| editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser, Es scheint, dass das Wetter sich nach der politischen Atmosphäre richtet. Obwohl wir schon Mitte April haben – und wir schon sehnsüchtig auf den Frühling warten –, ist es noch immer sehr kalt, regnerisch und der Himmel meist grau. Ähnlich die politischen Entwicklungen in der Türkei. Jede Hoffnung auf eine friedliche Lösung der kurdischen Frage wird überschattet von Aggression, den nie enden wollenden Staatskrisen, dem institutionalisierten Nationalismus und dem politischen Kalkül auswärtiger Mächte. Dieses politische Klima lässt unsere Herzen frieren und die Hoffnungen welken.
Über die Entwicklungen zwischen unserer vorigen Ausgabe und der vorliegenden
gibt es leider kaum Positives zu berichten. Sie verlaufen derart rasant,
dass es uns oft nicht möglich ist, die Aktualität in unserer Zeitschrift
wiederzugeben. So startete der türkische Staat mit US-Unterstützung in
der Nacht des 21. Februar eine achttägige Bodenoffensive in den Nordirak,
genau zum Zeitpunkt der Drucklegung unserer letzten Ausgabe. Und als sie
aus dem Druck kam, war der Krieg auch schon wieder zu Ende. Aus diesem
Grunde werden die türkischen Kriegsanstrengungen in diesem Heft mehrfach
behandelt. Die Teilnahme am diesjährigen Newroz war die größte aller Zeiten. „Während Newroz für die Kurden Begeisterung für die Freiheit und für ein neues Leben bedeutet, jagt es den kolonialistischen Mächten Angst ein“, so Sercan Aydın in seinem Artikel. Wie wir es von Besatzungsmächten kennen, so ging der türkische Staat gegen das kurdische Volk zu Newroz vor. Die Tatsache, dass in diesem Jahr im syrischen Teil Kurdistans drei und im türkischen Teil vier Menschen infolge staatlicher Angriffe ums Leben kamen, ist Resultat dieser KurdInnenphobie. Aber wie jedes politische Ereignis nicht ohne Folge bleibt, so wird auch Newroz 2008 die künftige Politik bestimmen. Als eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten zwei Monate bildet Newroz einen Schwerpunkt dieses Heftes. Ebenso wird die o. g. gegenwärtige Staatskrise in der Türkei erörtert. Aber die Anti-KurdInnen-Politik hat nicht nur in der Türkei angezogen, sondern auch in Europa. Obwohl die kurdische Befreiungsbewegung im Rechtsstreit gegen ihre Einstufung als terroristische Organisation vor dem zweithöchsten europäischen Gericht (EuGH) gegen die EU gewonnen hat, kam es in den letzen zwei Monaten in Deutschland zu Vereinsdurchsuchungen und Festnahmen von KurdInnen. Nicht nur die Türkei hat ein Problem mit einem Wandel in ihrer politischen Mentalität, sondern auch ihre Verbündeten. Die ungelöste kurdische Frage ist eine Trumpfkarte in den Händen vieler, die sie nicht ohne Weiteres aus der Hand geben wollen. Daher ist die politische Lösung der kurdischen Frage trotz aller Bemühungen der KurdInnen, seien es die unzähligen Serhildans (Volksaufstände) oder die Friedensprojekte, so schwer zu erreichen. Aber das kurdische Volk ist im Recht und zudem überaus entschlossen. Diese Realität werden früher oder später alle akzeptieren müssen. In der Hoffnung, dass der „Frühling“ nicht lange auf sich warten lässt,
Ihre Redaktion |