Bewertung des Jahres 2007 der Bewegung Freie Frauen Kurdistans

In allen Lebensbereichen eine eigene Organisierung schaffen

Elif Ronahî, Koordinationsmitglied der PAJK (Partei der Freiheit der Frauen Kurdistans)

Um das neue Jahr zu beginnen, ist es wichtig, das vergangene mit all seiner politischen, organisatorischen, ideologischen und praktischen Realität zu analysieren.
Wie verlief das Jahr 2007 für die Bewegung Freie Frauen Kurdistans? Was waren unsere Ziele und inwieweit haben wir sie erreichen können oder nicht? Als Frauen führen wir diese Diskussion überall, wo wir organisiert sind.
Unsere Bewegung war 2007 einem Angriffskonzept ausgesetzt, mit dem sie niedergerungen, zur Kapitulation gezwungen und vernichtet werden sollte. Es ist wichtig, die Haltung der Frauenbewegung gegen dieses Konzept im gesellschaftlichen und ideologischen Bereich sowie im Bereich der Selbstverteidigung zu analysieren. Überall in Kurdistan fand ein militärischer, politischer, psychologischer und ökonomischer Angriff gegen die kurdische Freiheitsbewegung statt. Es war ein Jahr mit einer neuen Etappe des internationalen Komplottes gegen unseren Vorsitzenden, gegen das kurdische Volk und gegen unsere Bewegung in Form eines totalen Krieges. Zweifellos hatten diese Angriffe unseren Vorsitzenden zum Ziel. Als der Giftanschlag gegen ihn aufgedeckt werden konnte, war klar, dass das internationale Komplott in veränderter Weise noch immer andauert.
Längst war uns die staatliche Politik der Türkei bekannt, unseren Vorsitzenden politisch, sozial, seelisch und psychisch zu vernichten. Aber diesmal war er einem physischen Angriff ausgesetzt. Der Giftanschlag wurde aufgedeckt und das kurdische Volk, das im Vorfeld zu Millionen unseren Vorsitzenden als seinen politischen Repräsentanten öffentlich deklariert hatte, zeigte mit seinen Aktionen unmissverständlich, dass es diesen Angriff nie hinnehmen wird.
Das Antifolterkomitee des Europarates (CPT) sah sich nach dem Todesfasten der Kurdinnen in Europa Ende Mai zu einem Besuch auf der Gefängnisinsel Imralı gezwungen. Obwohl jedoch inzwischen mehr als acht Monate vergangen sind, wurden seine Untersuchungsergebnisse noch immer nicht veröffentlicht. Dies zeigt, dass auch das CPT in irgendeiner Weise in das internationale Komplott eingebunden ist. Seine bisherige Haltung kann als der Versuch bezeichnet werden, unser Volk und unsere Bewegung hinzuhalten. Wäre dem nicht so, hätte es längst die Ausmaße der Vergiftung bekannt gegeben. Unser Volk, unsere Bewegung und unsere Guerilla haben diesbezüglich ernsthafte Zweifel und sind besorgt.

Aktionsphase zum Schutz Abdullah Öcalans

Die Frauenbewegung leitete eine umfassende Aktionsphase ein, um das Leben unseres Vorsitzenden zu schützen und die Gefahr abzuwenden. Diese Phase begann mit der Kampagne „ÊDÎ BES E“ [„Es reicht“]. Aber bislang konnte die Gefahr für unseren Vorsitzenden nicht völlig gebannt werden. Die Aktionsphase der kurdischen Frauen gegen den Giftanschlag dauert an. Auch die Guerillakämpferinnen haben sich mit einem starken Widerstandsgeist an der Kampagne beteiligt.
Die Realität der militanten Freiheitskämpferinnen bedeutet, zu jeder Selbstlosigkeit bereit zu sein, wenn es um das Leben unseres Vorsitzenden geht, den wir als unseren Garanten für die Freiheit verstehen. Im vergangenen Jahr haben wir in diesem Sinne heftigen Widerstand gegen die unzähligen Militäroperationen der Türkei und des Iran geleistet.
Unsere Kräfte der YJA-Star führten zahlreiche Selbstverteidigungsaktionen durch. Nach der parlamentarischen Bevollmächtigung der Regierung zu grenzüberschreitenden Operationen zeigte unsere Frauenbewegung eine unmissverständliche Widerstandshaltung, analysierte die geistigen, psychischen und militärischen Auswirkungen der Operationen und organisierte sich entsprechend.

Reuegesetz des türkischen Staates

Das Reuegesetz, das der türkische Staat erneut auf die Tagesordnung brachte, weisen wir auf das Schärfste zurück. Denn die Frauenbefreiungsbewegung ist keine Bewegung, die ihre Befreiungsbestrebungen zu bereuen hätte.
Von einer Bewegung Reue zu erwarten, die sich der Freiheit verschrieben hat, die dem Weg der Befreiung folgt, die ihr Leben dafür einsetzt und einen hohen Preis auf diesem Weg gezahlt hat, ist nichts als Selbsttäuschung. Staat und Armee wären gut beraten, dies endlich einzusehen.

Frauen im Mittleren Osten sind besonders betroffen

Die Bewertung des Jahres 2007 sollte auch aus Sicht der Frauen im Mittleren Osten erfolgen. Es gab dort einen andauernden Kriegszustand. Für sie war die Lage somit noch tragischer und der von ihnen abverlangte Preis noch höher als sonst.
Hauptstütze des US-Projektes „Großer Mittlerer Osten“ sind die Frauen. Diese Politik führt nicht dazu, dass die Frauen, die im kapitalistischen System zu einer Ware gemacht werden, befreit werden, sondern im Gegenteil: Ziel ist es, die Frauen in das System zu integrieren und mit ihrer Hilfe die Gesellschaft zu zersetzen. Daher gab es auch keinerlei Konzepte, die die Befreiung der Frau gefördert hätten, im Gegenteil.
Vor allem die Frauen waren im Mittleren Osten jeder Art von Angriffen, Gewalt und Vergewaltigung ausgesetzt. Nach wie vor sind Frauen in größter Gefahr. Es ist eine Tatsache, dass sie den höchsten Preis für die ideologische, militärische und gesellschaftliche Politik zu zahlen haben. So wird mit jedem Tag deutlicher, dass die Frauen unter dem gemäßigten islamischen Projekt der AKP verlieren und noch mehr verlieren werden.

AKP und Spezialkriegsführung

Die AKP ist bemüht, in Kurdistan die Errungenschaften unserer Frauenbefreiungsbewegung zu vereinnahmen und sie ihres Inhalts zu berauben. Sie legitimiert die Institutionen Familie und Ehe, die bei der Versklavung der Frauen die größte Rolle spielen. Auf diese Weise sollen Frauen in ihren Häusern ihrem Schick­sal überlassen werden. Die Frauenfrage wird auf die Kopftuchfrage reduziert und somit der Freiheitswunsch der Frauen verzerrt.
Die AKP versucht, die Frauen bei der Zersetzung des gesellschaftlichen Gewebes Kurdistans zu benutzen. Sie setzt alle erdenklichen Mittel ein, um Frauen daran zu hindern, in die Berge zu gehen. Wir konnten auch aufdecken, wie sie mit inhumanen Methoden kurdische Jugendliche in ihr Agentennetz zu integrieren versucht, um unsere Bewegung von innen heraus zu vernichten.
Der türkische Staat nutzt schmutzige Praktiken, um kurdische Jugendliche zur Zusammenarbeit mit Armee und JITEM zu verleiten. Er wandte den schmutzigen Krieg während des 30-jährigen Bestehens unserer Befreiungsbewegung immer wieder an, weitete ihn in den letzten Jahren jedoch aus und verschärfte ihn.
Mittels der JITEM versucht der Staat, kurdischer Jugendlicher, vor allem junger Mädchen, habhaft zu werden.
Mitglieder dieser Spezialkriegsführung instrumentalisieren die Gefühle der Mädchen und setzen sie als Agentinnen ein. Auch mit Vergewaltigungen und anderen Gewaltformen wird ihr Wille gebrochen und sie werden so zur Agententätigkeit gezwungen. Die familiären und gesellschaftlichen Werte werden als Waffen gegen sie eingesetzt [siehe hierzu KR Nr. 134, S. 13 ff.]. Der Staat will mit dieser schmutzigen Politik Jugendliche – vor allem junge Kurdinnen – davon abhalten, sich der Guerilla anzuschließen. Diejenigen, die in die Falle des Staates tappen, werden dann als Waffe gegen die Freiheitsbewegung eingesetzt.
Der Staat hat in diesem schmutzigen Spiel nichts zu verlieren. Wir als Frauenbewegung bewerten diese Machenschaften des Spezialkriegsorgans JITEM vor allem gegen junge Frauen als Frauenmorde. Die Taktik des Staates und der Armee ist es, Frauen durch Frauen zu bekämpfen.
Lebensgrundlage und Hoffnung werden diesen jungen Mädchen vom Staat vollkommen entzogen und zerstört. Gegen sie wird die gesamte Männlichkeit der Armee eingesetzt. Die patriarchale Armee setzt die physische, seelische und sexuelle Gewalt seiner Spezialkriegskräfte ein. Der Staat schreckt in seinem Kampf auf militärischer, kultureller, ökonomischer und politischer Ebene nicht davor zurück, auch die Sexualität als Kriegswaffe gegen das kurdische Volk zu benutzen.
Die kulturelle und ethische Politik des Staates gegen kurdische Jugendliche ist bekannt. Aber dass nun auch die Männlichkeit und Sexualität ihrer Spezialkriegskräfte als Kriegswaffe zum Einsatz kommt, kann weder unser Volk noch unsere Bewegung hinnehmen. Wir verurteilen diese schmutzige Kriegsführung voller Abscheu. Die Familien einiger dieser jungen Frauen, die als Agentinnen in unsere Reihen eingeschleust worden waren, entschuldigten sich, nachdem sie dies erfahren hatten, öffentlich vor dem kurdischen Volk und unserer Bewegung und entlarvten diese staatlichen Maßnahmen.
Die Klarheit der Frauenbewegung in ihrer ideologischen und organisatorischen Haltung spielte eine große Rolle bei der Aufdeckung. Die Kultur des freien Lebens der Frauen sowie ihre Maßstäbe bei Akzeptanz und Ablehnung führten zum Scheitern dieser vagen, den Werten der Frauen fernen Haltungen.

Durchführung des 3. Frauenkongresses

Eine unserer wichtigsten Tätigkeiten als Frauenbewegung war im vergangenen Jahr die Durchführung des 3. Frauenkongresses. Dabei sollten das System der KJB-Organisierung in allen Bereichen der Frauenarbeit umgesetzt und der KJB gestärkt werden. Mit dieser Zusammenkunft haben wir eine starke Entschlossenheit entwickelt.
Nach dem Kongress arbeiteten wir sehr viel an der praktischen Umsetzung dieser Entschlossenheit. Bis Ende 2007 ging es uns darum, das System des KJB weiterzuentwickeln, es inhaltlich noch zu stärken, den gesellschaftlichen Arm zu entfalten, die Basis der Freiheit der Frauen, die gesellschaftliche Basis, zu entwickeln, die Frauenräte aufzubauen, damit die Frauen ihre Probleme noch gründlicher diskutieren und Lösungen für ihre Probleme ausarbeiten.
Auch haben wir sehr intensive ideologische Arbeit geleistet, damit die Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Unterdrückung der Frauen in der Gesellschaft überwunden werden und der freie Wille und das Niveau der Beteiligung der Frauen sich entfalten können.

Linie der Selbstverteidigung

Aus Sicht der YJA-Star wurde eine starke Widerstandshaltung entwickelt. Auf allen Bergen Kurdistans wurden geeignete Stellungen bezogen.
Somit haben Frauen entsprechend der Linie der Selbstverteidigung 2007 ihre starke Position eingenommen und sich bemerkbar gemacht. Viele erfolgreiche, von Frauen organisierte Aktionen wurden ausgeführt, gegen die mit enormer technischer Ausrüstung und chemischen Waffen durchgeführten Militäroperationen des türkischen Staates eine effektive Widerstandslinie wahrgenommen.
Bei den Gefechten in Dersim und Botan haben wir sehr wertvolle Genossinnen verloren. Genossin Gülbahar, die seit fünfzehn Jahren in der Guerilla gekämpft und eine wichtige Rolle bei der Gründung der Frauenarmee gespielt hatte, fiel in Gabar. Die Freundin Roza Mardin, seit dreizehn Jahren Guerillakämpferin, und die Freundin Delila, die das Leben als Guerillakämpferin mit ihrer Kunst vereint hatte, und viele andere Genossinnen fielen 2007. Sie hatten heldenhaften Widerstand geleistet.
Diese wertvollen Genossinnen sind für unseren Kampf eine große Motivation. Wenn der türkische Staat, statt nach einer Lösung zu suchen, an den militärischen Angriffen festhält – und das ist leider die Realität –, so werden wir uns als Frauen zu verteidigen wissen. So, wie wir unsere Entschlossenheit im Jahre 2007 gezeigt und bewiesen haben, so werden wir sie auch in diesem Jahr beweisen.
Denn uns wird keine Alternative gelassen. Für die PAJK, bedeutender Teil des KJB, stand 2007 die Praxis im Vordergrund. In diesem Sinne wurden wichtige Schulungen, Aufklärung, Pressearbeit geleistet. Es ging auch darum, die PAJK in allen Arbeitsbereichen in Form von Komitees aufzubauen und sich zu institutionalisieren.
In diesem Sinne können wir sagen, dass die Ziele, die sich die Frauenbewegung 2007 auf dem Kongress gesetzt hatte, zum größten Teil mit Erfolg umgesetzt wurden. Dazu gehören z. B. die Stärkung des eigenen Systems, Weiterentwicklung und Verstärkung im Bereich der Verteidigung sowie die Entwicklung im gesellschaftlichen Bereich und auch die Parteiwerdung.

YJA organisiert sich in allen vier Teilen Kurdistans

Der YJA stellt den gesellschaftlich-politischen Arm unserer Frauenbefreiungsbewegung dar. Er organisiert sich in allen vier Teilen Kurdistans sowie in Europa. Er hat die Aufgabe, sich mit den Problemen der Frauen in der Gesellschaft zu befassen und Lösungswege zu ebnen. Unsere Bewegung hat einen bemerkenswerten Weg im Kampf gegen die in der kurdischen Gesellschaft noch immer vorherrschende Rückständigkeit sowie gegen die geschlechtsspezifische gesellschaftliche Realität zurückgelegt.
Aber unsere Bewegung ist sich auch bewusst, dass noch ein langer Weg vor ihr liegt. Es ist schwierig und bedarf einer großen Willenskraft, um gegen die geschlechtsspezifische gesellschaftliche Realität, die die Frauen geradezu ersticken lässt, anzukämpfen. Wir haben ein Jahr hinter uns, in dem wir die Organisation gestärkt und sie damit zu einer Waffe im Kampf gegen diese Realität geschmiedet haben.

Regionale Organisierung der Frauen gestärkt

Unsere gesellschaftliche Organisierung ist im Vergleich zu früher stärker. Aber wir haben noch nicht die Ebene erreicht, den Problemen der Frauen, die sie aufgrund der gesellschaftlichen Rück­ständigkeit und patriarchalen Unterdrückung erleiden, vollkommen angemessen zu begegnen. Aber wir sind weiterhin sehr bemüht darum. Die Tatsache, dass die regionale Organisierung der Frauen gestärkt wurde, schafft die Möglichkeit, dass die Frauen für die Probleme eigene Lösungswege finden.
Die Frauen in der Gesellschaft benötigen dringend eine eigene originale Basis, von der aus sie sich frei artikulieren können. Eine Basis, auf der sie ihr Wesen als Frauen und ihre im Verborgenen ruhenden weiblichen Werte ans Tageslicht bringen, auf der sie ihre Geschlechts­identität, der sie entfremdet wurden, annehmen und ihre Psychologie der Minderwertigkeit überwinden können. Sie können dann ihre Kreativität neu entdecken und ihre verloren gegangenen Fähigkeiten wiedergewinnen.
Diese eigene Basis wird die Frauen dem geistigen und psychischen Druck der Männer entziehen und sie werden ihre eigene Persönlichkeit erkennen. Ausgehend von der eigenen Erfahrung unserer Freiräume will die Frauenbewegung Projekte entwickeln, mit denen ähnliche Freiräume für die Frauen in der Gesellschaft geschaffen werden können.

Aufbau von Frauenräten

Es ist lebenswichtig, dass Frauen in allen Lebensbereichen ihre eigene Organisierung schaffen, Räume, in denen sie sich selbst organisieren, die eigenen Probleme diskutieren und Lösungen entwickeln. In diesem Sinne war ein Hauptanliegen die Gründung der Frauenräte.
Die Frauenräte wurden in einigen Bereichen schon aufgebaut, in anderen hat die Aufbauarbeit begonnen. Sie sollen Räume sein, in denen die Frauen alle sie betreffenden Probleme behandeln und mit freiem Willen Lösungen entwickeln können. Daneben sollen die Frauenräte die Aufgabe haben, den Frauen ihre ungeschriebene Geschichte zu vermitteln, und die Möglichkeit geben zu beginnen, die Geschichte ihrer Befreiung niederzuschreiben.
Es werden Freiräume sein, in denen die Frauen neben der Erlangung ihres Geschichtsbewusstseins lernen, ihr eigenes Geschlecht näher kennen zu lernen, zu erfassen, dass ihre Probleme nicht individuell, sondern gemeinsame Probleme aller Frauen sind. Frauen lernen, das eigene Geschlecht zu lieben und zu respektieren. Sie erkennen, welch ein Potential sie besitzen, um die Werte der Frauen zu stärken.
Die dritte Funktion der Räte besteht darin, dass Frauen sich nicht nur mit den Problemen befassen, denen sie aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit begegnen, sondern sie sind zugleich eine Kampfperspektive gegen die herrschenden Regime.
Wenn Frauen sich allein auf Frauen­themen beschränken, so ignorieren sie die Vorkämpferrolle bei der gesellschaftlichen Transformation. Aus diesem Grunde ist es wichtig, den Frauenbefreiungskampf zusammen mit dem gesellschaftlichen Freiheitskampf zu führen.
Frauen, die sich in allen Bereichen in Frauenräten und -kommunen organisieren, sich darin weiterbilden, die die eigenen Probleme mit ihrem eigenen freien Willen lösen, die die eigenen Gesetze bestimmen, werden sich nicht gegenüber Gesetzen der patriarchalen Gesellschaft und männerbeherrschten Macht schwach fühlen. Vor diesem Hintergrund hat die Organisierung für die Frauen Priorität. Organisiert sein heißt stark sein und sich stark fühlen.
Es ist nicht nur das Gefühl, sich stark zu fühlen, sondern es ist auch die Erlangung der Initiative, die eigenen Beschlüsse umzusetzen. Zum Beispiel: In einem Stadtteil oder einem Wohnviertel wird eine Frau sexuell belästigt, vergewaltigt oder einer anderen Art von Gewalt ausgesetzt. Die Frauen in diesem Stadtteil oder Wohnviertel müssen zusammenkommen und Alarm schlagen. Sie müssen gemeinsam eine Sanktion gegen den Täter beschließen. In einem solchen Fall gibt es keine Kraft, die den Mut hätte, sich dagegen zu stellen.
Es heißt ja, dass in der Einheit und Organisierung Kraft entsteht. Eine einzelne Frau ist vielleicht nicht in der Lage, gegen die Unterdrückung und Gewalt Widerstand zu leisten. Sie wird das Erlebte wahrscheinlich herunterschlucken und so an einen Punkt gelangen, an dem sie zu ersticken droht. Aber wenn sie mit anderen Frauen gemeinsam handelt, die Probleme teilt, Lösungen entwickelt, so wird sie auch die Kraft verspüren, Widerstand zu leisten und sich dagegen zu wehren.
Das Niveau des Erfolgs der Frauenbefreiungsbewegung im ideologischen, gesellschaftlich-politischen Bereich sowie im Bereich der Selbstverteidigung hängt sehr stark vom Engagement der Kader dieser Bewegung ab.
Wie auch unser Vorsitzender sagte, ist es im gegenwärtigen Herrschaftssystem nicht möglich, alle Frauen gleichzeitig zu erreichen und sie zeitgleich zu befreien.
Folglich ist es wichtig, mit den Frauen, die eher mit dem Freiheitskampf in Kontakt treten und die bereit sind, ihr Leben für die Freiheit einzusetzen, eine Organisierung zu beginnen. In den Reihen der Frauenbefreiungsbewegung gibt es ausreichend Frauenkader, die das entsprechende Bewusstsein haben, um die Frauen in der Gesellschaft für die Freiheit organisieren zu können.

Ziele und Aufgaben für das Jahr 2008

Zuletzt möchte ich kurz auf unsere Ziele und Aufgaben für das Jahr 2008 eingehen. Wir müssen unsere Planung daran ausrichten, dass die Haft- und Gesundheitsbedingungen unseres Vorsitzenden, die gegenwärtig eine große Bedrohung darstellen, verbessert werden. Des Weiteren ist es unsere Aufgabe, dafür zu arbeiten, dass das konföderale System weiterentwickelt und die demokratische Autonomie umgesetzt wird. Wir müssen unseren Widerstand und unseren Kampf für einen würdigen Frieden ununterbrochen fortführen. Entgegen der Verleugnungs- und Vernichtungspolitik ist es unsere Aufgabe, die demokratische nationale Union zu entwickeln und zu fördern. Auch ein tiefgreifender ideologischer Kampf gegen die geschlechtsspezifische Unterdrü­ckung in der Gesellschaft wird unsere Hauptaufgabe für das Jahr sein.

Fußnoten:
1) YJA-Star: bewaffnete Selbstverteidigungsorganisation des KJB
2) Koma Jinên Bilind: Hoher Frauenrat, Dachorganisation der Frauenbewegung
3) Delila, eine bekannte Sängerin: http://www.hpg-online.net/video_klip/dimen_stran_gerila.html
4) Partiya Azadiya Jinên Kurdistan: Partei der Freiheit der Frauen Kurdistans
5) Yekitiya Jinên Azad: Verband der Freien Frau