Deutsches Haus
"Die
Drohung mit Selbstmord reicht nicht aus, um eine
Aufenthaltsverlängerung zu erreichen",
meinte der stellvertretende Leiter der
Frankfurter Ausländerbehörde, Heiko
Kleinsteuber, man wolle keine Präzedenzfälle
schaffen. Anlass der Aussage war ein
Kompetenzstreit in Frankfurt am Main, in dem
vergangene Woche die Frankfurter Gesundheitsbehörde
vor einer geplanten Abschiebung warnte. Ein seit
20 Jahren in Frankfurt am Main lebender
tunesischer Mitarbeiter bei der Frankfurter
Stadtentwässerung soll trotz gesundheitlicher
Bedenken ausgewiesen werden. Dem 42jährigen war
nach einer Ehescheidung eine Scheinheirat
unterstellt worden. In Eberswalde wurden am 8.
Oktober - zwei Wochen nach einem Überfall auf
schwarze US-amerikanische Militärmusiker in
Prenzlau - die fünf mutmaßlichen Täter
festgenommen. Bei dem Brandanschlag im März auf
eine Pizzeria in Schwerin soll ein V-Mann des
Verfassungsschutzes beteiligt gewesen sein. Das
Schweriner Innenministerium bestätigte dies am 9.
Oktober. Am Abend des selben Tages wurde eine
Asylbewerber-Unterkunft in Bad Grund (Harz) von
zehn maskierten, mit Baseball-Schlägern ausgerüsteten
Männern überfallen. Einer der beiden Verletzten
aus dem Kongo war auch vier Tage nach dem Überfall
noch nicht vernehmungsfähig. Die
Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass es
sich um rechtsradikale Täter handelte, es könne
aber, so ein Sprecher, auch ein Streit in der
Drogenszene sein, da die Asylbewerber als Dealer
fungiert hätten. Die Asylbewerber aus Afrika
verbrachten die Nacht zum Montag freiwillig in
Arrestzellen der Polizei, weil sie Angst vor
einem neuen Überfall hatten. Bundesinnenminister
Schily und sein makedonischer Amtskollege
Trajanov unterzeichneten am 10. Oktober ein
Abkommen, nach dem Kriegsflüchtlinge aus dem
Kosovo ab sofort über den Flughafen Skopje zurückkehren
können. In diesem Zusammenhang äußerte Schily:
"Aber es muss klar sein, dass eine Rückkehr
nicht in das Belieben der Flüchtlinge gestellt
ist." Er schließe auch eine zwangsweise Rückführung
noch dieses Jahr nicht aus. Selbst innerhalb der
Regierung ist diese Ankündigung auf Kritik gestoßen.
Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung,
Marieluise Beck, und auch das Flüchtlingshilfswerk
der Vereinten Nationen warnten vor "zu
schnellen Rückführungen" in das Kosovo. In
der Nacht zum 11. Oktober drangen drei Männer in
eine Asylbewerberunterkunft in Hamburg-Schnelsen
ein und bedrohten die Bewohner mit einer
Schusswaffe. Am 12. Oktober wies das
Oberlandesgericht in Frankfurt/Oder eine
Beschwerde des Brandstifters von Dolgenbrodt zurück.
Der Mann muss demnach seine Haftstrafe antreten,
weil er den Bewährungs-Auflagen nicht
nachgekommen war. Er hatte 1992 im Einvernehmen
mit Dorfbewohnern ein geplantes Asylbewerberheim
angezündet. In Cottbus wurde am 12. Oktober das
Verfahren im so genannten Gubener "Hetzjagd-Prozess"
für einige Wochen auf Grund von
Gesundheitsbeschwerden des Hauptangeklagten
unterbrochen. Ein 20jähriger Algerier war auf
der Flucht vor den Angeklagten verblutet. Am 13.
Oktober entließ der private Fernsehsender TV-Berlin
seinen Moderator Christian Rahbari. Dessen nächtliche
Talk-Runde wurde wegen Antisemitismus mit
sofortiger Wirkung abgesetzt. In Leipzig wurden
am 13. Oktober fünf männliche Jugendliche
festgenommen, nachdem sie in ein
AsylbewerberInnenheim eingedrungen waren und
Leuchtraketen gezündet hatten. krö/ley
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