Kein
Zusammenhang
Zwei
ungezündete Brandsätze wurden einige Tage nach
der Schändung des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee
gefunden. Ob sie neu dort angebracht oder auf
Grund schlampiger Ermittlungen erst so spät
bemerkt wurden, ist nicht bekannt. Am 10. Oktober
entdeckten Friedhofs-Mitarbeiter eine Leiter und
zwei ungezündete Molotow-Cocktails auf einer der
Mauern. Anfang Oktober waren auf dem Friedhof
mehr als hundert Grabsteine umgeworfen worden.
Ein Zusammenhang zwischen den Brandsätzen und
den Grabschändungen sei aber derzeit nicht
herzustellen, meinten die ermittelnden Beamten.
Einer rein, eine
raus
In
Frankfurt am Main wurde am Mittwoch vergangener
Woche ein 56jähriger Mann festgenommen, der ein
Vierteljahrhundert zuvor den Revolutionären
Zellen (RZ) angehört haben soll. Der Frankfurter
sei, so die Ermittlungsbehörden, indirekt am Überfall
der RZ auf die Opec-Konferenz am 21. Dezember
1975 beteiligt gewesen, bei dem zwei Wachleute
und ein Delegierter getötet und 70 Geiseln
genommen worden waren. Er habe den Tatort "ausgespäht"
und konspirative Wohnungen angemietet. Der
Karlsruher Haftbefehl lautet auf Beihilfe zum
Mord.
Ausgesetzt
wurde am selben Tag der Haftbefehl gegen die
Stuttgarterin Barbara Meyer. Die Karlsruher
Bundesanwaltschaft begründete diese Entscheidung
damit, dass sich Meyer dem Strafverfahren
voraussichtlich freiwillig stellen werde und genügend
"soziale Bindungen" habe. Barbara Meyer
hatte sich im Mai bei den Ermittlungsbehörden
gemeldet. Ihr wird vorgeworfen, als RAF-Mitglied
an Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein.
Ihr früherer Ehemann, Horst Ludwig Meyer, war im
September in Wien erschossen worden, als er
versuchte, sich bewaffnet seiner Verhaftung zu
entziehen.
Einer raus
Die
Aussichten für den Bau des Transrapid werden
offensichtlich immer schlechter. Zwar betonte
Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt vergangene
Woche, der Bund stehe zu seinen Zusagen von
Subventionen in Höhe von 6,1 Milliarden Mark.
Die Bundesregierung könne und wolle sich aber
nicht auf eine Dauersubventionierung einlassen.
Demgegenüber
beklagte der Präsident der Deutschen
Bahnindustrie, Peter Witt, auf einer
Mitgliederversammlung in Leipzig, dass das
Gerangel über den Bau der Magnetschwebebahn ein
abschrekkendes Beispiel dafür sei, wie
Innovationen nicht schnell genug wahrgenommen
werden könnten.
Einige
Tage vorher war bekannt geworden, dass sich
DaimlerChrysler-Tochter Adtranz aus dem Industrie-Konsortium
der Betreiber ziehen und nicht mehr am Bau der
nun als einspurig geplanten Trasse zwischen
Hamburg und Berlin beteiligen wolle. Auch bei
Siemens und der Deutschen Bahn mehren sich nun
die Stimmen dafür, auf den teuren Bau des
Transrapid zu verzichten.
Für
die Dachverband BürgerInnen gegen den Transrapid,
dem mehr als 60 Bürgerinitiativen angehören,
forderte der Bündnisgrüne Friedrich Heilmann am
13. Oktober: "Abbruch der Planung! Wenn sich
die Bundespolitik nicht traut, kann sie sich gern
auf uns berufen!"
Viele raus
Mit
einem Festakt in München, einer Sonderbriefmarke
und einer 10 Millionen Mark teuren Kampagne zur
Aufpolierung des eigenen Image beging der DGB am
13. Oktober seinen 50. Geburtstag. Ganz im
bekannten konservativen Sozi-Stil ließ man zur
Feier des Tages auch Bundeskanzler Gerhard Schröder
unwidersprochen die Politik der rot-grünen
Koalition als "sozial" referieren. DGB-Chef
Dieter Schulte, dessen öffentliche Befürwortung
des Bombenangriffs in Jugoslawien noch vor
einigen Monaten zur DGB-internen Rücktrittsforderungen
geführt hatte, zeigte sich als souveräner Schönredner
der Geschichte des Dachverbandes. Der DGB wisse
um die Effizienz und Produktivität der
markwirtschaftlichen Ordnung. Eine "Sternstunde"
des DGB sei neben der betrieblichen Mitbestimmung
auch der Dresdner Kongress 1996 gewesen, auf dem
sich der Gewerkschaftsverband ausdrücklich zur
Marktwirtschaft bekannt habe. Die
Skandalgeschichten des DGB blieben wie erwartet
außen vor: Neue Heimat, Co-op und nicht zuletzt
die Gewerkschaftsausschlüsse der siebziger Jahre.
Auch die innerhalb der Einzelverbände massiven
Widerstände gegen die Einverleibung der
kleineren Gewerkschaften bis hin zur demnächst
geplanten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
wurden als "historischer Schritt" in
die Zukunft bezeichnet.
Seit
1990 haben über eine Million Gewerkschafter den
noch etwa achteinhalb Millionen Mitglieder
starken DGB verlassen.
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