Die Welt vom 31.12.998
Neun Luxusautos wurden abgefackeltStaatsschutz vermutet dahinter politisch motivierte Angriffe autonomer
GruppenIn der Nacht zum Donnerstag sind in Berlin innerhalb von 25 Minuten
neun Luxusautos in Brand gesetzt worden. Den Gesamtschaden schätzen
Experten auf eine Million Mark. Ermittler vermuten, dass die
Brandstiftungen politisch motiviert sind und auf das Konto autonomer
Gruppen gehen, unter anderem auf das der "Klasse gegen Klasse" (KgK).Ob die jüngsten Brände im Hinblick auf die heutige Millenniumsfeier
gelegt wurden, ist Ermittlern zufolge noch unklar. Ausgeschlossen wird
das aber nicht. Autonome hatten im Vorfeld des Neujahrsfestes mehrfach
Störungen angekündigt. Bislang ist keiner der Brandstifter gefasst
worden.Gegen 23.45 Uhr begannen die Brandanschläge; sie endeten gegen 0.10
Uhr. Betroffen waren die Marken von BMW, Mercedes und Porsche. In
Mitte wurden zwei BMW (700er und 850er Modell) und ein 500er Mercedes
zerstört; in Prenzlauer Berg ein Porsche, zwei Mercedes und ein BMW.
In Wilmersdorf und Schöneberg wurde jeweils ein Mercedes der S-Klasse
in Brand gesetzt. Alle Luxuswagen hatten Berliner Kennzeichen; zwei
Wagen waren außerhalb - in Höxter (Nordrhein-Westfalen) und München -
registriert.Die Täter waren bis gestern Abend nicht bekannt. An den Tatorten haben
die Ermittler Reste von Brandsätzen gefunden. Details wurden nicht
genannt, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.1992 bekannte sich erstmalig die linksextremistische Terrorgruppe
"Klasse gegen Klasse" zu mehreren Brandanschlägen in Kreuzberg. Allein
im Oktober brannten 42 Fahrzeuge. Auch das Auto des damaligen
Kreuzberger Bürgermeisters Peter Strieder ging in Flammen auf. 1993
bedrohte die Gruppe die Lokalredaktion der taz. Bewohner
luxussanierter Appartements in Kreuzberg bekamen Morddrohungen. 1995
bekannten die Autonomen sich zu sieben Brandanschlägen auf Luxusautos.
Die KgK-Gruppe zerstörte Fahrzeuge einer Firma, die den Bau eines
Jugendgefängnisses in Lichtenrade ausführte. 1996 erfolgte ein
Bombenanschlag auf den Jura-Professor Klaus Adomeit (FU). Dann gab es
weitere Brandanschläge auf Autos von Personen, die die KgK der
"Schickeria" zurechnet. 1997 und 1998 brannten bei Mai-Krawallen
mehrere Autos, ohne Bekennerschreiben der KgK. Im Mai 1999 brannten in
Berlin vier Nobelfahrzeuge. In der Nacht zum 30. Dezember werden neun
Autos zerstört. TS/BK