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++++++++++++++ Tagesspiegel 1.03.00+++++++++++++ |
Clinton
und der 1. Mai
Gipfeltreffen der Regierungschefs in Berlin
erfordert Großeinsatz der Polizei. Die Autonome Szene mobilisiert
für die Demonstration -
erhöhte Alarmbereitschaft ist angesagt
B.
Grunert und J. Metzler
Senat und Polizei sind gefordert, wenn am 2. und 3. Mai US-Präsident
Bill Clinton und andere Regierungschefs bei Bundeskanzler Gerhard Schröder
in Berlin zu Gast sind. Erhöhte Alarmbereitschaft ist angesagt, weil
die autonome Szene bereits für den 1. Mai mobilisiert. Eine der angemeldeten
Demonstrationen hat den Titel "Revolution statt Korruption - unser Tag
wird kommen".
Tagungsorte sind dem Vernehmen nach das Bundeskanzleramt und andere Örtlichkeiten.
Der Senat weiß bisher wenig von dem Ereignis. Offizielle Sprachregelung:
"Berlin freut sich auf den Besuch. Die technischen
Notwendigkeiten werden in enger Abstimmung mit der Bundesregierung erfolgen",
sagte der stellvertretende Senatssprecher Eduard Heußen. Damit meinte
er die Sicherheits- und Protokollbelange.
"Die Sicherheitsbehörden, der Staats- und der Verfassungsschutz, spitzen
die Ohren, richten besonderes Interessse auf die Demonstrationsanmeldungen
zum 1. Mai und werden Sicherheitsvorkehrungen treffen", ließ Innensenator
Eckart Werthebach (CDU) ausrichten. Zu einem
möglichen Demonstrationsverbot am 1. Mai aus Sicherheitsgründen,
mochte sich der Senator nicht äußern. Er wolle sich "zu diesem
frühen Zeitpunkt nicht an der Diskussion beteiligen", sagte sein Pressesprecher
Paris:
"Die Veranstaltungslage rund um den 1. Mai ist noch gar nicht überschaubar."
US-Präsident Clinton soll am 1. Mai in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet
werden und wird voraussichtlich nur am 2. Mai in Berlin sein. Es soll ein
Folgetreffen der Konferenz von Florenz werden, die am 20. und 21. November
1999 zum Thema "Zeitgemäßes Regieren im 21. Jahrhundert" stattfand.
Damals nahmen Clinton sowie die Regierungschefs D'Alema (Italien), Schröder,
Blair (England), Jospin (Frankreich), sowie
Cardoso (Brasilien) teil. Der Teilnehmerkreis werde "in Berlin sicher um
den einen oder anderen erweitert", hieß es im Bundespresseamt.
Der Termin für den hohen Besuch könnte der Berliner linksradikalen
Szene wie gerufen kommen. Die traditionelle Demonstration zum "Revolutionären
Ersten Mai", auf der es in Berlin seit Jahren zu schweren Ausschreitungen
kommt, findet am Tag vor dem Treffen statt. In der aktuellen Ausgabe der
linksradikalen Postille "Interim" wird ausführlich
vom Besuch Clintons in Athen im November 1999 berichtet, bei dem es zu
schweren Straßenkrawallen gekommen war. Dort heißt es: "Der
Clinton-Besuch war für uns eine Möglichkeit, die Straßen
zu besetzen, das zu zerstören, was täglich Angriffsziel ist."
Im Zentrum von Athen wurden die "Tempel des Kapitals" - vor allem Geschäfte
und Bankfilialen
- in Brand gesteckt, Fensterscheiben eingeworfen und die Polizei mit Molotow-Cocktails
beworfen. Clinton und andere Staatschefs werden in dem Bericht als "Vertreter
der imperialistischen, kapitalistischen Welt" bezeichnet, die es zu bekämpfen
gelte.
In der linksradikalen Szene laufen bereits die Vorbereitungen für
die diesjährige 1. Mai-Demonstration. Vorgeschlagen wird unter anderem,
den Zug von Kreuzberg nach Mitte zu führen. Dazu heißt es in
der "Interim": Diese Route "bietet zudem noch die Gelegenheit, an mehreren
Zentralen der Macht vorbeizukommen."
Im letzten Jahr war die Demonstration nach Einschätzung von Innensenator
Eckart Werthebach "relativ glimpflich abgelaufen". Die Bilanz der mehrstündigen
Auseinandersetzungen: Insgesamt wurden über 300 Personen verletzt,
133 Randalierer nahm die Polizei fest.
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