierung und deren Folgen mit großer Sorge entgegen.
Die Regierungsbeteiligung der FPÖ und ihre nachweislich rassistische
und nationalpopulistische Politik betrachten wir als Gefährdung der
Demokratie und als weiteren Schritt zur Bestätigung deren Politik.
In diesem Zusammenhang beurteilen wir insbesondere
die von FPÖ und ÖVP ausgegebene Losung, diese Regierung nicht
nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten zu beurteilen, als äußerst
problematisch. Die damit suggerierte Trennbarkeit von Sprechen und Handeln
verharmlost die von vielen VertreterInnen der FPÖ jahrelang praktizierte,
nicht mehr zumutbare politische Rede und trägt damit zu ihrer Legitimierung
bei. Die Trennung von Wort und Tat entwertet darüber hinaus die politische
Rede als ein Grundelement einer demokratischen Gesellschaft, da sie unwillkürlich
das zu einer Demokratie gehörende Bemühen um eine Auseinandersetzung
mit den Mitgliedern der demokratischen Gesellschaft sowie die damit verbundenen
rhetorischen Mittel der sachlichen und fairen Argumentation und Diskussion
in Abrede stellt.
Ebenso bedenklich stimmt uns ferner der
Umgang von FPÖ und ÖVP -- teilweise auch der Medien -- mit dem
demokratischen Grundrecht auf Demonstration, insofern die seit der Angelobung
der neuen Regierung stattgefundenen Demonstrationen und Kundgebungen unterschiedslos
als "Gewalt der Straße" bezeichnet und damit pauschal kriminalisiert
werden. Wir würden es begrüßen, wenn Sie, Herr Bundespräsident,
angesichts dessen mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln
zu einer öffentlichen Aufklärung des demokratischen Grundrechts
auf Demonstration und Meinungsfreiheit und zur Rehabilitierung der aus
Sorge um das Wohl Österreichs und der internationalen Staatengemeinschaft
demonstrierenden Bürgerinnen und Bürger in aller Entschiedenheit
beitragen würden.
Im Besonderen stellt die von der neuen
Bundesregierung vereinbarte Auflösung des Frauenministeriums und damit
seiner bisherigen Politik einen massiven Rückschritt demokratischer
Frauenpolitik in Österreich dar, mit der Konsequenz, dass eine gezielte
und effiziente Frauenpolitik sowie Interessenvertretung aller in Österreich
lebenden Frauen in der bisher bewährten Weise nicht mehr voll gewährleistet
ist.
Die im ÖVP-FPÖ-Regierungspakt
unmissverständlich zum Ausdruck gebrachte starke Identifizierung der
Frau als Mutter ist mit den Anliegen der Frauenforschung sowie dem Prinzip
der Gleichbehandlung in einer fortschrittlichen Geschlechterdemokratie
nicht vereinbar und widerspricht internationalen Wissenschaftsstandards
der Frauen- und Geschlechterforschung ebenso sehr wie den faktischen vielfältigen
Lebensentwürfen von Frauen. Wir teilen darüber hinaus die von
Frauensprecherinnen von Oppositionsparteien und vielen verschiedenen Frauenorganisationen
geäußerte Besorgnis eines erneuten Zurückdrängens
der Frau in den häuslichen und familiären Bereich und damit einer
Wiedererstarkung der Diskriminierung und Ungleichbehandlung der Frau.
Nicht zuletzt ist die Befürchtung
gegeben, dass die sich bereits abzeichnende internationale Isolierung Österreichs
sich auch auf die österreichischen Universitäten und außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen negativ auswirkt und folglich dem Ansehen österreichischer
WissenschaftlerInnen massiven Schaden zufügen wird.
Wiener Philosophinnen Club
AG Philosophische Frauenforschung
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