dpa 6.2.00 0.45
Polizei löst Demonstration in Wiener Innenstadt auf
Wien (dpa) - Die österreichische Polizei hat in Wien
eine Protestaktion von mehreren hundert Gegnern der neuen rechtskonservativen
Regierung aufgelöst. Dabei gingen die Beamten mit Tränengas und
Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Mehrere Menschen wurden
Presseberichten zufolge verletzt. Unterdessen hat der neue österreichische
Bundeskanzler Schüssel den EU-Partnern eine «Missachtung der
Spielregeln» vorgeworfen. Dem österreichischen Fernsehsender
ORF sagte Schüssel, die Sanktionen gegen sein Land verstießen
gegen den europäischen Geist.
yahoo.de 5.2.00 23.30 Uhr
Weiter Proteste gegen die FPÖ
Der öffentliche Protest gegen die Regierungsbeteiligung der rechtsgerichteten
FPÖ in Wien hat wieder zugenommen. Nach Polizeiangaben wuchs die Menge
vor dem Wiener Ballhausplatz von 200 auf 1.500 Demonstranten an. Die Polizei
riegelte die FPÖ-Zentrale ab. Die Organisatoren riefen die Teilnehmer
zum Gewaltverzicht auf.
Auch in London und Oslo kam es zu Protesten gegen die rechtspopulistische
Freiheitliche Partei Österreichs, während in Paris Hunderte ihre
Unterstützung für deren Chef Jörg Haider bekundeten.
In Wien war auf Transparenten "Haider ist ein Faschist" und "Stoppt
Jörg Haider" zu lesen. Die Polizei erklärte, bis auf wenige Zwischenfälle
seien die Kundgebungen friedlich verlaufen. Auch in Graz, Salzburg, Bregenz
und Steyr kam es zu Protesten. In Bregenz versammelten sich etwa 1.500
Menschen; es flogen Eier. Abgesehen davon blieben die Veranstaltungen ruhig.
Es gab keine Zusammenstöße mit der Polizei.
In London zogen etwa 200 Demonstranten vom Büro der Fluggesellschaft
Austrian Airlines zum Regierungssitz des britischen Premierministers Tony
Blair in der Downing Street. Drei Frauen übergaben dort eine von 2.000
Menschen unterzeichnete Petition. Die Demonstration löste sich kurz
danach auf.
Vor der österreichischen Botschaft in Oslo kamen mehr als 150
Demonstranten zusammen und riefen "Nie wieder". Die Polizei riegelte die
Straßen um die Botschaft ab. Der von zwei Jugendorganisationen organisierte
Protest war nach etwa einer Stunde beendet.
In Paris folgten etwa 300 Personen dem Aufruf des französischen
Rechtsradikalen Bruno Megret und nahmen am Abend an einer Solidaritätskundgebung
für die neue Regierung in Wien teil. "Wir unterstützen das österreichische
Volk, das mit Würde und Courage sein Grundrecht verteidigt, seine
politische Linie und Regierung nach freiem Ermessen wählen zu können",
erklärte der Parteichef der Nationalbewegung (MN). `"Was für
eine Freiheit soll es in Europa überhaupt noch geben, wenn man nur
für jene Parteien wählen kann, die das politische Establishment
zulässt?", fragte er.
Auch auf der politischen Bühne rief der Regierungswechsel in
Österreich heftige Reaktionen hervorgerufen. Der bayerische Ministerpräsident
Edmund Stoiber bezeichnete die Sanktionen der EU-Staaten als “politischen
Amoklauf”.
Deutschland und die übrigen EU-Partnerstaaten Österreichs
hatten zuvor ihre Maßnahmen zur diplomatischen Isolierung Österreichs
in Kraft gesetzt. Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel
warf den EU-Partnern daraufhin vor, mit ihrem Vorgehen gegen den europäischen
Geist verstoßen zu haben. Es sei "eine Missachtung der EU-Spielregeln"
gewesen, die Sanktionen ohne vorherige Konsultation Österreichs zu
beschließen, sagte Schüssel.
Wien: Brutaler Polizeieinsatz gegen FPOE-OEVP-GegnerInnen!
5. 2. 2000
Nach den von uns bereits in einem Vorgaengertext berichteten
Ereignissen ging die spontane Demonstration gegen die neue
oesterreichische Regierung gestern abend weiter durch die Stadt,
ungefaehr 5 000 Leute nahmen daran teil. Immer stärker wurden
die Provokationen der Polizei, immer wieder wurde in die Demo
reingeprueglt. Die DemonstrantInnen dankten das indem
mehrere Polizeiautos beschaedigt und Scheiben von einem
Gefangenenhaus eingeschlagen wurden. Am spaeten abend
entschloss sich die Polizei dann mittels Wasserwerfwerfereinsatz
(der erste in Wien seit 10 Jahren) und viel roher Gewalt die
Demonstration, die vor der FPOE-Zentrale angekommen war,
gewaltsam aufzuloesen. Eingepruegelt wurde auf alles, was wie
einE DemonstrantIn aussah. Ergebnis: mehrere verletzte
DemonstrantInnen (Platzwunden etc.) und ein zur Zeit nicht
naeher bekannte Zahl von Verhaftungen. Ein kleiner
Vorgeschmack darauf, wie diese Land in Zukunft gedenkt mit
Widerstand umzugehen.
Uebrigens: Die Aufloesung hat im Endeffekt auch nicht geklappt,
ein paar hundert Leute haben auch nachher noch weiter durch
die Stadt demonstriert...
Rosa Antifa Wien (RAW)
Wien: Proteste gegen FPOE-Regierungsbeteiligung dauern an!
4.2.2000
Gestern begannen bereits vormittags die Proteste gegen die
geplante Regierung, ueberall wo die FPOE- und OEVP-Politiker
auftauchten kam es zu spontanen und lautstarken
Demonstrationen. Um 17:00 trafen dann ca. 3 000 Leute vor der
OEVP-Zentrale zu einem "Warntrommeln" ein. Diese formierten
dann einen Demonstrationszug, und marschierten zur
Praesidentschaftskanzlei, in der zu diesem Zeitpunkt gerade die
letzten Strittigkeiten zur Bildung der FPOE-OEVP-Koalition
beseitigt wurden. Aeusserst lautstark und auch merklich
entschlossener und veraergerter als am Vortag wurde dort eine
Zeit lang protestiert. Dann ging es wieder weiter zur FPOE-
Zentrale, die aber abermals von massiven Polizeikraeften
abgesperrt wurde.
Anschliessend zog die (natuerlich unangemeldete) Demo in
hohem Tempo und mit zahlreichen ueberraschenden
Richtungswechseln durch die Stadt. Das fuehrte dazu, dass die
Polizei, die die Demo, wohl um nicht zu provozieren, nur in
Waegen begleitete, vollkommen den Kontakt zu den
Demonstrierenden verlor. Spaeter begleitete die Polizei die Demo
dann auch zu Fuss, was prompt auch von einigen
DemonstrantInnen mit Wurfgeschossen bedankt wurde. Die
Demo ging weiter bis sie um ca 22:00 beim Parlament eintraf,
zu
diesem Zeitpunkt waren noch ca. 500 Leute dabei. Spaeter
entschlossen sich die Protestierenden noch mal schnell das
Burgtheater zu stuermen und die Vorstellung zu unterbrechen,
um auf die morgige Demonstration hinzuweisen. Vereinzelt kam
es im Publikum sogar zu Standing Ovations. Dann gings weiter
zum Hotel Imperial, das ebenfalls kurzfristig besetzt wurde.
Danach dann noch einmal zur FPOE-Zentrale, wo die Demo um
ca. 24:00 aufgeloest wurde. Leider kam es im Zuge der Aufloesung
noch zu einer Verhaftung mit dem Vorwurf der
Sachbeschaedigung. Auffallend war auch heute wieder die
ungewohnt positive Reaktion der PassantInnen. Mittlerweile
stossen die Proteste auch auf ein wesentlich staerkeres
Medienecho, wohl auch da sie in zahlreichen
Fernsehuebertragungen unueberhoerbar waren.
Leider negativ korrigieren muessen wir uns, was die
BesetzerInnen der OEVP-Zentrale betrifft, da doch vereinzelt
Personalien aufgenommen wurden und laut OEVP Strafanzeigen
erstattet werden.
Aus der Welt der hohen Politik gibt es leider auch nichts gutes zu
vermelden. Der OEVP-Vorsitzende Schuesel hat nach einigen
Nachbesserungen an der MinisterInnenliste gestern abend den viel
ersehnten Regierungsbildungsauftrag vom Bundespraesidenten
erhalten. Bereits morgen wird es zur Angelobung der neuen
Regierung kommen. Besonders wichtig wird es nun gleich in den
naechsten Tagen sein, genau dieser zu zeigen, dass auch in
Zukunft die FPOE in der Regierung - sowohl in Oesterreich als
auch international - auf erbitterten Widerstand stossen wird.
Um der Regierung gleich einen heissen Empfang zu bereiten, gibt
es heute ab 11 Uhr parallel zur Angelobung eine Demonstration
vor der Praesidentschaftskanzlei.
Samstags gibt es dann wieder eine von
Menschenrechtsorganisationen angekuedigte Demonstration.
Raus auf die Strasse
Rosa Antifa Wien (RAW)
In diesem Zusammenhang moechten wir noch auf zwei interessante
Homepages zum Thema hinweisen:
http://gegenschwarzblau.cjb.net
beschaeftigt sich mit den
Protesten gegen die FPOE/OEVP-Regierung, und hat vor allem
viele Infos und auch Bilder zur Besetzung der OEVP-Zentrale
und von den Demos.
http://www.magenta.nl/crosspoint/haider.html
ist eine
englischsprachige Homepage mit vielen Infos zu Joerg Haider
und der FPOE und auch vielen Protestadressen
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