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8. Dezember 1999
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Forelle Blau

»Die Menschen sollen frei sein, nicht die Gier und die Konzerne
Kommt doch bitte nach Seattle, stellt euch hin
Wir sind da und fangen an, aus jedem Land, nah und ferne
Kommt doch bitte nach Seattle, ohne euch ist nichts mehr drin

Wir können die Welt neu ordnen, wir können Neues fordern
Sie stirbt - glaubt ihr an Gerechtigkeit?
Stirbt - glaubt ihr an die Freiheit?
Stirbt - dann lasst alle ihre Länder selbst regieren?
Stirbt - wer braucht die WTO?
Schaffen wir sie ab, Schluss, aus, Ende«

»Kommt nach Seattle und haltet Wacht« basiert auf dem Song »Chicago« von Crosby, Stills & Nash und soll der Schlachtruf der Demonstranten in Seattle gewesen sein - die deutsche Übersetzung stammt von Joachim Kalka und erschien in der Rubrik »Metropolenlyrik« auf den Berliner Seiten der FAZ.



Goldhagen über Hitler

Noch ist nicht entschieden, was mit den Ruinen des kürzlich entdeckten Hitler-Bunkers westlich des Brandenburger Tors, nahe dem geplanten Holocaust-Mahnmal, geschehen soll, und eine Debatte darüber wollte bisher auch nicht so recht in Gang kommen. Jetzt hat Daniel Jonah Goldhagen in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung dafür plädiert, das Gemäuer als »Weltgedenkstätte« unter die Schirmherrschaft der Vereinten Nationen zu stellen. Während sich die Diskussion bislang allenfalls darum drehte, ob Berlin oder der Bund über die Zukunft des Bunker entscheiden soll, fordert der Politologe von der Harvard University, die Entscheidung zu einer internationalen Angelegenheit zu machen.

Falsch liegt, wer vermutet, Goldhagen zweifle an der Fähigkeit Deutschlands, sich seiner Geschichte zu stellen. »Nicht deshalb, weil man Deutschland keinen verantwortlichen und angemessenen Umgang mit dem Bunker zutraut - natürlich würde Deutschland das -, sondern weil Hitler ein Weltzerstörer war«, möchte Goldhagen die Angelegenheit internationalisieren und den Bunker als »Symbol des Bösen« für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Goldhagen, der mit seinem Buch »Hitlers willige Vollstrecker« in der deutschen Öffentlichkeit gerade deshalb auf so heftige Gegenwehr stieß, weil er sich mit dem Antisemitismus der ganz gewöhnlichen Deutschen beschäftigt hatte, schlägt für den Hitler-Bunker eine Gedenktafel mit folgender Inschrift vor: »Hier steht, was vom Machtzentrum eines bösen Menschen blieb, der, getrieben von Rassismus und kolossalen Visionen, einen Großteil der Menschen knechten, versklaven und töten wollte; der Massenmord beging und den Tod von mehr als 30 Millionen Menschen verschuldete.« Hatte das Böse wenigstens einen Koch dabei? Ja! Goldhagen weiter, »trotz seiner Macht konnte er nicht alles allein tun. Millionen halfen ihm dabei. Seine Taten sollen Warnung sein an alle, die ebenso hassen (...).«



Joop über Hitler

Dem Trend der Geschichtsschreibung zur Personality-Show kann sich auch der Modedesigner Wolfgang Joop nicht entziehen. Im Magazin Spiegel Reporter veröffentlichte er seine Top-List »Die Männer des Jahrhunderts«. Platz vier für Hitler. Begründung: »Adolf Hitler gab dem so genannten Bösen für immer einen Namen.«



Historiker Fritz Fischer gestorben

Fritz Fischer ist im Alter von 91 Jahren in Hamburg gestorben. Mit seinem 1961 veröffentlichten Buch »Der Griff nach der Weltmacht« löste Fischer in der Bundesrepublik den ersten großen Historikerstreit, die so genannte Fischer-Debatte aus. Fischer, der seit 1947 als Professor an der Uni Hamburg lehrte, hatte in seiner Publikation die »Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/1918« (Untertitel) dargestellt und die These vom Verteidigungskrieg, in den sich Deutschland habe hineinziehen lassen, ins Reich der Legenden verwiesen. In weiteren Publikationen widmete er sich der Kontinuität und der Folgerichtigkeit deutscher Politik von Bismarck bis Hitler. Gegen den Mythos, der Nationalsozialismus sei etwas, das den Deutschen passiert sei, schrieb er: »Hitler war kein Betriebsunfall.« Dass seine Darstellungen noch immer Verteidigungsreflexe auslösen, beweist die FAZ, indem sie ihn als einen würdigt, der Deutschland gezeigt habe, »durch welche Stromschnellen es gegangen ist«. Genau das hat Fischer nicht getan.



Kappersrätsel gelöst

Ab und zu steht man in einer Telefonzelle und blickt auf ein Plakat: »Hier könnte Ihre Anzeige stehen«. Hm, denkt man sich, traut man Werbung, die für sich selbst wirbt?

Ziemlich oft lief einem in letzter Zeit Stefan Kappers über den Weg. »Ihr Stefan Kappers«. Fuhr mal einen Trecker durch ein Kornfeld und sagte »Der Weg ist das Ziel«, stand mal einfach vor einer weißen Garagenwand und nannte seinen Namen. Weiße Hose, blaues Hemd, schwarze Schuhe, kantiges Gesicht, kurze Haare: ziemlich unauffällig, alles in allem. Ah, der Typ, werden Sie sich jetzt denken, der seine Fotos immer handschriftlich unterschreibt, aber nichts bewirbt, obwohl »Anzeige« drübersteht. Hat er sein Reihenhaus versetzt, um die Weisheiten aus seiner Meditationsgruppe zum Besten zu geben? Und wieso Telefonzelle?

Nun ist es raus: nicht nur Wege sind das Ziel, auch alles Unverständliche ist in Wirklichkeit ganz einfach. Stefan Kappers ist Werber. Und die ganze Kampagne ist nichts anderes als der Versuch der Verbandes der deutschen Zeitschriften-Verleger, auf die Möglichkeiten des Anzeigenschaltens aufmerksam zu machen. Mit Stefan Kappers in der Rolle der Telefonzelle.


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