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1. Dezember 1999
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Forelle Blau

"Fiel zuletzt in den Nachkriegsausgaben der Jungle World auf, in denen sie den serbischen Turbopop als ein besonders nationalistisches und sexistisches Übel dekonstruierte und popkulturell alle Argumente für eine erneute Bombardierung Belgrads zusammentrug."
Justus Wertmüller in der antideutschen Zeitschrift Bahamas Nr. 30/1999 über die Jungle World-Autorin Katja Diefenbach



'Welt'-Kultur mit neuem Chef

Christoph Stölzl, in den vergangenen zwölf Jahren Leiter des Deutschen Historischen Museums in Berlin, übernimmt von heute an den Kulturteil der Welt. Eigentlich hatte Stölzl ja Leiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden wollen, aber in einem ausgesucht ungeschickten Schachzug hatte er sich wenige Tage vor der Bundestagswahl, die zur Ablösung seines Freundes Helmut Kohl führte, noch positiv über die Segnungen von 16 Jahren christdemokratischer Kulturpolitik geäußert. Danach war es natürlich Essig mit dem Posten, und Stölzl musste sich etwas anderes suchen.



Riefenstahl, Jünger, Lafontaine

Die kommen, die Filme. Das Jahrtausend neigt sich dem Ende zu, und ein Großteil der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte ist cinematografisch noch immer nicht aufgearbeitet. Das wird sich jetzt ändern. Die Münchner Odeon Film AG hat angekündigt, das Leben Leni Riefenstahls und "In Stahlgewittern" von Ernst Jünger zu verfilmen. Verantwortlich für die Projekte ist Thomas Schüly, der schon an "Lola" und "Berlin Alexanderplatz" von Rainer Werner Fassbinder mitarbeitete, außerdem der Produzent von "Der Name der Rose" und "Der Totmacher" war. Genaueres ist über das Projekt nicht bekannt, außer, dass der Riefenstahl-Film das Portrait einer "außergewöhnlichen Frau" zeichnen soll. An Katja Riemann für die junge Leni wird Schüly wohl kaum vorbeikommen, für Riefenstahls Zeit in Afrika und ihre Tauchfilme wird es schon schwieriger. Zumal es gewisse Glaubwürdigkeitsprobleme aufwerfen könnte, wenn die Hauptperson erst aussieht wie Katja Riemann, dann wie Alice Schwarzer und dann wie Elisabeth Noelle-Neumann.

Noch schwieriger: die Besetzung von "In Stahlgewittern". Wahrscheinlich ist die Verfilmung nur mit Laiendarstellern zu bewältigen - anbieten würde sich natürlich der Kriegstagebuch-erfahrene Rudolf Scharping (SPD). Falls der nicht will; einfach Heiner Lauterbach (CDU) fragen. Für Lauterbach spricht, dass er tabulos ist, immer Termine frei hat und alles macht. Beide Männer benötigten natürlich ein riesiges Toupet.

Die Verfilmung von Oskar Lafontaines "Das Herz schlägt links" ist da weiter gediehen. Der Filmproduzent Werner Koenigs möchte Klaus Maria Brandauer oder Danny De Vito in der Hauptrolle. Da fällt die Wahl nicht schwer. Wer den deutschen Oliver Stone gibt, ist allerdings noch offen. Außer Götz George fällt uns keiner ein. Aber wir können warten.



Bewährung für Ol' Dirty Bastard

Ol' Dirty Bastard alias Osiris alias Big Baby Jesus ist noch einmal davongekommen. Ein Gericht in Los Angeles verurteilte ihn zu drei Jahren Haft auf Bewährung. Er war angeklagt, seine Freundin und mehrere Türsteher einer Discothek mit Mord bedroht und außerdem eine Schuss-sichere Weste getragen zu haben, ein Verhalten, das für Vorbestrafte in Kalifornien als terroristischer Akt gilt. Ol' Dirty Bastard muss außerdem eine überwachte Entziehungskur in einer Reha-Einrichtung durchlaufen. Er äußerte sich im Laufe des Prozesses nicht zur Anklage, sondern sagte dem Richter nur, dass Jesus auch ihn liebe.



Hin und Her bei Goethe

Erst sah es so aus, als hätte das Goethe-Institut noch einmal Glück gehabt. Mit Heulen und Zähneklappern hatte es im Sommer schon hinnehmen müssen, dass die Sparpolitik der Bundesregierung zu einem Beschluss über die Schließung von elf Goethe-Instituten geführt hatte. Doch das sollte es gewesen sein mit dem Sparen an der Kultur. Dann sah es so aus, als habe das Goethe-Institut doch Pech. Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise ließen durchblicken, dass noch weiter gespart werden müsse. Die Goethe-Institute von Singapur, Madras, Dhaka, Wellington, Los Angeles, Boston, Atlanta, Göteborg, Manchester, Turin und Lille seien gefährdet. Doch jetzt ist wieder alles in Ordnung. Die Geldsumme, die gespart werden muss, wurde von 18 auf elf Millionen Mark abgesenkt. Es muss doch niemand mehr schließen. Zumindest nicht im kommenden Jahr.


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