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Tue Jul 21 17:04:18 1998
 

Was tun ?! - Gedanken zur Praxis

So, vielleicht fragt sich ja jetzt die eine oder der andere, was mensch gegen all den Mist machen kann

Natürlich alles, was Euch so einfällt. Ein kleiner Hinweis an die fast allgegenwärtige Staatsgewalt: Dies ist kein Aufruf zu Straftaten, hochheiliges Ehrenwort.
Doch zurück zu den uns wohlgesonnenen LeserInnen. Für den Fall, daß Euch gerade nicht der wunderbare Einfall kommt, haben wir ein paar Punkte zusammengetragen, an denen wir alle praktisch werden können.
Als erstes gilt es mal herauszufinden, ob es im Dorf, in der Stadt, in der näheren und/oder weiteren Umgebung irgendwelche Vertriebenenorganisationen o.ä. gibt. Manchmal reicht dazu schon ein Blick ins örtliche Telefonbuch (z.B. unter L wie Landsmannschaft...).
Eine andere Möglichkeit wäre ein Besuch im Rathaus, um nach irgendwelchen Schaukästen oder anderen Aushängen zu suchen. Manchmal sind auch bestimmte Räume nach sog. Vertreibungsgebieten benannt (Pommernsaal oder Ostpreußenklo). Vielleicht gibt es da ja bestimmte Gründe für.
Wenn Ihr dann schon mal unterwegs seid, könnt Ihr eventuell gleich noch in der nächsten Bibliothek vorbeischauen, ob da vielleicht Zeitungen/Zeitschriften von Vertriebenenverbänden ausliegen. Interessant kann übrigens auch sein, welche Bücher zum Thema da in den Regalen stehen. Es ist übrigens verboten, Leihbücher zu verschmutzen, zu beschädigen oder zu entwenden.
In einigen Gegenden gibt es auch Heimatmuseen und ähnliche Einrichtungen. Wer/welche sucht, der/die findet.
Es spricht auch nichts dagegen, sich mal mit Oma oder Opa oder anderen betagteren Verwandten zu unterhalten, irgendwo müssen die älteren Menschen, die zu den Veranstaltungen der Vertriebenenverbänden "rennen", ja herkommen. Und denkt daran: Nicht alle, die damals vertrieben wurden, sind Arschlöcher. (Aber der Rest reicht auch.)
Nun habt Ihr vielleicht entdeckt, daß bei Euch Vertriebenenverbände aktiv sind und wo die was machen. Das ist schon mal ein erster Erfolg, aber das Wissen ist nichts wert, wenn es sich nicht in der entsprechenden Praxis niederschlägt. Wie könnte diese Praxis aussehen ?

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Dazu ist es erst mal nicht unwichtig, ob Ihr in einer Großstadt oder im platten Niederbayern aktiv werden wollt. Soll heißen: In der Großstadt, wo eben nicht jedeR jedeN kennt, kann mensch offener auftreten, ohne dabei gleich ein besonderes persönliches Risiko einzugehen.
So, Ihr habt dann also Lage und Rahmenbedingungen gepeilt: Egal, ob es sich um Schaukästen, ausliegende Zeitschriften oder Veranstaltungen handelt, normalerweise gibt es irgendwelche Verantwortliche, die dies genehmigt haben. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, könnte es ja sein, daß sich diese Leute durch einen Brief oder ein freundliches Gespräch doch eines Besseren belehren lassen.
Eine andere Möglichkeit ist, die Leute, die z.B. im Rathaus oder in der Bibliothek arbeiten, zu informieren bzw. die entsprechenden Gewerkschaften und MitarbeiterInnenvertretungen auf diesen Mißstand hinzuweisen und diesen gemeinsam zu beseitigen.
Überlegt Euch, ob Ihr im Rathaus auch über wohlgesonnene ParteienvertreterInnen Druck machen könnt. Über diese Schiene lassen sich eventuell auch Anfragen starten, ob z.B. die Vertriebenenverbände Geldmittel oder Räumlichkeiten von der Stadt, dem Landkreis oder der Landesregierung erhalten.
Begleitend zu diesen Versuchen, aber auch völlig unabhängig dazu, bietet es sich an, eifrig LeserInnenbriefe an die örtlichen Zeitungen zu schicken. Und nicht vergessen: Seitenlange theoretische Abhandlungen haben keine Chance, in irgendwelchen Zeitungen abgedruckt zu werden. Aber auch, wenn Ihr den Text knapp & deutlich haltet, ist das keine Garantie dafür, daß er in der Presse und nicht im redaktionseigenen Mülleimer landet. Laßt Euch trotzdem nicht entmutigen.
Kommen wir nun zu dem wunderschönen Fall, daß Ihr, sei es aus Vertriebenenzeitungen, Ankündigungen in Schaukästen oder wie auch immer erfahren habt, daß in Eurer Gegend eine Veranstaltung der Vertriebenenverbände wie z.B. ein "Tag der Heimat" bevorsteht. Das "wunderschön" bezieht sich in diesem Fall auf die Tatsache, daß Ihr das mitbekommen habt und nicht auf die Veranstaltung !
Am einfachsten ist es natürlich, wenn die VermieterInnen der Räume den Vertriebenenverbänden kündigen, sei es wegen unüberbrückbarer politischer Differenzen (was leider nur sehr selten vorkommt) oder wegen zu erwartender Störungen etc.. Da die VermieterInnen wahrscheinlich nicht zu Euch kommen werden, solltet Ihr an sie herantreten.
Pech gehabt? Die Veranstaltung soll trotzdem stattfinden?
Nun denn, wir können auch anders! Was wir alles können, wird nicht verraten, zu einfach wollen wir es den staatlichen SchnüfflerInnen ja auch nicht machen, aber ein paar Sachen seien trotzdem erwähnt.
Mit einem entsprechenden Potential im Rücken oder besser an der Seite, so von wegen gemeinsam und so, könnte mensch eine Demo oder Blockade veranstalten. Um die schon oben erwähnte Störung als eine zu erwartende erscheinen zu lassen, bieten sich auch Plakate und Flugblätter an.
Eine andere Möglichkeit wäre, an der Veranstaltung teilzunehmen. Dabei ist auch zu beachten, daß in diesen Kreisen meist eine völlig andere Bekleidungsform als bei uns bevorzugt wird. Solltet Ihr diese Hürde überwunden haben, steht Ihr vor der Qual der Wahl. Mit vielen anderen gemeinsam ist es Euch vielleicht möglich, der ganzen Veranstaltung einen anderen Verlauf zu verpassen. Wie wär's denn mit fröhlichem Gesang revolutionären Liedgutes, dauerndem Unterbrechen der RednerInnen durch donnernden Applaus und schallende Begeisterungsrufe, gemeinsamen Tanzen mit eventuell anwesenden Volkstanzgruppen oder vielem anderen mehr?
Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, schon gar nicht die von 1937. Sollte dies für Euch nicht in Frage kommen, ist es auch so eine prima Gelegenheit, einfach nur zu beobachten, wer da so rumrennt, vielleicht wolltet Ihr ja auch schon immer ein Photo von dem einen oder der anderen. In Berlin z.B. zieht der "Tag der Heimat" das Nazipack an wie ein Misthaufen die Schmeißfliegen (Dies soll nur ein Vergleich sein und auf keinen Fall eine Beleidigung der obengenannten Fliegen).

Genug der Anregungen, wir wissen nicht, was Ihr machen wollt, aber wir hoffen, Ihr macht es! Und natürlich hoffen wir, davon zu hören. Macht's gut!