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10. November 1999
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"Lebert schreibt, er habe irgendwo zwischen Restaurant Borchardt und dem S-Bahnhof Friedrichstraße gehört, es sei wegen einer Glosse von mir über den Feuilletonchef der Berliner Zeitung mit der Redaktion der Berliner Seiten zu einem Streit gekommen und der Drucktermin verpasst worden, so dass die Ausgabe vom 30. September nicht erscheinen konnte. Kein Wort ist wahr. Weder habe ich je eine solche Glosse geschrieben noch angeboten. Noch gab es Streit, noch ist der Andrucktermin verpasst worden. (...) Die Berliner Seiten vom 30. September konnten, wie den Berliner Lesern mitgeteilt, wegen eines Defekts an der Ölpumpe in der Druckerei in Potsdam nicht erscheinen."

Leserbrief des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, Spiegel, 44/99



Reemtsmas Rückzieher

Die Gegner der Wehrmachtsausstellung haben fürs Erste gewonnen, die Dokumentation des Hamburger Instituts für Sozialforschung wird zunächst für drei Monate, möglicherweise auch für länger, nicht mehr gezeigt, nachdem sich die Zuordnung von Bildquellen bei neun von insgesamt 800 Fotos als falsch erwiesen hat. Jan Philipp Reemtsma kündigte an, die Ausstellung von einer Kommission von Fachleuten, die nicht dem Institut angehören, überprüfen zu lassen, um weitere Belege für die Grundthese der Ausstellung - die Wehrmacht habe einen Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung der eroberten Gebiete gebührt - zu erbringen.

"Geordneter Rückzug" konnte die FAZ am 5. November melden, "Jan Philipp Reemtsma hat die Wanderausstellung über Wehrmachtsverbrechen einstweilen zum Stehen gebracht". Das reicht der Kommandozentrale in Frankfurt allerdings nicht, denn der Initiator der Ausstellung hat damit erst mal nur den Tagesbefehl erfüllt. Die Anstrengung, durch neuerliche Forschungen weitere Dokumente beizubringen, können sich die Ausstellungsmacher nach Ansicht der FAZ-Historiker sparen. "Glaubwürdigkeit" erziele das Institut nicht, indem es "Quellen in den Dienst einer These" stelle, denn ein solches Vorgehen vertrage sich nicht mit der "sauberen Anwendung des historischen Handwerkszeugs". Deshalb sollen die Sozialwissenschaftler bitte schön ihren ganzen Krempel einpacken und das Feld räumen, die Historiker möchten in Ruhe arbeiten. Und über eine These scheinen die Geschichtshandwerker auch schon zu verfügen. "Dass reguläre Wehrmachtseinheiten an Staatsverbrechen beteiligt waren, ist seit Jahrzehnten gesicherte Einsicht. Die Ereignisse der ersten Kriegsjahre im Osten halten darüber hinaus, wenn man sich ihnen ernsthaft forschend - also fragend - nähert, wohl auch neue Einsichten bereit." Fehlen eigentlich nur noch die Belege.



Spaß bis 45

Junge türkisch-deutsche Leute geben "ihr Geld eher für Qualitätsprodukte und Statussymbole" aus als deutsche Konsumenten. Sagt Ozan Sinan, Chef von etap, dem neuen monatlichen Magazin für "modernes deutsch-türkisches Leben". Nachdem Großunternehmen wie o.tel.o und DaimlerChrysler die Kaufkraft der türkischen Community entdeckt haben, gibt es mit etap auch ein zielgruppengenaues Medium. Ozan Sinan, der in der Vergangenheit die deutsch-türkische HipHop-Gruppe Cartel managte, leitet Redaktion und Verlag, an dem er auch finanziell beteiligt ist. etap wird per Post kostenlos an 250 000 Haushalte verschickt. Nach drei Monaten soll das Heft dann für fünf Mark am Kiosk erhältlich sein. In Deutschland leben 1,2 Millionen Deutsch-Türken unter 45 Jahren. Wie viele davon so erfolgreich, integriert und spaßorientiert sind, wie die etap-Macher ihre Leserschaft beschreiben, wird sich zeigen.



"Lindenstraße" geht nach Osten

Ausgerechnet im Tal der Ex-Ahnungslosen will die "Lindenstraße" ihre Quote retten. Nach zaghaften Schritten in Richtung Osten, z.B. mit einem Besuch der "Lindenstraßen"-Bewohner bei der Bundesgartenschau in Magdeburg, verschlägt es jetzt Klaus Beimer und Philipp Sperling nach Dresden, wo die beiden studieren werden. Mit dem Ost-Uni-Thema wollen die Macher die sinkende Einschaltquote bekämpfen: Mehr Osten und mehr junge Leute seien gefragt. Denn bei den 16- bis 19jährigen hat sich die Quote in den letzten Monaten halbiert, und im Osten hielt sich das Interesse schon immer in Grenzen.


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