Zehntausende
folgten dem Aufruf der DTP zum Friedensmarsch in die Berge
Kurdischer Friedensmarsch – Türkische Bombenangriffe
ISKU – Informationsstelle Kurdistan e.V.
Aus Protest gegen die fortgesetzten
Militäroperationen im In- und Ausland plante die DTP vom 4. bis zum
6. Februar eine Massendemonstration in die Berge von Şirnak. Am ersten
Tag des türkeiweit stattfindenden Friedensmarsches nach Botan, mit dem
ein Ende der Militäroperationen gefordert wird, hat die türkische Armee
erneut Bombenangriffe in Süd- und Nordkurdistan geflogen. Im Rahmen
des Friedensmarsches, der von der DTP organisiert wird, haben sich Tausende
Menschen aus verschiedenen Städten auf den Weg nach Amed (Diyarbakır)
gemacht.
An den Abfahrtsorten der Busse fanden Kundgebungen statt, an denen sich
weitere Tausende beteiligten, um die Friedensaktivisten zu verabschieden
und ihre Unterstützung der Aktion zum Ausdruck zu bringen.
Bereits vor der Abfahrt kam es in mehreren Städten zu massiven Behinderungen
der Sicherheitskräfte. So wurden in Istanbul die für die Aktion vorgesehenen
Busse beschlagnahmt und knapp 20 Personen festgenommen. Kurz nach der
Abfahrt wurden die eilig als Ersatz beschafften Busse mit der Begründung
gestoppt, es befinde sich ein Selbstmordattentäter darin.
In Izmir wurde die Abfahrt gänzlich von den Sicherheitskräften unterbunden,
indem die Papiere der vorgesehenen Busse beschlagnahmt wurden. Die AktivistInnen
protestierten daraufhin in einer neunstündigen Aktion am Busbahnhof,
bevor sie sich mit anderen Fahrzeugen auf den Weg machten. Insbesondere
die aus kurdischen Städten aufgebrochenen Konvois wurden von Soldaten
eskortiert. Auf dem Weg kam es so immer wieder zu Militärkontrollen.
Der stellvertretende DTP-Vorsitzende Kamuran Yüksek gab der AKP-Regierung
die Schuld an den massiven Behinderungen und kündigte an, der Marsch
werde fortgesetzt werden. In mindestens fünf Städten seien Busse beschlagnahmt
worden, aber wenn die Regierung denke, „uns damit aufhalten zu können,
dann irrt sie sich. Unser Friedensmarsch wird stattfinden.“
Friedensmarsch: Demokratische Lösung gefordert
Am Zielpunkt des Friedensmarsches nach Botan forderten Tausende Menschen
eine Beendigung der Militäroperationen und eine Rücknahme der parlamentarischen
Genehmigung grenzüberschreitender Operationen. Die KCK wurde gleichzeitig
dazu aufgerufen, keine Aktionen durchzuführen. Als Vorsitzende der DTP
gab Emine Ayna im Namen der AktivistInnen eine Erklärung ab, in der
sie sagte: „Waffen machen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen,
KurdInnen und TürkInnen. Wir sind hier, weil wir daran glauben, dass
es genau hier, wo der Tod stattfindet, einen Sinn macht zu sagen: Eine
Lösung ist möglich, nicht indem getötet und gestorben wird, sondern
indem wir leben und leben lassen. Wir können unsere Probleme ohne Blutvergießen
lösen, indem wir miteinander sprechen, diskutieren, einen Dialog führen.
Die Türkei muss selbst eine Lösung finden. Die USA und die EU-Länder
handeln ihren Eigeninteressen entsprechend. Eine bleibende und realistische
Lösung bedeutet die gleiche und freie Gemeinsamkeit der Völker der Türkei.“
Die KCK reagierte positiv auf den Aufruf der DTP, verwies gleichzeitig
in einer Erklärung darauf, dass die von ihr am 1. Dezember veröffentlichte
Lösungsdeklaration immer noch Gültigkeit habe: „Wenn die türkische Armee
ihre Operationen einstellt, werden keine Aktionen von uns mehr stattfinden.
Wir sind dazu bereit, die uns zufallende Verantwortung im Friedensprozess
zu übernehmen.“
In der Erklärung wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass zeitgleich
zu dem Friedensmarsch der DTP massive Angriffe der türkischen Armee
in Bingöl und Südkurdistan stattfanden. Bei der Bombardierung Südkurdistans
seien dieses Mal insbesondere Guerillafriedhöfe getroffen und mit Tiefflügen
über zivile Dörfer angestrebt worden, die Bevölkerung in Schrecken zu
versetzen und zur Flucht aus dem Gebiet zu bewegen:
„Bei den bisher stattgefundenen sechs Angriffswellen sind ohne Rücksicht
auf internationales Recht Krankenhäuser, Schulen, Moscheen, zivile Siedlungen,
Tiere und Friedhöfe bombardiert worden. Die Bombardierung von Friedhöfen
widerspricht nicht nur jeder Ethik, sondern hat darüber hinaus noch
eine andere Bedeutung. Tote können nicht noch einmal getötet werden.
Der Versuch, Tote ein weiteres Mal zu töten, stellt einen massiven Angriff
auf unsere heiligen Werte dar und zeigt, dass es keine Grenzen bei der
Vernichtung gibt. Die Bombardierung unserer Gräber in einer Zeit, in
der die Regierung der Türkei ständig von Menschlichkeit, Religion und
Islam spricht, wird das kurdische Volk nicht vergessen können.“