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10. November 1999
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Econy und Brand Eins

Miss Erfolg und ihre Wirtschaft

Wenn man sich in der Mitte der Neuen Berliner Mitte in einem neu eröffneten Imbiss befindet, kann es sein, dass man sich verwirrt und verloren fühlt. Überall glänzt Stahl, lasiertes Holz wärmt den Raum, überall leuchten blitzblanke Steine zwischen dem schneeweißen Putz hervor, und die Stühle sind zumindest cooler als das Angebot aus dem Ikea-Katalog von morgen. Doch gemach, denn spätestens beim Essen wird klar: Man ist noch immer in Buletten-Berlin - die Bratwürste sind mittelmäßig, der Kartoffelsalat ist ranzig, und das, was als Pommes Frites serviert wird, ist selbst Automechanikern zu ölig. So ein Imbiss will also einfach nur etwas anderes sein als ein Imbiss. Er muss jedoch zugleich ein Imbiss bleiben.

Ein ähnlich schizophrenes Verhältnis zu sich selbst pflegen all die in den letzten Jahren entstandenen Wirtschaftsmagazine, die versuchen, den Jungpleitier an sich zu binden. Im Falle der Jugendmagazine - wie Bizz oder start - mit denen die Großverlage glauben, die BWL-Studentenschaft ködern zu können, kommt das daher, als trete in der Bravo der Deutsche Aktienindex an die Stelle der Backstreet Boys.

Interessanter wird es bei den Magazinen, die zwar dauernd den wirtschaftlichen Erfolg verhandeln, aber selber alles andere als erfolgreich sind: wie Econy und seine Folgeprojekte. Denn im Unterschied zu den Blättern mit dem Dax-Starschnitt, übersetzt sich hier Wirtschaft tatsächlich in Lifestyle. Mit viel Resonanz gestartet, musste Econy diverse spektakuläre Verlagswechsel hinnehmen, bis sich schließlich der Verlag für Wirtschaftsmedien des Magazins annahm. Das bedeutete für Gabriele Fischer - Miss Erfolg und Chefin des Magazins - und ihre Redaktion im Sommer das Aus. Die ehemalige taz-Chefredakteurin, Ex-Feuilleton-Chefin der Berliner Zeitung und Ex-n-tv Literaturtalkerin Georgia Tornow wird die Leitung von Econy zum nächsten Jahr übernehmen. Fischer allerdings, die mit Troubleshooting eine nicht unbeachtliche Erfahrung hat, ruhte nicht, bis sie, zeitgleich mit der ersten nicht von ihr redigierten Econy, ein neues Magazin an den Kiosk gebracht hatte: Brand Eins.

Beide Hefte - das Interims-Econy entspricht weitgehend dem Fischer-Konzept; was Frau Tornow plant, ist nicht zu ermitteln - haben eine ganz bestimmte Auffassung von ihrem Thema: Alle Wirtschaftserfolge, die sie präsentieren, werden als singuläres Ereignis dargeboten. Solange man nicht gerade ein Lifestyle-Wirtschaftsmagazin herausgibt, ist es egal, ob man einen Internet-Versand eröffnet hat, in Stahl macht oder HipHopper vermarktet, alles wird in den Termini von Modezeitschriften dargestellt. Der Nachrichtenwert beider Magazine ist dementsprechend dünn. Fakten fehlen fast völlig, der Erfolg oder die Einzigartigkeit der Firmenidee wird zumeist nur behauptet: Die einzige Neuigkeit ist die, dass es das Magazin wieder und noch gibt. Bei der Brand Eins ist das sogar Titelthema.

Somit verhält es sich mit diesen Titeln wie mit den Neuen Berliner Imbissen: Das Gleiche wird mit schickerer Fassade verkauft, ist aber noch immer nicht gut.

jörg sundermeier



Brand Eins erscheint im Brand Eins Verlag, Econy im Verlag für Wirtschaftsmedien. Beide kosten 9 Mark und erscheinen zweimonatlich.


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