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15. Dezember 1999
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Verzeichnis deutscher Firmen, die während der Nazi-Zeit von Sklaven- und Zwangsarbeit profitierten und bisher nicht bereit waren, sich am Entschädigungsfonds zu beteiligen. Zusammengestellt vom Berliner Büro des American Jewish Committee (AJC)

»Die folgende Firmenliste enthält zwei Kategorien: Zum einen Firmen, die während der Nazi-Zeit Sklaven- und Zwangsarbeit anforderten, zum anderen heute existierende Firmen, deren Namen und Standorte so große Ähnlichkeit mit denjenigen von Zwangsarbeitsfirmen aufweisen, dass man davon ausgehen kann, dass es sich um dieselben Firmen handelt. Das American Jewish Committee behauptet nicht, dass die Firmen auf dieser zweiten Liste Rechtsnachfolger der Firmen auf der historischen Liste sind. Das AJC möchte betonen, dass diese Liste als Dienst an der Öffentlichkeit gemeint ist, um die Diskussion über das Arbeitssystem während der Nazi-Zeit zu erweitern.

Die Quelle für die historischen Daten ist der im Juli 1949 vom International Tracing Service (ITS) in der deutschen Stadt Arolsen veröffentlichte 'Catalogue of Camps and Prisons in Germany and the German-Occupied Territories', der 1990 von Martin Weinmann unter dem Titel 'Das nationalsozialistische Lagersystem' im Zweitausendeins Verlag, Frankfurt a.M., neu herausgegeben wurde. Die Quelle für die heute tätigen Firmen waren die Kompendien 'Mittelständische Unternehmen 1999', Band 1 bis 3, Darmstadt 1999 und 'Handbuch der Großunternehmen', Darmstadt 1999 (beide bei Hoppenstedt).

Die Forschungsarbeit des ITS in Arolsen diente dem Zweck, vermisste Personen wieder zu finden. Es ging nicht darum, eine vollständige Liste aller Arbeitsstätten zu erstellen, an denen Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Deswegen sollte diese Liste lediglich als Ausgangspunkt für ein Register Deutscher Firmen angesehen werden, die noch existieren und Sklaven- und Zwangsarbeiter beschäftigten.

Die Zahlen in der vorletzten Spalte sind lediglich auf den heute zugänglichen Informationen basierende Stichproben, die die Zahl der Sklaven- und Zwangsarbeiter zu einer ganz bestimmten Zeit angeben. So gut wie alle Firmen auf der Liste unterhielten mehr als ein Lager, und deswegen stellen die angegebenen Zahlen lediglich einen winzigen Bruchteil der Zahl von Zwangsarbeitern dar, die eine Firma einsetzte. So beschäftigte zum Beispiel der Konzern Blohm + Voss, für den in der Liste die Zahl 30 angegeben ist, insgesamt 60 000 Sklaven- und Zwangsarbeiter, wie Prof. Ulrich Herbert, der beste deutsche Experte für Sklaven- und Zwangsarbeit während der Nazi-Zeit, herausfand. Nur 700 davon tauchen überhaupt auf der AJC-Liste auf.

Bei den Sklavenarbeitern handelte es sich um Gefangene aus Konzentrationslagern, die deutsche Firmen bei der SS anforderten. Ein sehr hoher Prozentsatz von ihnen starb wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Zwangsarbeiter waren Personen, die aus den von den Nazis besetzten Gebieten nach Deutschland verschleppt wurden, um unter äußerst harten Bedingungen in der deutschen Industrie zu arbeiten. Prof. Herbert betont auch, dass die auf der AJC-Liste aufgeführten Firmen nur einen kleinen Teil all der deutschen Firmen darstellen, die Sklaven- oder Zwangsarbeiter einsetzten. Tatsächlich habe so gut wie jeder Industriebetrieb, egal welcher Größe, in Deutschland Sklaven- oder Zwangsarbeiter eingesetzt.

Das American Jewish Committee fordert alle Firmen auf dieser Liste auf, dem gemeinsamen Entschädigungsfonds für Sklaven- und Zwangsarbeiter beizutreten. Darüber hinaus fordern wir alle Firmen, egal wann sie gegründet wurden oder was sie während des Dritten Reichs getan haben, auf, dem Fonds beizutreten, den die deutsche Regierung als historische, ethische und moralische Verpflichtung für sich selbst und die deutsche Industrie bezeichnet hat.

American Jewish Committee, Berlin«


http://www.ajc.org/pr/1bbreak.htm


In der Print-Ausgabe der Jungle World wurde die Liste redaktionell bearbeitet.


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