Welt der Warenform II
Esst Actien!
Wie bekommt man Geld ohne Arbeit? Auf die Frage, wie man am besten Geld beschafft, gibt es viele Antworten. Sozi? Lotto? Autos klauen? Die meisten taugen nichts. Am aussichtsreichsten ist noch der Versuch, die Kapitalisten mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, also mit dem Kapital-Symbol schlechthin: der Aktie!
Viele werden nun denken, dass so etwas gar nicht so einfach geht. Falsch! Diese Maßnahme der Geldbeschaffung bietet gleich mehrere Vorteile: Man kann sich damit Geld beschaffen (1), eine Geld-Beschaffungs-Messe organisieren (2), den Geldfetisch lächerlich machen (3), die Abschaffung des Geldes fordern (4) und das sogar in einer Geldzeitung, zum Beispiel in der FAZ vom 14. Oktober (5), alles neben dem Kontoauszugsordner aufhängen (6) und sich damit nebenbei eine schöne Erinnerung (7) an die Zeiten leisten, als Geld noch ein Problem war. Kurz, eine Aktie ist eine prima Sache (8).
Auf der Geld-Beschaffungs-Messe im Berliner Kulturzentrum Pfefferberg wurde vergangene Woche der Prototyp vorgestellt, die GMB-Actie. Das ist "eine von 666 mündelsicher lombardierten Volkseinzelakzepten und zeichnet keinen weiteren Wert als ihren Wert an sich. Durch das baldige Shreddern von 500 Exemplaren sichern wir nicht ihren Emissionswert, sondern bürgen, im Falle Alles-gut-gehens, für manch schnittigen Zuwachskoupon! Bei Kux- oder Anleihestockfragen repartierten Sie ungeniert ihre nahegelegene Wechselstube!"
Hat man das alles oft genug kopiert, muss man jetzt nur noch die Aktie verkaufen. Dazu sollte man überzeugt sein, dass GBM-Actien eine prima Sache sind (1), in der Geldzeitung die Abschaffung des Geldes fordern (2), eine Geldmesse organisieren (3) und anschließend den Kontoauszugsordner aus dem Fenster werfen (4). Im Falle des Alles-schief-Gehens (5) hat man dann immerhin eine schöne Erinnerung (6).
anton landgraf (7,8)
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