»Alexej Shigajlow: 'Erinnerte Sie die Reaktion des Publikums auf dem gestrigen Konzert nicht an den Bier-Aufstand in München 1933?'
Jason Newstead, Bassgitarrist von Metallica: 'Dieser Gruß ist traditionell für Deutsche.'«
Komsomolskaja Prawda vom 26. November 1999 zu einem Metallica-Konzert in Berlin, bei dem Zuschauer mit ausgestrecktem Arm »Heil!« gerufen haben sollen.
KT II 1/2
Die Kritische Theorie ist tot, es lebe die Kritische Theorie. Der Gedanke ist alt, allein, es fehlte die griffige Kurzformel für die kommende Kritische Theorie. Diedrich Diederichsen präsentierte sie nun ausgerechnet auf den Berliner Seiten der FAZ vom 11. Dezember: »KT II« soll die Rettung des linksradikalen Denkens buchstabiert werden, und Diederichsen hat auch genaue Vorstellungen darüber, was die »KT II« zu leisten im Stande sein sollte: »Diese KT II würde links und rechts nicht universal unterscheiden, sondern eher in Komposita wie linken Antikapitalismus und rechten, Linksfoucauldianer und Rechtsfoucauldianer, linke Black Nationalists und rechte et cetera unterscheiden, um so die Nahtstellen für die Patchworks aktueller linker Koalitionen diskutierbar zu machen.«
Das ist schon allerhand, und dass so viel Feinheit auf den Nahtstellen der Patchwork-Decken linker Diskurs-Grüppchen walten würde, hätte man sich nicht in kühnsten Alpträumen ausgemalt: Die höchstens nach Dutzenden zählenden Anhänger des einigermaßen in Vergessenheit geratenen katholischen Theologen und Trappisten Charles Eugène Vicomte de Foucauld nach »Links-« und »Rechtsfoucauldianern« zu sortieren - die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Koalitiönchen -, das schafft Arbeit für die kommenden Diskussionszirkel der »KT II«, wenigstens bis ins übernächste Heilige Jahr.
Zelle für Abbé
Der fundamentalistische und der extremen Rechten nahe stehende katholische Priester Jean-Yves Cottard ist am Montag vergangener Woche im bretonischen Guingamp verurteilt worden. Ihm wurde die fahrlässige Tötung von fünf Personen, darunter vier ihm anvertraute jugendliche Pfadfinder, vorgeworfen. Ein Rettungsschwimmer, der den Jugendlichen, die im Meer zu ertrinken drohten, nachdem der Priester sie bei schwerem Sturmwetter mit Segelbooten auf hohe See geschickt hatte, zu Hilfe kommen wollte, kam ebenfalls ums Leben (Jungle World, 45/99). Abbé Cottard wurde zu vier Jahren Haft, davon 18 Monate ohne Bewährung, verurteilt. Die Richter wollten der Darstellung des Verteidigers nicht folgen, der geltend gemacht hatte, dass der Abbé eine »übernatürliche Beziehung zu den Dingen« unterhalte. Die Sturmwarnung hätte er schon ernst nehmen müssen.
I Shit the Sheriff
Ginge es nach Rudolph Giuliani und seiner Lobby, dann wäre New York weiß, sauber und homogen und Kunst käme die Aufgabe zu, diese Werte zu repräsentieren. Chris Ofilis Objekt einer Maria mit Elefanten-Dung störte den Bürgermeister so sehr, dass er die »Sensations»-Ausstellung zu kippen versuchte (Jungle World, 46/99). Vergangene Woche hat der Happening-Künstler Joey Skaggs den New Yorkern die Gelegenheit gegeben, zu demonstrieren, was sie von der Politik ihres Bürgermeisters halten: Im Washington Square Park ließ er sie mit künstlichem Elefanten-Dung auf dessen Porträt werfen, ein Angebot, das auf so viel Zuspruch stieß, dass das Giuliani-Bild zwischendurch immer wieder sauber gewischt werden musste. »Man soll ihn ja schließlich noch erkennen können«, sagte Skaggs gegenüber der Berliner Zeitung.
Eine andere Variante kreativen Protestes lieferte kürzlich der Rapper Pharoahe Monch, dessen Titel »Mayor« in der Zeile mündet: »Scheiß drauf, wenn ich dabei draufgehe - wenigstens habe ich den Bürgermeister erschossen.« Giuliani scheint unbeeindruckt davon zu sein, dass er mittlerweile auch Teile der gut situierten liberalen Mittelschicht gegen sich aufbringt, die seine gegen Obdachlose, Arme und Minderheiten gerichtete Zero-Tolerance-Politik grundsätzlich unterstützt, und lässt verhaften, wer ihn stört. Künstler Stephen Powers, der das Porträt für die Wurf-Aktion angefertigt hatte, verbrachte einen Tag im Gefängnis.
Wirtschaften & Kultur
Nach dem Job des Berliner Kultursenator hat sich niemand gedrängt. Dass ihn Christa Thoben, vormals Staatssekräterin im Bundesbauministerium und ausgewiesene Wirtschaftsexpertin, übernommen hat, und nicht der Kandidat der Feuilletons, Wolf Lepenies, dürfte all die beruhigen, die die knapp bemessenen Haushaltsgelder ungern den Halodris aus der Kulturabteilung anvertrauen. Allerdings hatte Thobens Vorgänger, Peter Radunski, bewiesen, dass auch solide Berufspolitiker manchmal etwas großzügiger sind, und so wird jetzt von der CDU-Frau mit Faible für die Grünen erwartet, positive Bilanzen zu produzieren und die Stadt gleichzeitig mit ein paar Prestige-Projekten zu versorgen. Schlechte Karten dürften die drei großen Opernhäuser der Stadt haben. Thoben hat schon mal klargestellt, dass sie die Oper hasst. Aber nicht wegen der Subventionsbedürftigkeit des Musiktheaters, schuld sei lediglich ein Kindheitstrauma.
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