Am ersten Streiktag befolgten den Aufruf nach Angaben der Gewerkschaften 90 Prozent der Beschäftigten, bis zu 1,5 Millionen Menschen legten ihre Arbeit nieder. Unterstützung erhielten die Streikenden von Studenten, die sich bei Demonstrationen Straßenschlachten mit der Polizei liefern mußten und von Kolumbiens größter Guerilla Farc. Deren Kämpfer besetzten ein Wasserkraftwerk und nahmen 100 Geiseln. Als die Farc versuchte, eine Polizeikaserne unter ihre Kontrolle zu bringen, wurden 50 Guerilleros von kolumbianischen Soldaten getötet.
Nach Zugeständnissen der kolumbianischen Regierung, die festgenommenen Streikenden freizulassen und keine Sanktionen gegen die Gewerkschaften zu verhängen, wurde der Generalstreik schließlich am Donnerstag ausgesetzt. Gewerkschafter übergaben den Regierungsvertretern bei Gesprächen eine Forderungsliste. Darin werden unter anderem die Einstellung der Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der sofortige Stopp der Privatisierungspläne sowie Gehaltserhöhungen, die oberhalb der Inflationsrate liegen, als Ziele benannt.
Argentinische Klarheiten
Endlich. Nach siebenjährigen Ermittlungen wollen die argentinischen Behörden herausgefunden haben, wer es war. Als mutmaßlicher Drahtzieher des Bombenanschlages auf die Israelische Botschaft in Buenos Aires im Jahr 1992, bei dem 22 Menschen getötet wurden, wird nun der international gesuchte Hisbollah-Führer Imad Mughniyah angegeben. Mughniyah wird zudem für den Anschlag auf die US-Botschaft in Beirut 1983 und die Entführung eines TWA-Flugzeugs von Athen nach Rom 1995 verantwortlich gemacht.
Als Grundlage für den Haftbefehl gegen den Hisbollah-Chef dient ein Kaufvertrag, der angeblich die Unterschrift eines mutmaßlichen Hisbollah-Mitglieds trägt. Nach Angaben der argentinischen Ermittler soll ein Brasilianer den bei dem Anschlag verwendeten Lkw gekauft haben. Dieser pflege Beziehungen zu Hisbollah-Gruppen, die in Süd-Paraguay an der Grenze zu Argentinien agieren sollen. Auch argentinische Polizisten waren nach den Ermittlungen an dem Bombenanschlag beteiligt.
Entschuldigung nach 211 Jahren
Tut er es, tut er es nicht? Diese Frage beschäftigt die australische Öffentlichkeit, und vor allem ihren indigenen Teil, seit Jahren. Vergangenen Donnerstag hat sich der konservative Premierminister John Howard endlich zu einer formalen Entschuldigung bei den Aborigines und Torres Strait Islanders durchgerungen, die anschließend vom Parlament ratifiziert wurde. Diese Geste der Versöhnung war seit Jahren Streitpunkt zwischen Labour und Konservativen, zwischen Vergangenheitsbewältigung und Vergangenheitsbeschwichtigung. Die jetzige Variante - vor allem durch Vermittlung des ersten indigenen Senators Aden Ridgeway zustandegekommen - ist ein Kompromiß. Zwar wurden "das Unrecht und die schlechte Behandlung" der Ureinwohner anerkannt und als "größte Schande" in der Geschichte des Landes bezeichnet, das vielfach geforderte Wort "Sorry" jedoch blieb aus.
Aus gutem Grund: Das offene Eingestehen einer Schuld oder Mitschuld könnte juristische Folgen haben. Schadensersatzklagen, insbesondere der Stolen Generation - verschleppter Aborigine-Kinder, die zur Assimilierung in weiße Waisenhäuser oder Familien gebracht wurden -, hätten auf einmal gute Chancen auf Erfolg.
John Howards Einlenken hat wenig mit Überzeugung und sehr viel mit politischer Taktik zu tun. Anfang November findet ein Referendum, ob Australien konstitutionelle Monarchie bleibt oder Republik wird, statt. Für Howard als überzeugten Monarchisten gilt es, Punkte zu sammeln. Auch, wenn man sich da mal entschuldigen muß.
Polittourismus in Indien
Auf nach Karnataka: Rund 150 PolittouristInnen aus aller Welt trafen sich Ende August für eine Woche in einem Kulturzentrum im südindischen Bundesstaat Karnataka zum zweiten internationalen Kongreß von Peoples' Global Action (PGA). Dahinter verbirgt sich ein im Februar 1998 in Genf gegründetes loses Netzwerk, das sowohl gegen Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) als auch gegen traditionelle linke Politik und Lobbyarbeit der Nichtregierungsorganisationen (NGO) agiert. Unter diesem Banner sammeln sich auf Gandhis Swadeshi-Ideen rekurrierende indische Bauernorganisationen mit Massenanhang, Landlosen-AktivistInnen aus Südamerika und VertreterInnen von Indigenen-Organisationen aus Aotearao, das gemeinhin unter dem Namen Neuseeland bekannt ist.
Mit Massenanhang konnten die wenigen westeuropäischen TeilnehmerInnen nicht aufwarten. Und doch war alles vertreten, was es an Schwärmern für die Befreiung von Land, Mensch und Tier gibt: Earth-First-AktivistInnen, französische Anarchobauern, versprengte Zapatista-Fans - mittendrin auch Linke auf der Suche nach einem neuen politischen Betätigungsfeld. Auf ein konkretes Aktionsziel konnte man sich einigen: Die WTO-Tagung Anfang November in Seattle soll zu einem Widerstandsfestival umgewandelt werden. Viele TeilnehmerInnen forderten darüber hinaus klare Positionen gegen Antisemitismus, Rassismus und Sexismus im PGA-Manifest und verwiesen darauf, daß PGA-Aktionen in Australien und Belgien von faschistischen Gruppen unterstützt wurden.
Südafrikanisches FBI
Das europäische Gerede über Mord und Totschlag in Südafrika zeitigt nun auch am Kap selbst seine Wirkung. Eine Sonderpolizei, die nach dem Vorbild des US-Bundeskriminalamtes FBI aufgebaut ist, hat Anfang vergangener Woche mit ihrer Arbeit begonnen. Der Sicherheitsminister Steve Tshwete der ANC-Regierung unter Thabo Mbeki will mit dem neu eingerichteten Direktorat für Sonderuntersuchungen - genannt Scorpione - einen "Krieg gegen Kriminelle" in Südafrika führen.
Die Leitung der Scorpione übernimmt der ehemalige Uno-Inspekteur für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslavien, Frank Dutton, dem insgesamt 200 Spezialpolizisten, Staatsanwälte, Gerichtsmediziner und Computerexperten unterstellt wurden. Die Anzahl der Spezialisten soll demnächst auf 2 000 aufgestockt werden.
- Die Nachrichten wurden von Ganama, Nowak und Soytetir
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