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13. Oktober 1999
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Feuilleton Nachrichten

Forelle Blau

"Was macht den Musterknaben ticken? (...) Schwere Kindheit? Da kommt man der Sache schon näher, aber nicht nahe genug. Der Metzgersohn, armer Leute Kind, das hat er oft genug hervorgekehrt, als hätte er 'Mein Kampf' gelesen."

Rudolf Augstein im Spiegel vom 4. Oktober über Joseph Fischer und die Grünen

Sich gehen lassen mit Walser

Martin Walser hat letzte Woche in der Zeit erklärt, wie seine Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998 zu Stande gekommen ist. Sein Aufsatz heißt: "Sprache, sonst nichts", und er behandelt das Verhältnis von Sprache und Schriftsteller. Dieses Verhältnis sieht so aus: Die Sprache ist einfach da, und der Schriftsteller auch. Die Sprache verwaltet nicht Geschichte und Gesellschaft, "die Sprache ist nichts anderes als eine Verwaltung des Nichts". Treffen Schriftsteller und Sprache aufeinander, fragt sich der Schriftsteller: "Wie also schreibt man ein Buch mit ihr?" - "Dich gehen lassen", antwortet die Sprache. "Wenn du dich gehen lässt, kommst du dir näher."

Die Sprache, folgert Walser, "ist also ein Produktionsmittel. Allerdings eins, über das man nicht Herr ist (...). Sie liebt den Zugriff so wenig wie der Traum. Und sie wird tonlos und starr, wenn du glaubst, du könntest durch sie etwas mitteilen, was du schon weißt. Sie will nicht bloß benutzt werden. Sie ist kein Transportmittel. Was entsteht, soll durch sie entstehen." Und so entstand es. Und Walser, vertraut mit dem Eigensinn der Sprache, stand vor dem Ergebnis seiner eigenen Rede: "Natürlich muss das, was man schreibt, überraschend sein für den, der schreibt." Die Frankfurter Rede war also eine Art Bekanntmachung der Verwaltung des Nichts. Und Walser das Medium.

New Wave für die Ukraine

Zumindest die Wirtschaft weiß, was sie an der Deutschen Welle hat. Sie sei "notwendig, um ein realistisches und positives Bild von Deutschland zu entwickeln", erklärte Matthias Kleinert bei einer Anhörung der CDU-Bundestagsfraktion in Berlin. Kleinert ist ein hoher Funktionär beim Deutschen Industrie- und Handelstag und Generalbevollmächtigter von Daimler-Chrysler. Für seine Firma sei Auslandsrundfunk wichtig, denn "in Ländern, in denen wir wirtschaftlich noch nicht so weit vorangekommen sind wie die Konkurrenz", werde die deutsche Selbstdarstellung gebraucht. Aus diesem Grund habe er mehrfach mit dem Intendanten der Deutschen Welle, Dieter Weirich, telefoniert und ihn "gebeten", das geplante Ukraine-Programm nicht den Streichungen zu opfern.

Und siehe da: Als am vergangenen Mittwoch Weirich den Kürzungsfahrplan bekannt gab, fanden sich unter den gestrichenen Programmen die Radiosender in Japan, in ganz Lateinamerika und in Osteuropa. Nur das umstrittene neue Ukraine-Projekt war wie durch ein Wunder von den Kürzungen ausgenommen worden. Von wegen Staatsrundfunk.

Sitt!

Bislang wurde der Zustand, in dem sich einer nach zehn Bier befand, mit Worten wie "voll", "fertig" oder "besoffen" bezeichnet. Demnächst soll es nach Duden heißen, jemand sei "sitt", wenn er genug getrunken hat, und zwar unabhängig davon, ob es um Alkohol oder Fruchtsäfte geht. Das neue Wort, das am vergangenen Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Hamburg vorgestellt wurde, ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, den die Getränkefirma Lipton ausgeschrieben hatte. Gefragt wurde nach einem Begriff, der das Gegenteil von "durstig" beschreibt, bisher eine Leerstelle der deutschen Sprache. "Sitt", das Gegenstück zu "satt", ist die Neuschöpfung des 17jährigen Jascha Froer aus Ludwigsburg bei Stuttgart. "Wenn sich das Wort durchsetzt, werden wir es in den Duden aufnehmen", erklärte Dr. Matthias Wermke, Leiter der Duden-Redaktion. "Sitt" hatte sich gegen rund 10 000 Vorschläge durchgesetzt, ausgemustert wurden u.a. "nurstig" und "dulip".

Jüdische Verlagsanstalt gegründet

Mit zwölf Titeln pro Jahr wird zum kommenden Frühjahr die Jüdische Verlagsanstalt Berlin an den Start gehen und ihr erstes Programm bei der Leipziger Buchmesse vorstellen. Die Bücher sollen sich mit dem Judentum in allen religiösen und kulturellen Erscheinungsformen beschäftigen und Materialien für den jüdischen Religionsunterricht bereitstellen. Die Verantwortung für das Programm tragen Julius H. Schoeps vom Moses- Mendelssohn-Zentrum Potsdam und der niedersächsische Landesrabbiner Walter Homolka.

Michael Jackson startet Solo-Karriere

Nach drei Jahren Ehe lassen sich Michael Jackson und Debbie scheiden. Die beiden trennen sich im gegenseitigen Einverständnis und wollen "Freunde bleiben". Warum sie sich trennen, bleibt im Dunkeln. Sie haben einen Sohn und eine Tochter - Prince und Paris -, und in der britischen Presse wurde immer schon gemunkelt, Jackson habe Debbie, die ehemalige Krankenschwester seines Hautarztes, für die Schwangerschaften bezahlt. Doch Genaueres weiß niemand. Seine letzte Ehe, mit Lisa Marie Presley, beendete Michael Jackson auf jeden Fall mit der Begründung, sie habe "seine Privatsphäre" nicht respektiert.


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