Antinationale Gruppe Bremen [ANG]
::termine

::texte

::links

::kontakt



Zur WM 2006
Mit diesem Flugblatt mobilisiert die ANG zu einer
Kundgebung am 20. Juni 2006 um 14 Uhr auf dem Ziegenmarkt, welche sich gegen den Nationalismus der FIFA-WM richtet. Die Kundgebung ist zwei Stunden vor dem letzten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft.


PDF-Version





Deutschland weggrätschen!
Gegen Deutschland und seine Fans




Die Welt zu Gast bei Freunden. Wenig originell und doch treffend formuliert das Motto der Fußball-WM eben jenes Image, mit welchem Deutschland in den letzten Jahren versucht, sich in die Welt zu kicken. Völkerfreundlich-antirassistisch, antinational-europäisch und auch beim Bombardieren Belgrads friedliebend. Das Deutschland der WM 2006 will der Welt nicht mehr Feind sein. Es will geliebt werden. Jahrelang angeblich tabuisiert von den «trostlosen ‚Nie wieder Deutschland’»[1]-in–die-Suppe-Spuckern, sei es endlich Zeit, das prekär geschwächte Wir-Gefühl nicht länger zu beschneiden. Zumindest, wenn es z.B. nach dem neuen Buch «Wir Deutschen - Warum die anderen uns gern haben können» des Spiegel-Kulturchefs Matthias Matussek geht. Denn die Deutschen seien «ganz unbestritten die Analphabeten des nationalen Gefühls» und haben in Auschwitz «nur einmal zu tief in die Pulle gestarrt». Danach hätten «wir uns abstinent verhalten». Deutschland soll nun jedoch wieder zur dieser Flasche greifen. Denn laut Matussek sei, dass «’Heilige Römische Reich deutscher Nation’ 1000 Jahre älter als die Nazibarbarei.» Bei der Feuilleton-Lektüre wird schnell klar, dass unverfroren getrunken werden soll, was vorher aufgemacht wurde und das Meer der Deutschlandfahnen auf den Straßen und in den Schaufenstern nicht etwa als ein Fehlgriff einiger ungebildeter Currywurst-Proleten angesehen werden kann. Es ist schlicht beim Fußball sichtbar, wie bedrohlich einig sich alle sind.

Dass Klinsis Truppe doch auch mal gewinnt, um deren harte Arbeit gerecht belohnt zu sehen, wünschen sich - neben den offenen Apologeten der deutschen Sache - auch jene linksspießigen Akademiker, die sich bei der «Du bist Deutschland»-Kampagne noch ent-rüsteten, um auszuschließen, dass derartig unverblümter Nationalismus doch zu ihrer deutsch-europäischen Nationenbildung passt. Fußball schaffte es schon immer.

Und treibt es auf die Spitze. DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder ist «stolz ein Deutscher zu sein.» und sich nicht nur darin mit dem Feuilletonfaschisten Matussek einig, wenn auch er bekräftigt: «Unsere Geschichte besteht nicht nur aus zwölf dunklen Jahren.»[2] Schafft man es in Deutschland längst mit dem Hinweis auf die Bearbeitung des eigenen «dunklen Kapitels» moralischen Gewinn für den nächsten Angriff zu ziehen, so ist der DFB bei der Aufdeckung seiner Verstrickungen zum Nationalsozialismus weit hinterher.

Wurden die völkischen Ideale eines kampfbereiten Geistes in stählernem Körper in Deutschland lange von der Turnerbewegung bedient, so übernahm spätestens seit der Weimarer Republik der Fußball diesen Dienst an Volk und Nation, war Schule für den Krieg und für die Erziehung zum wahrhaft Deutschen. Schon vor den nationalsozialistischen Erlassen wurde der Deutsche Fußball-Bund von Juden und anderen «Volksfremden» gesäubert.[3] Der DFB-Präsident Felix Linnemann erklärte 1933: «In der Volksgemeinschaft des Dritten Reiches hat der Sport seine politische Mission erhalten. Er wird sie erfüllen, denn an nationaler Hingabe soll uns niemand übertreffen.»[4]

Dass die Angst der Alliierten, nach 1945 könne sich die Volksgemeinschaft in den Sportvereinen reorganisieren, nicht unbe-gründet war, belegt der deutsche Freuden-taumel um 1954. Mit dem NSDAP-Mitglied Sepp Herberger, der auch im NS schon Reichstrainer war, konnte nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft auf den Stadionrängen voller Inbrunst das besungen werden, was damals sonst noch nicht so ganz angebracht schien: «Deutschland, Deutschland über alles». Unterschätzt aber fleißig, ehrlich bodenständig, nur als diszipliniertes Team wieder zu Großem fähig, eben «auferstanden aus Ruinen»: Die Weltmeisterschaft 1954 schaffte es sogleich zum nationalen Gründungsmythos der Bundesrepublik.

Damals wie heute war es die «Einsatz-bereitschaft» auf die Deutschland und sein Fußball angewiesen seien, denn so DFB-Präsident Meyer-Vorfelder: «Der südamerikanische und afrikanische Fußball haben da genetisch andere Voraussetzungen.«[5] Deshalb wird auch 2006 auf jene deutschen Tugenden gebaut, mit denen Rahn und Co. damals gewonnen haben sollen. Denn sogar Michael Ballack meint zu wissen: »Wir sind keine Brasilianer. […] Wir besitzen unsere deutschen Tugenden. Und die werden wir ins Spiel hineinwerfen: Leidenschaft, Siegeswille, Aggressivität.«[6] Und sie meinen es ernst.

Als 1990 der WM-Sieg der Nationalmannschaft den Sieg Deutschlands durch die Wiedervereinigung flankierte, drohte Franz Beckenbauer: «Wir Deutschen haben etwas im Blut, um das uns die ganze Welt beneidet. Wir geben nie auf.»[7] Es lässt deshalb sich nur hoffen, dass im Spiel der Nationen, auf dem Rasen der die Welt bedeutet, Deutschland alsbald eine vernichtende Niederlange erleidet.

 

Gegen Deutschland -
Für den Kommunismus!

 

 

Antinationale Gruppe Bremen
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/ang 



[1] Dieses und alle folgenden nicht anders gekennzeichneten Zitate aus: Matthias Matussek: Ein neues deutsches Gefühl, in: SPIEGEL ONLINE, URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,419214,00.html, 01. Juni 2006

[2] Phase 2 Leipzig: Mehr als die Nation. Über den Wandel nationaler Repräsentation im Fußball, in: Phase 2.19, URL: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=351&print=#o8, 01. Juni 2006

[3] Ebd.

[4] In einem Aufruf an alle Verbandsmitglieder den der DFB-Präsident und SS-Obersturmbandführer Felix Linnemann gemeinsam mit dem Führer der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, Dr. Ritter von Halt im November 1933 veröffentlichte; Zit. nach: Dietrich Schulze-Marmeling: Fußball unterm Hakenkreuz. 100 Jahre Fußball in Deutschland, Teil 2: 1933-1945, in: ak - analyse + kritik / Nr. 436 / 16.03.2000 URL: http://www.akweb.de/ak_s/ak436/06.htm , 06. Juni 2006

[5] Zit. nach: Phase 2 Leipzig: Mehr als die Nation. A.a.O

[6] Michael Ballack in der „BILD“, zit. nach: Gerd Dembowski und Dieter Bott: Schweinis und Poldis. Nationaler Fußball in Deutschland zwischen Boygroup und klassischem Härteideal, in: Phase 2.19, URL: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=359&print=#u2 01. Juni 2006

[7] Zit. nach: Phase 2 Leipzig: Mehr als die Nation. A.a.O.


back to main