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Mon Feb 19 21:50:19 1996
 

Kein Konzert mit Sexisten und Vergewaltigern

Stellungnahme zum geplanten Heiter bis Wolkig Konzert und dem St. Pauli Fanladen

Am 9. Juni 95 soll in HH Eppendorf, Sportplatz Corveystraße, ein Openair Konzert u.a. mit der Gruppe Heiter bis Wolkig stattfinden. Das Konzert steht unter dem Motto "Kein Vergeben. Kein Vergessen" und wird auf dem Plakat als "10 % political correct" angekündigt. Als einzige Kartenvorverkaufsstelle ist der St. Pauli Fanladen, Thadenstr. 94, Hamburg, angegeben. Deshalb müssen wir davon ausgehen, daß zumindest Teile des Fanladens an der Vorbereitung dieses Konzerts beteiligt sind.

Zur Erinnerung, noch einmal die Chronologie der Ereignisse:

Die zentrale Kritik an HbW war, daß sie sich mit den Vorwürfen zu ihrem Programm nicht ernsthaft auseinandergesetzt haben, genausowenig mit der Tatsache, daß ein Mitglied der Gruppe ein Vergewaltiger ist. Diese Kritik besteht nicht nur bis heute, sondern hat sich durch das unakzeptable Verhalten der Gruppe (mit Ausnahme eines Mitglieds, das HbW verlassen hat) bestätigt. Mit dieser Kritik wurden die Männer vom Übersteiger in der Diskussion von Juni 94 konfrontiert. Damals wurde dieses Gespräch von den beteiligten Männern des Flora Männerplenums und weiteren Männern als konstruktiv und trotz z.T. heftiger Kontroversen als positiv empfunden, weil die inhaltliche Kritik von zumindest einigen der Übersteiger-Männer scheinbar angenommen und das geplante Konzert mit HbW abgesagt wurde.
Die erneute Beteiligung des Fanladens beim geplanten Auftritt von HbW zeigt aber, daß die Diskussion von ihnen allein unter taktischen Gesichtspunkten geführt wurde.
Aus Anlaß des erneut geplanten Konzerts gab es am Sonntag den 14. Mai 95 ein Mobilisierungstreffen gegen dieses Vorhaben, wo überraschenderweise außer dem Veranstalter des Konzerts ca. 30 bierseelige St. Pauli Fans und Mitglieder des Fanladens auftauchten. Wir wollen Inhalt und Verlauf dieses Treffens hier schildern, weil es klar macht, auf welcher Ebene die Konfrontation inzwischen läuft. Das Gespräch verlief von Anfang an in einer aggressiven Stimmung, wobei sie die KritikerInnen immer wieder als "linksfaschistische SpaßverderberInnen" darstellten, die sich in ihre Flora ( wo auch sonst ? ) einschliessen und darueber brueten, wie sie den Rest der Menschheit "gleichmachen und auf ihre Linie bringen"e; können. Sie halten Sie tun so, als wenn es nichts selbstverständlicheres gäbe, als einen Auftritt von HbW, und ziehen ganz bewußt und mit Blick auf die vergangenen Auseinandersetzungen ihre Konsequenzen. Und sie meinen immer noch, daß es Antifaschismus ohne antipatriarchalen Kampf geben könnte. Wer aber Faschisten bekämpft und gleichzeitig dabei die eigene Männerrolle bewahren will, kann nicht als Antifaschist gelten. Denn sowenig der deutsche Faschismus ohne männerbündische Organisierung, wie z.B. der Wehrmacht, zu verstehen wäre, sowenig kann es einen antifaschistischen Kampf geben, der die Gewaltverhältnisse gegen Frauen ignoriert oder sogar noch fortschreibt. (Die politische Niederlage des kommunistischen Widerstandes in den 30er Jahren war neben der faschistischen Repression vorallem auch darauf zurückzuführen.) Das wäre aber der Fall, wenn eine Band mit einem Vergewaltiger auf einem Konzert unter einem antifaschistischen Motto auftritt. (Welche Diskussionen gäbe es, wenn ein Faschist in einer Band mitspielen würde?) An diesem Punkt wurde im Gespräch deutlich, wo die grundsätzlichen Unterschiede liegen und wo es kein Miteinander mehr gibt. Einzig und allein Frauen bestimmen was eine Vergewaltigung ist! Unsere Solidarität gilt dann der betroffenen Frau; es soll keine Männerkumpanei geben und Männer sollen sich nicht in die Rolle von einem Richter oder Anwalt begeben. Das sind politische Minimalpositionen, hinter denen wir nicht mehr zurückgehen. Der Veranstalter sieht das anders: Die Frau kann es zwar als Vergewaltigung empfunden haben, deshalb ist Michael aber noch kein Vergewaltiger _ da gibt es eine riesige Grauzone.dann steht hier nichts mehr..., jetzt ist Krieg.M-. Zu dem Motto sei noch gesagt: Kein Vergeben. Kein Vergessen.Kein Vergeben. Kein Vergessen.Auf der anderen Seite ist sie eine Aufforderung an all diejenigen fortschrittlich orientierten Menschen dafür Sorge zu tragen, daß die faschistischen Verbrechen und Strukturen weder vergessen, vergeben oder sonstwie relativiert, sondern angegangen und bekämpft werden. Daß ein solches Konzert unter diesem Motto durchgeführt werden soll, ist eine Provokation, da es ersichtlich ist, daß die Organisatoren das Konzert nicht in irgendeinen antifaschistischen Kontext stellen. D.h. sie haben inhaltlich nichts zu dem Motto bzw. zu dem politischen Rahmen des Festivals geäußert, sich zugunsten von HbW gegen Absolute Beginnerst). Und zu der 10% pc Polemik: Uns geht es nicht um das Erringen oder gar Verteilen von pc-Prozentpunkten, sondern um das Bedürfnis und das Bemühen, die verschiedenen Unterdrückungsverhältnisse zu verstehen und eine Praxis zu entwickeln, um ihnen was entgegensetzen zu können, weil es dabei auch um unsere eigene Befreiung geht. Leute, die sich 10% pc auf die Fahne schreiben geht es nicht so, sondern sie verhöhnen dies alles, nehmen sich und das Motto Kein Vergeben. Kein Vergessen.ständlich spielen kann. Für uns ist das Verhalten des Fanladens 10% linke Rituale und 90% herrschende Normalität.
Deshalb fordern wir: Kauft keine Karten, verhindert den Auftritt!
Kein Konzert mit Heiter bis Wolkig am 9.6.95 in Eppendorf!

Tut eure Meinung kund: Tel. HbW: 0221/ 214091, Tel Fanladen: 4396961

Der Kampf gegen Faschismus und Sexismus ist unteilbar!

Das Flugblatt wird unterstützt von: Schwarzmarkt, Mitarbeiterinnen des Anwaltsbüros von Bracken & Mendecke, Flora Männerplenum, FrauenLesbenTag im Schwarzmarkt, Zeck-Redaktion, Männerwohnprojekt 4D, einige autonome Gruppen Hamburg, Autonome Chiapas Gruppe Hamburg, Männermedienarchiv, Basisgruppe Hamburger Männercafe, Las Muralistas, Cafe Knallhart HWP, Männergruppe Elend, Volxcafe Uni Hamburg, einige Rev-Block-Männer, Wagenburg Bambule, Flora Frauenplenum, Frauenwohngruppe von Nimm 2
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