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International NachrichtenIndien den Hindus
Bei dieser Mischung würde selbst Vishnu übel: Nationalistische Parolen und religiöse Vorstellungen über eine reinrassige Hindu-Nation gehörten zum Grundprogramm der Indischen Volkspartei (BJP). Die schlichte Botschaft kam an, wie sich nun gezeigt hat: Bei den Parlamentswahlen hat die BJP wieder die absolute Mehrheit gewonnen. Mit ihren über 20 Bündnispartnern, die in der National-Demokratischen Allianz (NDA) zusammengeschlossen sind, verfügt Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee nun über die absolute Mehrheit. Nach vier gescheiterten Minderheitsregierungen in den letzten drei Jahren kann er damit auf die Bildung einer "stabilen" Regierung hoffen. Die Kongresspartei von Sonia Gandhi verbuchte hingegen das schlechteste Ergebnis seit 1947. Inhaltlich unterscheiden sich die Parteien in wesentlichen Bereichen kaum. Beide fordern ein militärisch starkes Indien und die Öffnung der Wirtschaft für in- und ausländische Investoren. Allein die Aussicht auf Deregulierung und die Rücknahme von Restriktionen im Kündigungs-recht ließen die indischen Börsenkurse letzte Woche hochschnellen. Strahlendes Japan Die Behörden im japanischen Tokaimura, wo sich am 30. September eine nukleare Kettenreaktion ereignete, müssen wahrscheinlich ihre Einschätzung des Atomunfalls nach oben korrigieren: von Stufe vier zu fünf auf der siebenstufigen Ines-Skala (International Nuclear Event Scale). Auch die Zahl der Verstrahlten, die nach offiziellen Angaben bei 63 lag, soll untertrieben gewesen sein. Greenpeace, das eigene Messungen bei der Uranverarbeitungsanlage vorgenommen hat, schätzte die Zahl der Strahlenopfer auf mehrere Hundert Menschen. Erst vier Stunden nach dem Unglück waren die Anwohner aus einem Umkreis bis zu 350 Metern evakuiert worden - zu wenig und zu spät, laut Greenpeace. Zudem gäbe es Hinweise auf einen radioaktiven Niederschlag in der Umgebung. German Connection Die Chancen auf eine Wiederwahl sinken immer weiter für den indonesischen Noch-Präsidenten B. J. Habibie. Nicht nur das Gemetzel der pro-indonesischen Milizen auf Osttimor und das polizeiliche Vorgehen gegen demonstrierende Studenten in Jakarta schaden der Reputation des alten Suharto-Freunds. Nun stehen ihm auch noch Korruptionsvorwürfe ins Haus. IWF und Weltbank haben vorerst ihre Finanzhilfen eingestellt, bevor nicht geklärt ist, wo die 70 Millionen Dollar der Bank Bali verblieben sind. Zudem ließ sich der ehemalige indonesische Staatsminister für Forschung und Technologie angeblich seine gute Zusammenarbeit mit der deutschen Industrie ausgiebig erstatten. Als Marktöffner hatte Habibie immer wieder besonders deutschen Firmen zu Großaufträgen in Indonesien verholfen. Nach Informationen des Spiegel belohnte zumindest in einem Fall die Firma Ferrostaal AG, eine Tochterfirma des MAN-Konzerns, Habibies Entgegenkommen mit 200 000 Mark auf sein Konto bei der Deutschen Bank in Hamburg. Chemical Warfare Der südafrikanische Kardiologe Wouter Basson hatte sich in den achtziger Jahren im Auftrag der weißen Apartheids-Regierung mit bakteriologischen und chemischen Waffen beschäftigt. Nun muss er sich wegen 16fachen Mordes und der Komplizenschaft in 200 weiteren Mordfällen in Pretoria vor Gericht verantworten. Basson hat an Inhaftierten medizinische Experimente vorgenommen und neue Techniken und Stoffe entwickelt, etwa um führende Kämpfer des African National Congress oder auch der South West African Peoples Organization zu ermorden. Die Leichen von etwa 200 Menschen, überwiegend Swapo-Guerillas, wurden aus Flugzeugen über dem Meer abgeworfen. All das wäre vermutlich nicht öffentlich geworden, wären nicht Vorwürfe aufgekommen, daß Basson rund 13 Millionen Dollar an Regierungsgeldern unterschlagen hat. Endstation für Terminator Monsanto muss auf den Vertrieb des so genannten Terminator-Gens verzichten. Die Terminator-Gentechnologie sollten dem Saatgut-Multi ein florierendes Geschäft garantieren: Das Saatgut mit eingebautem Terminator muss jährlich neu eingekauft werden, da die Pflanzen sonst ihre Resistenz verlieren. Selbst Landwirte, die ansonsten Genmanipulation für eine prima Sache halten, haben gegen das neue Monsanto-Produkt protestiert. Konzernchef Robert Shapiro räumte letze Woche ein, Monsanto habe mit seinen Vorstößen auf dem Gebiet der Gentechnologie "mehr Leute irritiert und verprellt statt überzeugt". Nun wird der Saatgut-Multi wohl mit neuen PR-Beratern in die zweite Runde gehen. Böcke und Gärtner Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wurde der jüdische Friedhof La Tablada in Buenos Aires geschändet. Am Vorabend von Jom Kippur, dem wichtigsten jüdischen Festtag, waren dort 63 Gräber beschädigt worden. Antisemitische Anschläge kamen in den letzten Jahren regelmäßig vor. Erst vor kurzem hatte sich das US-State Department besorgt über den Antisemitismus in Argentinien geäußert. Doch noch nie hat die Polizei einer der Täter überführen können. So wurden weder der Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 1992 noch das Attentat auf das jüdische Sozialwerk Amia bisher aufgeklärt. Das liegt vermutlich nicht allein an der Unfähigkeit der argentinischen Behörden. Die einzigen Verdächtigen, die wegen des Amia-Attentats festgenommen wurden, sind selbst Polizisten in Buenos Aires. Jungle World, Bergmannstraße 68, 10961 Berlin, Germany Tel. ++ 49-30-61 28 27 31 Fax ++ 49-30-61 28 20 55 E-Mail: redaktion@jungle-world.com |