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Aufruf zur antifaschistischen Demonstration 
am 30. Januar 2000 in Weimar

Beginn: 14 Uhr auf dem Baudertplatz (vor dem Hauptbahnhof)
Aktiv gegen FaschistInnen hier und überall, gestern, heute und 
morgen!

Am 30.01.2000 ist der 67. Jahrestag der Machtübergabe an Adolf Hitler.
In Weimar, 1933 Hochburg der NS-Bewegung und "Stadt des Führers",
hatten die Nazis zusammen mit anderen nationalistischen Parteien schon
viel früher die Macht übernommen. Thüringen war der erste braune "Gau"
in Deutschland.

Die heutige Situation ist damit nicht vergleichbar, trotzdem mußte der
VS 1999 seinen verharmlosenden Bericht zur Lage des Rechtsextremismus
in Thüringen zurücknehmen und spricht nun von einer "bestürzend
offenen Akzeptanz brauner Gesinnung".

"Stadt des Führers" in den zwanziger Jahren führte die NSDAP in 
Weimar Parteitage und andere Massenveranstaltungen durch, bei 
denen auf öffentlichen Plätzen Brandreden gegen die sogenannte
Judenrepublik gehalten wurden, und zog in uniformierten bewaffneten 
Haufen durch die Stadt allein 25 mal besuchte Hitler von 1925 ab bis 
zur Machtübergabe am 30.01.1933 Weimar schon 1930/ 31 bekleideten 
Nationalsozialisten mehrere Ministerposten in der Landesregierung, im 
August 1932 übernahm die NSDAP mit Fritz Sauckel die Macht in 
Thüringen, nach den Wahlen im Dezember 1932 stellt die NSDAP die 
stärkste Fraktion im Rat, eine "Nationale Einheitsfront" aus 
Deutscher Volkspartei, Deutschnationalen und NSDAP machte wenig 
später den SS- Aktivisten Ortlepp zum Vorsitzenden des Stadtrats, 
am 15.01.1933 fand eine NSDAP- Feier mit Adolf Hitler auf dem 
Marktplatz statt, am nächsten Tag deutschlandweites Gauleitertreffen 
in der Weimarhalle. Am 18.01.1933 kam es zum einzigen gemeinsamen 
Aufmarsch von NSDAP und Nationalen in Weimar. SA und HJ marschieren 
mit fast allen konservativen Organisationen ("Stahlhelm", Schützen- 
und Heimatvereine, Burschenschaften der Ingenieur- und Bauhochschule, 
Thüringer Junglandbund usw.) und vereinigen sich am Markt mit 
Verbänden des "Königin Luise Bundes", des Bismarkbundes und der 
Landespolizei Thüringen zwei Wochen später, nach der Machübergabe, 
vollzog sich ein solcher Aufzug noch einmal. Diesmal übernahmen 
SS, SA und HJ die Führung. Auf dem Marktplatz kündigte Sauckel an: 
"...in Zukunft jene Intoleranz zu üben, die nichts duldet und nichts 
erlaubt, was gegen den Begriff Deutschland ist."

Die Geschichte des Widerstandes der WeimarerInnen gegen den
Nationalsozialismus ist noch nicht geschrieben. Kaum jemand lehnte 
sich in der "Stadt des Führers" gegen die Faschisten auf. Nach 
Presseberichten waren die AnhängerInnen der KPD die Einzigen, die auf 
der Straße und im Rat Widerstand leisteten. Doch wurden ihre 
Demonstrationen von der Polizei aufgelöst, und ihre Anträge im 
Stadtrat überstimmt. Mutige Einsprüche wie der des Opernsängers Emil 
Fischer nach dem Parteitag der NSDAP im Juli 1926 blieben die 
Ausnahme. Fischer zeigte die Nazis an, die in bewaffneten Haufen mit 
Liedern wie "Zum Putsch, zum Putsch, zum Putsch sind wir geboren..." 
ungehindert durch die Innenstadt gezogen waren: "Ich halte das 
Auftreten dieser sogenannten nationalen Sozialisten für schmachvoll 
und empfinde ihr Benehmen... als eine unerhörte Provokation." Der 
Weimarer Jude Emil Fischer wurde mit seiner Familie am 28.5.1943 in 
den Gaskammern von Sobibor ermordet.

"Bestürzend offene Akzeptanz brauner Gesinnung"

Die heutige Situation ist mit der von 1933 nicht zu vergleichen. Die
Übergabe der Regierungsgewalt an den Führer einer faschistischen
Massenorganisation ist nicht in Sicht. Doch wurden in den zehn Jahren
seit der "Wende" politische Weichen gestellt, die rassistischen und
nationalistischen Entwicklungen den Weg frei machen.

Die Einführung rassistischer Sondergesetze zur Vertreibung von
Flüchtlingen; die Relativierung nazistischer Greuel durch den
Vergleich mit dem Sozialismus von neurechten Historikern; die
Forderung nach einem Schlußstrich unter der eigenen Geschichte durch
die kulturelle Elite; die Entschädigungsdebatte und die Beteiligung
der BRD an dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien mit der
Begründung, dort ein "neues Auschwitz" verhindern zu wollen(Joseph
Fischer), sprechen eine deutliche Sprache.

Nutznießer dieser Politik sind die rechtsradikalen Parteien von DVU
bis NPD, deren rassistische und nationalistische Parolen auf höchster
Ebene realisiert werden. Ihre Mitgliederzahlen steigen (NPD-
Mitglieder in Thüringen 1997: 90, 1998: 200), ihre Aggressivität
ebenfalls (Gewalttaten 1997: 49, 1998: 61). Schon 1998 geriet Weimar
wegen rechter Ausschreitungen in bundesweite Schlagzeilen.

Auslöser waren Angriffe von Neonazis in der Innenstadt. Obwohl die
Verwaltung mit Einrichtung der "Stadtwache" und verstärkter 
Polizeipräsenz reagierte, häuften sich im Kulturstadtjahr die 
Vorfälle. Neonazis griffen Ausländer, Linke und Intellektuelle an, 
schändeten Denkmäler und warfen Brandsätze. In manchen Gegenden bauen 
sie Organisationsstrukturen auf, die der SA ähneln. Die zuständigen 
Stellen bagatellisieren diese Zustände und zeigen nicht den Willen, 
sie zu beenden. "Normalbürger" sehen meist weg- aus Angst, 
Gleichgültigkeit oder weil sie dem rassistischen und  
nationalistischen Programm der Täter zustimmen.

Aktiv werden gegen Faschisten!

Für uns heißt das zuerst, nicht wegzusehen, wenn Neonazis provozieren
und angreifen. Wir bleiben stehen, sehen hin, verständigen uns mit
anderen und mischen uns ein, wenn das irgendwie erfolgversprechend
ist.

Heißt, mit den Opfern von faschistischen Angriffen solidarisch zu
sein: durch direkte Hilfe und Ächtung der Täter.

Heißt, braune Propaganda, wo sie auch auftaucht, auf den Müll zu
werfen und den zur Mode gewordenen Neonazi- Look nicht zu tolerieren.

Heißt, die Machenschaften brauner Parteien und bekannter
Rechtsradikaler im Auge zu behalten und sich mit anderen dagegen zu
organisieren.

Aktiv werden heißt aber auch, die Entwicklung der BRD zu einer
rassistischen, nationalistischen und kriegerischen
Großmacht aufzuhalten. Denn: Demokratie allein schützt nicht vor
Faschismus!

Kontakt:
Infoladen Black Cats Weimar
Gerberstarsse 1
Tel:03643-51 54 68
Fax: 51 54 66
E-Mail: Black.cats@dgb-bwt.de