Cumbre de APEC - Santiago de Chile
(14.-)20./21.11.2004

APEC in Santiago: Bericht und Eindrücke
von el desaparecido - 18.11.2004 23:49
http://germany.indymedia.org/2004/11/99548.shtml

Proteste, Verhaftungen und grosses Polizeiaufgebot in Santiago anlässlich des APEC Gipfels.

Morgen, Freitag 19.11 beginnt offiziell der APEC Gipfel.
Persönliche Eindrücke.

Die APEC ist keine Freihandelszone und auch keine Institution, aber eine Art Forum in dem 21 Staaten aus dem Pazifikraum ihre "Frei"handelsbeziehungen untereinander verhandeln. (unter anderem USA, China, Mexiko, Japan, Russland...[1]).

In mehreren Städten in Chile gehen zur Zeit die Leute auf die Strasse um gegen die APEC zu protestieren.

Morgen, Freitag 19.11, ist eine grössere Demo vorgesehen (die einzig genehmigte). Über das Wochenende sind meherere Mobilisierungen angekündigt und es soll ein Sozialforum geben.

Bitte schaut was in den nächsten Tagen hier geht. Je nachdem könnte es in den nächsten Tagen sehr repressiv abgehen und Druck aus dem Ausland auf die chilenische Regierung wäre hilfreich. Chile ist nicht mehr unter einer offenen Diktatur, sondern unter einer Scheindemokratie, in der harte Verhältnisse bestehen bleiben.

Vielleichr ergreifen einige von euch Initiative um die postings zusammenzufassen & zu übesetzen.

Ein paar persönliche Eindrücke:

Gestern 17.11 hatten die Studenten zum Protest gegen die APEC aufgerufen. Viele sind auch gekommen, viele Schüler haben die Schule geschwänzt und sind in ihren Uniformen auf die Strasse gegangen. Wie bereits in den Wochen davor, konnte die Leute gar nicht erst demonstrieren. Der Versammlungsort wurde sofort von der Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern angegriffen. Etwas über Tausend Jugendliche liefen versprengt herum und fingen an sich zu wehren, Steine zu schmeissen, Barrikaden zu bauen und ein Mc Donalds anzugreifen. Alles hat sich schnell aufgelöst. Tagsüber versuchten sich Grüppchen an anderen Stellen zu formieren, es gab vereinzelte Aktionen. Am Ende des Tages wurden 379 Verhaftungen gemeldet.

Abends hatte die CUT (die grösste Gewerkschaft Chiles) zu einer Demo aufgerufen. Knapp 100 Leute kamen und liefen in der Innenstadt auf dem Bürgersteig an Hotels und an Regierungsgebäuden entlang von einen Polizeispalier begleitet.

Bemerkenswert:
Die CUT war vor vielen Jahren die grösste Gewerkschaft Lateinamerikas und war zur Zeit vor / nach Allende eine der wichtigsten politischen Kräfte (Generalstreiks / Fabrikbesetzungen etc) . Heute kann sie kaum 100 Leute mobilisieren ! Und von den 100 waren rund die Hälfte Jugendliche / Studenten.

Heute Do 18.11, gab es einen Aufruf von der Anti-APEC Plattform sich nahe der Innenstadt zu versammeln. Gleiches Szenario. 100 Leute kamen zusammen. Die Bullen griffen sofort an. Die Leute haben sich mit Molotovs und Steinen gewehrt. Die Polizei hat Gas, Knüppel und Wasserwerfer eingesetzt. Alles löste sich schnell ab.

In der Presse wird von der Explosion einer Bombe berichtet. Ich weiss nicht ob es stimmt, aber in der Fussgängerzone habe ich einen solchen "Bombenalarm" erlebt. Die Bomben sind kleine Plastikfalschen (softdrink) in denen Autobatterie-Säure reingemacht wird. Im letzten Moment werden Aluminiummünzen reingeschmissen, die Flasche fest zugedreht und in einen Mülleinmer reingeschmissen. Die chemische Reaktion erzeugt in ca 10 Minuten soviel Druck, dass diese explodiert. Es knallt ziemlich laut, aber das Risiko Leute zu verletzen ist klein, es sei denn jemand kriegt die Säure in den Augen ab. Die Bullen hatten bloss Plastikhandschuhe als Schutz an, als sie diese entschärf haben. In der Vergangenheit wurden solche Bomben eingesetzt, ob es diesmal auch so war weiss ich nicht, kann auch nur Strategie der Spannung gewesen sein. Die Metrolinie wurde neulich 3 Stunden lang aufgehalten wegen einer falschen Bombendrohung, die Bullen haben angeblich einen verdächtigen Rucksack selber in die Luft gejagt. In der Presse kommt dann alles so rüber als wären Bomben gelegt worden.

In den letzten Wochen wurde hier das übliche Szenario der grossen Gipfel der letzten Jahre abgezogen: Einschüchtetung, Hetze und Strategie der Spannung. Alle Proteste wurden verboten, Hotels und Tagungsorte wurden durch ein grosses Polizeiaufgebot gesichert. Wie bereits in Prag 2000 wurde der Tag der Mobilisierung zum Feiertag erklärt. Die Regierung erhofft damit, dass somit viele die Stadt verlassen werden.

Den Aufrufen und Plakaten nach, richtet sich der Protest gegen APEC, gegen den Besuch von Bush und gegen den Ausverkauf des Landes. Doch viele scheinen nicht einmal zu wissen was die APEC ist. In Gesprächen mit den Leuten kommt eher ein deutliches Ressentiment gegen die reiche Klasse zum Ausdruck. Das Land ist sehr polarisiert - schon immer.

Das Neoliberale Regime wurde hier anhand einer Militärdiktatur durchgesetzt. Die reiche und wohlhabende Klasse ist sehr stolz auf den Lachs den sie bis nach Norwegen und den Wein den sie bis in die französischen Stuben exportiert. Auch weitere Ressource wie Kupfer, Fischfang, Waldholz (zur Herstellung von Papier und Einwegessstäbchen) werden sehr erfolgreich exportiert. Hier gibt es wohlhabende Menschen, das ist sichtbar, es gibt Stadtviertel die wie Frankfurt aussehen. Dafür leben aber mehrere Millionen Menschen in heftiger Armut.

Der APEC Gipfel wird in den Medien total gepriesen. Nachdem die Chinesen in Brasilien bereits angekündigt haben, dass sie die gesamte brasilianische Sojaproduktion abkaufen wollen, hat Hua Jin Tao auch in Chile säftige Investitionen angekündigt. Doch viele wissen, dass diese Handelsabkommen bloss der reichen Klasse profitieren wird. An dem "trickle down" Effekt glauben hier immer weniger.

Und trotz dieses Ressentiment scheint hier eine gewisse Angst zu herrschen auf die Strasse zu gehen. Mal sehen wieviele morgen sich auf die Strasse trauen einige sagen 500 einige 5000.

Diese Mobilisierung ist laut Leuten hier, ein Zusammenkommen sozialer Kräfte und ein Ausruck wie schon lange nicht mehr der Fall.

Nachdem es unter der Diktatur, mitte der 80er sehr breite und organisierte soziale Bewegungen gab, hat seit dem Beginn der Scheindemokatie (die sog consertacion) alles stark abgenommen.

Auf die Strasse scheinen 2 Generationen zu gehen. Viele, viele Jugendliche. Überhaupt ist die Gesellschaft hier sehr jung. Und die etwas Älteren, die auch unter der Diktatur bereits demonstriert haben.

Es gibt leider zu wenig Organisationsefahrung. Kein EA, keine Sanis, keine Telefonummern, kaum Treffpunkte zum vorbereiten, keine gute Kommuniktionsstruktur,.... alle laufen chaotisch rum und werden verhaftet.

Diejenigen, die organisiert auftreten, setzen sofort sehr konfrontativ an - wie in der Vergangenheit. Morgen ist die einzig organiserte Demo, die gewaltfrei angekündigt ist.

Komischerweise beginnt nach der Demo das Sozialforum. Freitag abends gibt es Kulturprogramm im Park, dann Sa und So viele Workshops. Ich frage mich ob das klappen wird, da rundherum soviel Spanung ist. Wenn es zu Auseinandersetzungen kommt - fast sicher - werden die Leute sich logischerweise in den Räumlichkeiten des Forums zurückziehen und die Bullen werden einen Vorwand zum Eingreifen haben. Ob das gut geht werden wir ja sehen.

Die Absprache zwischen den beiden Plattformen Anti-Apec und Sozialforum scheint erstaunlich gut zu sein. Viele kennen sich untereinander und wirken fast wie zwei verschiedene Ausdrucksformen der gleichen Leute. Die Anti-APEC Proteste sind radikaler im Inhalt und militanter in der Form, die Sozialforum-proteste wollen einen gewaltfreien Verlauf garantieren.

Überhaupt wird versucht die Angst bei den Leuten zu überwinden. An einem Infotisch haben Sozialforum Leute Unterschriften gesammelt und riefen "habt keine Angst, es passiert nicht wenn ihr unterschreibt". " So wie wir die Diktatur überwunden haben, werden wir auch gegen APEC demonstrieren" usw. Viele sympatisieren.

Wir können auf die nächsten Tage gespannt sein.

Achtet auf postings auf santiago.indymedia.org

Cumbre de APEC 2004APEC summit 1996 | www.agp.org

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