Jahr 2000 – das Geld – die Firmen – die AKWs

Während Unternehmen und Organisationen in aller Welt mit Furcht auf mögliche Pannen ihrer Computersystem aufgrund des Jahr-2000-Problems blicken und sich um Lösungen bemühen, machen viele Software-, Informationstechnologie-, Computer- und Consultingfirmen damit ein großes Geschäft.

Die Kosten zur Beseitigung der Jahr-2000-Computerprobleme werden von US-Experten auf mehr als 500 Milliarden Dollar (ca. 900 Milliarden DeeMark) geschätzt. Soviel wird es kosten, damit alte Rechner und

Softwarepakete erkennen können, daß es sich beim Lesen von Jahreszahlen mit zwei Nullen nicht um das Jahr 1900, sondern um das Jahr 2000 handelt.

Und in der Zwischenzeit schlagen schwedische Wissenschaftler Alarm. Ihrer Meinung nach wird es massive Probleme in den Steuercomputern von Atomkraftwerken geben.

Wie der Newsletter der IT-Experten Damar Group, DGLInfo schreibt, muss mit einem Ausfall der Kuehlsysteme gerechnet werden - die Folgen sind klar. Die Kernspaltung wuerde ausser Kontrolle geraten und der Reaktor durchbrennen - ein drohender GAU!

In Russland ist das Problem nach Angaben des Leiters der Kommission fuer Kommunikationsfragen, Alexander Krupnow, noch wesentlich gravierender, da es neben den finanziellen Problemen- es fehlen rund 850 Mill. DM - auch kein Bewusstsein fuer die Problematik gebe. Sollte diese Summe nicht bereitgestellt werden, sagt

Krupnow, sei "Tschernobyl nur eine Uebung gewesen".(Originalzitat)

Aber nicht nur die "friedliche" Kernenergie ist von dem Problem betroffen, das US-Verteidigungsministerium rechnet mit einer moeglichen Irritation der Fruehwarnsysteme und hat bereits im Juni ca. 4,7 Mrd. US$ fuer die notwendigen Software-Reparaturen gefordert.

Und wie sieht es mit diesem Problem in Deutschland aus? Im zustaendigen Bundesministerium für Umwelt existiert zwar eine "Y2k-Kommission", erste Ergebnisse einer eingesetzten Expertengruppe werden jedoch erst fuer den Beginn des Jahres 1999 (!) angekuendigt. Ob das noch rechtzeitig ist, braucht nicht weiter diskutiert werden, denn die Pressesprecherin des Ministeriums, Frau Sahber, meinte auf unsere Anfrage: "Was hat dieses Problem mit unseren AKWs zu tun? Das ist doch nur ein Problem bei Zahlungssystemen." Auch im letzten Bericht der Bundesregierung ist zum Punkt Reaktorsicherheit lediglich nachzulesen, dass dieses Problem noch von Gutachtern geprueft wird, die Betreiber aber von einer "gegebenen Sicherheit" ausgehen.

Bei den Castor-Transporten konnte man noch jemanden zur Verantwortung ziehen, aber wer weiss, ob das nach dem Ausfall mehrerer Kuehlsysteme ueberhaupt noch noetig ist?

IM NETZ

Das Papier der Europaeischen Kommission zu den Ergebnissen der Untersuchungen ueber das Jahr-2000-Computer-Problem

Der Juli-Bericht der Bundesregierung ueber den aktuellen Stand des Uebergangs in das Jahr 2000

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(netnite/oejc/kopfst)