| Volltreffer in Grosny
Bei der Bombardierung der tschetschenischen Hauptstadt Grosny landete die russische Armee am vergangenen Donnerstag einen Volltreffer - auf dem zentralen Marktplatz. Mehr als 140 Zivilisten wurden dabei getötet, bis zu 400 verletzt. Nach tschetschenischen Angaben handelte es sich um einen Angriff mit Boden-Boden-Raketen.
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte eine originelle Version der Attacke auf Lager: Auf dem Markt sei bei Auseinandersetzungen zwischen tschetschenischen Separatisten ein Waffenlager explodiert.
Am Samstag haben die russischen Truppen ihre Einheiten um die Stadt zusammengezogen und Dörfer rund um Grosny beschossen. Russischen Informationen zufolge befinden sich hier die Stellungen der Rebellen, die einen Verteidigungsring um die Stadt aufbauten und zudem versuchten, in den benachbarten Kaukasus-Provinzen Kämpfer anzuwerben. Russische Truppen sperrten unterdessen die Straße zwischen Grosny und Nazran, der größten Stadt in der Nachbarregion Inguschetien. Damit ist die wichtigste Fluchtroute der Zivilisten aus dem Kampfgebiet blockiert.
Kritik aus den USA und der EU an der militärischen Offensive wies Moskau zurück. Parlamentssprecher Gennadi Selesnjow, Mitglied der KP, sagte, weder die USA noch ein anderes Nato-Land habe "das moralische Recht, Russland zu sagen, wie es einen akuten Konflikt im Nordkaukasus beizulegen habe", und verwies auf den Nato-Krieg gegen Jugoslawien.
Atombomben in Kuba
Die Regierung der USA hat zwischen 1945 und 1977 in 15 verbündeten Staaten Atombomben stationiert, berichtete die Washington Post am vergangenen Mittwoch. Dies geschah, wie ein Dossier des Pentagons von 1978 besagt, meistens ohne das Wissen der Regierungen der jeweiligen Staaten. Das Natural Resources Defense Council, eine in Washington ansässige private Forschungsgruppe, hatte die Pentagon- Unterlagen angefordert, als deren Status als Verschluss-Sache letztes Jahr aufgehoben wurde.
Das Pentagon hatte die Namen aller beteiligten Länder außer Kuba, der BRD und Großbritannien geschwärzt; die Forschungsgruppe konnte aber aus dem Zusammenhang noch 12 weitere Länder identifizieren. In Japan stationierten die USA während der US-chinesischen Krise 1954/55 Atombomben, allerdings ohne Sprengköpfe. In Island, dessen Regierungen stets gegen die Atompolitik der Nato protestiert hatten, waren komplette Bomben auf der US-Militärbasis Thule deponiert. Während der Kubakrise lagerten "nuklearfähige" Anti-U-Boot-Bomben auf der US-Militärbasis Guant‡namo - die Sprengköpfe allerdings 90 Meilen entfernt in Florida. Wenn Chruschtschow das gewusst hätte.
Atomwaffen-Fetischist gekickt
Einen schönen Vergleich hatte sich Shingo Nishimura zusammengebastelt: "Wenn Männer für die Vergewaltigung von Frauen keine Strafe erwarten müssten, wären alle Männer - inklusive mir - Vergewaltiger." Er deutete an, dass die Ablehnung von Atomwaffen gleichbedeutend damit sei, Vergewaltigung zu dulden. Die Zeit für eine nationale Debatte sei gekommen, ob Japan mit nuklearer Abschreckung nicht "besser dran" sei, meinte er. All das in einem Interview mit Japan's Weekly Playboy.
Das kostete den altbekannten Aufrüstungs-Hardliner von der Liberalen Partei seinen Posten als Vize-Verteidigungsminister. Auf den hatte ihn im vergangenen Monat überraschend Japans Premier Keizo Obuchi gehievt.
Die New Japan Women's Association nannte Nishimuras Äußerungen zu Vergewaltigungen "beleidigend", die größten oppositionellen Parteien Japans verlangen nun eine Untersuchung von Obuchis Verantwortlichkeit. Der japanische Staat hat drei Anti-Atombomben-Prinzipien angenommen: Er will Atomwaffen weder besitzen noch produzieren, noch transportieren.
George W. redesigned
Wer am vergangenen Dienstag die neue Internetseite des US-Präsidentschaftskandidaten George W. Bush besuchte, konnte eine Überraschung erleben. Statt Bushs Konterfei war da ein Hammer-und-Sichel-Emblem zu finden; statt eines Popagandatextes für Bush der Hinweis, dass "Erfolg oder Niederlage der Arbeiterklasse von einer Revolution der Führung abhängt". Kommentar eines Webdesigners aus Tennessee, der die Seite entdeckt und gespeichert hatte: "Nicht subtil."
Der Zugang zum Computersystem der Bush-Kampagne war möglich, weil die Systemadministratoren vergessen hatten, Reste eines Programmes zu löschen. Bei der verwendeten Netzsoftware aus dem Hause Microsoft waren aber schon im letzten Jahr Sicherheitsmängel festgestellt worden, berichtete die Washington Post.
Bibis Geldprobleme
Geschenkt ist geschenkt, dachte sich der ehemalige israelische Premierminister Benjamin Netanyahu. Doch das israelische Gesetz sieht vor, dass ein abgewählter Premier alle Geschenke, die er während seiner Amtszeit erhalten hat, an den Staat zurückgeben muss. Das muss Netanjahu entgangen sein. Denn bei einer Hausdurchsuchung hat die Polizei am Mittwoch vergangener Woche zu Hause bei den Netanjahus und in einem staatseigenen Lagerraum Kisten mit Gold, Silber und wertvollen Gemälden gefunden. Der Vorwurf der Unterschlagung kommt dem Ex-Premier sehr ungelegen. Schließlich läuft bereits ein Ermittlungsverfahren gegen ihn: Er soll in den letzten drei Jahren private Reinigungs- und Handwerksarbeiten aus der Staatskasse bezahlt haben. Für Netanyahu, der momentan seinen Lebensunterhalt als Vortragsreisender in den USA bestreitet, ist klar: Solche Vorwürfe sind "politisch motiviert".
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