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20. Oktober 1999
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Botschaft oder Funkstation?

Die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad während des Kosovo-Krieges war möglicherweise doch beabsichtigt. Nato-Vertreter bezeichneten damals den Beschuss der Botschaft als Irrtum und entschuldigten ihn recht phantasievoll mit dem Hinweis auf veraltete Stadtpläne. Doch tatsächlich hatte die Nato, so der britische Observer, aus der Botschaft Funksignale empfangen und daraufhin dort eine Funkstation der jugoslawischen Armee vermutet, welche sie ausschalten wollte. Die Zeitung spekuliert, dass die Chinesen Milosevic auch behilflich waren, um Informationen über den bei Belgrad abgeschossenen US-Tarnkappenbomber vom Typ F-117 zu bekommen.

Sicherheits-Simulationen

Die Atomanlagen in Japan sollen nach dem schweren Unglück vor zwei Wochen in Tokaimura nun alle drei Monate überprüft werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll zudem ein "Atomunfall-Simulator" für drei Milliarden Yen (52 Milliarden Mark) gebaut werden, teilte das Ministerium für Internationalen Handel und Industrie (Miti) mit. Außerdem sollen in Atomkraftwerken Stoffe zum Einsatz kommen, die sich bei Material-Ermüdungen verfärben. Die Zahl der offiziellen Strahlenopfer hat sich indessen auf 69 erhöht.

Straßenkämpfe in Jakarta

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta gab es fünf Tage vor der Präsidentenwahl schwere Auseinandersetzungen zwischen 10 000 DemonstrantInnen und der indonesischen Polizei. Die Sicherheitskräfte stürmten die Universität Atmajaya und setzten Schlagstöcke, Wasserwerfer und Tränengas gegen die StudentInnen ein. Anlass der Straßenschlachten war der Rechenschaftsbericht Habibies vor der Beratenden Volksversammlung. Mit seiner Rede versuchte sich Habibie zu entlasten und machte seinen Vorgänger Suharto für alle Probleme verantwortlich. Die Protestierenden forderten den Rücktritt Habibies, der sich Mitte dieser Woche der Wiederwahl durch die Beratende Volksversammlung stellt.

Kämpfe vor Grosny

Der russische Kommandeur in Tschetschenien, General Viktor Kasanzew, erklärte die erste Phase des Krieges gegen die abtrünnige Kaukasusrepublik mit der Schaffung einer Sicherheitszone im Norden für abgeschlossen. Zu Beginn der zweiten Phase beschossen die russischen Truppen Dörfer und Industrieanlagen bei Grosny und besetzten die umliegenden Hügel. Am Sonntag waren die Truppen bereits in Sichtweite der Hauptstadt. Der russische Präsident Boris Jelzin erklärte, Ziel des Einmarsches sei sie "Liquidierung der Orte des internationalen Terrorismus". Unterdessen sollen nach tschetschenischen Angaben bereits 2 000 Zivilisten der russischen Offensive zum Opfer gefallen sein.

Iran unterstützt islamistischen Terror

Nun gibt es Kritik am Iran zum ersten Mal auch von palästinensischer Seite: Nach Angaben des Leiters des palästinensischen Sicherheitsdienstes in der Westbank, Jibril Rajoub, unterstützt der Iran die militanten islamischen Organisationen Hizbollah, Islamischer Jihad und Hamas, um den Friedensprozess im Nahen Osten zu verhindern. Rajoub betonte, dass die palästinensischen und israelischen Sicherheitsdienste inzwischen eng zusammenarbeiten. So stelle der palästinensischen Sicherheitsdienst seine Informationen über die Gefahr von terroristischen Angriffen gegen Israel dem israelischen Premierminister Ehud Barak zur Verfügung.

Der Jerusalem Post zufolge planen die drei Mitglieder des Islamischen Jihad, die Anfang Oktober aus dem Gefängnis von Nablus geflohen sind, weitere Terroraktionen in Israel. Hamas hatte kürzlich erklärt, nur dann die Anschläge gegen israelische Zivilpersonen zu beenden, wenn Israel seine Siedlungspolitik ändere.

Söldner und Diamanten

Auf Sierra Leone lastet der Reichtum an Diamantenvorkommen wie ein Fluch. Diese Woche kommt die US-amerikanische Außenministerin Madeleine Albright zu Besuch in das kleine westafrikanische Land, um zum neuen Frieden zu gratulieren. Mit der Einigung zwischen der Revolutionary United Front (RUF) und der Regierung wurde vorläufig ein achtjähriger Krieg beendet, der in seiner Brutalität und Länge nur durch die Unterstützung von außen möglich war. Dabei waren alle ausländischen Personen und Gruppen, die in diesem Krieg ihre Finger im Spiel hatten, nur an einem interessiert: Diamanten. Nach Informationen der Washington Post kaufte sich die Regierung von Sierra Leone mit Diamanten und der Vergabe von Schürfrechten bei einer südafrikanischen und einer britischen Militär-Firma Söldner ein. Die im Februar 1998 zu Hilfe geeilten nigerianischen Truppen vertrieben zwar die RUF aus einem Teil des kongolesischen Diamantengebietes, doch bedienten sie sich dann erst einmal monatelang selbst an den Diamantengruben.

Auch die RUF erhielt Waffen und militärische Unterstützung aus dem Ausland, vor allem aus Liberia. Über den Nachbarstaat wird der Schmuggel der Diamanten aus Sierra Leone nach Belgien auf den weltgrößten Diamantenmarkt organisiert - ein lohnendes Geschäft. Die Washington Post berichtet zudem von Geschäftsleuten aus aller Welt, die für den illegalen Export von Diamanten die RUF mit Waffen, militärischem Know-how und Ausbildern ausgerüstet haben.

Der Fall Sierra Leone ist exemplarisch. Angola, Kongo, Liberia, Nigeria - seit dem Ende des Kalten Krieges sind es vor allem die internationalen Firmen und das Geschäft mit den afrikanischen Bodenschätzen, die die Bürgerkriege des Kontinents fördern.


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