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27. Oktober 1999
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"Sein eigener Schlachtruf 'Hossa, Hossa' zermürbte ihn."

Uwe Hübner im Berliner Kurier vom 24. Oktober 1999 zum Selbstmord-Versuch von Rex Gildo.

Ja, hingucken!

Die Idee muss dem Verteidigungsminister irgendwann zwischen Strategie-Sitzung im Nato-Rat und Gulaschsuppe bei der Truppe gekommen sein. "Wir dürfen nicht wegsehen", hat Rudolf Scharping seine eigenen Kriegserlebnisse in den schweren Stunden des Kosovo-Krieges betitelt. Und was ihn über drei Monate hinweg so aufwühlte, elektrisierte und empörte, will er nun auch anderen nicht mehr vorenthalten. Deshalb heißt es jetzt freie Fahrt an die Front - auf Kosten des Verteidigungsministeriums: Ab Mitte November bietet die Bundeswehr-Ausbildungsstätte in Hammelburg Spezialkurse für Kriegsreporter an.

Vier Tage lang werden dann ausgewählte Journalisten darauf vorbereitet, Scharpings starke Schützen in Krisenherde auf aller Welt zu begleiten: Nicht wegsehen, sondern hingucken lernen sollen die rasenden Reporter, wenn - ob nun in Grosny oder Dili, in Prizren oder Pale - Granatsplitter geflogen kommen, Schützengräben ausgehoben und Massengräber entdeckt werden. Und, wie schon im Krieg gegen das mörderische Regime Milosevics, steht die Menschlichkeit bei den militärischen Ausbildern ganz oben auf der Tagesordnung: In bestimmten Ernstfällen, so das Verteidigungsministerium, müsse die Erste Hilfe schon vor dem Exklusivfoto stehen. - Je nachdem, wie effektiv die Schulung läuft, sollen weitere Trockenübungen folgen.

Bilderstreit um Wehrmachtsausstellung

Das Timing stimmte, und die FAZ handelte sofort: In zwei dieser Tage erschienenen Aufsätzen wird dem Hamburger Institut für Sozialforschung vorgeworfen, die Wehrmachtsausstellung gehe unwissenschaftlich mit Bildern und Bildquellen um. "Fotos der Wehrmachtsausstellung falsch zugeordnet", verkündete die FAZ und löste damit erneut eine öffentliche Diskussion um die seit 1995 gezeigte Wanderausstellung aus. In der aktuellen Ausgabe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte meldet der polnische Historiker Bogdan Musial Bedenken bei der korrekten Zuschreibung bei neun der insgesamt 1 433 Bilder an. Die Fotos zeigen seiner Ansicht nach nicht die Opfer von Wehrmachtsverbrechen, sondern die exhumierten Leichen von Häftlingen, die der sowjetische NKWD ermordete.

Musial begründet dies u.a. damit, dass die auf den Bildern gezeigte Szenerie für das Vorgehen der deutschen Wehrmacht eher untypisch sei. Die Deutschen, so Musial, hätten Massenhinrichtungen anders durchgeführt und die Leichen in der Regel in Gruben verscharrt, die sie zumeist von den Opfern selbst ausheben ließen.

Einen großzügigen Umgang mit der Wahrheit wirft auch der ungarische Historiker Kriszt'an Ungv‡ry den Ausstellungsmachern vor und schätzt seinerseits nicht minder großzügig, dass lediglich zehn Prozent der in der Ausstellung gezeigten Bilder eindeutig Taten der Wehrmacht zeigen. Die Macher bewegten sich auf dem "Niveau eines Landserheftes", behauptet er in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Geschichte in Wissenschaft und Unterricht.

Das Hamburger Institut für Sozialforschung hat inzwischen erklärt, dass man auf die Kritik eingehen werde und räumt ein, dass "die Ausstellung, wie sie seit 1995 präsentiert wird, im Wesentlichen den Forschungsstand und das Archivwissen von damals" wiedergibt. "Dank der Interventionen von Besuchern, Zeitzeugen und auch von Wissenschaftlern", so die Erklärung, "konnten allerdings auch wichtige Präzisierungen vorgenommen werden. (...) Es kann jetzt die Ermordung politischer Häftlinge durch den NKWD in Tarnopol und Zloczow genauso dokumentiert werden wie der nachfolgende Massenmord an der jüdischen Bevölkerung durch deutsche Besatzungsinformationen und ihre einheimischen Helfer."

Die FAZ, die Dramaturgin des jüngsten Bilder-Streits, hat unterdessen beschlossen, dass die Debatte Schnee von gestern ist und demonstriert, wie man in Deutschland wirklich Geschichte macht: Die "Frage nach deutscher Schuld" sei mit dem Kosovo-Krieg "endgültig in die Frage nach deutscher Verantwortung übergegangen. Die Ausstellung und der Streit um sie sind selbst Geschichte geworden."

Pudding für Rabehl

Klassische Wurfgeschosse linker Militanz wie Tomaten, Eier, Torten, Farbbeutel, Pflastersteine oder Gehwegplatten haben ausgedient. Jetzt neu, jetzt soft: der Schokoladenpudding. Erprobt wurde seine Wirkung vom "Bündnis gegen Rabehl" während eines Seminars des Lehrbeauftragten am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität Berlin. Mit dem Puddingwurf auf den Ex-Linken, der neuerdings ein paar Sorgen der Rechten teilt, sollte "Rabehls braune Einstellung angegriffen" werden, erläuterte das Bündnis die Farbsymbolik in einer Presseerklärung. Wenn's hilft.


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